Zwei Sprachen – zwei Ansichten? Wie Bilingualität das Denken beeinflusst


Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Verhältnis von Sprache und Denken
2.1 Sapir, Whorf und die Sprachdeterminiertheit
2.2 Zurück ins 18. Jahrhundert: Humboldts Blick auf Sprache
2.3 Eine Neubewertung der Relativitätstheorie

3. Bilinguales Weltbild. Zwei Sprachen – zwei Identitäten
3.1 „Double thinking“. Die bilinguale Leistung
3.2 Weltansichten als Übersetzungsproblem
3.3 Emotion, Verhalten und kulturelle Zugehörigkeit

4. Mehrsprachigkeit als individueller und gesellschaftlicher Gewinn
4.1 Stolperstein Mehrsprachigkeit
4.2 Fremdverstehen: Bilingualität als Vermittlerin

5. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einführung

E ine Muttersprache zu haben, ist fein, aber mehrere Muttersprachen sind ein außergewöhnlicher Reichtum. Zwei Muttersprachen bedeuten doppelte Heimat. (zit. nach Tanja Halonen, Finnische Staatspräsidentin 2002-2012, In: Niveri 2008)

Die Muttersprache ist lebensbegleitend und beeinflusst die Art, wie der Mensch denkt und denkend die Welt begreift. Die Worte der Muttersprache sind nicht nur sprachliche Zeichen zur Kommunikation von sprachunabhängig gebildeten Gedanken, sondern sind selbst konstituierend für den Prozess der Gedankenbildung. Sie ermöglichen es dem Menschen, sich vom bloßen Eindruck eines konkreten Gegenstandes zu lösen und von diesem einen abstrakten Begriff zu bilden, einen mentalen Gegenstand also, mit dem er gedanklich operiert und Urteile fällt. Der Eindruck, dass Sprache beim Denken keine Rolle spiele, und erst nach dem Denken für die Kommunikation zum Einsatz komme, scheint ein Trugschluss zu sein, dem der Mensch unterliegt. Aber da auch Primaten bis zu einem gewissen Grad zu kognitiven Problemlösungen in der Lage sind (vgl. Grau 2008: 17), muss eingeschränkt werden, dass nicht alles Denken sprachlich sein kann, sondern nur ein Teil davon. Die Idee, dass die Sprachfähigkeit an sich (im Sinne von langage) zur Natur des Menschen gehört und ihn zum spezifisch menschlichen Denken veranlasst, ist alles andere als neu: schon bei Plato findet sich dieser Gedanke . Im 17. Jahrhundert rückten die teilweise erheblichen strukturellen und lexikalischen Unterschiede zwischen den Sprachen in den Fokus der Sprachphilosophie, was die Debatte darauf ausweitete, dass nicht nur die Sprachfähigkeit, sondern das einzelsprachliche Sprachsystem (im Sinne von langue) die Denkprozesse strukturiert, sodass konsequenterweise jede Sprachgemeinschaft auf einzigartige Weise denkt. Diese Idee wird für gewöhnlich in den Kontext der amerikanischen Ethnolinguistik des frühen 20. Jahrhunderts gestellt und mit der radikalen Interpretation des Prinzips der sprachlichen Relativität bei Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf verbunden. Die zu der Zeit sprachwissenschaftlich und anthropologisch hochaktuelle Beschäftigung mit fremden amerikanischen Indianervölkern weckte das öffentliche Interesse für kontrastive Analysen von Sprachen, deren Sprachbau sich so erheblich von den bisher bekannten Sprachen unterschied, dass man annehmen musste, in ihm würde sich die fremdartige Lebensweise der Indianervölker spiegeln. Die Sprachen der Indianer, so hieß es, müssen einen völlig neuen Blick auf die Welt eröffnen, einen Blick, der den Sprachen der indoeuropäischen Sprachfamilie verborgen bleiben müsse, zumal ja unsere Sprachen die Art, wie wir Welt begreifen unweigerlich bestimmen und uns so bestimmte Erkenntnisse vorenthalten. Schon seit Ende der 60er Jahre scheint die Sapir- Whorf-Hypothese in ihrer radikalen Lesart widerlegt und für absurd erklärt, denn neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse beweisen universelle kognitive Vorgänge beim Denken und Wahrnehmen, bei allen Menschen auf der Welt, ungeachtet der Differenzen in Sprache und Mentalität. Damit ist bewiesen, dass die Menschen universelle Erfahrungen machen, aber die ursprüngliche Idee, dass in den verschiedenen Sprachen „die vielfältige Art und Weise der «Welterschließung»“ (Trabant 2012: 234) liege, wurde auf physiologische Wahrnehmungsprozesse übertragen, und damit missinterpretiert. Die Herangehensweise ist eine andere: Sprache schafft nicht Realität, sondern geht von den universellen Erfahrungen der Menschen aus und formuliert Realität sowohl ideell als auch materiell auf einzelsprachlich eigene Weise. Dass die über Jahrhunderte hinweg entstandenen Begriffe und Strukturen sich dabei von Sprache zu Sprache unterscheiden, führt zu einer einzelsprachlich spezifischen Weltansicht, die nicht so leicht mit der Sapir-Whorf-Hypothese abgetan werden darf. Die Idee der einzelsprachlichen Weltansicht wird auf Wilhelm von Humboldt zurückgeführt, dessen sprachphilosophisches Denken gerade im Kontext neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wiederentdeckt wird. Iwar Werlen (2002: 320) spricht von einer „Humboldt-Renaissance“ in den letzten zehn Jahren, was Anlass dazu gibt, das Prinzip der sprachlichen Relativität neu zu überdenken. In den 90er Jahren kamen Forscher zu interessanten Befunden, und stellten Whorfs Arbeiten in neue Kontexte jenseits der radikalen Lesart. Im Folgenden möchte ich eine sprachphilosophische Neubetrachtung anstellen, auf das, was vor dem Hintergrund des Chomsky’schen Universalismus für absurd erklärt wurde, nämlich, dass einzelsprachliche Strukturen in direkter Weise auf Denkprozesse des Menschen Einfluss nehmen. Hierzu soll insbesondere die Betrachtung der Zweisprachigkeit unter sprachphilosophischen Gesichtspunkten neue Erkenntnisse beitragen. Wenn es stimmt, dass wir „die Welt stets durch die strukturierende Brille einer Muttersprache wahr[nehmen]“ (Linke/ Nussbaumer u.a. 2004: 174), was passiert dann, wenn ein Mensch zwei Muttersprachen hat? Denkt eine bilinguale Person in ihren jeweiligen Sprachen auf unterschiedliche Art und Weise und wechselt mit der Sprache ihre Weltansicht gleich mit? Die Bilingualismusforschung, die im 20. Jahrhundert überwiegend an sprachlichen Interferenzen und zweisprachigen Kommunikationsstrategien interessiert war (vgl. Pavlenko 2014: 3), kann die Debatte um die sprachliche Relativitätstheorie erneut anregen, die Zweisprachigkeit als individuellen und gesellschaftlichen Gewinn herausstellen und jahrhundertealtes Sprachdenken in ein neues Licht rücken. „Das Denken ist aber nicht bloß abhängig von der Sprache überhaupt, sondern, bis auf einen gewissen Grad, auch von jeder einzelnen bestimmten“ (Humboldt 2008: 48), was sich an Studien mit bilingualen Versuchspersonen eindrücklich belegen lässt.

2. Zum Verhältnis von Sprache und Denken

2.1 Sapir, Whorf und die Sprachdeterminiertheit

Obwohl das Sprachdenken Humboldts für unser Anliegen eine zentrale Rolle spielt, führt eine Auseinandersetzung mit dem Thema der sprachlichen Einflussnahme auf individuelle Denkprozesse unwillkürlich zu den Arbeiten Benjamin Lee Whorfs, zumal diese in der Sprachwissenschaft weitaus mehr Aufmerksamkeit erregten. Benjamin Lee Whorf (1897-1941) wurde bekannt durch seine Untersuchungen an der im Nordosten Arizonas gesprochenen Indianersprache Hopi, jedoch studierte er auch Hebräisch, die Sprache der Azteken sowie der Maya. Sein Interesse galt möglichst fremden Kulturen und abenteuerlich andersartigen Lebenswelten (vgl. Underhill 2009: 35), die er anhand ihrer Sprachen zu verstehen versuchte. Dass er kein Sprachwissenschaftler war, sondern „a full-time fire prevention engineer and part time linguist“ (Hua 2013: 175) hinderte ihn nicht daran, 1940 in der Technology Review des MIT (Massachusetts Institute of Technology) die bisher radikalste Sicht auf die sprachliche Beeinflussung des Denkens zu postulieren, nämlich die Theorie, in jeder Einzelsprache liege eine spezifische Strukturierung der Welt, die für den einzelnen Menschen obligatorisch sei, „aus der heraus und hinter die zurück er nicht kann, in der er gefangen bleibt“ (Linke/ Nussbaumer u.a. 2004: 174). Die Einzelsprachstruktur (sowohl Lexem-Inventar als auch grammatische Kategorien und syntaktische Regeln) wird mit der Begriffswelt des Menschen, mit denen dieser denkt und seine Umwelt geistig ordnet, weitgehend gleichgesetzt. Die Sprache der Hopi, so belegte Whorf seine These, kenne keinerlei Zeiten als grammatische Kategorie, sodass die Verben nicht in Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsform gesetzt werden können. Sie können demnach keine Aussage über den morgigen Tag treffen, da es ihrer spirituellen Grundhaltung nach immer derselbe Tag sei, der wiederkehre (vgl. Münnix 2014: 117). Es handle sich hierbei um ein zyklisches Zeitmodell, welches nicht vereinbar sei mit dem linearen Zeitverständnis westlicher Gesellschaften, das sich in den Sprachen der indoeuropäischen Sprachfamilie durch ihre drei Tempus-Formen äußere. Zwischen 1940 und 1965 wurde Whorfs Hypothese mit großem öffentlichem Interesse diskutiert, er trat als Spezialist für amerikanische Indianersprachen auf und wurde in angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Heute hingegen würde er, so Werlen (2002: 201) als „Feierabend-Linguist“ in der Sprachwissenschaft gar nicht mehr ernst genommen. Denn 1983 veröffentlichte Malotki eine Darlegung der umfangreichen Ausdrucksmöglichkeiten für die Umschreibung temporaler Verhältnisse in der Hopi- Sprache (vgl. Hua 2013: 176) und stellte damit Whorfs Forschungsergebnisse in Frage. Die Hopi hätten zwar tatsächlich keine temporalen Verbkategorien, jedoch können sie mit zahlreichen anderen Ausdrucksmitteln über Zeit sprechen. Malotkis Befund, dass nicht einmal Whorfs Aussagen über den Zeit-Ausdruck bei den Hopi korrekt gewesen sind, wurde mit der Zeit unmittelbarer Teil der Sapir-Whorf-Hypothese und mindestens genauso populär wie die Hypothese selbst (vgl. Pavlenko 2014: 16). Ihm wurde eine Neigung zu Mystizismus und Esoterik nachgesagt (vgl. Werlen 2002: 32) und vorgeworfen, dass er für seine Analysen keine Feldforschung betrieben hatte, sondern seine Informationen allein von Ernest Naqayouma bezog, einem bilingualen Hopi - Sprecher, der in New York lebte (vgl. Underhill 2009: 44; Werlen 2002: 207; Pavlenko 2014: 109), was seine Ergebnisse verfälsche. Darauf folgte eine Reihe von Beweisen für die universale Wahrnehmungsfähigkeit, ungeachtet sprachlicher Unterschiede, und Whorf wurde, insbesondere im Kontext des Chomsky’schen Universalismus, auf pointierte Zitate reduziert (z.B. sei hier angeführt: „Menschen, die Sprachen mit sehr verschiedenen Grammatiken benützen, […] sind daher als Beobachter einander nicht äquivalent, sondern gelangen zu irgendwie verschiedenen Ansichten von der Welt“ (Whorf 1999: 20, Hervorhebung d.V.). Doch in den letzten Jahren (angefangen mit Lucy 1996) wird die Stigmatisierung der Sapir-Whorf-Hypothese zunehmend kritisiert und eine vorurteilsfreie Neubetrachtung gefordert (vgl. Underhill 2009: 41), was nicht unwesentlich mit dem Protest gegen Chomsky und dessen biologisch-angeborenes Sprachverständnis zusammenhänge (vgl. Trabant 2012: 278). Pavlenko (2014: 108) jedenfalls zweifelt an, dass Whorf mit den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten für Zeit im Hopi nicht vertraut gewesen sei. Es gäbe keine Belege dafür, dass Whorf behauptet hätte, die Hopi könnten „«Zeit» nicht denken, da sie nicht die sprachlichen Mittel besäßen, diese auszudrücken“ (Trabant 2012: 261), sondern er mache lediglich aufmerksam auf ein kreisförmiges Zeitverständnis, das von dem indoeuropäischen abweicht, was sich in der Sprache entsprechend äußert, und nach aktuellem Stand der Forschung der Wahrheit entspricht (siehe Anhang I). Konsequenterweise müsse die Rezeption Whorfs korrigiert werden: Die Beschäftigung mit der Hopi-Sprache eröffne uns nicht eine (womöglich dem Bau des Universums besser entsprechende, vgl. Underhill 2009: 43) parallele Realität, sondern mache uns darauf Aufmerksam, dass Zeit ein abstraktes Konstrukt ist, welches von anderen Völkern anders – und nicht minder logisch – gehandhabt wird. Dass das indoeuropäische lineare Zeitverständnis, von dem wir gewohnt sind auszugehen und gedanklich zu operieren, keine universale Gesetzmäßigkeit ist, sondern ein konventionalisierter Begriff, ist die zentrale Aussage der Arbeiten Benjamin Lee Whorfs. Es handelt sich also um die Selbstverständlichkeit, mit der gewohnte Sprachstrukturen hingenommen werden, sodass Begriffe und arbiträre Konzepte innerhalb einer Sprache mit den realen Gegenständen selbst verwechselt werden, die Whorf herausstellen wollte. Es ging ihm nicht um die Anzweiflung einer gemeinsamen Realität und tatsächlich leugnet der „karikaturale […] Relativismus“ (Trabant 2012: 236), der von Whorf vertreten werde, nicht eine gemeinsame Referenz- Welt hinter der perspektivischen Verschiedenheit (wie Whorf an dieser selten zitierten Stelle unmissverständlich darlegt: „Visual perception is basically the same for all normal persons past infancy and conforms to definite laws, a large number of which are fairly well known“, zit. nach Whorf in einem Aufsatz über das Shawnee, in: Werlen 2002: 212). Folglich widerlegen Tests, die eine universale physiologische Wahrnehmungsfähigkeit bei allen Menschen feststellen, nicht die Sapir-Whorf- Hypothese, wie sie eigentlich in den Originaltexten erscheint, sondern eine radikale Uminterpretation derselben in den 50er Jahren. Diese verkürzte Uminterpretation vor dem Hintergrund psychologisch-physiologischer Paradigmen (vgl. Pavlenko 2014: 12) geht auf Brown/ Lenneberg (1954) zurück und ihre Versuche, anhand von Farbtests einen Einfluss der Sprache auf die reale Wahrnehmung zu belegen – und damit vermeintlich die Sapir-Whorf-Hypothese zu verifizieren. Um aber eine These, wie die Whorfs überhaupt erst testbar zu machen, muss sie konsequent missverstanden werden (vgl. Werlen 2002: 27), handelt es sich doch, genauer betrachtet, um eine sprachphilosophische Annahme, dass universelles Erleben von Menschen verschiedenartig versprachlicht wird, und wir daher nur einen selektiven Teil der gemeinsamen objektiven Wahrheit im Kopf haben, nämlich den in unserer Sprache versprachlichten. „Liest man Whorf kritisch, wohlwollend und differenziert, ist er kein Vertreter eines sprachlichen Determinismus […]“, vielmehr nehme er eine deutliche Position für den sprachlichen Relativismus ein, „als sprachlich vermittelte und von den sprachlich vorgegebenen Kategorien mitbestimmte Auffassung der Welt“ (Werlen 2002: 238). Die Idee des sprachlichen Relativismus hat Whorf von dessen Vorbild und Lehrer, dem US-amerikanischen Anthropologen und Sprachwissenschaftler Edward Sapir (1884-1939) übernommen, der ebenfalls bisher unbeschriebene indigene Sprachen Amerikas studierte und 1921 die Relativitätstheorie postulierte. Für Sapir kommen die grundlegenden Züge einer Kultur in ihrer Sprache am deutlichsten zum Ausdruck, deswegen ist die Erforschung der Sprache für ihn ein Teil der ethnologischen Erforschung fremder Kulturen, sogar einer der wichtigsten Teile. Die Annahme, dass der Mensch ohne Sprache denken würde, sei eine Illusion, der er deshalb unterliege, weil ihm die Rolle der Sprache unbewusst sei (vgl. Pavlenko 2014: 109). Mit zunehmender Erkenntnis aber („sobald unsere wissenschaftliche Erfahrung zunimmt“, zit. nach Sapir 1933, in: Werlen 2002: 198), sei der Mensch in der Lage, die sprachlich vorgegebenen Implikationen zu überwinden – ein Punkt, der bei Sapir, der selbst Gedichte schrieb (vgl. Werlen 2002: 188) und Wert auf die Kreativität des Sprachgebrauchs legte, ausdrücklich hervorgehoben wird. Und doch findet es in der Rezeption wenig Anklang („[…] escapes the attention of those who favor simplistic interpretations“, Pavlenko 2014: 9), dass der Mensch durch seine Sprache zwar geprägt und, wie ich im weiteren Verlauf zeigen werde, bis zu einem gewissen Grad gelenkt, aber nicht limitiert wird (ein Punkt, in dem Sapir dem Humbold’schen Sprachverständnis nahe kommt, vgl. Głaz u.a. 2013: 13). Problematisch und maßgeblich verantwortlich für Missinterpretationen und Kontroversen bis heute ist, dass sowohl Whorf als auch Sapir sich einer unpräzisen und mehrdeutigen Ausdrucksweise bedienen (vgl. Hua 2013: 176; Underhill 2009: 40f.) und sich an vielen Stellen selbst widersprechen. Pointierte Textpassagen wechseln sich mit relativierenden Hinweisen auf die Komplexität der Thematik ab, was sicherlich damit zu tun hat, dass vor dem Hintergrund eines positivistischen Zeitgeistes harte Fakten von wissenschaftlichem Interesse waren, und Uneindeutigkeiten als unwissenschaftlich galten (vgl. Underhill 2009: 36; Werlen 2002: 19). Weil viele Autoren, die sich mit Whorf und Sapir beschäftigen, die Originaltexte nicht gelesen haben (vgl. Werlen 2002: 238), sondern sich auf externe Interpretationen verlassen, gibt es heute zwei Lesarten der Sapir- Whorf-Hypothese, von denen eine als „schwach“ (Sprache beeinflusst die Denkvorgänge) und die andere als „stark“ (Sprache bestimmt die Denkvorgänge) bezeichnet wird. Laut Hua (2013: 179) ist weder klar, ob irgendjemand jemals die starke Version des Sprachdeterminismus vertreten hab nicht bewußt sind“ (Whorf 1999: 52f., Hervorhebung d.V.) ist „a grotesque misinterpretation of Whorf’s view of language […]“ (Underhill 2009: 45)e, noch, ob es das war, was Whorf gemeint hat. Dass die menschlichen Gedanken „durch unerbittliche Strukturgesetze beherrscht werden, die dem Denkenden, zumal ja Whorf selbst dem Käfig seiner Sprache entkommen und über die sprachlichen Konventionen der Hopi reflektieren konnte. Die Irrtümer des linguistischen Relativismus in seiner deterministischen Ausprägung sind evident: es wäre nicht möglich, von einer Sprache in die andere zu übersetzen, bilinguale Personen könnten keine gemischten, kreativen Kommunikationstechniken anwenden, und alle Mitglieder einer heterogenen Sprachgemeinschaft wären dazu gezwungen, auf eine bestimmte, feststehende Weise zu denken. „Eines zumindest scheint klar zu sein: So einfach ist die Sache nicht“ (Grau 2008: 17).

2.2 Zurück ins 18. Jahrhundert: Humboldts Blick auf Sprache

„Durch die gegenseitige Abhängigkeit des Gedankens, und des Wortes voneinander leuchtet es klar ein, daß die Sprachen nicht eigentlich Mittel sind, die schon erkannte Wahrheit darzustellen, sondern weit mehr, die vorher unerkannte zu entdecken. Ihre Verschiedenheit ist nicht eine von Schällen und Zeichen, sondern eine Verschiedenheit der Weltansichten selbst. Hierin ist der Grund, und der letzte Zweck aller Sprachuntersuchung enthalten“ (Humboldt 2008: 50f., Hervorhebungen d.V.). Meiner Ansicht nach ist in diesem kleinen Abschnitt die Sprachphilosophie des für unser Anliegen so bedeutsamen deutschen Sprachphilosophen Wilhelm von Humboldt bereits in weiten Teilen skizziert. Wilhelm von Humboldt (1767-1835) widmete sich, ähnlich wie Sapir und Whorf, dem Studium verschiedener Sprachen, und untersuchte sie auf ihre strukturellen Differenzen hin, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft die Realität um sie herum auf einzigartige Weise formulieren. Und obwohl Sapir und Whorf mit den Humboldt‘schen Schriften in englischer Übersetzung vertraut waren (vgl. Trabant 2012: 279) scheint der sprachliche Relativismus sich zu Unrecht auf Humboldt zu beziehen (vgl. Trabant 2012: 25). „He was certainly no relativist […]“ (Underhill 2009: 119). Sein präzise definiertes Konzept der sprachlichen Weltansicht 1 meint nämlich nicht, dass die Sprachen ihren Sprechern einen Blick auf die Welt eröffnen würden, der anderen Sprachträgern verborgen bliebe. Ganz im Gegenteil baut Humboldts Sprachverständnis wesentlich auf der Prämisse auf, dass jede Sprache auf der Welt ihren Sprechern die nötigen sprachlichen Mittel zur Verfügung stelle, jede nur mögliche Idee zu formulieren. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist die einzelsprachliche Art und Weise der Anpassung dieses begrifflichen Stoffes in die Sprachform für die Kognition nicht gleichgültig. Humboldt begreift Denken, nach der philosophischen Tradition Herders, als „organisierende Tätigkeit des Geistes“ (Schmidt 1968), welche universale Sinneseindrücke zu Gegenständen des Geistes erhebt. Allein, diese Tätigkeit kann ohne ein Medium nicht ausgeübt werden, in den Worten Humboldts: „Die Sprache ist das bildende Organ des Gedanken“, und weiter: „Die intellektuelle Tätigkeit ist an die Notwendigkeit geknüpft, eine Verbindung mit dem Ton einzugehen, das Denken kann sonst nicht zur Deutlichkeit gelangen, die Vorstellung nicht zum Begriff werden“ (Humboldt 2008: 169, Hervorhebungen d.V.). Das Medium (die Sprache) dient somit nicht mehr nur kommunikativen Zwecken, sondern ist formgebend an der Gedankenbildung selbst beteiligt, und damit ist die Sprache kognitiv. Sie ist kein bereits erzeugtes, vorgefertigtes Produkt zur Bezeichnung der Gegenstände und Vorgänge durch den Menschen, sondern die dynamische, sich in der Rede (parole) ständig neu erzeugende Tätigkeit selbst: „Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Tätigkeit (E nergeia). Ihre wahre Definition kann daher nur eine genetische sein. Sie ist nämlich die sich ewig wiederholende Arbeit des Geistes, den artikulierten Laut zum Ausdruck des Gedanken fähig zu machen“ (Humboldt 2008: 324). Hier kommt dem Individuum eine zentrale schöpferische Rolle zu, was für das Sprachverständnis Humboldts sehr wichtig ist, und auch bei Sapir so anklingt (vgl. Głaz u.a. 2013: 13), aber durch Textpassagen überdeckt wird, die dogmatischer anmuten („[…] it was easier to argue about and to digest“, Pavlenko 2014: 14). Der Mensch denkt zwar in sprachlich vermittelten Gegenstandsbegriffen und ist somit in gewisser Weise von den Mitteln seiner Sprache beeinflusst, weil sie den Gedanken nicht nur artikulieren, sondern mitgestalten, jedoch ist diese Beeinflussung reziprok: der Mensch beeinflusst seine Sprache ebenfalls (vgl. Werlen 2002: 150), denn er benutzt die begrenzten Mittel seiner Sprache wie ein Handwerker sein Werkzeug zum Ausdruck unendlich vieler universell zugänglicher Ideen. So verschieden die Sprachen auch strukturell sind, sie haben fundamentale Prinzipien des Denkens gemeinsam und sie lösen alle dieselbe Aufgabe in gleichwertiger, jedoch absolut verschiedener Art und Weise, nämlich die kognitive Verarbeitung der Wirklichkeit. Die einzelsprachliche Art und Weise der Verarbeitung ist die Weltansicht einer Sprache, die in jedem Element des Systems als dessen „Charakter“ (Humboldt 2008: 354) zum Ausdruck kommt, und sich, im Gegensatz zu ideellen Gehalten, nicht in eine andere Sprache übersetzen lässt. Weltansicht ist nicht Welt oder Weltanschauung, wie das in der englischen Übersetzung mit worldview oft fehlgedeutet wurde und wird (vgl. Underhill 2009: 16f.), sondern Satz, Satzteil, Wort und Laut als kognitive Aneignung der Welt durch einen Teil der Menschheit. Die Subjektivität bei Humboldt ist keine Unüberwindbarkeit von sprachlichen Grenzen, und erst recht keine Limitierung des menschlichen Geistes, sondern im Gegenteil, eine Aufforderung, anhand einer anderen Weltansicht etwas zu erkennen, was durch die „prinzipielle Sprachverhaftetheit des Menschen“ (Werlen 2002: 151) oft unbemerkt bleibt: dass Sprache und Denken zwar in spezifischer Weise aufeinander bezogen sind, aber Sprache nicht identisch ist mit Denken, sondern es sich nur um eine von vielen möglichen Gliederungen des Denkbaren handelt. „Damit hatte von Humboldt den entscheidenden Punkt getroffen, was aber nicht verhinderte, dass die Geistes- und Kulturwissenschaften erst einmal eine andere Entwicklung nahmen“ (Grau 2008: 18) 2. Dass die Verschiedenheit fundamental sein kann und durchaus Auswirkungen darauf haben kann, welchen Wirklichkeitsausschnitt ein Mensch spontan zuerst wahrnimmt, oder worauf er gewohnheitsmäßig Aufmerksamkeit richtet („[…] our perception of the real existing world is directed and shaped“, Underhill 2009: 126), aber die grundlegende Universalität der geistigen Dispositionen dennoch jegliche verallgemeinernde Wertung verbietet, ist charakteristisch für Humboldts Sprachdenken. Ein Denken in binären Oppositionen liegt ihm fern. „[O]ften both Sapir and Whorf seem to be struggling to express ideas which had already been formulated by Humboldt over a hundred years before“ (Underhill 2009: 49), was nur vor dem entsprechenden Hintergrund des 20. Jahrhunderts zu verstehen ist.

2.3 Eine Neubewertung der Relativitätstheorie

Dass sich Unterschiede in den Sprachen doch kognitiv auswirken, und also die Art, wie wir die Welt erfahren bis zu einem gewissen Grad davon abhängt, wie wir darüber sprechen, ist heute wieder zum Gegenstand der Forschung geworden: „After decades of obloquy, Benjamin Whorf is back“ (zit. nach Gopnik 2001, in: Werlen 2002: 31). Allerdings wollen Neuformulierungen nicht die Sapir-Whorf-Hypothese der 40er Jahre wiederbeleben, sondern unmissverständlich den Unterschied zwischen dem physischen Eindruck und dem konzeptuellen Begreifen auf Grundlage der Muttersprache herausstellen. „,Denken‘ bedeutet, die Wirklichkeit in Gestalt von Begriffen, Urteilen und Schlüssen mental widerzuspiegeln. Das Denken ist der wichtigste Teil des Bewusstseins, aber doch nur ein Teil davon“ (Golowin 1976: 19). Dieser wichtigste Teil, das Begreifen, Urteilen und Schlüsse ziehen, ist der spezifisch menschliche Teil, und weil ohne Sprache der Eindruck nicht zum Begriff wird, gilt: „Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache; um aber die Sprache zu erfinden, müsste er schon Mensch sein“ (Humboldt 2008: 44). In der Debatte um den einzelsprachlichen Einfluss auf kognitive Vorgänge werden die Ausdrücke, auf deren Präzision es ankommt, nämlich „Weltansicht“, „Weltbild“, „Begriff“ etc. von vielen Autoren zu leichtfertig gebraucht, oder ungenau übersetzt, sodass oft missverstanden wird, was eigentlich gemeint ist. Anfang der 50er Jahre wollten Roger W. Brown und Eric Lenneberg empirisch überprüfen, ob das, was in der Sprache fehlt, in der Realität auch übersehen wird. Dabei ist, die Wahrnehmung für „grün“ und „blau“ zu überprüfen, wenn es in der Sprache für beide Farben nur ein Wort siyóname gibt, in etwa so absurd, wie nachzuprüfen, ob Sprecher der russischen Sprache in der Lage sind, zwischen den Körperteilen „Fuß“ und „Bein“ zu unterscheiden, obwohl es nur ein Wort noga gibt. „I do not need a concept of a bus to be knocked over by one“, so formuliert es Underhill (2009: 73). Die aktuellen Studien zielen nun darauf ab, zu zeigen, dass es dennoch einen Unterschied macht, wenn wir die entsprechenden Worte haben (siehe Anhang II). Es hält einen Menschen nicht davon ab, einen süß-sauren Geschmack zu schmecken, wenn es in seiner Sprache den Ausdruck „süß-sauer“ nicht gibt, „[…] though vocabulary may well direct and refine our perception of those tastes, colours and textures“ (Underhill 2009: 125), weil der Geschmack treffend begrifflich eingeordnet werden kann. In Sprachen ohne ein solches Wort kann der Geschmack selbstverständlich mit eigensprachlichen Ausdrucksmitteln umschrieben werden, aber „[…] it‘s expression in one language may be easier than in others, with aspects of meaning being more or less obligatory“ (Pajdzińska 2013: 45). Wenn man diesen Punkt fernab jeder Esoterik versteht, dann ist es offensichtlich, dass das Inventar der Begrifflichkeiten, Kategorisierungen und Relationen der Worte zueinander (z.B. Ober- und Unterbegriffe) den Gedankengang beeinflussen muss, weil es abstrakte semantische Gruppierungen arrangiert und bestimmte Wirklichkeitsausschnitte zum Begriff erhebt, die in anderen Sprachen nicht unbedingt relevant sind. Wenn ein Sprecher der russischen Sprache noga sagt, dann spielt es keine Rolle, ob nun Fuß oder Bein gemeint ist. Sobald wir in der Sprache die Worte Fuß und Bein haben, wird die Unterscheidung für den Sprecher obligatorisch. Es handelt sich hier um einen sprachlichen Einfluss auf den Grad der Explizitheit bei der Angabe, ohne dass der russische Sprecher den Unterschied nicht mit anderen sprachlichen Mitteln ausdrücken könnte, wenn die Situation es erfordert (z.B. im medizinischen Kontext). Auch grammatisch verfügen Sprachen über verschiedene Kategorien, die verpflichtend auszudrücken sind (etwa die Aspektualität der Verben im Russischen), wodurch die Sprecher „gezwungen“ sind, dieser Facette der Wirklichkeit Relevanz beizumessen. Im englischen Beispielsatz The man is sick sind Numerus, Definitheit und Tempus auszudrücken, wohingegen in der indigenen Sprache Kwakuitl die Kategorien der Sichtbarkeit, der Lage und der Entfernung mitausgedrückt – und damit mitberücksichtigt – werden müssen (Beispiel nach Boas, in: Werlen 2002: 182). Daraus nun zu schlussfolgern, dass es etwas „bedeutet“, wenn eine Sprache etwas grammatisch fordert, gilt in der Sprachwissenschaft als problematisch, etwa wenn man von der Syntax des französischen Satzes auf die besondere clarté der französischen Nation schließt 3. Solche Schlussfolgerungen sind gefährlich und sie verdrehen die Argumentation in eine verkehrte Richtung, wie dies in der Vergangenheit oft geschah (vgl. Underhill 2009: 16f.; Hua 2013: 184f.) und in der Ethnolinguistik immer noch geschieht (siehe Anhang III). Und obwohl es auch bei Humboldt heißt: „Die Geisteseigentümlichkeit und die Sprachgestaltung eines Volkes stehen in solcher Innigkeit der Verschmelzung ineinander, daß, wenn die eine gegeben wäre, die andere müßte vollständig aus ihr abgeleitet werden können“ (Humboldt 2008: 322), sowie entsprechend bei Werlen (2002: 196): „Jede Sprache ist vollkommen für die jeweilige Kultur zurechtgemacht“, kann doch jeder menschliche Geist, unabhängig von Kultur und Mentalität, alles Denkbare denken, in jeder Sprache. Der Mensch, der seine Muttersprache gewohnt ist, bleibt nur so lange in dem Glauben, dass die Grammatik seiner Sprache der Welt Struktur gibt, wie er gedanklich innerhalb seiner Weltansicht bleibt, wozu er aber nicht gezwungen ist. Die Grammatik einer Einzelsprache zwingt dem Individuum nämlich nichts auf, sondern bietet ein umfassendes, vollkommenes Inventar an Ausdrucksmöglichkeiten, und zwar so, wie es die Sprecher dieser Sprache über Jahrhunderte hinweg herausgebildet haben. „Die Grammatik sucht und findet Allgemeines in Individuellem, Gleichartiges in Verschiedenartigem, Invariantes in Variablem“ (Golowin 1976), indem sie Gesetzmäßigkeiten schafft, an die sich die Sprachgemeinschaft hält. Dass die Gesetzmäßigkeiten in einem arbiträren Verhältnis zur Wirklichkeit stehen und andere Sprachen es ganz anders handhaben, ist für Humboldt der Grund aller Sprachuntersuchung. Der Mensch kann sich der Subjektivität seiner Weltansicht bewusst werden, und sich möglichst viele andere Weltansichten erschließen, um die Vielfalt des menschlichen Geistes kennenzulernen. Humboldts Weltansicht sollte gerade Pluralität lehren, statt nationalistischer Überlegenheit. So ging es auch Whorf in erster Linie um das „ordinary human agreement“ (Pavlenko 2014: 226), das die Sprache letztlich ist, und somit war es auch sein Anliegen, auf die Subjektivität der Muttersprache aufmerksam zu machen (vgl. „Indo-European languages have caused us to fall under the illusion of taking our words for things“, Underhill 2009: 43). Sprache hat einen Einfluss auf das Denken, aber nicht, indem sie Gesetzmäßigkeiten für den Sprecher festlegt, sondern, indem sie dessen Aufmerksamkeit in eine Richtung lenkt, die er zu verlassen imstande ist (für eine Studie zur Lenkung der Aufmerksamkeit durch Sprache siehe Anhang IV, Punkt 1). Denn ein Sprecher der russischen Sprache kann natürlich begreifen, dass die deutschen Worte Fuß und Bein den Begriff noga expliziter unterteilen, und Sprecher der deutschen Sprache können über die grammatische Kategorie des Aspekts bei russischen Verben sprechen, wohlgemerkt, in deutscher Sprache. Zur Neuinterpretation der Sapir-Whorf-Hypothese 4 werden wissenschaftliche Studien entsprechend in den Kontext der Mehrsprachigkeit gestellt, was neue Horizonte eröffnet. Dass eine Sprache etwas hervorhebt, was die andere nicht unbedingt fordert, oder dass ein Ausdruck eines Umstands schwer fällt, kann nur zur Deutlichkeit gelangen, wenn man den Vergleich zweier oder mehrerer Weltansichten hat, was frühe Bilinguale geradezu für derlei Studien prädestiniert. „Bilingual studies not only provide an exceptional opportunity to test the Sapir-Whorf hypothesis, but also to broaden the scope of investigation […] and to engage in broad explorations of thinking and speaking in two or more languages “ (Hua 2013: 183). Es stellt sich die Frage, ob bilinguale Personen in beiden Sprachen denken können und ob sie entsprechend ihr Denken umstrukturieren müssen, wenn sie ihre Sprache wechseln. Wenn ja, dann sollen Untersuchungen mit bilingualen Sprechern zeigen, wie sich dieser Effekt bemerkbar macht. „So let us examine, what it means for bilinguals to speak with more than one voice, or, shall we say, with a forked tongue?“ (Pavlenko 2014: 205).

[...]


1 Im Folgenden werde ich Weltansicht kursiv setzen, weil dieser Terminus nicht zufällig gewählt ist, sondern speziell das Humbold’sche Konzept meint: den einzelsprachlich realisierten Ausdruck von abstrakten Gehalten.

2 Die Fragen nach der Verbindung zwischen Sprache und Denken wurden im 19. Jahrhundert nicht in Humboldts Sinn beantwortet. Insbesondere die Volkspsychologie und die Idee vom „Volksgeist“ bei Steinthal (1855) münden in die Auffassung von Denken als total sprachverhaftetem Prozess, so z.B. bei Wittgenstein: „The limits of my language mean the limits of my world“ (zit. nach Wittgenstein 1922, in: Hua 2013: 173).

3 So geschehen bei Henri Meschonnic (1997) im „Essai sur une clarté obscure“ (vgl. Trabant 2012: 204).

4 Aus praktischen Gründen werde ich weiterhin von der Sapir-Whorf-Hypothese sprechen, auch wenn es sich nicht eigentlich um eine Hypothese, sondern vielmehr um ein Prinzip handelt, das nicht anhand von kontrastiven Wahrnehmungsstudien überprüfbar ist (vgl. Werlen 2002: 239). Wenn ich diesen Terminus benutze, dann soll er im Folgenden nicht verwechselt werden mit der starken Lesart („[…] what should have been the Brown-Lenneberg hypothesis“, Pavlenko 2014: 14).

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Zwei Sprachen – zwei Ansichten? Wie Bilingualität das Denken beeinflusst
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Slawistik)
Veranstaltung
Slawische Sprachwissenschaft
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
41
Katalognummer
V507161
ISBN (eBook)
9783346076922
ISBN (Buch)
9783346076939
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilingualität, Zweisprachigkeit, Mehrsprachigkeit, Sprachphilosophie, Sprachwissenschaft, Relativitätstheorie
Arbeit zitieren
Katharina Ortlieb (Autor), 2016, Zwei Sprachen – zwei Ansichten? Wie Bilingualität das Denken beeinflusst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507161

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