Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob jene europäische Kunstströmung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftauchte und später als "Expressionismus" bezeichnet werden sollte, politisch war und wenn ja, inwiefern genau. Ich untersuche hierzu vor allem zeitgenössische außerpoetische Texte (Manifeste, Artikel), nehme aber auch zwei ausführliche Lyrik-Analysen vor. Neben der Frage nach dem Bezug zur Politik stelle ich auch diejenige nach der Sichtweise der Expressionisten auf den 1. Weltkrieg und die deutsche Revolution von 1918.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Epoche des Expressionismus und den historischen Kontext
3. Expressionismus und Krieg
3.1 Lyrikanalyse I
Albert Ehrenstein: „Der Kriegsgott“
3.2 Lyrikanalyse II
Kurt Heynicke „Angriff“
4. Expressionismus und Aktivismus
5. Schlußbetrachtungen und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis des Expressionismus zur Politik, wobei insbesondere die Bereiche Krieg, Aktivismus und die Revolution von 1918 als ein untrennbarer Komplex betrachtet werden. Das primäre Ziel ist es, exemplarisch aufzuzeigen, wie unterschiedliche expressionistische Dichter auf diese gesellschaftlichen Ereignisse reagierten und ob sich darin eine einheitliche politische Positionierung oder ein konkretes politisches Programm innerhalb der Epoche feststellen lässt.
- Die Positionierung expressionistischer Künstler zum Ersten Weltkrieg
- Die ästhetische Widerspiegelung von Kriegserlebnissen in Lyrik und Prosa
- Die Verknüpfung von Geist und Tat im expressionistischen Aktivismus
- Das Verhältnis des Expressionismus zur sozialistischen Revolution von 1918
- Die kritische Distanz expressionistischer Literaten zu realpolitischen Parteien
Auszug aus dem Buch
3.1. Lyrikanalyse I
In diesem Gedicht Albert Ehrensteins taucht der Krieg personifiziert als mythologische Figur auf, die allerdings keiner Religion eindeutig zuzuordnen ist, trägt sie doch drei verschiedene Namen: „Ares“ (Zeile 5), „Unterteufel“ (Z. 11) sowie „Dämon“ (Z. 15). Alle drei Begriffe stammen ursprünglich aus dem Griechischen, Ares ist der Gott des wilden, mordgierigen Kampfes, Teufel bzw. Unterteufel findet sich später vor allem in der christlichen Mythologie und bezeichnet den gefallenen Erzengel Gabriel, den Fürst im Reich des Bösen und Dämon wiederum, ursprünglich ein Zwischenwesen zwischen Göttern und Menschen, wurde vor allem im Aberglauben des Mittelalters als Verkörperung des Dämonischen, des Bösen in vielerlei Gestalt gesehen.
Das sich Ehrensteins Kriegsgott jeglicher religiöser Zuordnung verweigert, unterstreichen vor allem die Zeilen 7, 9 und 12, in denen er sich zwar ausdrücklich gegen christliche Symbole richtet und „Kirchtürme abdreht vor Wut“ (Z. 7) sowie die Sinnlosigkeit christlicher Gebete aufzeigt (Z. 9), allerdings wird er nicht von den Sünden der Menschen genährt, wie das beim Teufel des Christentums der Fall ist; „ihm dienen Unvernunft und Tollwut“ (Z. 12). Außerdem besitzt er ein „wildbewachsenes Tierhaupt“ (Z. 3) und dies ist beim christlichen Teufel nicht so.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Thema der Arbeit vorgestellt, das politische Verständnis definiert und die Forschungsfrage nach der Positionierung des Expressionismus zu Krieg und Politik formuliert.
2. Einführung in die Epoche des Expressionismus und den historischen Kontext: Dieses Kapitel skizziert die zeitliche Einordnung und die historischen Rahmenbedingungen, insbesondere das Wilhelminische Deutschland, in dem der Expressionismus entstand.
3. Expressionismus und Krieg: Es wird untersucht, wie expressionistische Dichter den Krieg wahrnahmen und in ihrer Literatur verarbeiteten, wobei das Spannungsfeld zwischen Kriegsbegeisterung und pazifistischer Ablehnung im Fokus steht.
4. Expressionismus und Aktivismus: Dieses Kapitel beleuchtet das Verhältnis von Geist und Tat sowie die politische Dimension der expressionistischen Bewegung und deren Auseinandersetzung mit der Revolution von 1918.
5. Schlußbetrachtungen und Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass sich der Expressionismus einer exakten politischen Klassifizierung entzieht und durch eine generelle Unbestimmtheit gekennzeichnet ist.
Schlüsselwörter
Expressionismus, Politik, Krieg, Aktivismus, Novemberrevolution, Geist, Tat, Pazifismus, Literatur, Lyrikanalyse, Albert Ehrenstein, Kurt Heynicke, Wilhelminisches Kaiserreich, Moderne, Intellektuelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen dem Expressionismus und politischen Ereignissen wie dem Ersten Weltkrieg und der Revolution von 1918.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Positionierung der Künstler zum Krieg, das Konzept des aktivistischen "Geistes" und das Verhältnis des Expressionismus zur sozialistischen Revolution.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie expressionistische Dichter diese Ereignisse intellektuell und ästhetisch verarbeiteten und ob eine einheitliche politische Strömung auszumachen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine exemplarische Analyse durch, wobei er außerpoetische Dokumente wie Manifeste mit lyrischen Texten vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Zeugnisse und Gedichte, darunter Werke von Albert Ehrenstein und Kurt Heynicke, um die Haltungen zum Krieg und zur Revolution darzulegen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "Geist und Tat", "Antinationaler Sozialismus", "Pazifismus" und die "Kriegszensur" sind zentral für die Charakterisierung.
Warum wird der Kriegsgott bei Ehrenstein als Figur ohne eindeutige religiöse Zuordnung beschrieben?
Weil der Autor damit die historische Kontinuität und Übermenschlichkeit des Krieges betonen möchte, anstatt ihn nur im christlichen Kontext des Teufels zu sehen.
Wie unterscheidet sich Heynickes Blick auf den Krieg von dem Ehrensteins?
Während Ehrenstein den Krieg abstrakt als mythologische Figur personifiziert, beschreibt Heynicke das unmittelbare, minutiöse Erleben des Frontalltags und die psychische Zerstörung.
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- Christoph Eyring (Author), 2004, Expressionismus und Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50775