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Der Hortus conclusus als Metapher und als realer Ort des Ein- und Ausschlusses. Innenräume in Literatur und Kunst

Title: Der Hortus conclusus als Metapher und als realer Ort des Ein- und Ausschlusses. Innenräume in Literatur und Kunst

Term Paper , 2018 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sophie Schmidt (Author)

Art - Overall Considerations
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Wie stark der Hortus conclusus von seiner Umzäunung, die ein klar definiertes Innen und Außen schafft, geprägt ist, und ob man ihn gar als Interieur bezeichnen kann, wird in dieser Arbeit untersucht. Es kann sich bei einem verschlossenen Garten um einen metaphorischen Ort handeln, aber auch um einen realen, betretbaren Garten. Der Hortus conclusus schlechthin ist das Paradies. Diesen paradiesischen Hortus conclusus findet man auch auf den Darstellungen Mariens im Garten wieder.

Doch auch ein realer Garten kann ein Hortus conclusus sein, wenn er ringsum von einer Einfriedung jeglicher Art umschlossen ist. Anders als der metaphorische Mariengarten kann dieser tatsächlich betreten werden. Hier stellt sich die Frage, wer das Privileg hat, den Garten zu betreten und warum ein Eintritt überhaupt erstrebenswert ist. Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, sondern ist individuell an den jeweiligen Garten geknüpft. In dieser Arbeit wird ein Überblick über die Ein- und Ausschlusssituationen unterschiedlicher Horti conclusi gegeben, seien sie nur im Geiste betretbar, nur von bestimmten Zugangsberechtigten, von der Allgemeinheit oder gar nur von einer bestimmten Person. Abschließend wird der "enchanted garden", ebenfalls ein hortus conclusus, in H. G. Wells' Kurzgeschichte "The Door in the Wall" behandelt. Ob es sich um einen tatsächlich existierenden Ort oder nur eine Phantasie des Protagonisten handelt, bleibt offen.

Der Hortus conclusus ist ein Phänomen, das sowohl in der darstellenden Kunst und Literatur als auch in der Gartenkunst selbst über die Jahrhunderte und Kontinente hinweg auftritt. Die ersten ummauerten Formalgärten, einer strengen Symmetrie folgenden Gärten, schufen ca. 400 v. Chr. die Perser, die für ihre Gartenkunst bekannt sind. Dabei bezeichnet Hortus conclusus zuallererst nur einen rundum geschlossenen Garten. Beim Hortus conclusus liegt die Betonung stark auf dem Fakt der Verschlossenheit, denn auch das Wort Garten leitet sich von Einfriedung, Umzäunung ab. Das Wort "hortus" steht im etymologischen Zusammenhang mit dem indogermanischen Wort "ghordo", was so viel wie Hof oder auch Gehege bedeutet. Die Begrenzung ist jedem Garten also schon immanent.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Garten Mariens

2.1 … als Analogie zum Körper Mariens und Abbreviatur des Paradieses

2.2 Das Betreten des Gartens im Geiste

3 Der ummauerte Garten als Schutzraum und Ort der Freude und Kontemplation

3.1 Die Sehnsucht nach dem Paradies

3.2 Natur als Interieur

3.3 Wer ist innen, wer außen?

3.4 Der Garten als Kontrast zur realen Welt in H. G. Wells‘ „The Door in the Wall“

4 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Hortus conclusus" (geschlossener Garten) als metaphorischen und realen Ort des Ein- und Ausschlusses in der Literatur und Kunst. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der ummauerte Garten durch seine räumliche Begrenzung als Schutzraum sowie als Identitäts- und Machtsymbol fungiert und inwiefern er als "Interieur" innerhalb des Außenraums begriffen werden kann.

  • Die Symbolik des Hortus conclusus in der mittelalterlichen Mariendarstellung.
  • Die Bedeutung von klösterlichen Gartenformen als Orte der Kontemplation und Ordnung.
  • Der Garten als Verhandlungsort zwischen Privatheit und Öffentlichkeit sowie zwischen Innen und Außen.
  • Die Wahrnehmung des Gartens als Grenzraum zwischen Realität und Imagination in der Literatur, exemplarisch dargestellt an H. G. Wells' Kurzgeschichte „The Door in the Wall“.

Auszug aus dem Buch

Natur als Interieur

Ein Innenraum zeichnet sich dadurch aus, dass er in einer Beziehung zum Außenraum steht. Wo es ein Innen gibt, muss es gleichzeitig auch ein Außen geben.44 Und von diesem muss sich das Innen durch irgendeine Art der Trennung abgrenzen.45 Nassehi konstatiert, dass Raum nicht einfach existent sei, sondern durch soziale Praxis, also durch Handlungen der Akteure, die Anordnung der Elemente in einem Raum und deren Beziehung zueinander, erschlossen werden müsse.46 So zeichnet sich zum Beispiel der Raum Museum dadurch aus, dass in ihm Kunstwerke in einer sinnvollen Ordnung zusammengestellt, der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nassehi spricht von einer „verschachtelten Gesellschaft“ (Nassehi S. 36), da die Gesellschaft solche Schachteln als ein Ordnungssystem ausbilde.47 Auch der Raum Garten ist laut Nassehi eine solche Schachtel. Das Bemerkenswerte am Garten ist jedoch, dass durch ihn ein Ort geschaffen wird, der ebenso zum Innen gehört, wie zum Außen. Er enthält natürliche Elemente, diese sind jedoch vom Menschen geformt und angeordnet. Natürlich enthält auch ein Interieur im klassischen Sinne natürliche Elemente, wenn dort zum Beispiel ein Holzstuhl steht. Der Unterschied zum Garten ist, dass die Flora dort weiterlebt und sich dementsprechend auch stetig wandelt.48 Zwischen diesen beiden Gegensätzen, dem Außen, der wilden und wachsenden Natur und dem Innen als Schutzraum verhandelt der Garten stetig.49 Er ist zwar ein Ort der Natur aber auch der Freude und Unbekümmertheit, denn die Natur außerhalb der Mauern ist oft mit Gefahren verbunden und mit Vorsicht zu genießen.50

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Hortus conclusus als kulturhistorisches Phänomen der Verschlossenheit und steckt den untersuchungsleitenden Rahmen für die Analyse metaphorischer und realer Gärten ab.

2 Der Garten Mariens: Dieses Kapitel widmet sich der christlichen Symbolik des Mariengartens als Analogieraum für Reinheit, unbefleckte Empfängnis und spirituelle Gebetspraxis.

3 Der ummauerte Garten als Schutzraum und Ort der Freude und Kontemplation: Hier werden unterschiedliche Funktionen von Gartenräumen – von klösterlichen Anlagen bis hin zu literarischen Orten – untersucht, um die Grenzziehungen zwischen Privatheit und Außenwelt sowie die Wahrnehmung des Gartens als Interieur zu verdeutlichen.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, wonach der Hortus conclusus trotz seiner inhaltlichen und funktionalen Vielfalt stets durch eine scharfe, durch Umfriedung erzeugte Grenzziehung zwischen Innen und Außen definiert ist.

Schlüsselwörter

Hortus conclusus, Mariensymbolik, Paradiesvorstellung, Gartenkunst, Interieur, Privatheit, Öffentlichkeit, Klösterliche Gärten, Ein- und Ausschluss, H. G. Wells, Raumsoziologie, Symbolik, Identität, Kultivierung, Grenzziehung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Phänomen des "Hortus conclusus", also des ummauerten Gartens, in seinen verschiedenen Facetten als metaphorischer Ort in der Kunst und Literatur sowie als realer, physischer Raum.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Mariensymbolik im Mittelalter, der Bedeutung von Klostergärten, der soziologischen Betrachtung des Gartens als Verhandlungsraum zwischen Privatheit und Öffentlichkeit sowie der literarischen Auseinandersetzung mit der Grenze zwischen Realität und Fantasie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie der Hortus conclusus durch seine Umfriedung ein klares Innen und Außen schafft, ob er als Interieur begriffen werden kann und welche Privilegien oder Ausschlusssituationen mit dem Betreten solcher geschlossenen Räume verbunden sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende literatur- und kunstwissenschaftliche Analyse, die ikonographische Bildanalysen mit kulturgeschichtlichen und raumsoziologischen Theorieansätzen kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung religiöser Mariendarstellungen, die Analyse historischer Gartenformen wie dem Hortus ludi oder contemplationis, die theoretische Einordnung des Gartens als sozialer Raum sowie eine Fallstudie zu H. G. Wells.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hortus conclusus, Interieur, Privatsphäre, symbolische Abgrenzung, Paradiesvorstellung und das Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur geprägt.

Wie unterscheidet sich der Garten als "Interieur" von einem klassischen Innenraum?

Im Gegensatz zum statischen Interieur enthält der Garten als Interieur lebendige, wachsende Natur, die sich stetig verändert und den Raum trotz der baulichen Abgrenzung nach außen offen hält.

Welche Rolle spielt die Einhornjagd im Kontext des Mariengartens?

Die Darstellung der Einhornjagd wird als expliziter symbolischer Verweis auf die unbefleckte Empfängnis interpretiert, wobei der Hortus conclusus sowohl als Ort als auch als Versinnbildlichung dieses Ereignisses dient.

Warum spielt die "grüne Tür" in H. G. Wells’ Geschichte eine entscheidende Rolle?

Die Tür fungiert als Schwellenobjekt, das den Protagonisten Wallace immer wieder vor die Entscheidung zwischen den Anforderungen der Pflicht in der realen Welt und dem Glücksversprechen im geschlossenen Garten stellt.

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Details

Title
Der Hortus conclusus als Metapher und als realer Ort des Ein- und Ausschlusses. Innenräume in Literatur und Kunst
College
University of Potsdam
Grade
1,7
Author
Sophie Schmidt (Author)
Publication Year
2018
Pages
22
Catalog Number
V507884
ISBN (eBook)
9783346065773
ISBN (Book)
9783346065780
Language
German
Tags
hortus metapher ein- ausschlusses innenräume literatur kunst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sophie Schmidt (Author), 2018, Der Hortus conclusus als Metapher und als realer Ort des Ein- und Ausschlusses. Innenräume in Literatur und Kunst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507884
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