Änderungsentwurf des Deutsche Corporate Governance Kodex zur Ausgestaltung der langfristigen variablen Vorstandsvergütung

Kritische Analyse der Stellungnahmen


Bachelorarbeit, 2019
37 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Problemstellung

II. Die Bedeutung von Lobbyismus für die Ausarbeitung neuer Regelungsinhalte
1. Die Empfehlungen des Entwurfs eines geänderten DCGK vom 25.10.2018
a) Definition von langfristigen variablen Vorstandsvergütungen
b) Erläuterung der neuen Empfehlungen
2. Kritische Würdigung des Lobbyismus im Hinblick auf die Ausarbeitung neuer Regelungsinhalte
a) Konsultationsverfahren der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex
b) Einflussnahme durch Lobbyismus auf neue Regelungsinhalte
c) Hypothesen zum Lobbyismus
aa) Hoher Anreiz für Manager zum Lobbying
bb) Hohes Engagement der Wirtschaftsprüfer im Normensetzungsprozess
cc) Geringes Engagement der Nutzer von Rechnungslegungsinformationen
dd) Engagement der Wissenschaft für Reputationseffekte

III. Empirische Analyse der Stellungnahmen zu dem Entwurf eines geänderten DCGK
1. Beschreibung der Stichprobe
2. Methodik der Analyse
a) Analyse der Stellungnahmen nach Verfassern
aa) Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder
bb) Aktiengesellschaften
cc)Kapitalmarktakteure12
dd) fachwissenschaftliche Experten
ee) öffentliche Einflussnehmer
b) Analyse der Stellungnahmen nach Argumenten15
aa) Argumente für die Empfehlungen des neuen Entwurfs
bb) Argumente gegen die Empfehlungen des neuen Entwurfs
3. Würdigung der Ergebnisse
a) Einfluss der Interessengruppen auf die Fassung des neuen DCGK vom 9.5.201918
b) Analyse der Einflussnahme nach Hypothesen
aa) Hoher Anreiz für Manager zum Lobbying
bb) Hohes Engagement der Wirtschaftsprüfer im Normensetzungsprozess
cc) Geringes Engagement der Nutzer von Rechnungslegungsinformationen
dd) Engagement der Wissenschaft für Reputationseffekte

IV. Thesenförmige Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Problemstellung

Am 6.11.18 veröffentlichte die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex den Entwurf eines geänderten DCGK. Das Ziel des Entwurfs ist es dem Kodex eine größere Relevanz zu geben und dem Anspruch gerecht zu werden, aus Sicht mög- lichst vieler Stakeholder wesentliche Standards zu setzen.1 Der Entwurf sieht insbeson- dere für die Empfehlungen zur Vorstandsvergütung grundlegende Anpassungen vor. Die langfristige variable Vergütung soll künftig anhand der Strategieumsetzung bemessen und in Aktien zugeteilt werden, die mindestens vier Jahre nicht veräußert werden dürfen.2

Nach der Veröffentlichung des Entwurfs startete die Regierungskommission eine Kon- sultation und ermöglichte es somit allen Stakeholdern sich bis zum 31.1.19 daran zu be- teiligen. Insgesamt sind auf der Internetseite der Kommission 110 Stellungnahmen ge- sammelt.3 Diese Stellungnahmen kommen von unterschiedlichen Gruppen der Interes- sierten Öffentlichkeit.

Bei Betrachtung dieser Stellungnahmen stellt sich die Frage, welche Motivation die ver- schiedenen Beteiligten mit ihren Argumentationen bei dem Konsultationsverfahren ha- ben und wie erfolgreich die Teilnahme an solch einem ist. Zunächst ist zu beachten, dass Lobbyismus Kosten verursacht und rationale Unternehmen nur bereit sind diese Kosten zu tragen, wenn das eigene Lobbying ausschlaggebend für die Entscheidungsfindung ist.4 Zur Erreichung ihres Zieles, argumentieren Lobbyisten häufig mit gesamtökonomischen Effekten um ihre wahren Absichten zu verbergen.5

Eine Gruppe, die Interesse am Lobbying haben könnte, ist die Gruppe der Manager. Ma- nager haben einen Anreiz, wenn deren Entlohnung an der Erreichung von Zielen gekop- pelt ist, die auf Zahlen der Rechnungslegung zurückgreifen.6 Dies könnte im Hinblick auf die Änderungen zur Vorstandsvergütung im DCGK-E von Bedeutung sein.

Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieser Arbeit, das Konsultationsverfahren der Regie- rungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex in Theorie und Praxis zu un- tersuchen. Der erste Teil setzt sich kritisch mit der Bedeutung von Lobbyismus für die Ausarbeitung neuer Regelungsinhalte auseinander. Zunächst wird kurz die Systematik der langfristigen variablen Vorstandsvergütung definiert und im Anschluss werden die neuen Empfehlungen erläutert. Daraufhin erfolgt eine Untersuchung des Konsultations- verfahrens der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance. Im Anschluss wird die Einflussnahme des Lobbyismus auf neue Regelungsinhalte untersucht und Hy- pothesen bezüglich des Lobbyismus aufgestellt.

Im zweiten Teil werden die eingegangenen Stellungnahmen empirisch analysiert. Zu- nächst erfolgt die Kategorisierung der Verfasser der Stellungnahmen und anschließend die Analyse der Stellungnahmen nach den vorgebrachten Argumenten. Daraufhin wird noch der Einfluss der Interessengruppen auf den neuen DCGK untersucht, welcher am 9.5.2019 beschlossen wurde und geprüft ob die im ersten Teil der Arbeit aufgestellten Hypothesen zutreffend sind. Abschließend werden die Ergebnisse thesenförmig zusam- mengefasst.

II. Die Bedeutung von Lobbyismus für die Ausarbeitung neuer Regelungsinhalte

1. Die Empfehlungen des Entwurfs eines geänderten DCGK vom 25.10.2018

a) Definition von langfristigen variablen Vorstandsvergütungen

Das Aktiengesetz schreibt die Festsetzung der Gesamtbezüge eines Vorstandsmitglieds dem Aufsichtsrat vor (§ 87 Abs. 1 S. 1 AktG). Bei börsennotierten Gesellschaften ist dabei zu beachten, dass die Vergütungsstruktur auf eine nachhaltige Unternehmensent- wicklung ausgerichtet ist (§ 87 Abs. 1 S. 2 AktG).

Ein Instrument für die Ausrichtung auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ist die Vereinbarung von variablen Vergütungsbestandteilen.7 Sofern solche Vergütungsbe- standteile vereinbart werden, muss der Aufsichtsrat eine langfristige Wirkung der Ver- haltensanreize der Vorstandsmitglieder sicherstellen, um dem Nachhaltigkeitsgebot ge- recht zu werden.8 Aus dem Gesetz oder dem DCGK lässt sich dagegen nicht genauer erschließen was unter nachhaltig zu verstehen ist.9 Dabei geht es dem Gesetzgeber um den langfristigen Erhalt des Unternehmens, ein gesundes Wachstum, auskömmliche Er- träge und die Vermeidung existenzgefährdender Risiken.

b) Erläuterung der neuen Empfehlung

Die Regierungskommission DCGK unternahm bei dem Entwurf eines neuen DCGK grundlegende Anpassungen für die Empfehlungen zur Vorstandsvergütung.10

Dem Entwurf zufolge ist die Gewährung der langfristigen variablen Vorstandsvergütung von der Erreichung strategische Ziele innerhalb eines Geschäftsjahres abhängig.11 Zuge- teilt wird die Vergütung nach Abzug von Steuern in Aktien, die mindestens vier Jahre nicht veräußert werden dürfen (D.7 DCGK-E).12

Bislang hat § 87 AktG offengelassen, wie die Langfristausrichtung der Vergütung er- reicht werden soll.13 Darin wurde eine Selbstbeschränkung des Reformgesetzgebers ge- sehen.14 Kritisiert wird deshalb, dass die neuen Empfehlungen die Gestaltungsmöglich- keiten der börsennotierten Unternehmen hinsichtlich eines ihrer Situation gerecht wer- denden Vergütungssystem erheblich verengen.15

Allerdings wird weiterhin angemerkt, dass die neuen Empfehlungen künftig die Komple- xität derzeitiger Vergütungssysteme verringern wird, ohne einen starken Rahmen vorzu- geben.16

2. Kritische Würdigung des Lobbyismus im Hinblick auf die Ausarbeitung neuer Regelungsinhalte

a) Konsultationsverfahren der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex

Anlässlich der Kodexreformvorschläge 2019 wurde ein Entwurf auf der Homepage der Regierungskommission am 6.11.2018 hochgeladen. In einer Medientelefonkonferenz am 6.11.2018 stellte Prof. Dr. Rolf Nonnenmacher, Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, die Reformen und die Arbeit an diesen vor.

Der Kodexentwurf wurde in insgesamt sieben Sitzungen der Kommission und acht Sit- zungen von Arbeitskreisen vorbereitet.17 Dabei wurde bereits ein intensiver Dialog be- sonders mit Aufsichtsräten, Vorständen, in- und ausländischen Investoren und weiteren Stakeholdern geführt.18 Zusätzlich gab es noch Roundtables für diese Stakeholdern und auch für die Wissenschaft, Juristen und weiteren Experten im November und Dezember 2018.19

b) Einflussnahme durch Lobbyismus auf neue Regelungsinhalte

Bei der Untersuchung des Konsultationsverfahren stellt sich die Frage, inwiefern die Be- teiligten durch ihre Stellungnahmen und eventuell anderen Lobbyingaktivitäten Einfluss auf die Arbeit der Regierungskommission ausüben können. Der Begriff des Lobbyismus definiert zunächst jedwede individuelle oder kollektive Handlung, die beabsichtigt, die Ausgestaltung von Rechnungslegungsinhalten in irgendeiner Weise zu beeinflussen.20 Es gibt dabei die Möglichkeit der Teilnahme durch das Einsenden einer Stellungnahme.21

In der Regel versuchen die Standardsetzer der Öffentlichkeit eine Gelegenheit zur Mit- sprache bei der Gestaltung neuer Rechnungslegungsregeln zu ermöglichen und ihr Vor- gehen möglichst transparent zu gestalten.22 Die Mehrheit der Teilnehmer an einem Pro- zess verfolgt jedoch eigennützige Ziele, um etwa möglichst viele Spielräume zu erhalten oder einen möglichst hohen Gewinn ausweisen zu können.23 Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Lobbyisten zur Erreichung ihres Zieles, häufig mit gesamtökonomischen Effekten argumentieren um ihre wahren Absichten zu verbergen.24 Lobbying verursacht Kosten und rationale Unternehmen sind nur bereit diese Kosten zu tragen, wenn der Nut- zenunterschied zwischen zwei Alternativen, gewichtet mit der Wahrscheinlichkeit, dass eigenes Lobbying ausschlaggebend ist für die Entscheidungsfindung, größer ist als die Kosten.25

Anreize zum Lobbying könnten unter anderem Manager haben, deren Entlohnung teil- weise von der Erreichung von Zielen abhängt, die auf Zahlen der Rechnungslegung zu- rückgreifen.26 Der Entwurf eines neuen Rechnungslegungsstandard für die erdölprodu- zierende Industrie, hatte durch das Managemententlohnungsschema einen Einfluss auf das Lobbyingverhalten der Manager.27 Bei einem Entwurf für den amerikanischen Stan- dard FAS 8, wurden allerdings wenige Hinweise auf Einflüsse von Managemententloh- nung auf die Motivation zum Lobbying für Manager gefunden.28 Auch die Untersuchung von Entwürfen des britischen Standardsetzers ergab, dass der Einfluss von Anreizentloh- nungsverträgen keinen Einfluss auf die Lobbyingposition der Manager hat.29

Fraglich ist wessen Interessen die Wirtschaftsprüfer in ihrem Lobbyingverhalten vertre- ten. Aus britischen Daten geht hervor, dass Wirtschaftsprüfer Lobbying im eigenen Inte- resse betreiben.30 Andererseits gibt es auch Hinweise darauf, dass die Lobbyingposition sowohl von Auswirkungen eines vorgeschlagenen Standards auf die Wirtschaftsprüfer selbst als auch von solchen auf seine Klienten beeinflusst wird.31 Im Hinblick auf Regeln zur Standardisierung kann von einem gemeinsamen Interesse der Wirtschaftsprüfer und deren Klienten ausgegangen werden, bei Offenlegungspflichten jedoch von einem Inte- ressenkonflikt, da diese für die Prüfer ein Geschäftspotential darstellen.32

Zuletzt bleibt noch die Rolle von Wissenschaftlern bei der Standardsetzung. Insbesondere im deutschsprachigen Raum haben Universitätsprofessoren einen gewichtigen Anteil an der Regulierung der Rechnungslegung. Dies liegt an dem ausgeprägten Markt für Inter- pretationen, wie es bei der Umsetzung der vierten EG-Richtlinie in deutsches Recht zu sehen war.33 Auf dem amerikanischen Markt zeigen Studien dagegen eine geringe Anzahl an Stellungnahmen von Universitätsprofessoren, da diese eine geringe Wahrscheinlich- keit sahen, die Entscheidung zu beeinflussen und es einen Mangel an Anreizen im ame- rikanischen Universitätssystem gibt.34

c) Hypothesen zum Lobbyismus

aa) Hoher Anreiz für Manager zum Lobbying

Ein hohes Engagement im Prozess der Rechnungslegungsnormen ist von der Gruppe der Manager zu erwarten.35 Ein Grund dafür ist die häufige Konfrontation mit leistungsab- hängigen Vergütungsplänen. Für die variablen Vergütungskomponenten werden dabei regelmäßig Rechnungslegungsgrößen als Bemessungsgrundlage herangezogen.36 Ge- plante Änderungen von Rechnungslegungsnormen können daher einen unmittelbaren Einfluss auf die Wohlfahrt der Manager nehmen.37

Ein weiterer Grund für die Teilhabe von Managern am Normensetzungsprozess können drohende Sanktionen bei der Nichtbeachtung verbindlicher Regelungen sein. Eine hohe Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Regelverstößen und folglich drohende Sanktio- nen bieten einen hohen Anreiz zum Lobbying.38 Zudem werden Manager die politischen Kosten weiterer auf Rechnungslegungsgrößen abstellende Regulierungsaktivitäten in ihre Berechnung einbeziehen.39

Die mit dem Lobbying verbundenen Vorteile verlaufen proportional zur Größe eines Un- ternehmens.40 Es ist daher verständlich, dass ein politisches Engagement eher von größe- ren Unternehmen als von kleineren erwartet werden kann.41 Wahrscheinlich ist es, dass Manager, um ihre Interessen durchzusetzen, Koalitionen bilden, weil diese Verbände ih- ren Mitgliedern mehrere Nutzenvorteile bieten und sich für sie bei der Rechnungsle- gungsregulierung engagieren.42 Von diesen Verbänden ist eher für branchenspezifische als für allgemeine Rechnungslegungsfragen ein aktiveres Lobbying zu erwarten, da die Interessenlage in einzelnen Branchenverbänden weitgehend homogen sein sollte.43 Ne- ben diesen Organisationen ist zunehmend zu beobachten, dass Großunternehmen auch eigene Lobbyingbemühungen voranbringen und dabei durch ihre internen Ressourcen, für gewöhnlich ihr Expertenwissen, einen Vorteil haben.44 Folglich lässt sich annehmen, dass die individuellen Kosten niedrig ausfallen und die Unternehmen zu einem starken politischen Engagement bewegen.45

bb) Hohes Engagement der Wirtschaftsprüfer im Normensetzungsprozess

Neben den Managern ist auch bei den Wirtschaftsprüfern von einem hohen Engagement auszugehen.46 Die steigende Beteiligung lässt sich auf ein resultierendes Prüfungsrisiko und die möglichen Auswirkungen von Fehlurteilen zurückführen, wie es etwa in den USA aufgrund von seit den 1960er Jahren anwachsenden Zahl von gerichtlichen Auseinander- setzungen der Fall ist.47

Jedoch wäre auch eine Initiative seitens der Wirtschaftsprüfer zugunsten ihrer Mandanten und damit i.S.d. Rechnungslegenden denkbar.48 Dieser Fall trifft vor allem ein, wenn eine grundsätzlich homogene Präferenz in der Mandantschaft vorliegt und die zu erwartenden Prüfungskosten bzw. etwaige Mehreinnahmen durch keine andere Strategie besser er- reicht werden können.49 Zudem ist Lobbyismus seitens der Wirtschaftsprüfer auch zu dem Zweck des Reputationsaufbaus mit einem öffentlichkeitswirksamen Engagement denk- bar, wenn die Auswirkungen auf die Prüfungskosten vernachlässigbar sind.50 Aufgrund des Fachwissens der Wirtschaftsprüfer können die individuellen Kosten, insbesondere die Informationskosten, die mit einer Teilnahme in einem Regulierungsprozess anfallen, als vergleichsweise gering eingeschätzt werden.51 Ein individuelles Engagement zum Lob- bying ist weniger von kleinen, sondern von größeren Prüfungsgesellschaften zu erwar- ten.52 Um die Kosten untereinander aufzuteilen, erscheint die gemeinsame Arbeit über verschiedene Verbände geeignet.53

cc) Geringes Engagement der Nutzer von Rechnungslegungsinformationen

Die Hypothese über das geringe Engagement der Nutzer von Rechnungslegungsinforma- tionen fußt auf der Annahme, dass die Opportunitätskosten für die Nutzer als grundsätz- lich hoch eingeschätzt werden.54 Dies liegt daran, dass die Interessenlage innerhalb der Nutzer unterschiedlich und nicht wie bei den Managern oder Wirtschaftsprüfern homo- gen sein kann.55 Außerdem sind die Nutzer weniger von den Regulierungsmaßnahmen betroffen.56

Die Bildung von Koalitionen unter den Nutzern ist durch die heterogene Lage der Inte- ressen ebenfalls unwahrscheinlich.57 Wenn, dann finden kollektive Bemühungen eher in ad hoc Lobbygruppen statt, bei denen hohe Start-up Kosten anfallen, und bei denen zu- dem unzureichende Möglichkeiten vorhanden sind, um Free-rider-Verhalten effektiv zu unterbinden.58 Sollten Nutzer dennoch Koalitionen bilden, müssten diese für ein wirksa- mes Lobbying gegen die anderen Interessengruppen zunächst vergleichbare Ressourcen aufbauen.59

Jedoch könnten sich vermögende Nutzer im politischen Prozess engagieren. Diese haben Zugang zu privaten Informationen und können ihre daraus folgende Wettbewerbsvorteile durch Erweiterung der allgemeinen Offenlegungspflichten als beeinträchtigt ansehen.60

Gerade für Finanzintermediäre, wie Kreditinstitute, Fondsgesellschaften und Investment- häuser kann diese Annahme zutreffend sein.61 Es ist jedoch zu beachten, dass diese Nut- zer als Bilanzierende selber von Rechnungslegungsregeln betroffen sind und für gewöhn- lich exklusiven Zugang zu investitionsrelevanten Informationen haben, weshalb ihr Lob- byverhalten wesentlich durch die Ziele des Managements im Hinblick auf die eigene Rechnungslegung bestimmt wird.62

dd) Engagement der Wissenschaft für Reputationseffekte

Die Vertreter der Wissenschaft könnten durch ein Engagement im Regulierungsprozess in Form von Reputationseffekte, die auch die Kosten der Teilnahme überwiegen könnten, profitieren.63 Allerdings erfolgt der Reputationsaufbau von Hochschullehrern eher durch Publikationen in Fachzeitschriften als durch das Verfassen von Stellungnahmen.64

[...]


1 Vgl. Dörrwächter, Jan: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Vergütung des Vorstands nach dem Entwurf des geänderten DCGK, in: DB, 71. Jg. (2018), S. 2977–2981, hier S. 2977.

2 Vgl. Böcking, Hans-Joachim et al.: Neukonzeption der variablen Vorstandsvergütung durch den Ent- wurf des DCGK, in: DB, 72. Jg. (2019), S. 137–144, hier S. 139.

3 Vgl. Regierungskommission DCGK: Konsultation 2019, abrufbar unter https://www.dcgk.de/de/kon- sultationen/archiv/konsultation-2019.html (abgerufen am 25.8.19).

4 Vgl. Sutton, Timothy: Lobbying of Accounting Standard-Setting Bodies in the U.K. and the U.S.A: A Downsian Analysis, in: ACCOUNT ORG SOC, 9. Jg. (1984), S. 81–95, hier S. 82.

5 Vgl. Zeff, Stephen: The Rise of “Economic Consequences”, in: J. Account., 74. Jg. (1978), S. 56–63, hier S. 57.

6 Vgl. Königsgruber, Roland: Lobbying bei der Rechnungslegungsstandardsetzung. Ein Literaturüber- blick, in: ZfB, 79. Jg. (2009), S. 1309–1329, hier S. 1312 f.

7 Vgl. Bachmann, Gregor: Kommentierung zu Vergütung, in: Kommentar zur Deutschen Corporate Governance, hrsg. von Kremer et al., 6. Aufl., München 2016, hier Rn. 990.

8 Vgl. Drucksache des Deutschen Bundestags 16/13433 vom 17.6.2009: Beschlussempfehlung und Be- richt des Rechtsausschusses, S. 10.

9 Vgl. Bachmann, Gregor: Kommentierung zu Vergütung, in: Kommentar zur Deutschen Corporate Governance, hrsg. von Kremer et al., 6. Aufl., München 2016, hier Rn. 991.

10 Vgl. Böcking, Hans-Joachim et al.: Neukonzeption der variablen Vorstandsvergütung durch den Ent- wurf des DCGK, in: DB, 72. Jg. (2019), S. 137–144, hier S. 139.

11 Vgl. Böcking, Hans-Joachim et al.: Neukonzeption der variablen Vorstandsvergütung durch den Ent- wurf des DCGK, in: DB, 72. Jg. (2019), S. 137–144, hier S. 139.

12 Vgl. Regierungskommission DCGK: Entwurf eines geänderten Deutschen Corporate Governance Ko- dex, S. 12

13 Vgl. Drucksache des Deutschen Bundestags 16/13433 vom 17.6.2009: Entwurf eines Gesetzes zur An- gemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG), S. 1–13, hier S. 10.

14 Vgl. Fleischer, Holger: Kommentierung zu § 87 AktG, in: Kommentar zum Aktiengesetz (Bd. 1), hrsg. von G. Spindler, E. Stilz, 4. Aufl., München 2019, hier Rn. 32.

15 Vgl. Dörrwächter, Jan: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Vergütung des Vorstands nach dem Entwurf des geänderten DCGK, in: DB, 71. Jg. (2018), S. 2977–2981, hier S. 2979.

16 Vgl. Böcking, Hans-Joachim et al.: Neukonzeption der variablen Vorstandsvergütung durch den Ent- wurf des DCGK, in: DB, 72. Jg. (2019), S. 137–144, hier S. 137.

17 Vgl. Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex: Kodexreformvorschläge Me- dien-Telefonkonferenz, Frankfurt a.M., 2018, abrufbar unter https://www.dcgk.de/de/konsultatio- nen/archiv/konsultation-2019.html (abgerufen am 24.8.2019) hier, S. 3.

18 Vgl. ebenda.

19 Vgl. ebenda S. 16.

20 Vgl. Sutton, Timothy: Lobbying of Accounting Standard-Setting Bodies in the U.K. and the U.S.A: A Downsian Analysis, in: ACCOUNT ORG SOC, 9. Jg. (1984), S. 81–95, hier S. 81.

21 Vgl. Königsgruber, Roland: Lobbying bei der Rechnungslegungsstandardsetzung. Ein Literaturüber- blick, in: ZfB, 79. Jg. (2009), S. 1309–1329, hier S. 1310.

22 Vgl. ebenda.

23 Vgl. Armstrong, Marshall: The politics of establishing accounting standards, in J. Account., 73. Jg. (1977), S. 76–79, hier S. 78.

24 Vgl. Zeff, Stephen: The Rise of “Economic Consequences”, in: J. Account., 74. Jg. (1978), S. 56–63, hier S. 57.

25 Vgl. Sutton, Timothy: Lobbying of Accounting Standard-Setting Bodies in the U.K. and the U.S.A: A Downsian Analysis, in: ACCOUNT ORG SOC, 9. Jg. (1984), S. 81–95, hier S. 82.

26 Vgl. Königsgruber, Roland: Lobbying bei der Rechnungslegungsstandardsetzung. Ein Literaturüber- blick, in: ZfB, 79. Jg. (2009), S. 1309–1329, hier S. 1312 f.

27 Vgl. Deakin, Edward: Rational economic behavior and lobbying on accounting issues: evidence from the oil and gas industry, in: ACCR, 64. Jg. (1989), S. 137–151, hier S. 142.

28 Vgl. Kelly, Lauren: Corporate management lobbying on FAS No. 8: some further evidence, in: J. Ac- count. Res., 23. Jg. (1985), S. 619–632, hier S. 629.

29 Vgl. MacArthur, John/Groves, Roger: An empirical investigation into the impact of profit sharing schemes of executives on the content of corporate submissions on proposed accounting standards, in: JBFA, 20. Jg. (1993), S. 623–638, hier S. 633 f.

30 Vgl. MacArthur, John: Some implications of auditor and client lobbying activities: a comparative anal- ysis, in: Account. Bus. Res.,19. Jg. (1988), S. 56–64, hier S. 63.

31 Vgl. Hylton-Meier, Heidi/Alam, Pervaiz/Pearson, Michael: Auditor lobbying for accounting standards: the case of banks and savings and loan associations, in: account. Bus. Res., 23. Jg. (1993), S. 477–487, hier S. 486.

32 Vgl. Puro, Marsha: Audit firm lobbying before the financial accounting standards board: an empirical study, in: J. Account. Res., 22. Jg. (1984), S. 624–646, S. 645.

33 Vgl. McLeay, Stuart/Ordelheide, Dieter/Young, Steven: Constituent lobbying and its impact on the de- velopment of financial reporting regulations: evidence from Germany, in: Account. Org. Soc., 25. Jg. (2000), S. 79–98, hier S. 96

34 Vgl. Tandy, Paulette/Wilburn, Nancy: The academic community’s participation in standard setting: submissions of comment letters on SFAS Nos. 1–117, in: Account. Horizons, 10. Jg. (1996), S. 92–111, hier S. 110 f.

35 Vgl. Hoffmann, Sebastian: Lobbying im Rahmen der Entstehung von Rechnungslegungsnormen, Leipzig 2011, hier S. 39.

36 Vgl. eben da, hier S. 40.

37 Vgl. Holthausen, Robert/Leftwich, Richard: The economic consequences of Accounting Choice, in: J ACCOUNT ECON, 5. Jg. (1983), S.77–117, hier S. 84

38 Vgl. Sutton, Timothy: Lobbying of Accounting Standard-Setting Bodies in the U.K. and the U.S.A: A Downsian Analysis, in: ACCOUNT ORG SOC, 9. Jg. (1984), S. 81–95, hier S. 92 f.

39 Vgl. Hoffmann, Sebastian: Lobbying im Rahmen der Entstehung von Rechnungslegungsnormen, Leipzig 2011, hier S. 40.

40 Vgl. Olson, Mancur: Die Logik des kollektiven Handelns, 5. Aufl., Tübingen 2004.

41 Vgl. Georgious, George: Investigating Corporate Management Lobbying in the U.K. Accounting Standard-Setting Process: A Multi-Issue/Multi-Period Approach, in: ABACUS, 41. Jg. (2005), S. 323– 347, hier S. 325.

42 Vgl. Hoffmann, Sebastian: Lobbying im Rahmen der Entstehung von Rechnungslegungsnormen, Leipzig 2011, hier S. 41.

43 Vgl. Lindahl, Frederick: Accounting Standards and Olson’s Theory of Collective Action, in: J. Ac- count. Public Policy, 6. Jg. (1987), S. 59–72, hier: 64.

44 Vgl. von Winter, Thomas: Vom Korporatismus zum Lobbyismus. Paradigmenwechsel in Theorie und Analyse der Interessenvermittlung, in: ZParl, 35. Jg. (2004), S. 761–776, hier S. 764 f.

45 Vgl. Ordelheide, Dieter: Zur Politischen Ökonomie der Rechnungslegung, in: ZfbF, Sonderheft 40 (1998), S. 1–16, hier: S. 11.

46 Vgl. Hoffmann, Sebastian: Lobbying im Rahmen der Entstehung von Rechnungslegungsnormen, Leipzig 2011, hier S. 41.

47 Vgl. Hussein, Mohamed/Ketz, Edward: Accounting standards-setting in the U.S.: An Analysis of power and social exchange, in: J. Account. Public Policy, 10. Jg. (1991), S. 59–81, hier S. 74.

48 Vgl. Tutticci, Irene/Dunstan, Keitha/Holmes, Scott: Respondent lobbying in the Australian Accounting standard setting process: ED49-A case study, in: Accounting, Auditing and Accountability Journal, 7. Jg. (1994), S.86–104, hier S. 101.

49 Vgl. Lindahl, Frederick: Accounting Standards and Olson’s Theory of Collective Action, in: J. Ac- count. Public Policy, 6. Jg. (1987), S. 59–72.

50 Vgl. Tutticci, Irene/Dunstan, Keitha/Holmes, Scott: Respondent lobbying in the Australian Accounting standard setting process: ED49-A case study, in: Accounting, Auditing and Accountability Journal, 7. Jg. (1994), S.86–104, hier S. 101.

51 Vgl. Ordelheide, Dieter: Regulierung der Rechnungslegung: Ökonomische „Zwänge“ und kulturelle Unterschiede, in: Interkulturelles Management: Theoretische Fundierung und funktionsbezogene Kon- zepte, hrsg. v. J. Engelhard, Wiesbaden 1997, hier S. 246 f.

52 Vgl. Hoffmann, Sebastian: Lobbying im Rahmen der Entstehung von Rechnungslegungsnormen, Leipzig 2011, hier S. 43.

53 Vgl. ebenda.

54 Vgl. ebenda.

55 Vgl. Braun, Markus: Die Schaffung US-amerikanischer Rechnungslegungsstandards zwischen Sach- kunde, privaten Interessen und staatlicher Aufsicht, Aachen 2005, hier S. 63 f.

56 Vgl. Sutton, Timothy: Lobbying of Accounting Standard-Setting Bodies in the U.K. and the U.S.A: A Downsian Analysis, in: ACCOUNT ORG SOC, 9. Jg. (1984), S. 81–95, hier S. 85 f.

57 Vgl. Hussein, Mohamed/Ketz, Edward: Accounting standards-setting in the U.S.: An Analysis of power and social exchange, in: J. Account. Public Policy, 10. Jg. (1991), S. 59–81, hier S. 67.

58 Vgl. van Lent, Laurence: Pressure and Politics in Financial Accounting Regulation: The Case of the Financial Conglomerates in The Netherlands, in: ABACUS, 33. Jg. (1997), S. 1–26, hier S. 21.

59 Vgl. Durocher , Sylvain/Fortin, Anne/Côté, Louise: User’s participation in the accounting standard-set- ting process: A theory-building study, in: Accounting Organizations and Society, 32. Jg. (2007), S. 29– 59, hier S. 31 ff.

60 Vgl. Hakansson, Nils: On the Politics of Accounting Disclosure and Measurement: An Analysis of Economic Incentives, in: J. Account.Res., 19. Jg. (1981), S. 1–35.

61 Vgl. Hoffmann, Sebastian: Lobbying im Rahmen der Entstehung von Rechnungslegungsnormen, Leipzig 2011, hier S. 44.

62 Vgl. Ordelheide, Dieter: Zur politischen Ökonomie der Rechnungslegung, in: ZfbF, 93. Jg. (1998), S. 1–16, hier S. 11.

63 Vgl. Tandy, Paulette/Wilburn, Nancy: The academic community’s participation in standard setting, in: Accounting Horizons, 10. Jg. (1996), S. 92–111, hier S. 93 f.

64 Vgl. Power , Michael: Academics in the Accounting Policy Process: England and Germany Compared, in: The Economics and Politics of Accounting, hrsg. v. C. Leuz, Oxford 2004, S. 376–392, hier S. 376 ff.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Änderungsentwurf des Deutsche Corporate Governance Kodex zur Ausgestaltung der langfristigen variablen Vorstandsvergütung
Untertitel
Kritische Analyse der Stellungnahmen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
37
Katalognummer
V507569
ISBN (eBook)
9783346058355
Sprache
Deutsch
Schlagworte
änderungsentwurf, analyse, kritische, vorstandsvergütung, ausgestaltung, kodex, governance, corporate, deutsche, stellungnahmen
Arbeit zitieren
Jan Hundsdörfer (Autor), 2019, Änderungsentwurf des Deutsche Corporate Governance Kodex zur Ausgestaltung der langfristigen variablen Vorstandsvergütung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507569

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