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Die Tagelieder Wolframs von Eschenbach. Konflikt zwischen höfischer Gesellschaft und Liebe bei Wolfram von Eschenbach

Titel: Die Tagelieder Wolframs von Eschenbach. Konflikt zwischen höfischer Gesellschaft und Liebe bei Wolfram von Eschenbach

Ausarbeitung , 2016 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Annika Haas (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Ausarbeitung soll die Tagelieder (Tl.) Wolframs von Eschenbach vor dem Kontext der höfischen Gesellschaft des Minnesangs untersuchen und thematisieren, inwieweit das Verständnis Wolframs von Liebe mit dem der höfischen Gesellschaft kollidiert. Dabei soll zuerst auf Wolframs Liebesmotive in den Liedern eingegangen werden, bevor die Gegensätzlichkeit der Minnekanzone zum Tl. im Fokus steht. Dazu wird der Kontext Tageliedrezeption betrachtet und versucht, eine abschließende Positionierung der Lieder im Feld des Minnesangs zu machen. Hierzu wird aus den Liedern I den morgenblick, II sîne klâwen, und V von der Zinne, nach der Ausgabe des Minnesangs Frühling zitiert. Die „Entstehung der Lieder und deren Abfolge und Verhältnis zueinander“ liege im Dunkeln, und man müsse „etwas Spekulation riskieren“, wie Backes postuliert. Daher soll diese Ausarbeitung die Fragen nach der Entstehungsreihenfolge bewusst ausklammern.

Wenn man die Struktur Wolframs Tl. beobachtet sind diverse Kriterien auffällig: Das Tl. folgt einem epischen Aufbau, was im Hinblick auf Wolfram als begnadeten Epiker (Parzival, Willehalm, Titurel) nicht verwunderlich ist. Weiter wird das Fehlen des lyrischen Ichs als bezeichnend für die Zuschreibung zum Genre Objectif erklärt und legt eine Nähe zur Frauenklage bzw. zum Wechsel fest. Außerdem ergibt sich eine Künstlichkeit der Situation durch die Rede des Wächters zu den Liebenden, was v. a. in Lied V durch den Wächterruf „von der Zinne“ (V 1,1) als Paradoxon heraustritt, im lauten Rufen und Präsenz des Wächters, um dadurch die Heimlichkeit der Minne zu wahren. Insgesamt besteht ein hoher Anteil an Figurenrede bzw. Dialogen, was auch durch das fehlende lyrische Ich bedingt wird. Zu diesem Aspekt soll im 3. Kapitel die Frage nach Authentizität und Rollenverständnis des Sängers im höfischen Umfeld thematisiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Wolframs Tagelieder

1.1. Einleitende Worte zum Tagelied

1.2. Liebesmotive bei Wolfram

1.3. Struktur Wolframs Lieder

2. Die höfischen Gegebenheiten im 13. Jahrhundert

2.1. Höfisch - Antihöfisch

2.2. Weltlich – Geistlich

2.3. Mündlichkeit - Schriftlichkeit

3. Rezeption der Tagelieder im höfischen Kontext

3.1. Das Rollenverständnis und die Authentizitätsfrage

3.2. Autoreferenzialität und Autonomie

3.3. Resümee der Tageliedthematik bei Wolfram - Abschließende Verortung der Tl. im Feld des Minnesangs

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach im Kontext der höfischen Gesellschaft des Minnesangs. Dabei wird analysiert, inwieweit Wolframs Verständnis von Liebe mit den gesellschaftlichen Normen kollidiert und welche Rolle die Gattung als Form der Kritik oder Gratifikation einnimmt.

  • Analyse zentraler Liebesmotive und der Rolle des Wächters in Wolframs Tageliedern.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen höfischen Idealen und der thematisierten Liebeserfüllung.
  • Diskussion der Autonomie und des Rollenverständnisses des Sängers im höfischen Kontext.
  • Reflexion der Gattung als intertextuelles System innerhalb der mittelhochdeutschen Lyrik.

Auszug aus dem Buch

1.2. Liebesmotive bei Wolfram

Nun wird die Motivik der Liebenden, des Wächters und des Abschiedes untersucht. Betrachtet man das Motiv der Liebenden, so ist auffällig, dass die Frau dem Mann in der Häufigkeit des Sprechens überlegen ist. Bei Gibbs und Johnson wird auch der Schwerpunkt der Frauenrolle im ersten Lied erläutert: „The emphasis is on the lady.[…] It is the lady’s reaction to the day breaking and what she says which is the subject of the song.” Der Mann spricht nur in drei kurzen Versen des Liedes V (3, 5 – 7), wohingegen die Frau in Lied I zweimal zu Wort kommt und in Lied II sogar eine gesamte Strophe erhält. Die Frau erlangt Subjektivität, und dadurch eine Stimme, in den Mädchenliedern Walthers, ebenso wie in den Tl. Wolframs. Dazu heißt es bei Kuhn:

„Die in der Männer-Welt des Mittelalters vor dem Hintergrund realer Herrschafts-Privilegien ‚artistisch‘ freigesetzte Sexualität macht zunächst den Mann zum Subjekt, die Frau zum Lust Objekt. Aber gerade als frei gestelltes Objekt gewinnt die Frau, als notwendige Partnerin, eine neue Subjektivität […]. [A. H.]“

Dabei scheint die soziale Stellung der Liebenden nicht von entscheidender Bedeutung für das Liebesverhältnis zu sein, was man an den verschiedenen standesbezeichnenden Anredeformen, (V 2,5) „vrowe“, (I 1,2) „vrouwe“ und (V 1,15) „ritter“, was auf hohen Stand, sowie (II 3,3) „ wîp“, das auf niederen Stand verweist, sehen kann. Gibbs und Johnson sprechen in diesem Zus. der Anredeformen Folgendes aus: „They are important both as individuals and exponents of the art of loving.”, also sind die Frau und der Mann gleichsam Individuen, als auch Exempelfiguren für Liebesglück in prekären Situationen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Wolframs Tagelieder: Einführung in die Gattung Tagelied bei Wolfram, Analyse der zentralen Liebesmotive wie das Abschiednehmen sowie Betrachtung der spezifischen Liedstruktur.

2. Die höfischen Gegebenheiten im 13. Jahrhundert: Untersuchung der soziokulturellen Rahmenbedingungen, insbesondere des Gegensatzes zwischen höfischem und antihöfischem Verhalten, Weltlichem und Geistlichem sowie Mündlichkeit und Schriftlichkeit.

3. Rezeption der Tagelieder im höfischen Kontext: Reflexion über das Rollenverständnis, die Authentizität des Autors, das Verhältnis zwischen Dichter und Publikum sowie eine abschließende Einordnung der Tageliedthematik in den Minnesang.

Schlüsselwörter

Tagelied, Wolfram von Eschenbach, Minnesang, Höfische Gesellschaft, Liebesmotive, Wächterfigur, urloup, Autoreferenzialität, Minnedoktrin, Authentizität, Mittelhochdeutsch, Gattungsobjektiv, Rollenverständnis, höfische Liebe, Intertextualität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit den Tageliedern von Wolfram von Eschenbach und deren Einbettung in das soziale und kulturelle Umfeld der höfischen Gesellschaft des 13. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die literarische Motivik (Liebende, Wächter, Abschied), das Verhältnis von Individualität und gesellschaftlichen Normen sowie die Selbstwahrnehmung des Dichters.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, zu ergründen, wie Wolfram durch seine spezifische Ausgestaltung der Tagelieder Kritik an der klassischen Minnedoktrin übt und welche Rolle die Gattung im literarischen System einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die intertextuelle Bezüge und gattungstheoretische Aspekte im Kontext der Mediävistik kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Tagelied-Strukturen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im 13. Jahrhundert sowie die Rezeptionsgeschichte der Lieder innerhalb des höfischen Kontextes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wesentliche Begriffe sind Tagelied, Minnesang, Wolfram von Eschenbach, urloup (Abschied), höfische Minne und literarische Autonomie.

Welche Funktion hat die Wächterfigur bei Wolfram?

Die Wächterfigur fungiert nicht nur als neutraler Zeitansager, sondern zeigt oft eine emotionale Anteilnahme am Liebespaar und dient als treibendes Element für die Spannung im Lied.

Inwiefern unterscheiden sich Wolframs Tagelieder von der klassischen Hohen Minne?

Während die Hohe Minne oft auf unendlichem Werben und unerreichbarer Liebe basiert, thematisieren Wolframs Tagelieder die tatsächliche Liebeserfüllung und das Abschiednehmen, was eine Abkehr vom klassischen Minne-Ideal darstellt.

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Details

Titel
Die Tagelieder Wolframs von Eschenbach. Konflikt zwischen höfischer Gesellschaft und Liebe bei Wolfram von Eschenbach
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien)
Veranstaltung
Mediävistik Proseminar
Note
1,3
Autor
Annika Haas (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V508142
ISBN (eBook)
9783346073105
ISBN (Buch)
9783346073112
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tagelieder wolframs eschenbach konflikt gesellschaft liebe wolfram
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Annika Haas (Autor:in), 2016, Die Tagelieder Wolframs von Eschenbach. Konflikt zwischen höfischer Gesellschaft und Liebe bei Wolfram von Eschenbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508142
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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