Die seit langem schwelende und trotzdem höchst aktuelle Diskussion über den zu wählenden wirtschaftswissenschaftlichen Ansatz ist Gegenstand dieser Arbeit. Das Ziel der folgenden Ausführungen ist es, das neoklassische Paradigma vorzustellen, seine Kritikpunkte zu verdeutlichen und aus dieser Kritik entstandene alternative Konzepte vorzustellen. Dabei soll die aktuelle Situation der ökonomischen Forschung verdeutlicht werden, in der der vorherrschende Ansatz neoklassischer Theorie sich nicht nur vielseitiger Kritik von verschiedenen heterodoxen Konzepten ausgesetzt sieht, sondern auch schwere Defizite in der Vorhersage, der Erklärung und dem Umgang mit realen Wirtschaftskrisen offenbart.
Dass die Mehrheit der angesehenen Vertreter einer Disziplin die Gültigkeit gewisser, unumstößlicher Kernannahmen und Leitsätze anerkennt, gilt als konstituierendes Merkmal von Wissenschaften. Ein solcher Konsens manifestiert sich in den gängigen Lehrbüchern und Fachzeitungen, sowie an Hochschulen und auf Kongressen, welche überwiegend die weithin akzeptierten Methoden und Ansätze lehren, verbreiten und diskutieren. In der heutigen Wirtschaftswissenschaft nimmt, seit Ende des 19. Jahrhunderts, die Neoklassik diese paradigmatische Vormachtstellung ein. Seitdem ist das neoklassische Paradigma umfangreicher Kritik ausgesetzt, welche jüngst, nicht zuletzt im Hinblick auf die schwere Finanzkrise von 2007, immer lauter wird. Jedoch gibt es neben der, auf der Richtigkeit ihrer Überzeugungen beharrenden, Neoklassik durchaus alternative Ansätze, die eine Vielzahl von Argumenten vorbringen, welche dem neoklassischen Paradigma entgegenstehen.
Zunächst werden einige Begriffe erläutert die, im Sinne von Arbeitsdefinitionen, grundlegend zum Verständnis der weiteren Ausführungen beitragen sollen. Im nächsten Abschnitt werden die Entstehung und Entwicklung der neoklassischen Theorie veranschaulicht, sowie ihre charakteristischen Merkmale zusammengefasst. Daraufhin werden bedeutende Kritikpunkte am neoklassischen Paradigma vorgestellt und die verschiedenen Reaktionen von Vertretern der Neoklassik auf diese Kritik erläutert. Als nächstes wird beschrieben, wie sich das Verständnis von heterodoxer Ökonomie im geschichtlichen Verlauf verändert hat. Im Anschluss werden einige, wichtige Ansätze der heterodoxen Ökonomie und deren Kritik an der Neoklassik, sowie deren Unterschiede zum neoklassischen Paradigma vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation und Ziel der Arbeit
1.2 Vorgehensweise
2 Hauptteil
2.1 Begriffserklärung
2.1.1 Paradigma
2.1.2 Mainstream
2.1.3 Orthodoxie und Heterodoxie
2.2 Das neoklassische Paradigma
2.2.1 Die Entstehung der Neoklassik und ihre Entwicklung zum Paradigma
2.2.2 Merkmale des neoklassischen Paradigmas
2.2.3 Grundlegende Kritik am neoklassischen Paradigma
2.2.4 Umgang der Neoklassik mit Kritik
2.3 Heterodoxe Ökonomie
2.3.1 Die Entwicklung des Verständnisses von heterodoxer Ökonomie
2.3.2 Heterodoxe ökonomische Ansätze
2.3.3 Quo vadis heterodoxe Ökonomie? Pluralismus oder Paradigmenwechsel?
3 Schluss
3.1 Fazit
3.2 Kritische Würdigung und Ausblick auf zukünftige ökonomische Forschung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die paradigmatische Vormachtstellung der Neoklassik in der modernen Wirtschaftswissenschaft sowie die aufkommende Kritik an ihren grundlegenden Annahmen. Ziel ist es, das neoklassische Paradigma darzustellen, die daraus resultierenden heterodoxen Ansätze zu beleuchten und zu klären, ob die ökonomische Forschung vor einem Paradigmenwechsel steht oder sich hin zu mehr Pluralismus entwickelt.
- Analyse der Entstehung und zentralen Merkmale des neoklassischen Paradigmas.
- Kritische Auseinandersetzung mit den Grundannahmen wie dem methodologischen Individualismus und der vollständigen Rationalität.
- Untersuchung der Reaktionen der Neoklassik auf interne und externe Kritik.
- Systematisierung heterodoxer ökonomischer Ansätze und ihrer Abgrenzung zum Mainstream.
- Diskussion über die zukünftige Entwicklung ökonomischer Theoriebildung zwischen Pluralismus und Paradigmenwettbewerb.
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Umgang der Neoklassik mit Kritik
Die Untersuchungen eines amerikanischen Soziologen haben ergeben, dass Vertreter des neoklassischen Paradigmas, auf Kritik an dessen konstituierenden Merkmalen, in der Regel mit einer von drei möglichen Aktionen reagieren (Etzioni, 2010).
Erstens, mit Herunterspielen der Kritik als unbedeutend. Beispielsweise begegnen viele neoklassische Autoren Kritik an der Annahme vollständiger Rationalität mit dem Argument, dass auch wenn manche Individuen sich scheinbar irrational verhalten, sich die Wirtschaftssubjekte in der Summe immer noch rational verhalten (Shiller, 2005).
Die zweite mögliche Reaktion auf Kritik besteht in der Lockerung von Kriterien. Zum Beispiel durch die Aufnahme von Informationskosten in die neoklassische Theorie, wodurch es rational sein kann ohne vollständige Kenntnis der relevanten Fakten zu handeln, falls die Kosten für den Erwerb dieses Wissens den erwarteten Nutzen daraus übersteigen (Stigler, 1961).
Die dritte Antwort der Neoklassik, auf nicht mit ihren Überzeugungen kompatible Kritik, besteht in der Einschränkung dessen was diese Überzeugung umfasst und miteinbezieht. Ein Beispiel ist die Aussage, dass eine Person die sich scheinbar irrational verhält, trotzdem durchaus rational handeln kann, solange sie nur ein rationales Handeln beabsichtigt hat (Simon, 1985).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Vormachtstellung der Neoklassik ein und umreißt die Motivation zur kritischen Auseinandersetzung mit ihren Grenzen, insbesondere im Kontext aktueller Wirtschaftskrisen.
2 Hauptteil: Der Hauptteil erläutert die theoretischen Grundlagen der Neoklassik sowie die heterodoxe Gegenbewegung und analysiert detailliert deren Merkmale, Kritikpunkte und die wissenschaftstheoretische Dynamik zwischen den Strömungen.
3 Schluss: Im Schlusskapitel werden die Ergebnisse zusammengeführt, eine kritische Einordnung vorgenommen und ein Ausblick auf die notwendige Weiterentwicklung ökonomischer Modelle gegeben.
Schlüsselwörter
Neoklassik, Heterodoxe Ökonomie, Paradigma, Mainstream, Orthodoxie, Methodologischer Individualismus, Homo Oeconomicus, Wirtschaftskrise, Pluralismus, Paradigmenwechsel, Rationalität, Wirtschaftstheorie, Wissenschaftstheorie, Systemtheorie, ökonomische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen der dominanten neoklassischen ökonomischen Theorie und alternativen, sogenannten heterodoxen Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie und den Merkmalen des neoklassischen Paradigmas, den Kritikpunkten an dessen Grundannahmen sowie der Identifikation heterodoxer ökonomischer Denkrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kritikpunkte am neoklassischen Paradigma zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie heterodoxe Konzepte versuchen, diese Defizite zu beheben und die ökonomische Forschung zukunftsfähig zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Aufarbeitung wissenschaftstheoretischer Debatten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Begriffserklärungen, die detaillierte Darstellung des neoklassischen Paradigmas, die Gegenüberstellung mit heterodoxen Ansätzen sowie deren methodische Unterschiede.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Neoklassik, Heterodoxie, Paradigmenwechsel, methodologischer Individualismus und ökonomischer Pluralismus beschreiben.
Wie reagieren Vertreter der Neoklassik laut der Arbeit auf Kritik?
Laut der Untersuchung reagieren neoklassische Ökonomen typischerweise durch Herunterspielen der Kritik, Lockerung der Kriterien oder eine Einschränkung des Geltungsbereichs ihrer Überzeugungen.
Was versteht man unter heterodoxer Ökonomie in diesem Kontext?
Heterodoxe Ökonomie wird als Sammelbegriff für pluralistische, teils sehr unterschiedliche ökonomische Theorien verwendet, die die neoklassische Orthodoxie und deren rein mathematisch-deduktive Methodik ablehnen.
Welche Rolle spielt die Finanzkrise von 2007 für die Argumentation?
Die Finanzkrise dient als zentrales Beispiel für die Defizite des neoklassischen Modells, da dieses die Krise weder vorhersehen noch angemessen erklären konnte.
Befürwortet die Arbeit eine Revolution oder eine Evolution der Ökonomie?
Die Arbeit legt nahe, dass eine Evolution der ökonomischen Theorie, etwa durch die Integration verschiedener Ansätze, derzeit wahrscheinlicher erscheint als ein abrupter revolutionärer Paradigmenwechsel.
- Citar trabajo
- Tilmann Koch (Autor), 2017, Das neoklassische Paradigma und seine Unterschiede zu nicht-orthodoxen Ansätzen. Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507094