Die Agenda 2010 war ein breites Reformpaket, das in der Regierungszeit von Gerhard Schröder in einer schlechten wirtschaftlichen Lage Deutschlands im Jahre 2005 verabschiedet wurde. Die Agenda 2010 wurde in den folgenden Jahren öffentlich besonders durch die „Hartz IV“ Pakete bekannt, die starke Veränderungen im Arbeitsmarkt hervorriefen. Dazu gehörten unter anderem Deregulierungen im Bereich des Kündigungsschutzes, neue Dienstleistungen am Arbeitsmarkt und die Aktivierung von erwerbslosen Menschen. Die Agenda 2010 steht dabei auch sinnbildlich für einen sozialstaatlichen Abbau und Umbau von einem konservativen/ fürsorgenden Sozialstaat zu einem aktivierenden Sozialstaat. Die Intention des aktivierenden Sozialstaats ist unter anderem, dass die Bürger*innen eigenverantwortlich ihr Leben gestalten und ihre Existenz sichern. Falls die Existenz nicht gesichert ist, erhalten die betroffenen Personen staatliche Leistungen nach dem Grundsatz des Fördern und Fordern.
Inmitten des sozialstaatlichen Umbaus steht das seit spätestens mit dem achten Jugendbericht (1990) etablierte Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit von Hans Thiersch. Das Konzept der LWO zeichnet sich dabei mit dem Leitziel eines „gelingerenden“ Alltags durch die konsequente Orientierung an den Lebenswelten der Adressat*innen aus. Auch gegenwärtig spielen die Ansätze und Strukturmaximen der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit eine große Rolle in den konzeptionellen Überlegungen von Trägern der Sozialen Arbeit.
Da beide Konzeptionen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Sozialpolitik und der Begründbarkeit von Sozialer Arbeit spielen, soll im Folgenden das Konzept des aktivierenden Sozialstaats mit dem Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit auf mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden. (Ausschnitt Einleitung)
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Lebensweltorientierte Soziale Arbeit – einleitende Gedanken
- Traditionslinien und Verortung Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
- Zentrale Vorstellungen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
- Strukturmaximen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
- Der aktivierende Sozialstaat
- Wohlfahrtsstaatliche Einordnungen
- Grundlagen des aktivierenden Sozialstaats
- Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und aktivierender Sozialstaat – ein Vergleich
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Vereinbarkeit von zwei zentralen Konzepten der Sozialpolitik: der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit (LWO) und dem aktivierenden Sozialstaat. Sie analysiert die Grundlagen, Leitvorstellungen und Strukturmaximen beider Konzepte und untersucht ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Im Fokus steht die Frage, inwieweit diese Konzepte miteinander vereinbar sind und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus ergeben.
- Die Bedeutung der Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit
- Die Entwicklung und Prinzipien des aktivierenden Sozialstaats
- Die Konvergenzen und Divergenzen zwischen LWO und aktivierenden Sozialstaat
- Die Rolle der individuellen Lebenswelt und der gesellschaftlichen Strukturen
- Mögliche Perspektiven und Herausforderungen für die zukünftige Gestaltung von Sozialpolitik
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die Thematik ein und skizziert den historischen Kontext der Agenda 2010 und des aktivierenden Sozialstaats. Es beleuchtet die zentralen Elemente des aktivierenden Sozialstaats und die Bedeutung der Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit. Das zweite Kapitel widmet sich der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und analysiert ihre wissenschaftlichen Traditionslinien und Verortung. Es beleuchtet zentrale Vorstellungen und Strukturmaximen der LWO und zeigt deren Relevanz für die sozialpädagogische Praxis auf. Das dritte Kapitel beschreibt die Grundlagen des aktivierenden Sozialstaats und beleuchtet seine wohlfahrtsstaatlichen Einordnungen. Es werden zentrale Prinzipien und Zielsetzungen des aktivierenden Sozialstaats dargestellt.
Schlüsselwörter
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, aktivierender Sozialstaat, Agenda 2010, Lebenswelt, Alltagsorientierung, sozialpädagogische Praxis, Wohlfahrtsstaat, individuelles Leben, gesellschaftliche Strukturen, Förderung und Fordern, Selbstständigkeit, Handlungsoptionen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der aktivierende Sozialstaat?
Es ist ein Modell, das Bürger zur Eigenverantwortung anhält und staatliche Leistungen an das Prinzip des "Forderns und Förderns" knüpft, bekannt durch die Agenda 2010.
Was bedeutet Lebensweltorientierte Soziale Arbeit (LWO)?
Das von Hans Thiersch entwickelte Konzept stellt die konkrete Lebenswelt und den Alltag der Adressaten in den Mittelpunkt, mit dem Ziel eines "gelingenderen Alltags".
Passen LWO und der aktivierende Sozialstaat zusammen?
Es gibt Spannungsfelder: Während LWO auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen schaut, setzt der aktivierende Staat oft standardisierte Forderungen und Sanktionen ein.
Welche Rolle spielt das Prinzip "Fordern und Fördern"?
Es ist das Kernstück des aktivierenden Staates; Unterstützung wird gewährt, aber gleichzeitig wird vom Bürger aktive Mitwirkung bei der Existenzsicherung verlangt.
Was sind die Strukturmaximen der Lebensweltorientierung?
Dazu gehören Prävention, Alltagsnähe, Dezentralisierung, Integration und Partizipation der Betroffenen.
- Arbeit zitieren
- Tobias Cordes (Autor:in), 2018, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und aktivierender Sozialstaat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508241