Kaiser Hadrian und die julisch-claudische Dynastie


Seminararbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

I. Einleitung

Kaiser Hadrian regierte das römische Reich von 117- 138 n.Chr.1 und lässt sich so in das Zeitalter der Adoptivkaiser einordnen. Eine Zeit, in welcher nur der Beste ein Anrecht auf die kaisernachfolge haben sollte. Hadrian, von Trajan zum Besten ausgewählt, musste sich wie der römische Kaiser in bestimmten Tugenden bewähren, um später unter die Heroen aufgenommen zu werden. In der vorliegenden Arbeit wird es wichtig sein zu sehen, wie Hadrian mit den zentralen Tugenden der Prinzipatszeit umging und wie er sich bewährte. Stellte er sich der Herausforderung, in die Nachfolge eines Augustus zu treten? Die liberalitas principi, die seit Augustus bestand, war vor allem auf die plebs urbana zugeschnitten. Hadrian als Wohltäter der Menschheit? Konnte er durch seine sozialpolitischen Maßnahmen sich nur in ein Schema der vorgegebenen Politik einreihen, um sich so in den kaiserlichen Tugenden zu beweisen oder versuchte er das vorhandene System zu verbessern? Außerdem wird es von Bedeutung sein, zu sehen, welche Gesinnung hinter manchen Taten stand.

In der Forschung gehört Hadrian zu den interessanten Figuren der antiken Welt, mit welcher sich in den letzten beiden Jahrhunderten zahlreiche Historiker auseinandersetzten. Auch die kaiserlichen Tugenden finden in den meisten Darstellungen Erwähnung.

Im ersten Teil der vorliegenden Hausarbeit wird darauf eingegangen, aus welchen Bestandteilen sich Rom zur Zeit Hadrians zusammensetzte. Es soll dabei gezeigt werden, in welcher Größenordnung sich die Stadt Rom befand und welche Verantwortung Hadrian somit zu Teil wurde. Weiterhin soll ein kurzer Einblick in sein Leben verschafft werden, um die Umstände seiner Politik begreifen zu können.

Im anschließenden Themengebiert ist der Schwerpunkt auf die sozialpolitischen Maßnahmen gelegt, die Hadrian in Rom und in Italien durchführte. Es soll dabei Aufschluss darüber gegeben werden, in wie fern sich Hadrian mit der Sozialpolitik auseinandersetzte. Anschließend soll ein kurzer Einblick auf die Sozialpolitik der Provinzen gegeben werden, wobei das Ziel ist, die Vergöttlichung Hadrians durch die Provinziale herauszuarbeiten. Es wird nicht auf einzelne Wohltätigkeiten eingegangen, da dies zum Usus der Prizipaten nach Augustus wurde2, da dies den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

Im letzten großen Abschnitt wird eine Bewertung Hadrians Sozialpolitik erfolgen.

Diese Hausarbeit baut vor allem auf Aussagen der Historia Augusta und von Schriften des Cassius Dio. Diese antiken Quellen vermitteln am deutlichsten die sozialpolitischen Strukturen, die Hadrians Politik mit sich brachte. Sie werden mit Hilfe der einschlägigen Forschungsliteratur in den Kontext eingeordnet und so wird ein Bild Kaiser Hadrians sozialpolitischer Maßnahmen wiedergegeben. Der nötige kritische Umgang mit diesen Quellen kann zu keinen Zeitpunkt wissenschaftlicher Arbeit außer Acht gelassen werden3.

II Hauptteil

Soziale Verhältnisse im alten Rom

Zu einem optimalen Überblick folgt nun die Darstellung des sozialen Roms vor der Kaiserzeit, ehe dann die Arbeit sich der Kaiserzeit selbst widmet. Die Gründer Roms, die Latiner, lebten als Bauern und Hirten in Gehöften und dörflichen Siedlungen, die kaum Züge mittelmeerischer Stadtkultur aufwiesen; erst durch eine Epoche etruskischer Fremdherrschaft erlangten sie Anschluss an die Grundströmungen der damals bereits griechisch bestimmten Mittelmeerwelt.

Es war eine Gesellschaft fest gefügter patriarchalischer Großfamilien, die den Stammesverband bildeten. Im Frieden regelten die Familienoberhäupter selbstständig untereinander ihre Angelegenheiten. Der König war, wenn er nicht das militärische Stammesaufgebot kommandierte, auf die Rolle eines Oberpriesters beschränkt, der auch im "Rat der Sippenoberhäupter", dem "Senat", den Vorsitz führte. Diese "Senatsfamilien" waren der Geburtsadel des Stammes, sein Patriziat, und verfügten über Gefolgschaft.

Die ausschließlich agrarisch bestimmten Wirtschaftseinheiten waren relativ klein und wenig leistungsfähig. Sklaverei gab es, nur war die Zahl der Sklaven gering, da man zu arm war, um sich Sklaven in großer Zahl leisten zu können. Wie auch in den meisten griechischen Städten beseitigten Patrizier und Großgrundbesitzer um 510 v. Chr. das Königtum. Um diese Zeit bildete das Patriziat eine Schicht eng ineinander verzahnter und dabei heftig konkurrierender Geschlechter4.

In den Familien herrschte das Familienoberhaupt als pater familias wie ein Monarch. Seine Stellung beruhte auf einem ungeschriebenen, aber festen, schon in früher Zeit zu hoher Vollkommenheit entwickelten Privat- und Familienrecht, "Vätersitte" (lat. mos maiorum) genannt.

Zur familia gehörten nicht nur Blutsverwandte, Angeheiratete und die Sklaven, sondern auch eine größere Gefolgschaft kleiner, aber freier Leute aus Stadt und Land, die Klienten Sie waren mit ihrem Patron persönlich und privatrechtlich eng auf Gegenseitigkeit verbunden; dies galt im Frieden und im Krieg, vor Gericht genauso wie in der Politik, wenn Wahlen stattfanden und der Patron sich bewarb. Klienten zu besitzen, war ein adeliges Vorrecht von höchster gesellschaftlicher und vor allem politischer Bedeutung durch viele Jahrhunderte hindurch 5.

So verfügten die Patrizier in Staat und Gesellschaft über die entscheidenden Kriterien: Eine lange Ahnenreihe verlieh den Adel und hob sie aus der Menge der Menschen ohne Stammbaum heraus, Reichtum an Grundbesitz und Vieh gab dem Geburtsadel eine materielle Basis und ermöglichte eine intensive Teilnahme an Politik und Staatsgeschäften. Nur Patrizier waren die Hüter und Interpreten des mos maiorum; sie vereinigten die Rollen des Gesetzgebers und Richters auf sich und beherrschten so die Justiz. Sie allein saßen im Senat und stellten die jährlich gewählten Oberbeamten 6. Patrizier besetzten die hohen Priesterstellen, ohne deren Anwesenheit bei Opfern und Orakeln als auch in politischen Angelegenheiten die Ergebnisse nichtig waren; sie waren - in ihrer Machtfülle - die Erben der etruskischen Könige. Roms Gesellschaft war also scharf in zwei Teile geschieden: die Patrizier und die große Masse von Römern ohne Ahnenreihe7 un d mit nur kleinerem oder gar keinem Grundbesitz - die Plebejer (von lat. plebs) - standen sich streng gesondert gegenüber; sogar die Heirat über diese soziale Schranke hinweg war unter Androhung der Todesstrafe bzw. Exil verboten.

Die Kaiserzeit

Die Bürgerkriege und die aus ihnen hervorgehende Monarchie leiteten einen neuen Abschnitt der gesellschaftlichen Entwicklung ein; die Änderungen sind, was die politischen Machtstrukturen betrifft, rascher, und sie sind vor allem deutlicher sichtbar als in anderen Bereichen. Zwar blieben die Senatoren die Schicht mit dem höchsten Sozialprestige und dem größten Reichtum, doch verloren sie ihren dominierenden Rang in der Politik und vor allem in der Staatsführung, obwohl formal die republikanische Magistratur weiter bestand - allerdings nur als eine Gruppe mehr oder minder dekorativer Ämter-Hülsen. Die Macht im Staat ging auf die Person des Kaisers über, hinter dem das schlagkräftigste Berufsheer stand, das die Welt bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatte. Das militärische Oberkommando, verbunden mit der Regierung der wichtigsten Provinzen und zur Zeit der Republik wechselnd auf die führenden "Staatsfamilien" verteilt, stand nun mit allen ihm innewohnenden Möglichkeiten einem einzigen Manne zur Verfügung.

Der kaiserliche Verwaltungs- und Militärapparat bestand nun aus Fachleuten (zumindest unter fähigen Herrschern), die allerdings zusätzlich zur Sachkompetenz unbedingt auch das Vertrauen des Herrschers besitzen mussten. Die Zeit der republikanischen Beamten, die sich ihres Eigeninteresses und ihres Eigenwertes oft nur allzu gut bewusst gewesen waren, war vorüber. Bei der Stellenbesetzung wurden immer mehr die Ritter berücksichtigt, da unter ihnen offensichtlich die Personen zu finden waren, die das Zeug zu einem loyalen Fachbeamten- bzw. Berufsoffizierstum ohne störenden politischen Hintergrund und ohne einengende Traditionen mitbrachten. Es verwundert nicht, dass unter diesem Gesichtspunkt der Abhängigkeit und Loyalität manche Freigelassene Karrieren machten, wie man sie sich in der Republik kaum hätte vorstellen können. Die Bürokratisierung des Staates machte in der Kaiserzeit entscheidende Fortschritte. Auch das Los der Sklaven verbesserte sich: Langsam setzte sich die Ansicht durch, dass auch Sklaven vollwertige Menschen seien. Als Wirtschaftsfaktor verlor die Sklaverei immer mehr an Bedeutung, allerdings ohne als Institution zu verschwinden. Dies wird besonders auf dem Gebiet der Landwirtschaft deutlich. An die Stelle der Sklaven, die nicht mehr in so unbeschränkten Mengen zur Verfügungen standen, traten nun allmählich immer öfter halbfreie Pächter8.

Die Anstöße zu sozialen Neuentwicklungen kamen jetzt mehr von draußen! Italien wird zu einem stillen Land und beginnt, im Imperium aufzugehen: Die Provinzen, lange vernachlässigt, treten nun in den Vordergrund, von ihnen kommen jetzt viele soziale Impulse. Das italische Bauerntum und der alte Senatsadel haben ihre historische Rolle beendet.

Gallien, Spanien und Nordafrika, die am stärksten romanisierten und urbanisierten Provinzen, stellen in steigendem Maße tüchtige Anwärter für hohe Staatsfunktionen und bald auch hervorragende Herrscher. In den blühenden Städten dieser Länder entsteht ein neuer, kräftiger bürgerlicher Mittelstand, der loyal kaiserlich eingestellt ist und die Segnungen des Kaiserfriedens dankbar akzeptierte: Ruhe, Ordnung, Frieden, gesicherte Wirtschaftsentwicklung, verbunden mit einem hohen Maß persönlicher Freiheit und Rechtssicherheit für den Einzelnen. Diese Schicht betätigt sich eifrig und mit inner er Anteilnahme an der lokalen Selbstverwaltung.

Auch die stadtrömische Oberschicht hat sich mit der Monarchie abgefunden. Der Geschichtsschreiber Tacitus, selbst mit allem Vorbehalt des Verlusts der politischen Freiheit wohl ein Befürworter des Kaisertums, drückt dies so aus: "Allmählich wurde Augustus zum Alleinherrscher des Staates [...], ohne dabei auf irgendwelchen Widerstand zu stoßen [...] Das Gros des Adels, meist erst in jüngster Zeit hochgekommen, beugte sich ihm willig und nahm Geld und Auszeichnungen aus der Hand des Monarchen an9, da man die gebotene Sicherheit höher schätzte als die frühere, mit großen persönlichen Risiken verbundene Freiheit. Die Provinzen zogen hier willig mit: Das republikanische System war dort schon längst in Misskredit geraten.10 "

Grundzüge Hadrians Leben

Publius Aelius Hadrianus wurde am 24. Januar des Jahres 76 nach Christus höchstwahrscheinlich in der Provinz Italica in Südspanien geboren. In Italica gehörten die Aelier oder Hadrianer zu den vornehmsten und bedeutenden Einwohnern und sie waren enge Verwandte der Trajaner, die meist ranghohe Offiziere waren und von ihrer Geburt an zu den Anwärtern auf den römischen Thron gehörten11. Hadrians gleichnamiger Vater war weniger bedeutend, da er weder politisches noch militärisches Engagement zeigte. Dennoch ernannte man Hadrians Vater zum Prätor, was aber für einen Mann seiner Herkunft nicht ungewöhnlich war, denn es gab damals viele Prätoren.

Hadrians Mutter – Domitia Paulina – stammte aus Càdiz und kam wahrscheinlich aus guten Verhältnissen, da Hadrians Vater wohl keine Frau aus niedrigen Kreisen geheiratet hätte. Domitia Paulina kümmerte sich um die körperliche und geistige Erziehung von Hadrian. Da Hadrian breitgefächerte Interessen hatte, kann man darauf schließen, dass Hadrians Mutter eine kluge und gebildete Frau war, die die Interessen ihres Sohnes schon seit der Kindheit förderte. Hadrian interessierte sich sehr für Literatur, vor allem für die griechische Literatur und außerdem zeichnete er sehr gerne. Über seine Ausbildung ist nicht viel überliefert, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass er über ein fundiertes Wissen über das Griechentum verfügte, da das zu damaligen Zeiten als Bildungspflicht galt. Des Weiteren wurde wahrscheinlich erst die griechische Sprache anhand von lateinischen Texten und Originaltexten erlernt. Diese Kenntnisse waren Voraussetzung für die Beschäftigung mit griechischer Philosophie und Literatur. Darüber hinaus war das Erlernen der griechischen Sprache auch eine Bedingung für einen Aufenthalt in Griechenland, was Ziel eines jeden gebildeten Römers war. Doch für die körperliche Erziehung waren damals vielmehr die Väter zuständig und so lehrte Hadrians Vater seinem Sohn das Diskuswerfen, Laufen, Reiten, Ringen und Schwimmen. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 86 nach Christus wurde der zehnjährige Hadrian in die Obhut Trajans und eines Ritters namens Acilius Attianus übergeben. Kurz darauf verließ Hadrian Italica um nach Rom zu gehen. Hadrians Vormund Trajan versuchte den mittlerweile Fünfzehnjährigen für eine Militärkarriere zu begeistern, was aber aufgrund Hadrians ausschweifenden Lebensstil in seiner Jugendzeit scheiterte. Dennoch ernannte Trajan ihn einige Zeit später, trotz seines jugendlichen Alters, zum Richter an einem der Erbschaftsgerichte. Von da an begann Hadrians Karriere, denn kurz darauf erhielt Hadrian die Stellung als Tribun einer Legion in Aquincum und darauf folgend als Tribun einer Legion in Makedonien. Nach Beendigung des Krieges wurde Hadrian im Jahre 106 zum Prätor, im Jahr darauf zum Statthalter von Niederpannonien. Im Jahre 108 wurde Hadrian zum ersten Mal zum Konsul ernannt und im Jahre 117 wurde er zum zweiten Mal zum Konsul ernannt. Doch trotz seiner beachtlichen Karriere hatte Hadrian keinen guten Ruf bei Hof. Seine größte Befürworterin war jedoch die Frau des Kaisers Trajan – Kaiserin Plotina – die Hadrian wahrscheinlich den Weg ins Kaiseramt ebnete. Die genauen Umstände des Machtwechsels sind ungeklärt. Es ist zwar möglich, dass Trajan Hadrian in letzte Minute noch als Nachfolger bestimmt hat, doch ist dieses eher unwahrscheinlich. Kaiserin Plotina hatte den Tod ihres Gatten für mehrere Tage lang geheim gehalten, um Hadrians Adoption kurze Zeit später an den Senat schicken zu lassen. Diese Botschaft war jedoch mit ihrer Unterschrift unterzeichnet, was darauf hindeutet, dass Trajan bereits zu schwach zum Schreiben war. Nachdem der Herrschaftsanspruch für Hadrian gesichert war verkündete Plotina den Tod von Trajan 12. Hadrian hatte das Ziel im selben Geist zu regieren wie sein Vorgänger, doch noch bevor er aus Syrien, wo er Statthalter gewesen war, nach Rom zurückkehrte, eilte ihm der Ruf voraus er wäre für den Tod von vier Senatoren verantwortlich. Kaiser Hadrian leistete daraufhin einen Schwur auf Nichtverantwortlichkeit, was jedoch nicht als vertrauensbildende Maßnahme angesehen wurde. Zu seinen ersten Amtshandlungen zählte der Rückzug aus den eroberten Gebieten im Osten. Hadrians Politik zeigte sich mit der Zeit als das Gegenteil seines Vorgängers Trajan, denn Hadrian handelte stets defensiv und der Schwerpunkt seiner Interessen lag in der Sicherung der Grenzen. In Britannien zum Beispiel wurde unter seiner Aufsicht der Hadrianswall errichtet, der die Provinz vor Einfällen der Caledonier schützen sollte. Doch auch in Germanien und Raetien wurde der Limes verstärkt und auch dort, wo keine natürlichen Grenzen vorhanden waren wurden Befestigungen errichtet. Trotz seiner defensiven Politik hielt er das Heer ständig einsatzbereit. Darüber hinaus reiste er viel und informierte sich über die Probleme der Bevölkerung, womit er ihr Vertrauen gewinnen wollte. Im Jahre 100, im Alter von 24, heiratete Hadrian Vibia Sabina, eine Nichte von Trajan. Der Vorschlag, mit Vibia Sabina eine Ehe einzugehen, wurde von Plotina nahegelegt, Kaiser Trajan beurteilte diese Ehe eher skeptisch. Vibia Sabina gehörte der kaiserlichen Familie an und war daher gut für die Stellung als Ehefrau des Kaisers geeignet. Weil es unklug gewesen wäre, sich dem Vorschlag der kaiserlichen Freundin Plotina zu widersetzen, willigte er schließlich in die Heirat ein. Dennoch war die Heirat von Hadrian und Sabina keine Liebesheirat, sondern vielmehr, wie es zu damaligen Zeiten üblich war, eine politische Verbindung. Während ihrer Ehe waren beide sehr unglücklich, was sich sogar nach einiger Zeit in Hass umwandelte. Dennoch war Sabina zu schwach, um gegen ihren Mann vorzugehen und außerdem erkannte sie mit der Zeit, dass es nicht klug wäre, gegen Hadrian offen zu opponieren. Somit zog sich Sabina zurück und ging ihren Interessen nach, wie zum Beispiel die Mode. Des Weiteren beschloss sie, Hadrian niemals Kinder zu schenken. Hadrian äußerte damals des Öfteren, dass er sich sofort von ihr hätte scheiden lassen, wenn er nicht Kaiser gewesen wäre und eine Vorbildfunktion gehabt hätte. Aber unter den gegebenen Umständen akzeptierte Hadrian seine Frau als notwendiges Übel, zumal da sich die Eheleute voneinander distanzierten und sich nicht oft sahen. Das Ausmaß dieser unglücklichen und hasserfüllten Ehe wird klar, wenn man erfährt, dass Hadrian angeblich sogar einmal versucht hätte seine Ehefrau zu vergiften. Dies ist aber nicht nachgewiesen, sondern vielmehr ein Gerücht. Während der Ehe pflegte Hadrian viele Beziehungen und Affären mit verheirateten Frauen, denen er oft hörig gewesen sein soll. Mehrfach erwähnt werden die gemischtsexuellen Neigungen des Kaisers Hadrian, obwohl die Homosexualität damals zwar verboten, aber keineswegs ungewöhnlich war. Während einer seiner Reisen lernte Hadrian einen circa 14-jährigen Jungen namens Antinos kennen, der aus Griechenland stammte. Antinos war schön und Hadrian verliebte sich in den jungen Griechen, der ihn von nun an auf einigen seiner Reisen begleitete. So begleitete Antinos Hadrian auch auf einer Reise nach Ägypten im Jahr 130, bei der Antinos über Bord fiel und ertrank. Hadrian war sehr erschüttert und traurig über den Tod seines Geliebten. An der Stelle, an der Antinos verunglückte gründete Hadrian ihm zu Ehren eine neue Stadt, die er Antinoopolis nannte. Diese Stadtgründung zog den Spott römischer Bürger auf den Kaiser und er war zugleich Zielscheibe für zahlreiche Spottverse. Der Kaiser schuf für den Toten einen eigenen religiösen Kult, der binnen weniger Jahre das ganze römische Reich überzog. Er ließ für Antinos Tempel bauen. Der erhaltene Bestand an Antinos-Büsten und –Köpfen übertrifft jenen von Hadrian bei weitem, es sind 60. 13 Hadrians Liebe zu Antinos wird noch durch eine andere Handlung deutlich, denn als ein neuer Stern am Himmel entdeckt wurde, benannte Hadrian diesen nach seinem verlorenen Geliebten. Hadrian dachte, dass es sich bei diesem Stern um die Seele von Antinos handelte. Da sein Vorgänger Trajan durch seine dauernden Kriegsführungen und Eroberungszüge die Staatsfinanzen nahezu erschöpft hatten, sah es Hadrian als seine Pflicht an, die Staatskasse durch Sparen wieder zu füllen. Somit veranlasste Hadrian, dass entgegen der Tradition seiner Vorgänger, das Vermögen der vier hingerichteten Senatoren nicht zur Privatkasse, sondern zum Staatsschatz gezählt wurde. Des Weiteren konzentrierte sich der Kaiser, soweit es möglich war, auf den Ausgleich unter den sozialen Schichten. Doch in Verbindung mit diesem Vorhaben wollte er weder die alten Steuern erhöhen, noch eine neue einführen. Vor Hadrians Kaiserzeit gab es eine Tradition, die besagte, dass jede Stadt des Imperiums ein freiwilliges Krönungsgeld verrichtete, wenn ein neuer Kaiser an die Macht kam. Später wurde die Abgabe dieses Krönungsgeldes zu einer Pflicht. Als Hadrian Kaiser wurde erließ er das Krönungsgeld für Italien und verringerte es für die Provinzen, da er erkannte, wie sehr diese Abgaben die öffentlichen Kassen belasteten. Darüber hinaus ordnete Hadrian einen Schuldenerlass an, der das gesamte Imperium umfasste. Im Jahre 118 betrugen die Schulden von Privatpersonen an die Staatskasse etwa 900 Millionen Sesterzen. Alle Schuldscheine wurden daraufhin auf dem Trajansforum öffentlich verbrannt. Mit diesem gewagten Schritt füllte er zwar nicht die öffentlichen Kassen, aber wollte einen Neubeginn nach den Jahren der Kriegsherrschaft einleiten. Dieser Prozess der Verbrennung von Schuldscheinen sollte sich von nun an alle 15 Jahre wiederholen. Allerdings nur während Hadrians Herrschaftszeit. Ein weiteres Projekt Hadrians war die 13 Hrsg. Rizzi, Marco: Hadrian and the Christians. In: Millennium-Studien zu Kultur und Geschichte des ersten Jahrtausends n. Chr. ; 30 .Berlin, De Gruyter 2010. Erweiterung der von Nerva ins Leben gerufenen Erziehungshilfe armer italienischer Kinder. Mädchen wurden von diesem Zeitpunkt an bis zum 14. Lebensjahr, Jungen bis zum 18. Lebensjahr in Form von Beihilfen unterstützt14.

[...]


1 Vgl. Mortensen, Susanne: Hadrian. E ine Deutungsgeschichte. Bonn 2004. S. 1.

2 Ge hrke, Hans-Joachim, Schneider, Helmuth: Geschichte der Antike. Stuttgart 2010. S. 369 f.

3 Vgl. Bollows, Andy: Historia Augusta. Critical Working. Oxford 1988.

4 Hatscher, Christoph R. : Charisma und Res Publica. In Historia. 136. Stuttgart 2000. S. 34-38.

5 Sc ott, Michael: Space and society in the Greek and Roman worlds . Cambridge 2013. S. 2008.

6 Vgl. Alföldy, Géza: Römische Sozialgeschichte Wiesbaden 2011.

7 Peac hin, Michael: The Oxford handbook of social relations in the Roman world. Oxford 2012. S.479ff.

8 Dreyer, Boris: Die Innenpolitik der Römischen Republik. 264 - 133 v. Chr. Darmstadt 2006. S. 99.

9 Vgl. Rilinger, Rolf. Hrsg. Schmitt, Tassilo: Ordo und dignitas. Beiträge zur römischen Verfassungs- und Sozialgeschichte. Stuttgart 2007.

10 E delmaier, Wilfried: Tacitus und die Gegner Roms. Bonn 1964.

11 B irley, Anthony Richard: Hadrian - der rastlose Kaiser. Mainz am Rhein 2006. S. 7-19.

12 Mac Donald, William Lloyd, Pinto, John A : Hadrian's villa and its legacy. New Haven 1995.

13 Hrsg. Rizzi, Marco: Hadrian and the Christians. In: Millennium-Studien zu Kultur und Geschichte des ersten Jahrtausends n. Chr. ; 30 .Berlin, De Gruyter 2010.

14 Opper, Thorsten: Hadrian. empire and conflict. London 2008. S. 19 f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kaiser Hadrian und die julisch-claudische Dynastie
Hochschule
Universität Augsburg  (Philologisch-Historische Fakultät)
Veranstaltung
Hadrian. Empire & Conflict
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V507367
ISBN (eBook)
9783346063113
ISBN (Buch)
9783346063120
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiser, Rom, Römische Geschichte, Hadrian, Antike, Dynastie, Julisch-Claudisch, Adoptivkaiser
Arbeit zitieren
Michael Prestele (Autor), 2013, Kaiser Hadrian und die julisch-claudische Dynastie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507367

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