Für meinen Seminar-Vortrag vom 29. November 2004 habe ich mich mit dem Drama Rosmersholm von Henrik Ibsen beschäftigt. Der Schwerpunkt ist hierbei eine psychoanalytische Interpretation dieses Stückes gewesen, darüber hinaus unternahm ich den Versuch Rosmersholm, entsprechend dem Seminarthema, in die Epoche des Naturalismus einzuordnen. In dieser Seminar-Arbeit möchte ich nun die wesentlichen Punkte des Vortrages ausführlicher darstellen und die Interpretation von Sigmund Freud auch zur Diskussion stellen, wofür im Vortrag nicht hinreichend Zeit gewesen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zusammenfassung des Dramas Rosmersholm von Henrik Ibsen
3. Diskussion der psychoanalytischen Interpretation von Rosmersholm nach Sigmund Freud
4. Fazit:
Zielsetzung und Themen
Diese Seminararbeit untersucht Henrik Ibsens Drama "Rosmersholm" unter einer psychoanalytischen Perspektive, wobei insbesondere die Interpretation von Sigmund Freud kritisch hinterfragt und mit dem literarischen Text in Bezug gesetzt wird.
- Analyse der zentralen Charaktere und Handlungselemente in "Rosmersholm"
- Untersuchung der psychoanalytischen Theorie des Ödipuskomplexes im Kontext des Dramas
- Kritische Auseinandersetzung mit Freuds Deutung von Rebekka Wests Verdrängung
- Diskussion der methodischen Grenzen einer rein psychoanalytischen Literaturinterpretation
Auszug aus dem Buch
Diskussion der psychoanalytischen Interpretation von Rosmersholm nach Sigmund Freud
Sigmund Freud behandelt Rosmersholm in seinem Werk Charaktertypen der Psychoanalyse vom psychoanalytischen Standpunkt aus. Er sieht in diesem Werk die Darstellung eines Menschen unter der Herschafft des Ödipuskomplexes.
Nach Sigmund Freud kann bei einem Mädchen der Vater, bei einem Jungen die Mutter das erste libidinöse Objekt, die erste sexuelle Bezugsperson sein. Etwaige Annäherungsversuche des Kindes werden jedoch in der Regel von dem jeweiligen Elternteil zurückgewiesen. Hierauf entwickeln einige Kinder die Phantasie, den gleichgeschlechtlichen Elternteil zu töten oder zumindest zu beseitigen, um mit dem andersgeschlechtlichen Elternteil eine sexuelle Beziehung haben zu können. Als „normale“ Entwicklung sieht die Psychoanalyse eine Loslösung des betreffenden Kindes von derartigen Phantasien spätestens in der Pubertät vor. Erfolgt diese Loslösung nicht, spricht man von einem Ödipuskomplex.
Einen wichtigen Bereich im Zusammenhang mit dem Ödipuskomplex stellen also kindliche Erfahrungen des Betroffenen dar. Auf ebensolche Kindheitserfahrungen Rebekka Wests bezieht sich Sigmund Freud zur Untermauerung seines Interpretationsschemas. Er erweitert die Entdeckung Krolls aus dem dritten Akt, dass Rebekka höchstwahrscheinlich nicht die Adoptivtochter, sondern die leibliche Tochter Dr. Wests ist, durch die Annahme, dass sie eine sexuelle Beziehung zu ihrem Vater gehabt habe, „obwohl alles, was dahin weist, im Stücke sozusagen unterirdisch bleibt und aus Andeutungen erschlossen werden muß. Aus Andeutungen freilich, die mit solcher Kunst eingefügt sind, daß ein Mißverständnis derselben unmöglich wird.“
Die Annahme einer sexuellen Beziehung Rebekkas zu ihrem Vater, welche ja eine tatsächlich verwirklichte ödipale Phantasie darstellen würde, bildet nun die Ausgangsbasis für die weiteren Erläuterungen Freuds, denn er spricht dieser ödipalen Erfahrung Rebekkas eine solche Macht zu, die diese dazu getrieben habe, „durch tatkräftiges Handeln dieselbe Situation [auf Rosmersholm; C.E.] herbeizuführen, die sich das erste Mal ohne ihr Dazutun verwirklicht hatte, die Frau und Mutter zu beseitigen, um beim Manne und Vater ihre Stelle einzunehmen“, wobei es im Drama selbst allerdings keinerlei stichhaltige Hinweise darauf gibt, dass Rebekka Schuld am Tod ihrer Mutter gehabt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor stellt die Zielsetzung dar, Henrik Ibsens Drama "Rosmersholm" psychoanalytisch zu untersuchen und in den Kontext des Naturalismus einzuordnen.
2. Zusammenfassung des Dramas Rosmersholm von Henrik Ibsen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Handlung, die Charaktere Johannes Rosmer und Rebekka West sowie die zentralen Konflikte des Stücks.
3. Diskussion der psychoanalytischen Interpretation von Rosmersholm nach Sigmund Freud: Der Autor erörtert Freuds Anwendung des Ödipuskomplexes auf die Figur der Rebekka West und prüft die Plausibilität dieser Deutung anhand des Textes.
4. Fazit:: Die Arbeit reflektiert kritisch über die Grenzen psychologischer Literaturanalysen und stellt die Bedeutung der im Stück ebenfalls enthaltenen politischen Konflikte heraus.
Schlüsselwörter
Henrik Ibsen, Rosmersholm, Sigmund Freud, Psychoanalyse, Ödipuskomplex, Literaturwissenschaft, Naturalismus, Rebekka West, Johannes Rosmer, Inzest, Verdrängung, Deutung, Hermeneutik, Schuldgefühl, literarische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Henrik Ibsens Drama "Rosmersholm" und einer speziellen psychoanalytischen Deutung dieses Werkes durch Sigmund Freud.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die psychoanalytische Theorie, die Analyse von Charakteren innerhalb literarischer Texte sowie die historische Einordnung des Naturalismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Thesen von Sigmund Freud zur ödipalen Motivation der Protagonistin Rebekka West anhand der dramatischen Textgrundlage kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die psychoanalytische Deutungsansätze auf ihre wissenschaftliche und textimmanente Validität hin untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltszusammenfassung des Dramas und eine detaillierte Diskussion der psychoanalytischen Auslegung Freuds, insbesondere im Hinblick auf den Ödipuskomplex.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Psychoanalyse, Ödipuskomplex, Dramenanalyse, Textdeutung und Literaturwissenschaft.
Warum lehnt Rebekka West die Heiratsanträge von Rosmer ab?
Freud argumentiert, dass ein unbewusstes Schuldbewusstsein bezüglich ihres inzestuösen Hintergrunds Rebekka daran hindert, eine legale Ehe mit Rosmer einzugehen.
Welches Problem identifiziert der Autor an der psychoanalytischen Deutung?
Der Autor bemängelt, dass psychoanalytische Deutungen oft über den Text hinausgehen und spekulativ bleiben, da literarische Figuren fiktiv sind und nicht psychologisch bewiesen werden können.
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- Christoph Eyring (Author), 2005, Henrik Ibsens Rosmersholm und dessen psychoanalytische Interpretation nach Sigmund Freud, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50777