Am Beispiel von Sierra Leone sollen Machtstrukturen, Abhängigkeiten und gesellschaftliche Normen und Wertevorstellungen beleuchtet werden, die die Praxis weiblicher Genitalverstümmelung begründen, welche der vorherrschenden Bedingungen Ansatzpunkte liefern, die Aktivistinnen im Kampf dagegen aufgreifen und was die gewonnenen Erkenntnisse darüber aussagen, was in der Arbeit mit Betroffenen und Gefährdeten zu beachten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Beweggründe
1.2. Vorgehensweise
1.3. Fragestellung
1.4. Relevanz für die Soziale Arbeit
2. Über FGM/C
2.1. Terminologie
2.2. Definition
2.3. Typen
2.4. Gesundheitliche Risiken
2.5. Verbreitung weltweit
3. Sierra Leone
3.1. Geschichte und Struktur
3.2. FGM/C in Sierra Leone
3.2.1. Verbreitung
3.2.2. Riten, Religion und Glauben
3.2.3. Geheimbünde
3.2.4. Geschlecht durch Herstellung
3.2.5. Zusammenhänge
3.3. Strategien gegen FGM/C
4. Fazit für Soziale Arbeit in Deutschland
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die tief verwurzelten gesellschaftlichen, kulturellen und machtpolitischen Strukturen, die die Praxis der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) in Sierra Leone begründen und aufrechterhalten, mit dem Ziel, Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit in Deutschland im Umgang mit betroffenen oder gefährdeten Personen abzuleiten.
- Analyse der soziokulturellen und historischen Hintergründe von FGM/C in Sierra Leone.
- Untersuchung der Rolle von Geheimbünden und patriarchalen Machtstrukturen bei der Aufrechterhaltung des Rituals.
- Erörterung der Bedeutung von FGM/C für die Identitätsbildung und den gesellschaftlichen Status in Sierra Leone.
- Bewertung von Strategien zur Bekämpfung der Praxis durch Bildung und Empowerment.
- Ableitung kultursensibler Beratungsansätze für die Soziale Arbeit in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
1.1. Beweggründe
Vor ein paar Jahren bekam ich das Buch „Die Hälfte des Himmels“ in die Hand und stolperte bereits in Margot Käßmanns Vorwort darüber, dass wir innerhalb der europäischen Gesellschaft zwar viel für die Rechte von Frauen erreicht hätten, jedoch noch viel zu tun sei. „All das aber ist kaum vergleichbar mit der erschütternden, skandalösen Rechtlosigkeit von Frauen in Afrika, Asien und Lateinamerika.“ (Käßmann in Kristof/ WuDunn: 2009. S.9).
Da ich vorhabe, in den nächsten Jahren persönlich das SOS-Kinderdorf zu besuchen, in welchem ich ein Mädchen finanziell unterstütze, habe ich mich über die Verhältnisse des kleinen Landes informiert und stieß kürzlich in dem Buch „Endlich nach vorne leben“ über ein Kapitel über die Mädchen-Beschneidungspraxis in Sierra Leone. Dieses Kapitel gab mir zum ersten Mal einen Eindruck davon, welche gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen den Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung erschweren können. Um die hinter diesem Ritual steckenden Strukturen und Denkweisen tiefergehend zu verstehen, widme ich mich in dieser Hausarbeit diesem Thema.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt die persönlichen Beweggründe, die methodische Vorgehensweise, die zentrale Fragestellung und die Relevanz der Thematik für die Soziale Arbeit dar.
2. Über FGM/C: Dieses Kapitel erläutert die Terminologie, die Definition und die verschiedenen Typen der Genitalbeschneidung sowie deren gesundheitliche Risiken und die weltweite Verbreitung.
3. Sierra Leone: Hier werden die historische Entwicklung des Landes, die spezifische Ausprägung von FGM/C unter Berücksichtigung von Religion, Geheimbünden und patriarchalen Machtstrukturen sowie Strategien zur Bekämpfung der Praxis analysiert.
4. Fazit für Soziale Arbeit in Deutschland: Es werden Handlungsmöglichkeiten und Herausforderungen für Sozialarbeiterinnen im Umgang mit von FGM/C betroffenen oder gefährdeten Frauen und Mädchen in Deutschland reflektiert.
Schlüsselwörter
Weibliche Genitalbeschneidung, FGM/C, Sierra Leone, Geheimbünde, Bundo-Society, Patriarchat, Soziale Arbeit, Kultursensibilität, Mädchenrechte, Empowerment, Aufklärungsarbeit, Tradition, Identitätsfrage, Beratung, Integrationsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen der weiblichen Genitalbeschneidung in Sierra Leone und deren Auswirkungen auf die Lebenswelt von Mädchen und Frauen, um daraus Erkenntnisse für die Soziale Arbeit in Deutschland zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die kulturelle Verankerung von FGM/C, die Rolle patriarchaler Geheimbünde, die Bedeutung von Bildung als Schutzfaktor sowie die Herausforderungen einer kultursensiblen Beratung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Machtstrukturen und gesellschaftlichen Normen zu beleuchten, die FGM/C begründen, um zu verstehen, welche Ansätze in der Sozialen Arbeit notwendig sind, um Betroffene zu unterstützen, ohne die eigene Sichtweise als absolut zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf sekundären Forschungen (Literaturquellen) und wird durch zwei Gesprächsprotokolle aus Interviews mit Fachkräften und Aktivistinnen unterstützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Strukturen Sierra Leones, die Ausprägung des Rituals durch Geheimbünde, die Konstruktion von Geschlecht durch dieses Ritual sowie Strategien zur Überwindung der Praxis durch lokale Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind FGM/C, Sierra Leone, Geheimbünde, Patriarchat, Kultursensibilität, Empowerment und Soziale Arbeit.
Warum spielt die Bundo-Society eine so große Rolle?
Die Bundo-Society ist der zentrale Geheimbund für Frauen in Sierra Leone; sie fungiert als Initiationsort, vermittelt Rollenbilder und sichert den Status der Beschneiderinnen (Sowies), was die Praxis gesellschaftlich legitimiert.
Was empfiehlt die Arbeit für den Umgang mit betroffenen Klientinnen in Deutschland?
Es wird empfohlen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, Fachwissen über die Hintergründe anzueignen, Beziehungsarbeit zu leisten und Kooperationen mit spezialisierten Organisationen einzugehen, statt mit einer konfrontativen Haltung zu agieren.
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- Anne Georgi (Author), 2018, Weibliche Genitalbeschneidung in kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen in Sierra Leone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506880