Im Rahmen ihrer Tätigkeit sehen sich Unternehmen mit der Notwendigkeit konfrontiert, Entscheidungen zu treffen: Welche Erzeugnisse sollen produziert werden und in welcher Menge? Sollen Leistung selber erstellt oder hinzugekauft werden? Können Kapazitäten abgebaut und somit Kosten eingespart werden?
Nur die Kostenrechnung stellt die zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen notwendigen Informationen bereit und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur Unternehmenssteuerung und -kontrolle. Damit die Kostenrechnung in der Lage ist, diese Informationsfunktion zu erfüllen und ebenso für zukünftige Perioden Kosten und Leistungen zu planen, bedarf es eines Kostenrechnungssystems, welches systematisch alle Kosten erfasst und auf die Kostenträger weiterverrechnet und darüber hinaus nicht mit Ist- sondern mit Plan-Werten operiert. Die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis entspricht einem solchen System.
Während in der Kostenrechnung Einzelkosten direkt einem Kostenträger zugerechnet werden können, ist dieses bei Gemeinkosten nur mit Hilfe von Bezugsgrößen möglich. Die Verrechnung der Gemeinkosten über Bezugsgrößen ist in der Praxis hingegen oft komplex und mit einer Reihe von Problemen behaftet, weshalb es durchaus gerechtfertigt ist, dass den Gemeinkosten innerhalb der Kostenrechnung eine zentrale Bedeutung zugesprochen wird.
Dieses Buch gibt erste Einblicke in die Grundlagen der Gemeinkostenplanung der flexiblen Plankostenrechnung, indem es die Gemeinkostenproblematik darstellt, sukzessiv die wesentlichen Planungsschritte vorstellt und aufzeigt, worauf es dabei ankommt.
Aufgrund der vielen praxisnahen Beispiele, ist dieses Buch besonders für Studierende in Grund- und Hauptstudium geeignet, die bereits über gewisse Grundkenntnisse der Kostenrechnung verfügen. Da es in kompakter Form einen Überblick über die Problematik der Gemeinkosten und deren Planung im Rahmen der flexiblen Plankostenrechnung verschafft, eignet es sich hervorragend zur Klausurvorbereitung. Dennoch wird auch der erfahrene Kostenrechner/Controller, welcher sich detailliert mit der Thematik Gemeinkosten auseinanderzusetzen hat, von diesem Buch profitieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Allg. Grundsätze für die Durchführung der Gemeinkostenplanung
2.1 Aufgaben und Planungsmethoden
2.2 Kostenartenplan und Kontierungsvorschriften
2.3 Planwirtschaftlichkeitsgrad
2.4 Personelle Zuständigkeit
2.4.1 Kaufleute vs. Techniker
2.4.2 Interne Mitarbeiter vs. Unternehmensberater
2.5 Organisatorischer Ablauf
2.6 Durchführbarkeit
3. Kostenstelleneinteilung und Bezugsgrößenplanung als Grundlage der Kostenplanung
3.1 Grundsätze für die Bildung von Kostenstellen
3.2 Differenzierung der Kostenstelleneinteilung
3.2.1 Kostenplatzrechnung
3.2.2 Bildung von Bereichskostenstellen
3.3 Kostenstellenverzeichnis
4. Bezugsgrößenwahl
4.1 Definition und Aufgabe von Bezugsgrößen
4.2 Grundsätze und Verfahren der Bezugsgrößenwahl
4.2.1 Statistische Verfahren
4.2.2 Analytische Verfahren
4.3 Differenzierung der Kostenverursachung
4.3.1 Homogene Kostenverursachung
4.3.2 Heterogene Kostenverursachung
4.4 Differenzierung der heterogenen Kostenverursachung
4.4.1 Produktbedingte Heterogenität
4.4.2 Verfahrensbedingte Heterogenität
4.5 Differenzierung nach Bezugsgrößenarten
4.5.1 Direkte Bezugsgrößen
4.5.2 Indirekte Bezugsgrößen
4.5.3 Bezugsgrößen bei nicht quantifizierbaren Leistungen
5. Bestimmung von Planbezugsgrößen
5.1 Vorbemerkungen
5.2 Kapazitätsplanung
5.3 Engpassplanung
5.4 Vergleich von Kapazitäts- und Engpassplanung
6. Verfahren der Gemeinkostenplanung
6.1 Vorbemerkungen
6.2 Statistische Verfahren
6.3 Analytische Verfahren
6.3.1 Einstufige analytische Gemeinkostenplanung
6.3.2 Mehrstufige analytische Gemeinkostenplanung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, grundlegende Einblicke in die Gemeinkostenplanung innerhalb der flexiblen Plankostenrechnung zu vermitteln. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit den methodischen Grundlagen, wie Gemeinkosten verursachungsgerecht geplant und über geeignete Bezugsgrößen auf die Kostenträger verrechnet werden können.
- Allgemeine Grundsätze der Gemeinkostenplanung
- Methoden der Kostenstelleneinteilung
- Systematik der Bezugsgrößenwahl
- Verfahren zur Bestimmung von Planbezugsgrößen
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Homogene Kostenverursachung
Liegt in einer Kst homogene KV vor, so bedeutet dies, dass dort die KV aller variablen Kosten mit nur einer einzelnen BG gemessen werden kann. Die Höhe der Kostenstellenkosten verhält sich demnach proportional zu nur einer BG. Im Wesentlichen lassen sich drei Fälle aus der Praxis anführen, bei denen eine homogene KV in einer Kst vorliegen kann: Betrachten wir zuerst die Fertigungshauptstelle eines Unternehmens, die stets gleiche Produktionsbeiträge leistet, dies ist z.B. in einem Einproduktbetrieb der Fall.
In der genannten Kst werden in automatisierter Massenfertigung Zigaretten produziert, die in einer zweiten Kst (= abnehmende Kst) abgepackt werden. Der Produktionsprozess der Kst besteht darin, die Zigaretten zu stopfen, zu rollen und letztlich zu kleben. Da sich bei diesem standardisierten Produktionsprozess die Kostenstellenkosten proportional zu den produzierten Leistungseinheiten verhalten, kommt nur die Anzahl der Leistungseinheiten als BG, also die Zigaretten, in Betracht. Hier ist also ebenfalls der Tatbestand der homogenen KV gegeben, weil sich eine BG proportional zu allen beschäftigungsabhängigen Kosten der Kst verhält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird die Problematik der Gemeinkostenverrechnung aufgezeigt und ein Überblick über den strukturellen Aufbau der Seminararbeit gegeben.
2. Allg. Grundsätze für die Durchführung der Gemeinkostenplanung: Hier werden grundlegende Anforderungen an die Planung, wie Kostenartenklarheit und Motivation durch Zielvorgaben (Planwirtschaftlichkeitsgrad), erläutert.
3. Kostenstelleneinteilung und Bezugsgrößenplanung als Grundlage der Kostenplanung: Dieses Kapitel behandelt die Kriterien zur Bildung von Kostenstellen und die Bedeutung einer verursachungsgerechten Einteilung für die spätere Kalkulation.
4. Bezugsgrößenwahl: Es wird detailliert dargestellt, wie geeignete Bezugsgrößen gefunden werden und welche Unterschiede zwischen homogener und heterogener Kostenverursachung bestehen.
5. Bestimmung von Planbezugsgrößen: Das Kapitel vergleicht Kapazitäts- und Engpassplanung als Verfahren zur Ermittlung der Planbeschäftigung einer Kostenstelle.
6. Verfahren der Gemeinkostenplanung: Hier erfolgt eine Abgrenzung und Beschreibung von statistischen und analytischen Planungsmethoden.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass eine präzise Gemeinkostenplanung für moderne Unternehmen angesichts hoher Gemeinkostenanteile essenziell ist.
Schlüsselwörter
Gemeinkostenplanung, flexible Plankostenrechnung, Kostenstelle, Bezugsgröße, Kostenverursachung, Planbezugsgröße, Kapazitätsplanung, Engpassplanung, Soll-Ist-Vergleich, Kostenartenplan, Homogene Kostenverursachung, Heterogene Kostenverursachung, Kostenstellenverzeichnis, analytische Verfahren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen und praktischen Grundlagen der Gemeinkostenplanung innerhalb einer flexiblen Plankostenrechnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kostenstelleneinteilung, der Wahl geeigneter Bezugsgrößen, der Bestimmung von Planbezugsgrößen und verschiedenen Verfahren zur Planung von Gemeinkosten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser die Methoden der Gemeinkostenplanung näherzubringen, um Unwirtschaftlichkeiten frühzeitig zu erkennen und Kosten effizient zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und veranschaulicht die theoretischen Konzepte anhand zahlreicher praxisnaher Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufstellung von Grundsätzen für die Planung, die Differenzierung von Kostenstellen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Bezugsgrößenarten und Planbeschäftigungsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Gemeinkostenplanung, Bezugsgrößen, Kostenverursachungsprinzip, Kapazitätsplanung und Engpassplanung.
Warum ist die Wahl zwischen statistischen und analytischen Verfahren wichtig?
Analytische Verfahren sind den statistischen überlegen, da sie eine technisch-kostenwirtschaftliche Analyse des Produktionsprozesses ermöglichen, anstatt sich lediglich auf fehleranfällige Vergangenheitsdaten zu stützen.
Was ist der Unterschied zwischen produktbedingter und verfahrensbedingter Heterogenität?
Produktbedingte Heterogenität ergibt sich aus der Produktion verschiedener Erzeugnisse mit unterschiedlichen Kostenstrukturen, während verfahrensbedingte Heterogenität durch ungleichmäßige Produktionsprozesse, wie unterschiedliche Intensitäten oder Bedienungsverhältnisse, ausgelöst wird.
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- Dipl.-Kfm. Matthias Renkel (Author), 2006, Die Grundlagen der Gemeinkostenplanung in der flexiblen Plankostenrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50822