Soziale Arbeit und Wirtschaft. Wirtschaftliche Chancen in der Sozialen Arbeit nutzen und Risiken minimieren


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Sozialökonomische Vorbemerkungen

2. Betriebswirtschaftliche Aspekte in der Sozialen Arbeit
2.1 Ökonomie in sozialen Organisationen
2.2 Betriebswirtschaftliche Steuerung durch Management
2.3 Bedeutung betriebswirtschaftlichen Grundlagenwissens für die Soziale Arbeit

3. Betriebswirtschaftliche Instrumente
3.1 Finanzierung in sozialen Organisationen
3.2 Controlling in sozialen Organisationen

4. Erläuterung der Plankostenrechnung

5. Gedanklicher Ausklang

Literaturnachweise

Internetquellen

1.Sozialökonomische Vorbemerkungen

In den letzten Jahrzehnten und selbst in Krisenzeiten ist der Bereich der Sozialen Arbeit durch ein hohes Wachstum und steigende Beschäftigungszahlen gekennzeichnet. Dabei haben sich die strukturierenden Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in jüngster Vergangenheit nachhaltig verändert. Überdies ist zu beobachten, dass Marktmechanismen in die Sozialwirtschaft Einzug gehalten haben und mithin der Wettbewerb zwischen öffentlichen, frei-gemeinnützigen und privat-gewerblichen Trägern deutlich zunimmt. Die Sozialunternehmen konkurrieren mit ihren Einrichtungen und Diensten einerseits um knapper werdende Ressourcen und andererseits auch um ihre Adressaten oder Kunden. Somit entsteht in der Sozialwirtschaft ein hoher Druck, die Leistungserbringung nicht nur entlang der eigenen fachlichen Standards zu gewährleisten, sondern diese auch mit ökonomischen Maßgaben der Wirtschaftlichkeit abzustimmen (vgl. Holdenrieder 2013: 5f.). Die Träger bzw. deren Mitarbeiter müssen sich demzufolge mit neuen und wachsenden Anforderungen hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Kompetenzen auseinandersetzen, um vor dem gesellschaftspolitischen Legitimationsdruck bestehen zu können (vgl. Schellberg 2009: 11).

Demgemäß beziehen sich die anfänglichen Ausführungen auf die betriebswirtschaftlichen Aspekte in der Sozialen Arbeit und deren Bedeutung für diese. Im Anschluss daran widmet sich die Arbeit der Betrachtung zweier ausgewählter betriebswirtschaftlicher Instrumente mit dem Hintergrund der Beantwortung der Fragestellung, inwieweit die zuvor benannten ökonomischen Vorgehensweisen auf der einen Seite für die wirtschaftlichen Chancen in sozialen Organisationen nutzbringend sind und wie andererseits mögliche Risiken minimiert werden können. Überdies wird in der abschließenden Darstellung einer Plankostenrechnung die Wirtschaftlichkeit des Angebotes eines Jugendhilfeträgers geprüft und bewertet.

2.Betriebswirtschaftliche Aspekte in der Sozialen Arbeit

Noch bis vor wenigen Jahren stellte sich die Haltung vieler Sozialunternehmen hinsichtlich eines betriebswirtschaftlichen Handelns und Denkens als sehr ablehnend dar (vgl. Holdenrieder 2013: 5). Aufgrund der Verknappung von Gütern, der aber dennoch steigenden menschlichen Bedürfnisse, sind die Träger der Sozialen Arbeit zunehmend dazu verpflichtet, neben der geforderten sozialpädagogischen Fachlichkeit, verstärkt auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen zur Bewältigung der steigenden Anforderungen in ihren Einrichtungen und Diensten zu berücksichtigen (vgl. Heister 2012: 157).

2.1 Ökonomie in sozialen Organisationen

Ein Grundgedanke der Ökonomie ist, das Handeln der Menschen über finanzielle Mittel und Macht zu steuern. Dementgegen steht die Soziale Arbeit mit ihrer gegensätzlichen Struktur, welche von Kommunikation und Vertrauen geprägt ist. Insofern haben die Ökonomie noch die Soziale Arbeit gemeinschaftliche Zielvorstellungen und sind somit nur eingeschränkt vereinbar (vgl. Seithe 2012: 196).

Soziale Arbeit, als eine besondere Dienstleistung inbegriffen ihrer spezifischen Strukturen, kann sich diesem System dennoch nicht gänzlich entziehen und erfordert eine betriebswirtschaftliche Anpassung an die speziellen Gegebenheiten der sozialen Organisationen (vgl. Schellberg 2009: 6). Diese Aussage kann angesichts der folgenden Ausführungen zu Organisationen fundiert werden.

Soziale Arbeit verwirklicht sich immer im Rahmen von Organisationen. Spricht man von sozialer Arbeit, so ist nicht unorganisierte Hilfeleistung gemeint, sondern zweifellos die organisierte Form (vgl. Merchel 2012: 3). Allumfassend versteht sich Organisation als ein soziales Gebilde, welches durch Handeln der Menschen erschaffen und mit einem beständigen Ziel fortgesetzt wird (vgl. ebd. 8). Die Soziologie betrachtet Organisation als ein System, in welchem verschiedene soziale und technische Merkmale kooperieren, mit dem Bestreben der Güterherstellung und der Leistungserbringung (vgl. Schmidt/ Berg 1995: 1).

Insofern ist eine rationale und zielgerichtete Ökonomie bedeutend, um in sozialen Organisationen eine Verringerung der bestehenden Knappheit an Gütern und Leistungen zu gewährleisten (vgl. Schellberg 2009: 12). Dies erfolgt auf dem Grundsatz des ökonomischen Prinzips, welcher alle Möglichkeiten der Maximierung und Minimierung nützt, aber nicht mit einer Gewinnmaximierung verwechselt werden sollte. Das ökonomische Prinzip bedeutet beispielsweise, dass Leistungen maximiert aber dennoch Kosten eingespart werden. Somit würde diese bestmögliche Beziehung zwischen Output und Input eine effiziente Situation für die Ökonomie bewirken (vgl. ebd. 13).

Da soziale Organisationen Betriebe sind, erfolgt wirtschaftliches Handeln auf dieser Ebene. Dies ist verbunden mit einem entsprechenden Risiko. Im Gegensatz dazu können aber eigenverantwortliche Entscheidungen getroffen werden. Dabei darf ein Betrieb das finanzwirtschaftliche Gleichgewicht nicht aus den Augen verlieren, da dies ansonsten eine wirtschaftliche Existenzunfähigkeit zur Folge haben könnte (vgl. ebd. 14f.). Im sozialen Bereich werden Betriebe in zwei verschiedene Kategorien unterteilt. Der gewinnorientierte Betrieb und der bedarfsdeckende Betrieb. Ersterer ist im Sozialbereich in der Minderzahl anzutreffen, da dieser gewinnorientiert arbeitet. Präsenter sind die bedarfsdeckenden Betriebe auch als Non- Profit- Organisationen bezeichnet, zu welchen die gemeinnützigen Organisationen und öffentlichen Träger zählen. Für diese Sozialunternehmen steht nicht der Gewinn sondern die soziale Dienstleistung an erster Stelle. Dennoch ist das Geld unentbehrlich zur Erfüllung des Zieles. Hinsichtlich der begrenzten finanziellen Mittel und der finanziellen Verantwortung in sozialen Organisationen gilt für beide betriebliche Typen bezüglich des wirtschaftlichen Handelns das ökonomische Prinzip (vgl. ebd. 15).

Betrachtet man eine sozialwirtschaftliche Organisation aus ökonomischer Perspektive, so stehen Leistungsempfänger, Sozialleistungsträger und das Sozialunternehmen im sozialrechtlichen Dreiecksverhältnis, in welchem alle Beteiligten voneinander abhängig sind und sich somit durch Fremdmittel indirekt refinanzieren (vgl. ebd. 16). Zudem wird dieses Dreiecksverhältnis in der Sozialwirtschaft auch als unschlüssiges Tauschverhältnis bezeichnet, da die Rollen und Interessen der Beteiligten nicht identisch sind (vgl. ebd. 22).

2.2 Betriebswirtschaftliche Steuerung durch Management

Der Begriff Management charakterisiert die Gestaltungs- und Steuerungsfunktionen von Organisationen der Sozialen Arbeit. Managementanforderungen erstrecken sich über die verschiedensten Steuerungsbereiche einer Organisation. Zudem sind sie in Angelegenheiten der Finanz- und Organisationsgestaltung, der Außenrepräsentation der Organisation und der Teamentwicklung zu finden (vgl. Merchel 2012: 36f.). In der Regel liegt das Hauptaugenmerk des Managements auf der Leitungsebene, welche die Führungsfunktion übernimmt (vgl. Schellberg 2009: 11) und zielorientiert Planungs- und Steuerungsprozesse mit betriebswirtschaftlichen Methoden gestaltet (vgl. Merchel 2012: 40). Insbesondere gilt dies für den Erhalt der finanziellen Ressourcen, deren Beschaffung und Verwaltung sowie deren zielgerechten Einsatz zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Existenz der Organisation (vgl. ebd. 47). In der heutigen Zeit, in der Organisationen immer komplexer werden und auch deren Prozesse unkalkulierbarer, gewinnen die betriebswirtschaftlichen Managementaufgaben an Bedeutung. Diesbezüglich sollte man sich von den noch zum Teil bestehenden Idealvorstellungen eines perfekten Managements entfernen. Auch wenn standardisierte Verfahren, wie z. B. das Qualitätsmanagement Einzug in die Organisationen gehalten haben, zeigen uns die Alltagserfahrungen oftmals unvorhergesehene Dynamiken und undurchschaubare Prozesse. So sind unsichere Grundlagebedingungen und Interaktionsdynamiken inner- und außerhalb der Organisation eine stete Herausforderung für das Managementhandeln (vgl. ebd. 40f.).

Gerade in den Zeiten sich ständig verändernder Finanzierungsmechanismen, welche geprägt sind von in der Wirtschaft gebräuchlichen Vertrags- und Preisgestaltungen, hat sich das sogenannte Finanzmanagement zu einem elementaren Bestandteil sozialer Einrichtungen entwickelt. Schwerpunkte sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Verankerung betriebswirtschaftlicher Anforderungen und deren Akzeptanz durch die Organisationsmitglieder. Das erfordert ein Loslassen alter Denk- und Handlungsmuster. Zudem muss das Finanzmanagement auf der Basis effektiver Kosten- und Einnahmekalkulationen einen umsetzbaren Haushaltsplan zur Gewährleistung der wirtschaftlichen Existenz entwerfen. Dies erfolgt durch den Einsatz eines transparenten Rechnungswesens, welches den Bestimmungen einer Kosten- Leistungsrechnung entspricht (vgl. Merchel 2012: 47f). Überdies müssen die für den sozialen Bereich derzeit gültigen Finanzierungsbedingungen in die Finanzsteuerung der Organisation übernommen werden. Zusammengefasst wird deutlich, dass eine alleinige Aufzeichnung betriebswirtschaftlicher Vorgänge unzureichend und demzufolge eine aktive betriebswirtschaftliche Steuerung unentbehrlich ist (vgl. ebd. 49f.).

In dritten Kapitel wird überdies noch einmal speziell auf die zentrale Begrifflichkeit des betriebswirtschaftlichen Steuerungshandeln, das „Controlling“ (vgl. ebd. 48) eingegangen

2.3 Bedeutung betriebswirtschaftlichen Grundlagenwissens für die Soziale Arbeit

Soziale Arbeit ist nicht mit einer herkömmlich bekannten Dienstleistung zu verwechseln. Sie ist eine besondere Dienstleistung, welche sich durch ihre spezifischen Markt- und Anbieterstrukturen unterscheidet (vgl. Schellberg 2009: 6), dennoch aber vermehrt einem Veränderungsdruck unterliegt (vgl. ebd. 11). Insofern ist es in sozialen Organisationen und Einrichtungen immer erforderlicher, erbrachte Leistungen unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten und zu rechtfertigen. Dies kann aber nur auf Grundlage von Kenntnissen der Betriebswirtschaft erfolgen. In diesem Sinne setzt sich die Betriebswirtschaftslehre beispielweise mit der Frage der Finanzierung und der Erwirtschaftung von Geldmitteln auseinander und zeigt überdies durch ein umfangreiches Instrumentarium Alternativen auf. Interessant ist, dass 56 Prozent aller Organisationen wenig bis überhaupt nicht über alternative Finanzierungsmöglichkeiten informiert sind. Angesichts fehlenden Wissens über die finanzielle Situation der Organisation und der Aktivierung von Finanzierungsquellen fernab des öffentlichen Haushaltes ist wirtschaftliches Handeln kaum erfüllbar (vgl. Nicolini 2006: 9f.). Besonders, wenn es darum geht die Soziale Arbeit zu legitimieren, vermehrt Ressourcen zu aktivieren, die eigene Arbeit zu reflektieren und innovativ zu sein, ist fachliches Grundwissen unabdingbar (vgl. Schneiders: 2014: 229f.). So sind soziale Organisationen vermehrt mit betriebswirtschaftlichen Anforderungen konfrontiert, wenn es darum geht praktisch und rechtlich ihre Leistungen in einer Form zu erklären, welche die Verhältnisberechnung von Leistung und Vergütung ermöglicht (vgl. Schuhmacher 2011: 192). Nicht nur um die Leistungserbringung so zweckmäßig und kostengünstig zu gestalten, sondern auch um im Kostenvergleich mit anderen Leistungserbringern mithalten zu können, machen die Nutzung betriebswirtschaftlicher Kenntnissen und Instrumente immer naheliegender (vgl. ebd. 2011: 195). Um diesen Besonderheiten des sozialen Dienstleistungssektors wirtschaftlich fachgerecht zu entsprechen, wurden verschiedene betriebswirtschaftliche Instrumente wie z. B. Controllinginstrumente entwickelt (vgl. Schneiders 2014: 229).

3.Betriebswirtschaftliche Instrumente

Der Einzug der betriebswirtschaftlichen Instrumente in die Soziale Arbeit ist die Antwort auf die neue sozial- und finanzpolitische Strategie, welche zudem unübersehbare Konsequenzen mit sich bringen (vgl. Seithe 2012: 196). Dennoch sind sie für die Erbringung fachlicher Leistungen zur Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit einer sozialen Organisation unabdingbar (vgl. Heister 2012: 178).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Soziale Arbeit und Wirtschaft. Wirtschaftliche Chancen in der Sozialen Arbeit nutzen und Risiken minimieren
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V507216
ISBN (eBook)
9783346064547
ISBN (Buch)
9783346064554
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betriebswirtschaftliche Aspekte in der Sozialen Arbeit, Ökonomie in sozialen Organisationen, Betriebswirtschaftliche Steuerung, Betriebswirtschaftliche Instrumente, Finanzierung, Controlling, Plankostenrechnung, Sozialwirtschaft, Wirtschaft, Sozialunternehmen, Sozialrecht, Management, Rechnungswesen, Finanzpolitik
Arbeit zitieren
Ines Schrötter (Autor), 2015, Soziale Arbeit und Wirtschaft. Wirtschaftliche Chancen in der Sozialen Arbeit nutzen und Risiken minimieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507216

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