Der Soziologische Neo-Institutionalismus. Merkmale und Besonderheiten


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Heranführung an das Thema
1.1 Motivation der Arbeit
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Hauptteil
2.1 Grundlagen der Organisationssoziologie
2.1.1 Organisationen und Organisationstheorien
2.1.2 Ein Spezialbereich der Soziologie
2.1.3 Das Verständnis von Institutionen
2.2 Soziologischer Neo-Institutionalismus
2.2.1 Entstehung und theoretische Einordnung des Konzepts
2.2.2 Hauptmerkmale des SNI
2.2.3 Erklärung für strukturellen Isomorphismus
2.2.4 Mikro-Fundierung des SNI

3 Schluss
3.1 Fazit
3.2 Kritische Würdigung und Empfehlungen für zukünftige Forschung

Literaturverzeichnis

1 Heranführung an das Thema

1.1 Motivation der Arbeit

In der modernen Welt sind sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchorganisiert. Organisationen - ob nun Schulen, Sportvereine, Unternehmen oder sogar die Kirche - bestimmen einen großen Teil des täglichen Lebens und dienen oft als Integrations- und Ordnungsprinzip. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass die Organisationstheorie sich als Forschungsdisziplin reger Beachtung erfreut.

In der frühen Organisationsforschung wurden häufig nur ökonomische Optimierungs- und Rati- onalitätsabsichten als Erklärung für organisationales Handeln zugrunde gelegt. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass auch andere Motive durchaus eine Rolle spielen und bei deren näherer Betrachtung hat sich vor allem die Organisationssoziologie mit einem breiten Spektrum theoreti- scher Alternativen hervorgetan.

Besonders interessant erscheinen in diesem Zusammenhang zwei Sachverhalte: einerseits, ge- lingt es einigen Unternehmen langfristig zu überleben, ohne dass sie ihre Gewinnziele oder ande- re marktwirtschaftlichen Kriterien erfüllen würden. Andererseits verwundert es, dass sich Unter- nehmen heutzutage, in einer modernen und globalisierten Welt, in ihrer Struktur und ihren Prak- tiken so ähnlich sind obwohl diese teilweise irrational erscheinen und zumindest mit ökonomi- schen Effizienz- und Rationalitätsüberlegungen nicht zu rechtfertigen sind. Da klassische Orga- nisationstheorien meist keine, oder nur ungenügende Erklärungen für die genannten Sachverhalte liefern können erscheint es sinnvoll sich auf die Suche nach einem theoretischen Konzept zu machen, welches diese Erklärungen zu liefern im Stande ist.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Wie bereits angedeutet soll in dieser Arbeit ein theoretisches Konzept für die Erklärung von Wirkungszusammenhängen zwischen Organisationen und gesellschaftlicher Umwelt untersucht werden, das über rein rationalistische Argumente hinausgeht. Der soziologische Neo- Institutionalismus (SNI) stellt eine innovative Organisationstheorie dar, die das Potenzial hat zur Erklärung der genannten Sachverhalte einen wertvollen Beitrag zu leisten.

Wesentliches Ziel dieser Arbeit ist es, die zentralen Wirkungszusammenhänge und Argumentati- onsstrukturen des SNI herauszuarbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen zunächst einige Unterziele erfüllt werden. So werden zunächst die nötigen theoretischen Grundlagen, in Form von relevanten Aspekten der Organisationstheorie und -soziologie, sowie einer Arbeitsdefinition von Institutionen, geschaffen. Auf dieser Basis kann anschließend auf die Entstehung des SNI eingegangen und seine Hauptmerkmale und zentralen Thesen vorgestellt werden. Nach dieser zunächst makro-institutionalistischen Betrachtung des SNI, lautet ein weiteres Ziel auch auf die etwas jüngeren mikro-institutionalistischen Elemente der Theorie einzugehen. Schließlich folgt ein kritisches Fazit und es werden Ideen für zukünftige Forschungsbemühungen genannt.

2 Hauptteil

2.1 Grundlagen der Organisationssoziologie

2.1.1 Organisationen und Organisationstheorien

Die Organisationsforschung hat zwar keine einheitliche, generell akzeptierte Definition hervor- gebracht, es gibt jedoch drei Merkmale die im Kern aller Definitionen des Organisationsbegriffs vorhanden sind. Dies sind erstens, die Umweltabgrenzung durch Mitgliedschaft, zweitens, for- male und informelle Strukturen und drittens, spezifische Organisationsziele (Menez, 2017, p. 22). Einer kurzen und prägnanten Definition zufolge, welche, da sie diese drei Merkmale in sich vereint und somit repräsentativ für den Kern des wissenschaftlichen Verständnisses von Organi- sation verwendet werden kann, sind Organisationen: „…soziale Gebilde, die dauerhaft ein Ziel verfolgen und eine formale Struktur aufweisen, mit deren Hilfe die Aktivitäten der Mitglieder auf das verfolgte Ziel ausgerichtet werden sollen.“ (Kieser & Walgenbach, 2010, p. 6)

Darüber hinaus kursieren in der Fachliteratur weder allgemeingültige Organisationsprinzipien noch eine generell optimale Organisationsform. Beide sind stark situations-, sowie von der insti- tutionellen Einbettung und der Umwelt der Organisation abhängig (Mintzberg, 1991, p. 120).

Da sich neben der Soziologie auch die Ökonomie, Psychologie sowie die Politik- und Rechts- wissenschaften mit Organisationen beschäftigen ist eine Vielzahl verschiedener Organisations- theorien entstanden. Obwohl eine ausführliche Darlegung der angesprochenen Theorievielfalt hier zu weit führen würde, erscheint eine grobe Einordnung durchaus sinnvoll.

Nach der zu Grunde liegenden Sichtweise auf die Organisation als System, können Theorien von rationalen, natürlichen und offenen Systemen unterschieden werden.

Theorien des rationalen Systems betonen die Ausrichtung an Organisationszielen mit Hilfe ratio- nal gewählter und bewährter formaler Organisationsstrukturen (Scott, 1981, p. 45). Die Sicht- weise des natürlichen Systems dagegen bezweifelt die Rationalität von Organisationen und inte- ressiert sich stattdessen mehr für informelle Strukturen sowie die Kultur der Organisation.

Theorien die Organisationen dagegen als offene Systeme betrachten, legen ihren Fokus auf die Schnittstelle zur Organisationsumwelt und untersuchen wie die Organisation sich deren wech- selnden Anforderungen anpasst (Scott, 1981, p. 47).

Der Neo-Institutionalismus, als Gegenstand dieser Arbeit, ist einer der wichtigsten Theorieansät- ze für letzteres Organisationsverständnis des offenen Systems.

2.1.2 Ein Spezialbereich der Soziologie

Die Soziologie befasst sich auf wissenschaftliche Art und Weise mit dem gesellschaftlichen Zu- sammenleben und Handeln von Menschen. Dabei interessiert sie sich für die scheinbar selbstver- ständlichen Beweggründe und Wirkungszusammenhänge alltäglicher menschlicher Interaktion. Die Soziologie erforscht also die sozialen Gesetzmäßigkeiten individuellen Handelns und deren Veränderung im Laufe der Zeit sowie zwischen verschiedenen Kulturen (Joas, 2007, p. 14).

Als eine spezielle Soziologie beschäftigt sich die Organisationssoziologie mit der Beschreibung, Erklärung und Gestaltung von Organisationen aller Art (Preisendörfer, 2016, p. 1). Ihr besonde- res Interesse gilt der Systematisierung von Organisationsstrukturen und den Motiven und organi- sationalen Rahmenbedingungen individuellen Handelns (Preisendörfer, 2016, p. 12).

Die Untersuchungen der Organisationssoziologie finden auf drei verschiedenen Ebenen statt. Auf der Makroebene werden Beziehungen zwischen Organisationen untersucht, die Mesoebene fokussiert auf das Verhalten und die Struktur von Organisationen, während die Mikroebene das Verhalten und Handeln individueller Organisationsmitglieder erforscht (Kieser, 1993, p. 2). Im weiteren Verlauf wird bei der Vorstellung des SNI zunächst die Makroebene der Theorie darge- legt, bevor deren mikro-institutionalistische Fundierung erläutert wird.

2.1.3 Das Verständnis von Institutionen

Da Institutionen im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielen werden, ist es unumgänglich zunächst zu klären was mit dem Begriff hier gemeint ist. Dabei soll stets die Verbindung und Wechselwirkung zwischen Institutionen und Unternehmen sowie deren Organisation herausge- stellt werden.

Eine weit verbreitete ökonomische Definition, nach der Institutionen lediglich von Menschen erdachte Regeln, zur Strukturierung politischer, ökonomischer und sozialer Interaktion sind (North, 1991, p. 97), würde in diesem Kontext zu kurz greifen. Da der Fokus der Betrachtung mehr auf gesellschaftlicher Einflussnahme liegt werden Institutionen stattdessen definiert als: „…übergreifende Erwartungsstrukturen […], die darüber bestimmen, was angemessenes Han- deln und Entscheiden ist. Institutionen […] prägen die Verhaltensweisen einzelner Gesell- schaftsmitglieder und regulieren hierdurch das gesellschaftliche Miteinander.“ (Hasse & Krücken, 1999, p. 15).

Auch der Prozess der Institutionalisierung wird mit ausdrücklichem Umweltbezug verstanden, als das Entstehen gemeinsamer gesellschaftlicher Überzeugungen davon, dass gewisse Elemente zwingend zu gewissen Organisationen gehören. Sind diese Vorstellungen einmal entstanden, werden sie in der Folge nicht länger hinterfragt, sondern als vorgegeben und grundlegend richtig angesehen (Walgenbach, 2002, p. 179).

Nach einer systematischen Darstellung von Richard Scott ruhen gesellschaftliche Institutionen auf drei verschiedenen Pfeilern. Der erste, regulative Pfeiler umfasst Prozesse der Regulierung, Überwachung und Sanktionierung zur Beeinflussung sozialen Verhaltens (Scott, 2001, p. 52). Auf Unternehmen übertragen, können diese demnach Legitimation erlangen, wenn die Gesell- schaft ihr Verhalten als regelkonform wahrnimmt.

Der zweite, normative Pfeiler besteht aus Werten, im Sinne von Standards zur Bewertung von Verhalten, und Normen, im Sinne von Vorstellungen von wünschenswertem Verhalten (Menez, 2017b, p. 17). Im normativen Sinn erlangen Unternehmen ihre Legitimation demzufolge durch die wahrgenommene Achtung moralischer Prinzipien.

Der dritte, kulturell-kognitive Pfeiler schließlich befasst sich mit der Interpretation und Wahr- nehmung der Realität. Die Bedeutung, die bestimmten Symbolen zugeschrieben und nicht länger hinterfragt wird, ist demnach die Basis für Organisationsentscheidungen (DiMaggio & Powell, 1983, p. 15). Übernimmt ein Unternehmen nun diese von der gesellschaftlichen Umwelt als ge- geben angesehenen Symbole in seine Organisationsstruktur, erlangt es dadurch kulturell- kognitive Legitimation.

2.2 Soziologischer Neo-Institutionalismus

2.2.1 Entstehung und theoretische Einordnung des Konzepts

Der soziologische Neo-Institutionalismus (SNI) entwickelte sich in den 80er und 90er Jahren in einer Vielzahl von Beiträgen die sich jedoch allesamt auf drei, etwa zehn Jahre zuvor veröffent- lichte, Aufsätze (Zucker, 1977; Meyer & Rowan, 1977; DiMaggio & Powell, 1983) beziehen. Die drei genannten Beiträge befassten sich zwar mit durchaus unterschiedliche Themen, stellten aber die gleichen Gedanken in den Vordergrund. Erstens, setzten sie sich alle mit der Wechsel- wirkung von Institutionen und Unternehmensorganisation sowie mit den sich daraus ergebenden Strukturangleichungsprozessen auseinander. Zweitens, hatten sie den Mut vom damals vorherr- schenden Rationalitätsparadigma abzuweichen und eine soziologische Alternative anzubieten (Hasse & Krücken, 2009, p. 195).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Soziologische Neo-Institutionalismus. Merkmale und Besonderheiten
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V507096
ISBN (eBook)
9783346064585
ISBN (Buch)
9783346064592
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologischer Neo-Institutionalismus, Organisationstheorie, Innovative Organisationstheorien, Neo-Institutionalismus
Arbeit zitieren
Tilmann Koch (Autor), 2018, Der Soziologische Neo-Institutionalismus. Merkmale und Besonderheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507096

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