Welche speziellen Anforderungen hat die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe zu erfüllen, um den
aktuellen Anforderungen gerecht werden zu können?
Die Jugendhilfe ist ein expandierendes Arbeitsfeld. Zwischen den Jahren 2006 und 2016 ist die Anzahl der Jugendhilfeeinrichtungen, ohne den Einbezug von Tageseinrichtungen für Kinder, in Deutschland um 18 % oder 5569 Einrichtungen gestiegen. Die Quote der von den Jugendämtern in eigener Trägerschaft betriebenen Einrichtungen von 22 %, ist dabei konstant geblieben. Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft stellen damit einen bedeutenden Faktor innerhalb der Jugendhilfelandschaft in Deutschland dar.
Diesen Umstand wiederspiegeln die Veröffentlichungen zum Thema "öffentliche Jugendhilfe" jedoch in keiner Weise. Die meisten Veröffentlichungen der letzten Jahre befassen sich mit medial präsenten Themen wie dem Kinderschutz, die wenigsten befassen sich jedoch mit der gesamt Struktur der öffentlichen Jugendhilfe. Möchte man die öffentliche Jugendhilfe aus der Management Perspektive betrachten fällt schnell auf, dass es diesbezüglich keine spezifische Fachliteratur gibt, obwohl die öffentliche Jugendhilfe ein bedeutendes Arbeitsfeld innerhalb der Sozialen Arbeit darstellt. Es entsteht bei einigen Veröffentlichungen zum Thema viel mehr der Eindruck, dass der öffentliche Teil der Sozialwirtschaft explizit nicht angesprochen wird. Dieser Umstand verwundert zunächst und führt dazu, dass an die Fragestellung dieser Arbeit aus verschiedenen Perspektiven herangegangen werden muss.
Wie die gesamte Sozialwirtschaft ist auch die öffentliche Jugendhilfe einem stetigen Wandel unterworfen. Wie alle Träger ist auch der öffentliche Teil der Jugendhilfe aus Haushaltskonsolidierungsgründen dazu aufgefordert effektiv und effizient zu wirtschaften, um die Legitimität der eigenen Arbeit weiterhin gewährleisten zu können. Darüber hinaus beschleunigen gesellschaftliche Veränderungen und veränderte Ansprüche und Bedarfe der professionell Tätigen diese Prozesse. Aus den daraus resultierenden Anforderungen muss die mittlere Leitungsebene Managementkonzepte entwickeln, die dem jeweiligen Stellenzuschnitt entsprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Aufbau
2. Organisation und Aufgaben einer sich wandelnden öffentlichen Jugendhilfe
2.1 Sozialpolitik auf lokaler Ebene
2.2 Gliederungsstruktur der kommunalen Sozialverwaltung
2.3 Organisation und Aufgaben der öffentlichen Jugendhilfe
2.4 Krisenerscheinungen der öffentlichen Jugendhilfe
2.5 Die öffentliche Jugendhilfe im Wandel
2.6 New Public Management in der öffentlichen Jugendhilfe
2.7 Instrumente der „Neuen Steuerung“ in der öffentlichen Jugendhilfe
2.8 Zwischenfazit
3. Management in der öffentlichen Jugendhilfe
3.1 Management – Grundlegendes
3.2 Sozialmanagement und Sozialwirtschaft
3.3 Management in der öffentlichen Jugendhilfe
3.4 Zwischenfazit
4. Die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe
4.1 Die Rolle von Leitung in Organisationen
4.2 Entstehung von Stellen in der öffentlichen Jugendhilfe
4.3 Die mittlere Leitungsebene innerhalb der Organisation
4.4 Zwischenfazit
5. Management Anforderungen an die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe
5.1 Management Anforderungen an fachliche Steuerungsmodalitäten
5.2 Führen als Managementaufgabe in der öffentlichen Jugendhilfe
5.2.1 Organisationsbezogene Steuerung
5.2.1.1 Das Leitbild
5.2.1.2 Ziele setzen und Prioritäten bestimmen
5.2.1.3 Strategien umsetzen
5.2.1.4 Führung durch schriftliche Veranlassungen, Handlungsanweisungen und gesetzliche Rahmenbedingungen
5.2.1.5 Führung durch Symbolbezug
5.2.2 Personen- und gruppenbezogene Steuerung
5.2.2.1 Führungsstil in der öffentlichen Jugendhilfe
5.2.2.2 Mitarbeiter entwickeln und motivieren
5.2.2.3 Das Mitarbeiter-/Kooperationsgespräch
5.2.2.4 Information als Managementaufgabe
5.3 Reflexion und Gestaltung der Außenbezüge
5.4 Betriebswirtschaftliche Steuerung
5.4.1 Budgetierung und Kontraktmanagement
5.4.2 Controlling
5.5 Rechtliche Steuerungsmodalitäten
6. Fazit
6.1 Erkenntnisse
6.2 Beantwortung der Forschungsfrage
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Managementanforderungen an die mittlere Leitungsebene innerhalb der öffentlichen Jugendhilfe. Das Ziel ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Anforderungsprofil zu erstellen, das die Schnittstellenfunktion dieser Ebene zwischen bürokratischer Verwaltung und professioneller Sozialarbeit berücksichtigt.
- Organisationale Einbindung der öffentlichen Jugendhilfe in kommunale Strukturen
- Einfluss von "New Public Management" und "Neuer Steuerung" auf das Verwaltungshandeln
- Theoretische Verortung von Management in der Sozialwirtschaft
- Identifikation spezifischer Kompetenzbereiche für Führungskräfte auf mittlerer Ebene
- Verknüpfung fachlicher Standards mit betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Organisationsbezogene Steuerung
Die organisationsbezogene Steuerung spielt wie bereits beschreiben in bürokratischen Organisationssystemen traditionell eine hervorgehobene Rolle, denn diese sind unter anderem doch einen hohen Formalisierungs- und Strukturierungsgrad gekennzeichnet. Der organisationsbezogenen Steuerung kommt daher im Kontext der öffentlichen Jugendhilfe eine hohe Bedeutung zu, denn mithilfe von Strukturen lassen sich MitarbeiterInnen zielbezogen beeinflussen, ohne dass die Führungskraft diesen Einfluss direkt ausübt. Es sind die der Organisation immanenten Strukturen selbst, die die Aktivitäten der MitarbeiterInnen koordinieren und steuern (Rosenstiel, 2010, S. 3).
Um diese Steuerungsfunktion ausüben zu können, müssen die Strukturen und die Funktionsweise der eigenen Organisation analysiert werden und Ansatzpunkte für die systematische Gestaltung gefunden und erarbeitet werden. Es geht also darum, die internen Organisationsstrukturen (formale und informale) und die innere Organisationkultur wahrzunehmen und gezielte und reflektierte Steuerungsimpulse zu deren Gestaltung und Beeinflussung zu geben (Merchel, 2009, S. 133).
Bezogen auf eine Leitungsstelle des mittleren Managements in der öffentlichen Jugendhilfe, sind formale organisationsbezogene Steuerungsmöglichkeiten oft bereits in der Organisation vorhanden. Zu diesen gehören häufig Leitbilder, Verfahrensvorschriften, Organigramme, Stellenbeschreibungen, Handlungsanweisungen, Leitlinien etc. Andere müssen für den eigenen Bereich oder einzelne Teilbereiche erarbeitet oder angepasst werden. Häufig trifft dies auf Konzeptionen und einrichtungsspezifische Handlungsanweisungen sowie Ziele zu. Im Folgenden sollen die wesentlichen organisationsbezogenen Steuerungsmodi für die öffentliche Jugendhilfe dargestellt werden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Mangel an spezifischer Fachliteratur zum Management in der öffentlichen Jugendhilfe und skizziert die methodische Vorgehensweise zur Beantwortung der Forschungsfrage.
2. Organisation und Aufgaben einer sich wandelnden öffentlichen Jugendhilfe: Dieses Kapitel analysiert die Einbindung der Jugendhilfe in kommunale Verwaltungsstrukturen und die Auswirkungen der "Neuen Steuerung".
3. Management in der öffentlichen Jugendhilfe: Es erfolgt eine theoretische Einordnung von Managementkonzepten sowie eine Abgrenzung und Verknüpfung von Sozialmanagement und öffentlicher Verwaltung.
4. Die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe: Das Kapitel befasst sich mit der bürokratischen Aufbauorganisation, der Entstehung von Stellen und der spezifischen Rolle der mittleren Leitungsebene.
5. Management Anforderungen an die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe: Hier wird anhand einer fiktiven Arbeitsplatzbeschreibung und der Steuerungsmodi von Merchel ein detailliertes Anforderungsprofil erarbeitet.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage zur Rolle der mittleren Führungsebene.
Schlüsselwörter
Öffentliche Jugendhilfe, Management, Mittlere Leitungsebene, Sozialmanagement, Neue Steuerung, Verwaltungsmodernisierung, Führung, Organisationsentwicklung, Fachliche Steuerung, Qualitätsmanagement, Sozialwirtschaft, Personalmanagement, Bereichsleitung, Controlling, Jugendamt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die speziellen Anforderungen, denen sich die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe gegenübersieht, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen klassischer bürokratischer Verwaltung, neuen Steuerungsinstrumenten und den fachlichen Anforderungen der Sozialen Arbeit.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Identifikation der speziellen Managementanforderungen, die für eine erfolgreiche Ausgestaltung der mittleren Führungsebene im Kontext der öffentlichen Jugendhilfe notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine Analyse aktueller Fachliteratur in Kombination mit eigenen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag einer Einrichtungsleitung zur Herleitung der Managementanforderungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der organisationalen Rahmenbedingungen, theoretische Managementkonzepte, die spezifische Rollenbeschreibung der mittleren Ebene sowie ein mehrdimensionales Steuerungsmodell nach Merchel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Zentrale Begriffe sind Jugendhilfe, Management, mittlere Leitungsebene, Neue Steuerung und Sozialmanagement.
Wie lässt sich die "Mittlerfunktion" der Leitung beschreiben?
Sie fungiert als Bindeglied zwischen den strategischen Vorgaben des Top-Managements und der operativen Ebene, wobei sie fachliche und disziplinarische Verantwortung übernimmt.
Warum ist das "Kongruenzprinzip" relevant?
Es dient dazu, Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen einer Stelle so auszubalancieren, dass Konflikte zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern minimiert werden.
Wie beeinflusst die "Neue Steuerung" die Arbeit?
Sie führt verstärkt betriebswirtschaftliche Instrumente wie Budgetierung, Controlling und Zielvereinbarungen in ein Feld ein, das traditionell durch Verwaltungsrecht geprägt war.
- Arbeit zitieren
- Johannes Buchwitz (Autor:in), 2019, Management Anforderungen an die mittlere Leitungsebene in der öffentlichen Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507059