Einleitung
Andy Warhol greift in seinen Werken auf eine Fotosammlung zurück deren Herkunft nicht bekannt ist und benutzt sie als Vorlage für seine Bilder und Siebdrucke. Diese Vorlagen sind zum Verständnis von Warhols Kunst unerlässlich. Typisch sind die ,,Star Fotos" von Marylin Monroe, die teilweise in ihrer Entstehungsphase nicht mehr den Status von Aktualität hatten. Warhol bildete bereits verstorbene Stars wie Marylin Monroe oder Liz Taylor, Stars die durch schwere Krankheiten gekennzeichnet waren, ab.
Warhol selber ,, ich erkannte selber, dass alles, was ich tue, mit dem tod zusammenhängt"
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Warhols Bildsammlung
Electric Chair
Big Electric Chair: „Blow Up“
Serieller Druck des Electric Chair
Selbstmord Serie:
White Disaster:
Zielsetzung und Themen der Analyse
Die vorliegende Arbeit untersucht die medienkritische Dimension in Andy Warhols „Disasters“-Serie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Warhol durch die serielle Reproduktion von Fotografien des Todes und Unfalls die visuelle Wahrnehmung des Rezipienten manipuliert und die zunehmende Abstumpfung gegenüber medial vermittelten Katastrophen thematisiert.
- Analyse der Bildquellen und der methodischen Aneignung von Pressefotos.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Banalität und Monumentalität im Motiv des „Electric Chair“.
- Interpretation der seriellen Technik als Mittel zur Distanzierung und zur Kritik an der Informationsflut.
- Reflektion über die Rolle des Betrachters als Voyeur und das Phänomen der medialen „Zweitrealität“.
Auszug aus dem Buch
White Disaster:
„Es war Labor Day-ein Feiertag-, und immer wenn man das Radio anstellte, sagten sie ungefähr dasselbe: „ 4 Millionen werden sterben“ Das hat es ausgelöst. Aber wenn man ein grausames Bild immer wieder sieht, verliert es schließlich seinen Schrecken.“
Serigraphie und Acryl auf Leinwand. Es sind drei Versionen des „White Disaster“ vorhanden, die sich geringfügig in ihren Maßen unterscheiden, ansonsten aber nahezu identisch sind. Andy Warhols Bild zeigt 5x die Reproduktion eines schwarz-weiß-Photos, auf dem ein Autounfall zu sehen ist. Jeweils zwei Bilder sind nebeneinander gedruckt, das fünfte steht alleine. Anstelle des 6. Bildes findet man eine Leerstelle.
Die Einzelfotos sind nicht gerahmt, es besteht also kein Freiraum zwischen ihren jeweiligen Nachbarn, sondern sie schließen sich direkt aneinander an, was dem Gesamtbild einen grau-weiße homogene Geschlossenheit verleiht. Zudem sind die Konturen des Abgebildeten nicht klar erkennbar, sondern unscharf und verschwommen. Dem Auge des Betrachters wird somit jede Möglichkeit zur Orientierung genommen, und sich seine Aufmerksamkeit richtet sich nicht mehr erstrangig auf den Unfall selbst, sondern mehr auf die überwältigende Gesamtwirkung der ganzen Collage.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Warhols Arbeitsweise unter Verwendung unbekannter Fotosammlungen als Vorlage für seine Siebdrucke.
Warhols Bildsammlung: Erläuterung der Herkunft des Bildmaterials aus Medienarchiven und der Bedeutung der ersten europäischen Ausstellung in Paris.
Electric Chair: Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen der Anonymität des Gesetzes und der Banalität des elektrischen Stuhls als Bildmotiv.
Big Electric Chair: „Blow Up“: Untersuchung der vergrößerten Darstellung und der daraus resultierenden Wirkung von Ausweglosigkeit und Einsamkeit.
Serieller Druck des Electric Chair: Betrachtung der seriellen Anordnung und der Zahlensymbolik, die zu einer Distanzierung des Betrachters vom todbringenden Instrument führt.
Selbstmord Serie: Analyse der Darstellung von Fensterstürzen als Tabuthema und der voyeuristischen Faszination des passiven Zuschauers.
White Disaster: Untersuchung der medialen Abstumpfung anhand einer 5-fach reproduzierten Unfallaufnahme und der Bedeutung der bewussten Leerstelle im Bild.
Schlüsselwörter
Andy Warhol, Disasters Serie, Pop Art, Medienkritik, Siebdruck, Electric Chair, Serielle Reproduktion, White Disaster, Voyeurismus, Bildsammlung, Todesdarstellung, Rezeption, Ästhetik der Katastrophe, Zweitrealität, Bildabfolge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der „Disasters“-Serie von Andy Warhol und analysiert, wie diese Werke den Umgang der Gesellschaft mit medial aufbereiteten Katastrophen widerspiegeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Medialisierung des Todes, die Kritik an der Informationsflut der Massenmedien sowie die psychologische Wirkung der seriellen Bildwiederholung auf den Betrachter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Warhol durch künstlerische Mittel wie den „Blow Up“ oder die serielle Wiederholung den Schrecken von Katastrophenbildern durch Gewöhnung neutralisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine bildanalytische Methode, bei der die Komposition, die Technik (Serigraphie) und die inhaltliche Rezeption der Kunstwerke in den Kontext der medienkritischen Intention Warhols gestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen spezifischer Werkgruppen wie dem „Electric Chair“, der „Selbstmord“-Serie und dem „White Disaster“, wobei jeweils formale Gestaltung und inhaltliche Aussage untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medienkritik, serielle Reproduktion, voyeuristische Faszination, mediale Zweitrealität und die visuelle Abstumpfung definiert.
Welche Rolle spielt die Leerstelle im „White Disaster“?
Die Leerstelle fungiert als provokantes Element, das den Rezipienten zwingt, seine eigene Passivität und Gleichgültigkeit gegenüber der dargestellten Grausamkeit zu hinterfragen.
Warum wählte Warhol „Star Fotos“ und Unfallbilder aus der Presse?
Warhol nutzte diese Vorlagen, um die Medialisierung des Lebens und Sterbens sichtbar zu machen, wobei er durch die Wiederholung die Einzelschicksale hinter den Fotos anonymisierte und zu reinem Motiv degradierte.
- Quote paper
- MA Daniel Spindler (Author), 2002, Andy Warhols "Disasters Serie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5078