Die Konzeption der Seele bei Aristoteles


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Seele

3. Seelenteile/ Vermögen des Aristoteles. Definition vom Beseelten und Unbeseelten

4. Welche Phänomene erklären sich mit der Seele

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit der Konzeption der Seele in Aristoteles´ „de anima“ auseinander. In der Schrift „Über die Seele“ differenziert Aristoteles die Philosophische Psychologie als selbständige Disziplin aus. Sie führt Aristoteles zu den definitorischen Bestimmungen der Seelenteile[1], und ermöglicht, sie gegeneinander abzugrenzen. Ausgehend von den definitorischen Bestimmungen der Seelen-Prinzipien geht er weiter und ordnet sie den empirischen, Aristotelisch bestimmten, Lebensfunktionen zu.

Die Aristotelischen Lebensfunktionen sind empirische Beobachtungen und basieren auf die äußeren Wahrnehmungen von Lebensfunktionen.

Aristoteles´ Konzeption der -psyche-, der Seele, unterscheidet sich von unserer heutigen Betrachtungs- und Interpretationsweise der Seele drastisch. Mit -psyche- ist im Aristotelischen Sinn der Grund und die Ursache aller Lebewesen gemeint[2]. Weiterhin sind ihre Eigenschaften, ihre Natur, und ihr Wesen genauer zu betrachten. Sie ist vielmehr keine Theorie des Geistes sondern eine Philosophie des Lebendigen.

Bereits am Anfang des ersten Buchs (de An I, 402 a 10) macht Aristoteles deutlich, dass Eigenschaften der Seele sich in den Eigenschaften der Lebewesen äußern. Also dass Eigenschaften durch die Seele bedingt werden. Ferner wirft Aristoteles die Fragestellung auf, wie wir die Seele Betrachten sollen. Ist sie ein Einzelding und Materie

oder ist sie Immateriell und mehr eine Qualität?[3]

Seele als reiner Begriff ist mit Neuzeitlichen Christlichen Inhalten aufgeladen, und natürlich lassen sich solche Inhalte bei Aristoteles nicht finden[4]. Daher sollte der Terminus Seele um seiner Besseren Abgrenzung gerecht zu werden mit den Termini „Bewusstsein“ „Geist“ „Mentales“ angereichert werden.[5] Wahrscheinlich aber wäre ein Ersetzen des Begriffs der Seele durch Lebensäußerungen sinnvoller, um in Anbetracht des vorbelasteten Begriffs der Seele Verwirrung vorzubeugen. So scheint mir auch Aristoteles in de Anima keine Unterscheidung zwischen Beseelten und Lebensäußerung vorzunehmen. Seele/Beseeltes und Lebensäußerungen sind daher als synonym zu verstehen.

Um die „Philosophie des Geistes“ unbefangen von einer christlich-materiellen, substantiellen Vorstellung der Seele zu trennen. In der deutschen Umgangssprache existiert kein Terminus der wie im Englischen die Thematik genau ein- und abgrenzt. Geist ist mit den Assoziationen des Übersinnlichen Mythischen aufgeladen, und grenzt daher den zu untersuchenden Gegenstand nicht genau ab.

Im Englischen ist die Ausdifferenzierung deutlicher, und es wird zwischen „Mind[6] “ „Spirit[7] “ und „Soul“ unterschieden.

Um die Begrifflichkeit der Seele in der Hausarbeit zu klären möchte ich kurz auf den Gebrauch eingehen. Die Seele wird als Gesamtkonzept verstanden die bei genauerer Betrachtung in drei Seelenteile zerfällt. Die Seelenteile sind jedoch abgegrenzte und unabhängig existierende Seelen. Die z.B. in Pflanzen als Nährseele existieren. Und sollten nicht als einzeln und minderwertig gegenüber „der Seele“ verstanden werden. Vielmehr ist mit „der Seele“ das zusammenkommen der einzelnen Seelenteile im Menschen verbunden. Die Seele bezeichnet das zusammenkommen von Nähr- Sinn- und Geistseele.

Die „Philosophie des Geistes“ sollte hier als Philosophie der kognitiven Denkprozesse verstanden werden. Der in der Hausarbeit zu untersuchende Gegenstand ist die Genese der Seele als Gesamtkonzeption Aristoteles, der Weg von der Mythischen Vorstellung zur Aristotelischen Konzeption. Weiterhin wird auf die Problematik der Definition des Lebens, der Beseelten und Unbeseelten bei Aristoteles und seinen Vorgängern eingegangen. Auf die Vorstellung der Problematik folgt die Beschreibung des Aristotelischen Lösungsansatzes.

2. Der Begriff der Seele

In der Antike ist der Begriff der Seele – psyche – ein Begriff mit einem starken Körperbezug, ganz im Unterschied zur mittelalterlichen oder neuzeitlichen Betrachtung. Für Aristoteles ist die Seele – psyche – ein interagierendes, erzeugendes, Inneres, was Phänomene wie Wahrnehmung, Denken und Vorstellen verursacht[8]. Gegenüber den Vor-Aristotelischen Vorstellungen, von einer magisch, mythischen Seelenvorstellung bedeutet diese einen großen Schritt.[9] Dieser Schritt erlaubt es, dass Aristoteles von kranken und gesunden Seelen sprechen kann[10]. Mit der neuen Begrifflichkeit der Seele grenzt Aristoteles sich aber nicht vollkommen von der magisch, mythischen Seelenvorstellung ab. Er übernimmt die besten Vorstellungen der volkstümlichen Seelen, Himmels und Göttervorstellungen und sorgt hierbei für eine Kontinuität.[11] So gewinnt er dem mythischen glauben des Volkes einen rationalen Sinn ab ohne ihn komplett mit allen Vorstellungen zu übernehmen. In der Entwicklung der Betrachtungsweise der Seele ist die Tendenz zu sehen, dass sie nicht als eine vom Körper losgelöste Entität ist, sondern eine mit dem Körper interagierende, in das Funktionsgefüge

Eingebettete Substanz ist. Busche beschreibt die Seele als „zweckmäßig arbeitendes System“, was die Seele nicht nur über die reine „Funktionalität von Körperteilen“ beschreibt, sondern auch durch ihre „Operativität“[12]. Auf die Beschreibung folgt eine Annäherung an eine mögliche, vorsichtig formulierte Definition der Seele als weder eine Totalhandlung des Körpers noch eine einfache Funktion des Körpers. Sie ist weder Kraft noch eine Gruppe körperlicher Kapazitäten. Erst durch eine vorsichtige Abgrenzung der Verständnisse gelangt man ihn die Nähe einer Arbeitsdefinition. Die Seele ist vielmehr Verursacher der körperlichen Kräfte und Kapazitäten wie das Wahrnehmen Denken und Vorstellen. Hierbei deckt sich die Definition mit dem, was Aristoteles (An. II 2, 414a) über die Seele sagt. Dass die Seele selbst ohne Körper ist, daher zum Körper gehört und in ihm vorliegt. Sie liegt in ihm vor und bedingt ihn. Hierbei ist auch zu bemerken, dass Aristoteles in seiner Abgrenzung zu dem, was wir als Seele bezeichnen, ebenfalls erwähnt, dass die Seele ohne Körper nicht existiert. Daher ist sie nur in dem Körper existent und liegt nur in ihm oder nur mit ihm vor.[13] So scheint mir die Interpretation der Textstelle:

[...]


[1] Seelenteil und Seelen-Prinzipien werden in der Hausarbeit Synonyme verwendet.

[2] de An. I ,402a 6

[3] de An. I ,402a 36

[4] E.E. Spicer : Aristotel´s Conception of the Soul, London 1934 Seite.

[5] Karen Gloy : S. 382 Aristoteles Konzeption der Seele als Aktivität in “de anima“ II ,1 ZphF 38 (1984), 381-411

[6] ;5 Beide begriffe lassen sich als „Geist übersetzten. Hierbei taucht das Problem auf das es im Deutschen keinen Begriff für den Denkprozess, das kognitive, existiert.

[8] Hubertus Busche : Die Seele als System, Aristoteles, Wissenschaft von der Psyche; Felix Meiner Verlag 2001

[9] Hubertus Busche : Die Seele als System, Aristoteles, Wissenschaft von der Psyche; Felix Meiner Verlag 2001 S.7

[10] Anthony Preus : Aristotle on Healthy and Sick Souls, in The Monist 69 1968, Special The Nature of the Soul, 416 - 433

[11] Hubertus Busche : Die Seele als System, Aristoteles Wissenschaft von der Psyche; Felix Meiner Verlag 2001

S. 7

[12] Hubertus Busche : Die Seele als System, Aristoteles Wissenschaft von der Psyche; Felix Meiner Verlag 2001

S. 9

[13] de An. II 2, 414a 3

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Konzeption der Seele bei Aristoteles
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Philosophie des Geistes
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V50818
ISBN (eBook)
9783638469470
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzeption, Seele, Aristoteles, Philosophie, Geistes
Arbeit zitieren
MA Daniel Spindler (Autor), 2006, Die Konzeption der Seele bei Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50818

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