Die Schulsozialarbeit ist ein vergleichsweise junges Handlungsfeld und mittlerweile an den Schulen in Deutschland verstärkt anzutreffen. Sie beschränkt sich nicht mehr nur auf Grund- und Regionalschulen, sondern lässt sich zum Beispiel auch an Berufsschulen finden. Jedoch werden den Schulsozialarbeitern oft nur die Funktion des "Helfers" zugesprochen, die sich den Lehrern unterordnen müssen.
Das Ziel dieser Arbeit ist, einen allgemeinen Überblick über das Handlungsfeld der Schulsozialarbeit zu geben und dabei die Rahmenbedingungen kritisch zu beleuchten. Zusätzlich möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die Schulsozialarbeiter von den Lehrern integriert werden und ob eine Kooperation zwischen Schule und Schulsozialarbeit verlässlich an allen Schulen stattfindet. Um diese Frage zu beantworten, wurde eine Online-Befragung durchgeführt, dich sich bundesweit an die Lehrer richtete. Dazu wurden ihnen elf Fragen gestellt, die sich sowohl auf die Aufgaben und die Häufigkeit der Kooperation bezogen, als auch auf den Bedarf und die Qualität dieser.
Diese Umfrage zeigte, dass zwar an vielen Schulen ein Schulsozialarbeiter vertreten ist, aber die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Sozialarbeiter noch einige Lücken aufweist. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass sich die Lehrer mehr Unterstützung seitens der Schulsozialarbeit wünschen, diese aber trotzdem nur geringfügig in ihre Arbeitsabläufe involvieren. Auf dieser Grundlage ist es empfehlenswert, sich mit den Gründen zu beschäftigen, die eine Zusammenarbeit verhindern und wie diese Hindernisse von beiden Berufsgruppen überwunden werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungstand
3. Historie
3.1. Die Industrieschulen
3.2. Schulkindfürsorge und Horte
3.3. Schule während der Weimarer Republik
3.4. Veränderung in den Nachkriegsjahren
3.5. Erste Anfänge in den 1970er Jahren
3.6. Zweite Phase in den 1980er Jahren
3.7. Dritte Phase in den 1990er und 2000er Jahren
4. Schulsozialarbeit im Kontext Schule
4.1. Tätigkeitsfeld
4.2. Ziele und Zielgruppen
4.2.1. Schulsozialarbeit an Grundschulen
4.2.2 Schulsozialarbeit in Allgemeinbildenden Schulen
4.2.3 Anforderung der Schulsozialarbeit an Berufsschulen
4.3 Methoden und Angebote der Schulsozialarbeit
4.4 Handlungsprinzipien in der Schulsozialarbeit
5. Rahmenbedingungen für Schulsozialarbeit
5.1 Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen
5.2 Personelle Bedingungen
5.3 Professionalisierungsdebatte
6. Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit und Lehrern
6.1 Gründe für das Scheitern von Kooperationsversuchen
6.2 Möglichkeiten für eine funktionierende Kooperation
7. Auswertung der Studie
7.1 Aufbau und Einleitung der Studie
7.2 Auswertung der Antworten
7.3 Fazit der Studie
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das komplexe Berufsfeld der Schulsozialarbeit, mit besonderem Fokus auf die Kooperation zwischen Sozialpädagogen und Lehrern. Ziel ist es, den aktuellen Stand der Zusammenarbeit an Schulen in Deutschland kritisch zu beleuchten und Barrieren zu identifizieren, die eine effektive Kooperation erschweren.
- Historische Entwicklung der Schulsozialarbeit von den Industrieschulen bis zur Gegenwart.
- Analyse der rechtlichen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen.
- Diskussion des Professionsstatus und der Professionalisierungsdebatte in der sozialen Arbeit.
- Untersuchung der Kooperationsdynamik zwischen Lehrpersonal und Schulsozialarbeitern.
- Auswertung einer empirischen Studie zu Erwartungshaltungen und Praxissituationen in der Schulsozialarbeit.
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Anforderung der Schulsozialarbeit an Berufsschulen
Der größte Unterschied bei der Schulsozialarbeit an Berufsschulen stellt die Ausrichtung auf Beruf, Beruflichkeit und Erwerbstätigkeit dar. Dabei steht sie vor dem Dilemma, sowohl eine Berufsorientierung bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickeln zu müssen, als auch die Ausgrenzungsmechanismen gegenüber sozial Benachteiligten nicht auszublenden. Diese kann zu Schwierigkeiten bei den Übergängen in das Berufsleben beitragen. Um dies zu verhindern muss die Schulsozialarbeit an berufsbildenden Schulen die Jugendlichen in ihren Lebenswelten und die daraus resultierenden Bedürfnisse wahrnehmen. Die pädagogischen Angebote sollten sich daher an den individuellen Schüler und dessen Situation orientieren (vgl. Bauer 2017: S. 130 f.).
Im Fokus der Sozialen Arbeit an Berufsschulen steht die Bildung einer beruflichen Identität. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denen der Übergang von Schule nicht sofort gelingt, entsteht ein Identitätswiderspruch. Das bedeutet, dass ihr Scheitern einerseits individualisiert wird, andererseits sollen sie trotz geringen Perspektiven Bewältigungsstrategien entwickeln (vgl. Bauer 2017: S. 131 f.). Die daraus abzuleitenden Aufgaben sind zum einen die Bewältigung der Identitätswidersprüche und die Orientierung an Bildungsprozessen, sie sollen dabei aber die Berufsorientierung nicht aus den Augen verlieren (vgl. Bauer 2017: S. 132).
Die Schulsozialarbeit an Berufsschulen ist in Deutschland nicht weit verbreitet und meist nur in großen Städten und größeren Schulzentren zu finden. Des Weiteren ist sie von ihrer Organisation von der jeweiligen Schule, also den bestehenden Angeboten, und der eingebundenen Region abhängig. Die meisten Berufsschulen betreiben eine enge Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben, ebenso mit den Jugendhilfeträgern. Dadurch nehmen die Sozialpädagogen eine Position ein, in der sie die Interessen des Ausbildungsbetriebes, der Berufsschule, gleichzeitig aber auch die des Schüler und der Eltern vereinen muss (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Berufsfeld der Schulsozialarbeit ein, umreißt die aktuelle Bedeutung angesichts sozialer Probleme an Schulen und formuliert die zentralen Fragestellungen zur Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schulsozialarbeitern.
2. Forschungstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über relevante Fachliteratur, die den aktuellen Stand der Schulsozialarbeit beschreibt, rechtliche Grundlagen beleuchtet und historische sowie praxisorientierte Diskurse reflektiert.
3. Historie: Ein chronologischer Überblick von den Industrieschulen über die Weimarer Republik bis hin zur modernen Entwicklung, der die institutionelle Trennung und Annäherung von Schule und Sozialpädagogik verdeutlicht.
4. Schulsozialarbeit im Kontext Schule: Das Kapitel definiert das Tätigkeitsfeld, die Zielgruppen an unterschiedlichen Schulformen sowie die methodischen Ansätze und Handlungsprinzipien, die das professionelle Selbstverständnis prägen.
5. Rahmenbedingungen für Schulsozialarbeit: Hier werden die rechtlichen Grundlagen (SGB VIII), Finanzierungsstrukturen, personelle Anforderungen sowie die andauernde Debatte um den Professionsstatus kritisch diskutiert.
6. Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit und Lehrern: Dieses Kapitel analysiert die Gelingensbedingungen und Ursachen für das Scheitern von Kooperationen, wobei insbesondere historische Barrieren und unterschiedliche berufskulturelle Settings im Fokus stehen.
7. Auswertung der Studie: Die Darstellung und Interpretation der Ergebnisse einer bundesweiten Online-Befragung unter Lehrern zur Praxis, Qualität und den Erwartungen an die schulsozialarbeiterische Unterstützung.
8. Fazit: Die Zusammenfassung der Ergebnisse betont den steigenden Bedarf an Schulsozialarbeit und fordert eine rechtliche sowie finanzielle Absicherung, um die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe nachhaltig zu stärken.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Soziale Arbeit, Kooperation, Schule, Lehrer, Jugendhilfe, SGB VIII, Professionsstatus, Berufsschule, Grundschule, Bildungsreform, Identitätswiderspruch, Beratung, Einzelfallhilfe, Schulalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem aktuellen Status der Schulsozialarbeit in Deutschland sowie der notwendigen, aber oft schwierigen Zusammenarbeit zwischen sozialpädagogischen Fachkräften und Lehrpersonal.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Historie der Schulsozialarbeit, die Analyse der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, der Professionalisierungsdiskurs sowie die empirische Untersuchung der Kooperationspraxis an verschiedenen Schulformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Überblick über das Berufsfeld zu geben und die Forschungsfrage zu klären, inwieweit Schulsozialarbeiter in den Schulalltag integriert werden und wie verlässlich die Kooperation zwischen Schule und Sozialarbeit tatsächlich stattfindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt neben einer umfangreichen Literatur- und Theorieanalyse eine empirische, anonyme Online-Befragung, die sich an bundesweit tätige Lehrkräfte richtet, um deren Perspektiven und Erfahrungen mit der Schulsozialarbeit zu erfassen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Darlegung der Arbeitsbereiche an Grund-, allgemeinbildenden und Berufsschulen, eine Diskussion der strukturellen Probleme und eine detaillierte Auswertung der empirischen Studie zur Zusammenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Kernbegriffe sind Schulsozialarbeit, Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe, professionsbezogene Rollenbilder, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Optimierung von Unterstützungsleistungen für Kinder und Jugendliche.
Welche Rolle spielt die Trennung von Schule und Jugendhilfe?
Diese historische Trennung wird als eine wesentliche Ursache für heutige Kommunikationsbarrieren und Wissenslücken zwischen Lehrern und Sozialarbeitern identifiziert, was die Etablierung einer gleichberechtigten Kooperation häufig behindert.
Wie bewerten Lehrer laut der Umfrage die Zusammenarbeit?
Die Mehrheit der befragten Lehrkräfte bewertet die Kooperation positiv, betont jedoch, dass die Schulsozialarbeit zwar als gewinnbringend angesehen wird, aber oft zu wenig systematisch in Entscheidungsprozesse und Teamstrukturen einbezogen ist.
- Arbeit zitieren
- Karolin Mrosek (Autor:in), 2018, Kooperation zwischen Sozialpädagogik und Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507235