Die Figuren Loki, Prometheus und Luzifer im Vergleich. Teufel und Gegenspieler


Seminararbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Der Teufel in der Mythologie

2. Das Motiv des Teufels

3. Vergleich zwischen Prometheus, Loki und Luzifer
3.1. Das Motiv des Feuers
3.2. Tricksterfigur
3.3. „The Caucasian narratives of the Fettered Giant“
3.4. Die Figuren als Antagonisten

4. Die drei Teufel

Literaturverzeichnis

1. Der Teufel in der Mythologie

Das Motiv des Teufels ist nicht nur in der christlichen Geschichte vertreten. Im Islam ist es der Dschinn Iblis, im Heidentum der Gott Pan oder Beelzebub. Sie sind Figuren, die in verschiedenen Kulturen die Rolle des Teufels, des Bösen, übernehmen. Neben diesen expliziten Teufelsfiguren können aber auch Gestalten in anderen Kulturen die Charakteristika des Teufels tragen. Dazu gehört Loki in der altnordischen Mythologie in der Prosaedda 1 und den Götterliedern 2, Prometheus in der griechischen Mythologie in der Theogonie3 und die biblische Figur4 Luzifer in der christlichen Religion. Diese gleichen sich in ihrer dekonstruktivistischen Verhaltensweise gegenüber Gott, die sich neben den Merkmalen des Teufels darin zeigt, dass sie das Motiv des Feuers, des handlungstreibenden Gegenspielers Gottes und der Tricksterfigur gemeinsam haben. Die Antagonisten überschneiden sich auch in der Art ihrer Bestrafung, die sich bei allen dreien von kaukasischen Bestrafungslegenden ableiten lassen. Dies zeigt, dass sich diese Gestalten auf das gleiche Motiv-das des Teufels und Gegenspielers- zurückführen lassen. Gleichzeitig zeigt sich auch die Überschneidung der Entstehung der Figuren, wobei aber zu der heutigen Zeit die Forschung nicht klären kann, welche Kultur oder Religion als Vorlage dient und welche nachmacht. Damit diese drei Figuren nach den oben genannten Merkmalen untersucht werden können, wird zuerst das generelle Teufelsmotiv erläutert.

2. Das Motiv des Teufels

In der Vergangenheit wurde oft kein Unterschied zwischen dem Bösen und dem Teufel gemacht. Stattdessen ist der Teufel der Verantwortliche und Bringer des Bösen. Heutzutage wird der Teufel aber meist als Verführer des Menschen zu bösen Taten gesehen, der sich in vielen Kulturen und Religion mehr oder weniger explizit wiederfindet.5 Als eine der ältesten Formen des Teufelsmotivs wird das Herabsteigen der Wächterengel im Henochbuch gesehen. Diese sind auf die Erde herabgestiegen und haben dort Kinder gezeugt. Gott reagiert auf „deren eigenmächtiges und offenbar freies Handeln […] mit Strafe und Vernichtung“6.

Figuren wie der Drache oder die Schlange sind spätere Sinnbilder des Teufels, die den Menschen zu Verstößen der Gebote verführen.7 Dabei „[l]iegt es [vermutlich auch] am Menschen selbst, dass er das Böse tut, ganz aus eigener Entscheidung und Urteilskraft“8. Der Teufel wird oft als Gegenspieler zu Gott dargestellt. Dies ist besonders in monotheistischen Religionen ein Problem, da keine andere Person oder Figur neben der des einen Gottes stehen darf, wodurch der Teufel immer eine niedrigere Position innehat.9

Hauptmerkmal des Bösen, der Teufelsfigur, ist die „Grenzüberschreitung gottgesetzter Ordnung“10. Weitere Sünden gehen mit „Hochmut, Unreinheit, Gottesbeleidigung und Hartherzigkeit einher.“11 Auch das Motiv der „endzeitliche[n] Bestrafung“12 begleitet diese Gestalten. „Der Luzifer-Typ […] will die Position Gottes usurpieren, er übernimmt einen illegitimen Aufstieg.“13 Als Beweggründe für die Auflehnung gegen Gott wird also der Hochmut in Luzifers Fall genannt, im Fall der Wächterengel die Begierde und bei Satan, der sich weigert Adam anzubeten, der Neid.14 Die Entstehung des Teufels erfolgt also „beim Abfall eines Geschöpfs, das [aus den Folgen der Auflehnung und des Falls] zum Teufel mutiert.“15

Nach diesem Abfall verändern sich die Geschöpfe, sie entwickeln sich zu einem „zerstörerische[n] Wesen hinter dem Anschein göttlicher Majestät“16. Besonders auffällig ist eine Gemeinsamkeit, die alle Teufelsfiguren innehaben: „Scheinheiligkeit und Verstellungskunst“17. Der Teufel ist also niemals einfach zu erkennen und gibt seine wahren Motive nicht preis, stattdessen trägt er nach außen hin die Erscheinung eines guten Menschen. Um diese Verwirrung des rechten Unterscheidens und Entscheidens beim Menschen erreichen zu können, verdeckt der Teufel seinen Unterschied zu Gott.18

Das Ziel des Teufels, der von Jan Löhdenfink auch oft als Engel des Lichts bezeichnet wird, ist es, den Platz Gottes einzunehmen und sich selbst verehren zu lassen.19

3. Vergleich zwischen Prometheus, Loki und Luzifer

Die Teufelsfiguren in den verschiedenen Kulturen haben also gleiche Ursprünge und dadurch viele Gemeinsamkeiten. Prometheus, Loki und Luzifer tragen alle das Merkmal des Feuerbringers, sind jeweils die handlungstreibenden Gegenspieler zur höchsten Gottheit und entsprechen der Tricksterfigur nach Heynes. Von diesem Gott werden die drei Figuren aufgrund ihrer Taten bestraft. Durch diese starken Gemeinsamkeiten und der gleichen Funktion in der jeweiligen Religion oder Kultur zeigt sich, dass die Teufelsgestalten auf dieselben Legenden zurückgreifen oder sogar in einer Dreiecksbeziehung stehen und sich an dem Stoff der jeweils anderen bedient haben.

3.1. Das Motiv des Feuers

In der Geschichte aller drei Figuren ist das Motiv des Feuers vertreten. Bei Loki, dem Gott des Feuers und des Windes, ist bereits der Name ein Anzeichen, denn es wird von logi abgeleitet20: „Logi represents fire as a force of nature“21.

Luzifer wird ebenfalls-aber etwas schwächer - mit seinem Namen in Verbindung mit Feuer gebracht, da er als Sohn der Morgenröte22 bezeichnet wird. Sein Fall wird im Lukasevangelium als „Blitz vom Himmel“23 beschrieben und somit erneut mit einem Feuer- und Himmelsmotiv in Verbindung gebracht. Das Himmelsmotiv bezieht sich dabei auf seine Abstammung als Engel, das Feuermotiv stellt den Gegensatz dazu dar, den Fall und die Verwandlung zum Teufel.

Prometheus Geschichte beinhaltet nicht nur das Motiv des Feuers, er selbst ist der Feuerbringer. Er versucht bei Hesiod Zeus zu betrügen und erzürnt durch eine hinterlistige Opfergabe den Gott, so dass dieser den Menschen das Feuer wegnimmt.24

Er ist somit zuerst der Grund, warum das Feuer verschwindet. Seine listige Seite kommt aber erneut in Einsatz und er stiehlt „das weithin leuchtende unermüdliche Feuer im hohlen Narthexrohr“25.

Die Ähnlichkeit zwischen Loki und Prometheus erkennt Frank Stanton Cawley eben darin, dass Prometheus das Feuer gestohlen hat und Loki nicht nur ein Gott des Feuers ist, sondern auch ein Dieb. Cawley vermutet ebenfalls, dass Loki in einem heute verlorenen Mythos auch das Feuer gestohlen hat und den Menschen gebracht hat.26

Prometheus wird bei Hesiod zwar einerseits als Unruhestifter dargestellt, andererseits ist er aber auch Helfer für die Menschen. Auch Loki war früher Helfer und Wohltäter sowohl für Götter als auch für Menschen.27

3.2. Tricksterfigur

Dieser Aspekt der Unruhestifterei zeigt sich auch darin, dass alle drei Figuren nach William Hynes28 als Tricksterfiguren klassifiziert werden können. Merkmale des Tricksters sind seine ambivalente und anomale Persönlichkeit, er ist ein Täuscher oder Streichespieler, ein Gestaltenwandler, er kann eine Situation zum Gegenteil umkehren, ist Götterbote oder -imitator und Bricoleur, also Bastler.29 Nicht immer treffen alle dieser Eigenschaften zu, aber die meisten.

Lokis anomale und ambivalente Persönlichkeit zeigt sich in seiner Herkunft. Er wird zwar zu „den Asen […] gezählt“30, ist aber der Sohn des Riesen Farbauti. Auch ist Lokis Verhalten unnatürlich, er schneidet Sif aus Boshaftigkeit die Haare ab, bemüht sich aber als Wiedergutmachung nicht nur um die goldenen Haare für Sif, sondern bringt auch Thors Hammer und einen magischen Ring mit.31 In dieser Geschichte zeigt sich ebenfalls Lokis Vorliebe für Streiche und auch bei Iduns Entführung, die er mit Äpfeln lockt, erreicht er sein Ziel mit Betrug.32 Zu seinen Talenten gehören ebenfalls die Gestaltwandlung - egal ob als Lachs33, als Fliege34 oder als Riesin35. Dass er eine Situation zum Gegenteil umkehren kann und auch für die Götter handelt - obwohl der Grund meist seine eigene Schuld und die Wiedergutmachung dafür ist - beweist Loki bereits bei Sifs Haaren, aber auch bei der Entführung Iduns, die er auf Geheiß der Götter wieder befreit.36 Auf Loki treffen also alle Merkmale außer dem Bricoleur zu, deshalb ist er mit Sicherheit eine Tricksterfigur.

[...]


1 Vgl. Snorri Sturluson: Die Edda des Snorri Sturluson. Arnulf Krause (Hrsg.). Stuttgart: Reclam, 2006. (weiterhin bezeichnet als P rosaedda).

2 Vgl. Arnulf Krause (Hrsg.): Die Götterlieder der Älteren Edda. Stuttgart: Reclam, 2006. (weiterhin bezeichnet als Götterlieder).

3 Vgl. Hesiod: Theogonie. Otto Schönberger (Hrsg.). Stuttgart: Reclam, 1999.

4 Vgl. Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz u.a.: Die Bibel: Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Freiburg: Verlag Herder, 1999. Auflage 15. (weiterhin als Bibel bezeichnet).

5 Vgl. Jörg Frey, Gabrielle Oberhänsli-Widmer: „Der Diskurs um das >böse< und der Beitrag biblisch-theologischer Perspektiven. Zur Einführung in die Thematik.“ In: Martin Ebner (Hrsg.): Das Böse. Jahrbuch für biblische Theologie (Band 26). Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Theologie, 2012. S. 14.

6 Ebd. S. 13.

7 Vgl. ebd. S. 14.

8 Ebd. S. 15.

9 Vgl. ebd. S. 14.

10 Samuel Vollenweider: Luzifer-Herrlichkeit und Sturz des Lichtengels. In: Jahrbuch für biblische Theologie (Band 26). Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Theologie, 2012. S. 207.

11 Ebd. S. 207 f.

12 Ebd. S. 208.

13 Ebd. S. 212.

14 Vgl. ebd. S. 209-212.

15 Ebd. S. 222.

16 Jan Löhdefink: Die Zeiten des Teufels. Tübingen: Mohr Siebeck, 2016. S. 203.

17 Ebd. S. 204.

18 Vgl. ebd. S. 209.

19 Vgl. ebd. S. 207.

20 P r o s aedd a, S. 209.

21 Cawley, Frank Stanton: “The Figure of Loki in Germanic Mythology.” In: The Harvard Theological Review (Band 32, No. 4). Cambridge: Cambridge University Press, 1939. S. 311.

22 „Ach, du bist vom Himmel gefallen,/ du strahlender Sohn der Morgenröte.“Bibel, Jes 14,12.

23 Bibel, Lk 10,18.

24 Vgl. Hesiod, S. 45-47.

25 Ebd. S. 47.

26 Vgl. Cawley, S. 314.

27 Vgl. ebd. S. 315.

28 William Hynes: Mythical Trickster Figures. Tuscaloosa und London: University of Alabama Press, 1993.

29 Vgl. ebd. S. 34.

30 Prosaedda, S. 40.

31 Vgl. ebd. S.140-142.

32 Vgl. ebd. S. 82.

33 Vgl. ebd. S. 72.

34 Vgl. ebd. S. 140 f.

35 Vgl. ebd. S. 71.

36 Vgl. ebd. S. 82 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Figuren Loki, Prometheus und Luzifer im Vergleich. Teufel und Gegenspieler
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Proseminar Vergleichende Literaturwissenschaft - Nordische Mythologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V507587
ISBN (eBook)
9783346061966
ISBN (Buch)
9783346061973
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nordisch, Nordische Mythologie, Mythologie, Loki, Odin, Prometheus, Thor, Luzifer, Teufel, Antagonist, Kaukasische Bestrafung, Teufelsfigur, Marvel
Arbeit zitieren
Lea Jell (Autor), 2019, Die Figuren Loki, Prometheus und Luzifer im Vergleich. Teufel und Gegenspieler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507587

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