Die Arbeit setzt sich mit den drei Teufelsfiguren Loki, Prometheus und Luzifer auseinander. Das Motiv des Teufels ist nicht nur in der christlichen Geschichte vertreten. Im Islam ist es der Dschinn Iblis, im Heidentum der Gott Pan oder Beelzebub. Sie sind Figuren, die in verschiedenen Kulturen die Rolle des Teufels, des Bösen, übernehmen.
Neben diesen expliziten Teufelsfiguren können aber auch Gestalten in anderen Kulturen die Charakteristika des Teufels tragen. Dazu gehört Loki in der altnordischen Mythologie in der Prosaedda und den Götterliedern, Prometheus in der griechischen Mythologie in der Theogonie und die biblische Figur Luzifer in der christlichen Religion. Diese gleichen sich in ihrer dekonstruktivistischen Verhaltensweise gegenüber Gott, die sich neben den Merkmalen des Teufels darin zeigt, dass sie das Motiv des Feuers, des handlungstreibenden Gegenspielers Gottes und der Tricksterfigur gemeinsam haben.
Die Antagonisten überschneiden sich auch in der Art ihrer Bestrafung, die sich bei allen dreien von kaukasischen Bestrafungslegenden ableiten lassen. Dies zeigt, dass sich diese Gestalten auf das gleiche Motiv-das des Teufels und Gegenspielers-zurückführen lassen. Gleichzeitig zeigt sich auch die Überschneidung der Entstehung der Figuren, wobei aber zu der heutigen Zeit die Forschung nicht klären kann, welche Kultur oder Religion als Vorlage dient und welche nachmacht. Damit diese drei Figuren nach den oben genannten Merkmalen untersucht werden können, wird das generelle Teufelsmotiv erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Teufel in der Mythologie
2. Das Motiv des Teufels
3. Vergleich zwischen Prometheus, Loki und Luzifer
3.1. Das Motiv des Feuers
3.2. Tricksterfigur
3.3. „The Caucasian narratives of the Fettered Giant“
3.4. Die Figuren als Antagonisten
4. Die drei Teufel
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die komparativen Gemeinsamkeiten der mythologischen Figuren Loki, Prometheus und Luzifer. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern diese drei Charaktere trotz unterschiedlicher kultureller Herkunft als strukturell identische Typen von „Teufelsfiguren“ und „Trickstern“ klassifiziert werden können, die in ihren jeweiligen Erzähltraditionen ähnliche Funktionen und Bestrafungsmuster aufweisen.
- Analyse des Teufelsmotivs in verschiedenen religiösen und kulturellen Kontexten.
- Untersuchung der gemeinsamen Merkmale Feuerbringer, Tricksterfigur und Antagonist.
- Vergleichende Betrachtung der Bestrafungsmythen („Fettered Giant“-Narrative).
- Darstellung der figurenspezifischen Rolle als handlungstreibender Gegenspieler zur göttlichen Ordnung.
- Aufzeigen der Faszination dieser „charmanten Bösen“ in der Literatur und Populärkultur.
Auszug aus dem Buch
3.3. „The Caucasian narratives of the Fettered Giant“
Besonders deutlich zeigt sich auch das wiederkehrende Motiv der Bestrafung in allen drei Geschichten.
“In central and eastern Europe the narrative is found in a Christianized form sometimes as a folktale, sometimes as a legend. God (or Christ of Solomon) tricks the devil (Lucifer, etc.) into being fettered to a chair or a pillar, and then places him in hell. Because the devil constantly rages (gnaws on his chains, etc.), the chains become gradually thinner, but their strength is restored annually as a consequence of a particular ritual action undertaken by human beings, either an utterance (for example, the singing of the Hallelujah on Easter morning) or an act (for example, smiths striking their anvils). Nevertheless, the devil will eventually break free at the end of the world (his escape will bring about the end of the world, or god himself will set him free on Judg[e]ment Day).”
Dies ist eine von Hansen wiedergegebene Variante der Auflehnung des Teufels, oder in diesem Fall Luzifer, und seine darauffolgende Bestrafung. William Hansen ordnet die drei Bestrafungsmythen anhand von Axel Olriks Theorie der gefangenen Giganten in eine Gruppe ein: „the Caucasian narratives of the Fettered Giant“. Grundbausteine dieser Gruppe, die weiter ausgebaut und variiert werden können, sind der Gigant, der meist zerstörerisch ist und der Konflikt mit Gott und wie dieser den Giganten überlistet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Teufel in der Mythologie: Dieses Kapitel führt in die vielschichtigen Erscheinungsformen des Bösen ein und identifiziert Loki, Prometheus und Luzifer als vergleichbare Gestalten mit teufelstypischen Attributen.
2. Das Motiv des Teufels: Hier wird der historische Bedeutungswandel des Teufels vom bloßen Übel zum Verführer und Gegenspieler Gottes sowie das Merkmal der Grenzüberschreitung erläutert.
3. Vergleich zwischen Prometheus, Loki und Luzifer: Dieser Hauptteil analysiert die drei Figuren anhand der Kategorien Feuermotiv, Trickster-Verhalten, kaukasische Bestrafungsmythen und ihre Rolle als Antagonisten.
3.1. Das Motiv des Feuers: Untersucht die Verbindung der drei Figuren zum Element Feuer und ihre Rolle als Feuerbringer oder Zerstörer.
3.2. Tricksterfigur: Klassifiziert die Figuren anhand ihrer ambivalenten Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten als Gestaltwandler und Täuscher.
3.3. „The Caucasian narratives of the Fettered Giant“: Analysiert die strukturellen Ähnlichkeiten der Foltermythen und die Einordnung der drei Protagonisten in das Narrativ der gefangenen Giganten.
3.4. Die Figuren als Antagonisten: Beleuchtet die funktionale Bedeutung der Figuren als handlungstreibende Gegenspieler, die den Verlauf der jeweiligen Erzählungen durch Konflikte maßgeblich vorantreiben.
4. Die drei Teufel: Das abschließende Kapitel reflektiert die heutige Popularität der Figuren und ihre anhaltende Faszination als „charmante Böse“ in modernen Medien.
Schlüsselwörter
Mythologie, Teufelsfigur, Loki, Prometheus, Luzifer, Trickster, Gegenspieler, Feuermotiv, Bestrafung, Fettered Giant, Literaturwissenschaft, Antagonist, Gestaltwandlung, Religionsgeschichte, Populärkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten der mythologischen Figuren Loki, Prometheus und Luzifer und analysiert, warum sie trotz unterschiedlicher kultureller Ursprünge dieselben archetypischen Funktionen erfüllen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Themenfelder umfassen die vergleichende Mythenforschung, die Analyse von Teufelsfiguren, das Motiv des Tricksters sowie die Darstellung von Bestrafungs- und Widerstandsmotiven in antiken und religiösen Texten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die drei Figuren auf denselben Motiven basieren und durch ihre Rolle als handlungstreibende Antagonisten eine grundlegende Funktion für die Erzählstrukturen ihrer jeweiligen Religionen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine komparative Literatur- und Mythenanalyse, bei der die Figuren systematisch auf Basis verschiedener Motiv-Kategorien miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Feuermotivs, der Klassifizierung als Trickster, den Abgleich mit kaukasischen Bestrafungssagen sowie die Analyse der Figuren als Antagonisten der göttlichen Ordnung.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Mythologievergleich, Trickster-Klassifizierung, Teufelsmotivik und antagonistische Erzählfunktion beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Bestrafung der drei Figuren?
Während die Bestrafung bei allen auf kaukasischen Mythen (wie dem „Fettered Giant“) basiert, sind die Details spezifisch: Prometheus leidet unter körperlicher Folter durch einen Adler, Loki wird durch Schlangengift gepeinigt und Luzifer erfährt primär eine psychische Qual des Scheiterns.
Warum spielt das Motiv des Feuers eine so tragende Rolle?
Das Feuer fungiert bei allen drei Figuren als Symbol für ihre Rolle als Gegenspieler Gottes: Es ist sowohl ein zerstörerisches Element als auch ein Mittel zur Technikentwicklung und ein Motiv für den Fall oder den Diebstahl göttlicher Privilegien.
- Arbeit zitieren
- Lea Jell (Autor:in), 2019, Die Figuren Loki, Prometheus und Luzifer im Vergleich. Teufel und Gegenspieler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507587