Kaiser Commodus als Gladiator. Ein gut durchdachter Plan zur Selbstinszenierung oder Cäsarenwahn?


Hausarbeit, 2019
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Secutor Amazonius – Kaiser Commodus als Gladiator
2.1 Die Grundvoraussetzungen für den Auftritt des Kaisers als Gladiator
2.2 Der öffentliche Auftritt des Commodus als Gladiator
2.3 Kritik an der Gladiatur des Kaisers

3 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Commodus – ein Kaiser, der als Gladiator selbst den Sand der Arena im Kolosseum betrat, um wagemutig auf Leben und Tod um den Sieg zu kämpfen. Dieses Bild zeichnen moderne Filmproduktionen wie Ridley Soctts Monumentalfilm Gladiator aus dem Jahre 2000 oder die nunmehr zweite Staffel der Netflix-Original-Serie Das römische Reich mit dem Untertitel Commodus: Eine blutige Herrschaft, welche 2016 das erste Mal ausgestrahlt wurde. Inwieweit diese Darstellung des Sohns Marc Aurels wirklich zutreffend oder plausibel ist, soll Fragestellung der folgenden Arbeit sein. Hierzu soll nicht nur untersucht werden, in welchem Rahmen Commodus öffentlich als Gladiator auftrat, sondern auch, welche Waffengattung er hierfür wählte und welche Gegner er daraus folglich konfrontierte. Ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden soll dabei die Überlegung, weshalb der mächtigste Mann des Römischen Reiches diese Selbstinszenierung als siegreicher Arenakämpfer wählte – sei es nun aus vermeintlichem Cäsarenwahnsinn heraus oder als Teil einer durchdachten PR-Kampagne zur Neulegitimierung seiner Herrschaft.

Um die oben genannten Fragestellungen adäquat beantworten zu können, wird es notwendig sein, nicht nur moderne Fachliteratur heranzuziehen, sondern sich auch mit den antiken Quellen in Form der Scriptores Historiae Augustae, Herodians Regnum post Marcum und Cassius Dios Römische Geschichte auseinanderzusetzen. Aufgrund des begrenzten formalen Rahmens dieser Arbeit, muss Commodus‘ Auftritt als Gladiator getrennt von seiner Betätigung als venator betrachtet werden, obwohl beides kombiniert in einem größeren Zusammenhang steht. Allerdings kann die Gladiatur des Kaisers hierfür als pars pro toto fungieren, ohne die Zielsetzung des Ganzen aus den Augen zu verlieren oder zu verzerren.

Darüber hinaus soll davon Abstand genommen werden, die einzelnen Quellen sprachwissenschaftlich zu analysieren. Der Fokus wird klar auf einer rein inhaltlichen Betrachtung liegen, welche ausreichend Stoff für konkrete Vergleiche zwischen den Werken zu bieten verspricht. Die rhetorischen und grammatikalischen Kniffe der Autoren unterstreichen lediglich die Aussage und gehören in einen anderen Fachbereich.

Um zu vermeiden, dass Zusammenhänge vernachlässigt werden beziehungsweise eine unübersichtliche Aneinanderreihung einzelner Fakten entsteht, werden die einzelnen Untersuchungspunkte nach individuellen Fragestellungen behandelt werden, für deren Klärung sämtliche zur Verfügung stehenden Ressourcen heranzuziehen sind. Einer etwaigen Iteration bereits bekannter Informationen soll dadurch vorgebeugt werden. Die Anordnung der einzelnen Unterpunkte wird hierbei einem sinnführenden analytischen Konzept unterliegen und sich nicht an der literarischen Reihenfolge der antiken Texte orientieren.

2 Secutor Amazonius – Kaiser Commodus als Gladiator

2.1 Die Grundvoraussetzungen für den Auftritt des Kaisers als Gladiator

2.1.1 Commodus‘ Ausbildung zum Gladiator

Glaubt man den Scriptores Historiae Augustae, so begann Commodus‘ Gladiatorentraining bereits im Jugendalter[1]. In der Arena selbst soll er lediglich mit Holzschwertern angetreten sein, wohingegen er seinen Kammerdienern mit echten Waffen zusetzte[2]. Während Herodian sich über die privaten Trainingsmethoden des Kaisers ausschweigt[3], erwähnt Cassius Dio explizit den Gebrauch scharfer Waffen bei den Trainingseinheiten des Commodus und dessen angebliche Grausamkeit, welche sich dadurch ausgedrückt haben soll, dass er zuweilen Gegner tötete oder sie gezielt verstümmelte[4]. In der Öffentlichkeit dagegen habe der Kaiser es allerdings vermieden, scharfe Waffen einzusetzen, um kein Blut zu vergießen[5].

2.1.2 Die Wahl der Waffengattung

Zu der von Commodus präferierten Gladiatorengattung finden sich bei Herodian erneut keine aussagekräftigen Informationen[6]. Bei Cassius Dio liefert die klare Schilderung, Commodus sei in der Ausrüstung und mit der Kampfesweise eines s ecutors aufgetreten[7], was von den Scriptores Historiae Augustae untermauert wird, wenn davon die Rede ist, der Imperator habe eintausend Kämpfe gegen retiarii siegreich bestritten[8], der Gladiatorengattung, welche als ausschließlicher Gegner des secutors angesehen wird[9]. Unterstrichen wird diese These dadurch, dass der secutor oftmals auch unter anderem Namen auftaucht und in solchen Fällen als contraretiarius betitelt wird[10].

Als zusätzliches Detail erwähnt Cassius Dio den Umstand, Commodus sei stolz darauf gewesen, seine Angriffswaffe linkshändig führen zu können[11], was augenscheinlich ein Herausstellungsmerkmal unter den secutores darstellte.

Die Spezialisierung auf die Secutor-Gattung und damit der Kampf gegen den Netzkämpfer dürfte darüber hinaus nicht willkürlich geschehen, sondern ihrer Publikumswirkung geschuldet gewesen sein. So galten sowohl der secutor als auch der retiarius als höchste und damit anspruchsvollste Stufe des Gladiatorenkampfes, was die schwerbewaffnete beziehungsweise die leichtbewaffnete Kategorie betrifft[12]. Commodus bekleidete zudem den obersten Trainingsrang seiner Waffengattung, nämlich den des primus palus secutorum [13], was durchaus als verdienter Ehrentitel in Betracht gezogen darf, vergegenwärtigt man sich die lange Dauer und die privilegierten Rahmenbedingungen des kaiserlichen Gladiatorentrainings.

Ein Schlagabtausch zwischen einem so geübten secutor und einem retiarius dürfte den römischen Zuschauern durchaus eine zufriedenstellende Darbietung geboten haben, bedenkt man die unterschiedliche Ausrüstung und damit differierenden Kampftechniken und Taktiken der Kontrahenten[14]. Diese zur Zeit des Commodus sehr beliebte Paarung versprach eine dynamische und damit attraktive Begegnung in der Arena[15] – und genau auf diese Wirkung dürfte Commodus abgezielt haben.

2.2 Der öffentliche Auftritt des Commodus als Gladiator

2.2.1 Der Gladiatorenname des Commodus

Selbstgewählte Pseudonyme sind bis heute an der Tagesordnung, speziell wenn es um sportliche Wettkämpfe geht. Dies dürfte ebenfalls für die Gladiatoren im kaiserzeitlichen Rom gegolten haben, weswegen die Überlegung naheliegt, Kaiser Commodus habe sich ebenfalls ein solches Pseudonym zugelegt. Der wahrscheinlichste Name hierfür dürfte die Betitelung darstellen, mit der die gezwungenermaßen anwesenden Senatoren den als secutor gerüsteten Imperator in der Arena grüßten, nämlich Amazonius [16]. Dieser Beiname war womöglich auf den Sieg des Herkules über die Amazonenkönigin Hippolyte und den damit verbundenen Raub ihres magischen Gürtels bezogen[17], was die Identifikation des Kaisers mit dessen mythischen Ahnen Herkules unterstreichen würde – eine Politik, die Commodus während seines letzten Lebensjahres 192 nach Christus systematisch verfolgte[18].

Ein weiterer Punkt, der für Amazonius als Gladiatorenname des Commodus spricht, ist, dass der Kaiser nur kurze Zeit vor seinem ersten Auftritt in der Arena die Monatsnamen des römischen Kalenders hatte ändern lassen, wodurch der erste Monat ebenfalls die Bezeichnung Amazonius trug[19]. Glaubt man nun den Schilderungen des Cassius Dio, nach denen Commodus vorhatte, am ersten Tag des Jahres 193 sein Amt als Konsul sine collega[20] in seiner Gladiatorenrüstung anzutreten[21], hieße das, dem Volk wäre im Monat Amazonius ein in der Arena siegreicher Gladiator namens Amazonius präsentiert worden, welche die höchste offizielle Beamtenposition im Reich eingenommen hätte – ein deutlicher Alleinherrschaftsanspruch des Kaisers[22]. Diese These mag nicht unumstritten sein, jedoch ergibt sich ein zu gut zusammenpassendes Bild verschiedener Komponenten, um sie nicht als möglich oder gar plausibel einzustufen.

2.2.2 Der Zeitpunkt des Auftritts im Amphitheater

Cassius Dio berichtet, die Spiele, bei denen Commodus plante, öffentlich als Gladiator aufzutreten, hätten sich über 14 Tage hingestreckt[23]. Da eine Veranstaltung dieses Ausmaßes nicht in den üblichen römischen Festkalender passte, ist davon auszugehen, dass die von Commodus ausgerufenen munera Sonderspiele anlässlich der Neugründung der Stadt im Jahre 192 nach einem großen Brand darstellten[24] und in den letzten Monaten des Jahres 192 stattfanden[25].

2.2.3 Die Rahmenbedingungen der Kämpfe

Hinweise darauf, zu welchem organisatorischen Zeitpunkt der oben genannten munera die Auftritte des Kaisers als Gladiator stattfanden, liefern Cassius Dio sowie die Scriptores Historiae Augustae, welche übereinstimmend behaupten, Commodus habe in der Arena lediglich mit Holzschwertern gekämpft[26]. Zwar überliefert Herodian, Commodus habe mit echten Waffen gefochten[27], allerdings ist sein Status als Augenzeuge mehr als fragwürdig[28], wohingegen Cassius Dio als Senator höchstwahrscheinlich den meisten wichtigen Darbietungen im Kolosseum beigewohnt haben dürfte[29]. Darüber hinaus sind Herodians Ausführungen an anderen Stellen so unglaubwürdig[30], dass seine Beschreibungen generell mit Vorsicht zu behandeln sind.

Am wahrscheinlichsten ist davon auszugehen, dass Commodus seine Auftritte in das Vorprogramm der eigentlichen Hauptkämpfe, die sogenannten prolusiones oder auch schlicht lusiones legte, welche sich dadurch auszeichneten, dass dort zwar die Kampftechniken ausgebildeter Gladiatoren zur Anwendung kamen, allerdings nur mit hölzernen Übungswaffen gefochten wurde[31]. Zudem umging er dadurch das Risiko, auf einen überlegenen oder komplett unbekannten Gegner zu treffen, da bei den lusiones – anders als bei den prominenten Hauptkämpfen – nicht das Los entschied, sondern die Paarungen bereits im Vorfeld festgelegt wurden oder im Bedarfsfall auch eine Vorauswahl der potentiellen Kontrahenten getroffen werden konnte[32]. Kämpfe mit sogenannten arma lusoria stellten einen festen Bestandteil der munera dar und waren daher für die plebs Romana nichts Ungewöhnliches. Allein die Tatsache, dass der mächtigste Mann in Rom, der Kaiser selbst, an ihnen teilnahm, dürfte für Gesprächsstoff gesorgt haben[33].

[...]


[1] Scriptores Historiae Augustae: Commodus Antoninus, 1,8.

[2] Ebd., 5,5.

[3] Vgl.: Herodian: Regnum post Marcum, 1-17.

[4] Cassius Dio: Römische Geschichte: 73,17,2.

[5] Ebd.

[6] Vgl.: Herodian: Regnum post Marcum, 1-17.

[7] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,19,2.

[8] Scriptores Historiae Augustae: Commodus Antoninus, 12,11.

[9] Marcus Junkelmann: Gladiatoren, S.111.

[10] Fik Meijer: Gladiatoren, S. 84.

[11] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,19,2.

[12] Marcus Junkelmann: Gladiatoren, S. 187.

[13] Ebd.

[14] Fik Meijer: Gladiatoren, S. 84.

[15] Marcus Junkelmann: Gladiatoren, S. 153-154.

[16] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,20,1.

[17] Vgl.: Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer: Hercules Romanus, S. 196.

[18] Ebd., S. 198.

[19] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,15,3.

[20] Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer: Hercules Romanus, S. 200.

[21] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,22,2.

[22] Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer: Hercules Romanus, S. 200.

[23] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,20,1.

[24] Falko von Saldern: Studien zur Politik des Commodus, S. 182.

[25] Der genaue Veranstaltungstermin ist von unterschiedlichen Autoren bereits vielfach diskutiert worden. Da dieser aber für den weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht weiter von Belang ist, soll auf eine genauere Ausführung des Diskurses verzichtet werden.

[26] Cassius Dio: Römische Geschichte, 73,17,2. / Scriptores Historiae Augustae: Commodus Antoninus, 5,5.

[27] Herodian: Regnum post Marcum, 15,7.

[28] Frank Kolb: Literarische Beziehungen, S. 26.

[29] Oliver Hekster: Commodus, S. 154.

[30] Frank Kolb: Literarische Beziehungen, S. 27.

[31] Michael Grant: Gladiatoren, S. 56.

[32] Ebd.

[33] Falko von Saldern: Studien zur Politik des Commodus, S. 187.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kaiser Commodus als Gladiator. Ein gut durchdachter Plan zur Selbstinszenierung oder Cäsarenwahn?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Quellenkundliche Übung
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V507670
ISBN (eBook)
9783346072306
ISBN (Buch)
9783346072313
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kaiser, commodus, gladiator, plan, selbstinszenierung, cäsarenwahn
Arbeit zitieren
Peter Kirschner (Autor), 2019, Kaiser Commodus als Gladiator. Ein gut durchdachter Plan zur Selbstinszenierung oder Cäsarenwahn?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507670

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