Commodus - ein Kaiser, der als Gladiator selbst den Sand der Arena im Kolosseum betrat, um wagemutig auf Leben und Tod um den Sieg zu kämpfen. Dieses Bild zeichnen moderne Filmproduktionen. Inwieweit diese Darstellung des Sohns Marc Aurels wirklich zutreffend oder plausibel ist, soll die Fragestellung dieser Arbeit sein. Hierzu soll nicht nur untersucht werden, in welchem Rahmen Commodus öffentlich als Gladiator auftrat, sondern auch, welche Waffengattung er hierfür wählte und welche Gegner er daraus folgend konfrontierte. Ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden soll dabei die Überlegung, weshalb der mächtigste Mann des Römischen Reiches diese Selbstinszenierung als siegreicher Arenakämpfer wählte - sei es nun aus vermeintlichem Cäsarenwahnsinn heraus oder als Teil einer durchdachten PR-Kampagne zur Neulegitimierung seiner Herrschaft.
Glaubt man den Scriptores Historiae Augustae, so begann Commodus' Gladiatorentraining bereits im Jugendalter. In der Arena selbst soll er lediglich mit Holzschwertern angetreten sein, wohingegen er seinen Kammerdienern mit echten Waffen zusetzte. Während Herodian sich über die privaten Trainingsmethoden des Kaisers ausschweigt, erwähnt Cassius Dio explizit den Gebrauch scharfer Waffen bei den Trainingseinheiten des Commodus und dessen angebliche Grausamkeit, welche sich dadurch ausgedrückt haben soll, dass er zuweilen Gegner tötete oder sie gezielt verstümmelte. In der Öffentlichkeit habe der Kaiser es allerdings vermieden, scharfe Waffen einzusetzen, um kein Blut zu vergießen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Secutor Amazonius – Kaiser Commodus als Gladiator
2.1 Die Grundvoraussetzungen für den Auftritt des Kaisers als Gladiator
2.2 Der öffentliche Auftritt des Commodus als Gladiator
2.3 Kritik an der Gladiatur des Kaisers
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe sowie die politische Intention hinter den Auftritten des römischen Kaisers Commodus als Gladiator im Kolosseum und analysiert, ob diese Inszenierung als bewusste PR-Strategie zur Neulegitimierung seiner Herrschaft zu werten ist.
- Analyse der antiken Quellen (Scriptores Historiae Augustae, Herodian, Cassius Dio)
- Untersuchung der Wahl der Waffengattung (Secutor) und deren Symbolik
- Kontextualisierung des Gladiatorennamens "Amazonius"
- Hinterfragung der Behauptung, Commodus habe durch die Gladiatur das Wohlwollen des Volkes verloren
- Kritische Quellenbewertung hinsichtlich der Diffamierungskampagnen gegen den Kaiser
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Die Wahl der Waffengattung
Zu der von Commodus präferierten Gladiatorengattung finden sich bei Herodian erneut keine aussagekräftigen Informationen. Bei Cassius Dio liefert die klare Schilderung, Commodus sei in der Ausrüstung und mit der Kampfesweise eines secutors aufgetreten, was von den Scriptores Historiae Augustae untermauert wird, wenn davon die Rede ist, der Imperator habe eintausend Kämpfe gegen retiarii siegreich bestritten, der Gladiatorengattung, welche als ausschließlicher Gegner des secutors angesehen wird. Unterstrichen wird diese These dadurch, dass der secutor oftmals auch unter anderem Namen auftaucht und in solchen Fällen als contraretiarius betitelt wird.
Als zusätzliches Detail erwähnt Cassius Dio den Umstand, Commodus sei stolz darauf gewesen, seine Angriffswaffe linkshändig führen zu können, was augenscheinlich ein Herausstellungsmerkmal unter den secutores darstellte.
Die Spezialisierung auf die Secutor-Gattung und damit der Kampf gegen den Netzkämpfer dürfte darüber hinaus nicht willkürlich geschehen, sondern ihrer Publikumswirkung geschuldet gewesen sein. So galten sowohl der secutor als auch der retiarius als höchste und damit anspruchsvollste Stufe des Gladiatorenkampfes, was die schwerbewaffnete beziehungsweise die leichtbewaffnete Kategorie betrifft. Commodus bekleidete zudem den obersten Trainingsrang seiner Waffengattung, nämlich den des primus palus secutorum, was durchaus als verdienter Ehrentitel in Betracht gezogen darf, vergegenwärtigt man sich die lange Dauer und die privilegierten Rahmenbedingungen des kaiserlichen Gladiatorentrainings.
Ein Schlagabtausch zwischen einem so geübten secutor und einem retiarius dürfte den römischen Zuschauern durchaus eine zufriedenstellende Darbietung geboten haben, bedenkt man die unterschiedliche Ausrüstung und damit differierenden Kampftechniken und Taktiken der Kontrahenten. Diese zur Zeit des Commodus sehr beliebte Paarung versprach eine dynamische und damit attraktive Begegnung in der Arena – und genau auf diese Wirkung dürfte Commodus abgezielt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Plausibilität der Gladiatorenrolle des Commodus und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Auswahl der antiken Quellen.
2 Secutor Amazonius – Kaiser Commodus als Gladiator: In diesem Kapitel werden die Ausbildungsbedingungen, die Wahl der Waffengattung, der öffentliche Kontext der Auftritte sowie die Rezeption der Gladiatur durch zeitgenössische Kritiker und Historiker analysiert.
2.1 Die Grundvoraussetzungen für den Auftritt des Kaisers als Gladiator: Hier wird die Vorbereitung des Kaisers auf die Arena beleuchtet, wobei zwischen privatem Training und dem gezielten Einsatz bestimmter Waffengattungen differenziert wird.
2.2 Der öffentliche Auftritt des Commodus als Gladiator: Dieser Abschnitt behandelt die symbolische Bedeutung des Namens "Amazonius", den zeitlichen Rahmen der Sonderspiele und die sorgfältige Inszenierung des Kaisers als heroischer Kämpfer.
2.3 Kritik an der Gladiatur des Kaisers: Dieses Kapitel setzt sich mit der negativen Darstellung des Commodus in den antiken Quellen auseinander und hinterfragt die These, er habe durch sein Verhalten in der Arena sein Ansehen bei der Bevölkerung massiv eingebüßt.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Gladiatur des Commodus als gezielte politische Selbstinszenierung zu verstehen ist und die historische Quellenlage durch eine bewusste politische Diffamierung nach seinem Tod geprägt wurde.
Schlüsselwörter
Commodus, Gladiator, Secutor, Arena, Kolosseum, Römische Geschichte, Antike Quellen, Selbstinszenierung, Herrschaftslegitimation, Herkules, Amazonius, Cassius Dio, Herodian, Gladiatur, Politische PR-Kampagne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Umstände und politischen Hintergründe der Gladiatorenauftritte des römischen Kaisers Commodus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Ausbildung des Kaisers, die Wahl der Gladiatorengattung "Secutor", die Inszenierung als "Hercules Romanus" und die kritische Auseinandersetzung mit antiken Geschichtsschreibern.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob die Darstellung des Commodus als Gladiator zutreffend ist und ob diese Selbstinszenierung eine durchdachte PR-Strategie zur Festigung seiner Herrschaft darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse, bei der antike Berichte (u.a. von Cassius Dio und Herodian) mit moderner Fachliteratur abgeglichen werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil fokussiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungen des kaiserlichen Trainings, die Analyse der Symbolik und den politischen Widerstand sowie die spätere Diffamierung des Kaisers.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Die wichtigsten Begriffe sind Commodus, Gladiatur, Secutor, Herrschaftslegitimation, Quellenkritik und der Beiname Amazonius.
Warum wird die Glaubwürdigkeit von Cassius Dio hinterfragt?
Der Autor führt an, dass Dio als Senator ein voreingenommener Beobachter war und seine Detaildarstellungen der Gladiatur dazu dienten, ein politisch aufgeladenes, negatives Bild des Kaisers zu formen.
Was bedeutet der Name "Amazonius" in diesem Kontext?
Er verweist auf die mythischen Heldentaten des Herkules und unterstreicht den Anspruch des Commodus, als göttlicher Erbe und siegreicher Anführer wahrgenommen zu werden.
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- Peter Kirschner (Author), 2019, Kaiser Commodus als Gladiator. Ein gut durchdachter Plan zur Selbstinszenierung oder Cäsarenwahn?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507670