Diese Arbeit thematisiert die Erscheinungsformen faschistischer Ästhetik in Leni Riefenstahls Parteitagsfilm "Triumph des Willens" von 1935, um deren Wirkung auf den Zuschauer zu analysieren und im Rahmen der thematischen Auseinandersetzung mit dem Motiv der neuen Alleinherrschaft Hitlers und der Einheitsbildung von SS und SA nach dem Röhm-Putsch zu interpretieren.
Leni Riefenstahl kreiert mit ihrem Film "Triumph des Willens" keinen typischen Dokumentarfilm, sondern einen Film, der durch verschiedene faschistische Erscheinungsformen den Anschein erweckt, der Film verfolge bewusst eine propagandistische Wirkung. Bis heute wird der Parteitagsfilm kritisch betrachtet. Viele verschiedene Autoren haben sich mit Leni Riefenstahl und der Ästhetik auseinandergesetzt. Die Frage, ob Leni Riefenstahl bewusst eine propagandistische Wirkung verfolgt habe, kann aufgrund ihrer eigenen Aussagen, sie hätte nichts über die wahren Motive der Nationalsozialisten gewusst, nicht stichhaltig bewiesen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Faschistische Ästhetik der Leni Riefenstahl
3 Der „Röhm-Putsch“
4 Deskriptive Analyse faschistischer Erscheinungsformen im „Triumph des Willens“
4.1 Der omnipräsente Protagonist
4.2 Aufsteigende Diagonale
4.3 Faschistische Symbole
5 Fazit
6 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Inszenierung faschistischer Ästhetik in Leni Riefenstahls Parteitagsfilm „Triumph des Willens“ von 1935, um deren propagandistische Wirkung auf den Zuschauer sowie die visuelle Konstruktion der Alleinherrschaft Hitlers nach dem sogenannten Röhm-Putsch zu analysieren.
- Grundlagen der faschistischen Ästhetik im Werk Leni Riefenstahls
- Die Funktion Adolf Hitlers als allgegenwärtiger Protagonist
- Geometrische Kompositionstechniken wie die aufsteigende Diagonale
- Symbolik nationalsozialistischer Zeichen und Fahnen im Filmkontext
Auszug aus dem Buch
4.1 Der omnipräsente Protagonist
Dass Adolf Hitler der omnipräsente Protagonist des Films ist, lässt sich schon anhand der filmischen Präsenz aufzeigen. So nimmt der Führer „etwa ein Drittel der Filmbilder, seine Reden […] etwa ein Fünftel der Tonspur“ ein, „das sind über zwei Drittel der Gesamtredezeit“.
Um den Protagonisten hervorzuheben, positioniert Riefenstahl die Kamera meist unter Hitler. Nachdem die Fanfaren beim Appell des Freiwilligen Arbeitsdienstes (kurz: FAD) auf der Zeppelinwiese mit einem langen Ton ausklingen, steigt Hitler mit dem Blick nach vorne die Stufen zum Podium empor, dreht sich nach links zu Konstantin Hierl, dem Reichskommissar des FAD, während letzterer frontal zu Hitler sieht. Durch die Kameraperspektive wirkt es, als würde Hitler höher als Hierl stehen und größer als dieser sein, aber durch die Wendungen zum Publikum wird klar, Hierl ist in der Realität größer als Hitler. Riefenstahl verwendet also die aufsteigende Diagonale, um Hitler durch eine Halbnahe größer wirken zu lassen. Die Regisseurin stellt dadurch Hitlers Position höher als Hierls ein, was auch der Realität entspricht, jedoch macht sie ihn größer, als er in Wirklichkeit gewesen ist. Gerade hier muss berücksichtigt werden, dass es bis dahin kaum filmisches Material gegeben hat, das Hitler in den Vordergrund stellt. Die filmische Realität wird also bewusst euphemistisch inszeniert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung zur propagandistischen Wirkung und ästhetischen Gestaltung des Films ein und skizziert den methodischen Rahmen der Untersuchung.
2 Faschistische Ästhetik der Leni Riefenstahl: In diesem Kapitel werden der Begriff der Ästhetik und spezifische filmtechnische Mittel erläutert, die Riefenstahl zur Umsetzung faschistischer Ideale nutzt.
3 Der „Röhm-Putsch“: Dieser Abschnitt bietet einen notwendigen historischen Exkurs zu den Ereignissen vom 30. Juni 1934, um die Machtkonstellation innerhalb der NSDAP zu verdeutlichen.
4 Deskriptive Analyse faschistischer Erscheinungsformen im „Triumph des Willens“: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Inszenierung Hitlers, geometrische Muster und die Verwendung politischer Symbole als Mittel der Bildgestaltung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und reflektiert die Problematik der propagandistischen Deutung sowie der Wirkung des Films auf den Zuschauer.
Schlüsselwörter
Leni Riefenstahl, Triumph des Willens, faschistische Ästhetik, Nationalsozialismus, NS-Propaganda, Filmtheorie, Adolf Hitler, Kameratechnik, Bildkomposition, Röhm-Putsch, Symbolik, Parteitagsfilm, Dokumentarfilm, Ästhetisierung, politische Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Leni Riefenstahl durch spezifische filmische Gestaltungsmittel im Werk „Triumph des Willens“ eine faschistische Ästhetik erzeugt, um den Nationalsozialismus propagandistisch zu inszenieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Technik und Ästhetik im NS-Film, der Führerkult um Adolf Hitler und die visuelle Strategie zur Darstellung der parteiinternen Einheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Erscheinungsformen faschistischer Ästhetik in Riefenstahls Film herauszuarbeiten und zu interpretieren, wie diese die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse auf Basis von Sekundärliteratur sowie eine interpretative Auswertung von Screenshots aus dem Filmmaterial.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hitlers Funktion als Protagonist, die Bedeutung geometrischer Muster wie der aufsteigenden Diagonale und die Rolle nationalsozialistischer Symbole.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören faschistische Ästhetik, Filmästhetik, Propaganda, Führerkult und visuelle Inszenierung.
Warum wird der „Röhm-Putsch“ als Kontext eingeführt?
Der Exkurs dient dazu, die politische Ausgangslage und das Bedürfnis nach einer Demonstration der Einheit von SS und SA zu erklären, welche der Film maßgeblich transportieren sollte.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit der Propaganda im Film?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die propagandistische Wirkung stark von der Vorprägung des Zuschauers abhängt und der Film als eine „total künstliche“ Inszenierung wahrgenommen werden kann.
- Quote paper
- Robin de Silva (Author), 2017, Erscheinungsformen faschistischer Ästhetik im "Triumph des Willens" von Leni Riefenstahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507637