Merkmalstheorie und Prototypensemantik in Theorie und Schulpraxis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Das Wesen von Bedeutung

2 Merkmalssemantik und Prototypentheorie in Theorie und schulischer Praxis
2.1 Semantische Theorien: Merkmalssemantik
2.1.1 Problematisierung der Theorie der Merkmalssemantik
2.2 Semantische Theorien: Prototypentheorie

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung: Das Wesen von Bedeutung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Bedeutung und Bedeutungstheorien. Es gibt vielfältige Versuche, Bedeutung zu beschreiben, zwei bekannte Semantiktheorien sollen hinsichtlich ihrer Grundgedanken und Konzepte erläutert werden: Zum einen handelt es sich um die Merkmalssemantik und zum anderen um die Prototypentheorie. Ergänzend dazu werden Vorschläge zu einer Umsetzung im Unterricht vorgestellt.

Versucht man das Wesen von Bedeutung zu beschreiben, erkennt man, dass Bedeutung nicht statisch ist. Bedeutung kann sich im Laufe der Zeit verändern. Beispielsweise war das früher gebräuchliche Wort ‚Weib’ keineswegs negativ besetzt, sondern die übliche Bezeichnung einer Frau. Heute hingegen wird dem Ausdruck eine abschätzende Bedeutung zugeschrieben. Außerdem hypostasiert Bedeutung, indem sie durch die Benennung von etwas das Bezeichnete vergegenständlicht. Hierbei ist jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass Bedeutung ontologisch ist. Sie ist also an sich, was bedeutet, dass Wort und Sache keineswegs identisch sind.

Ein großes Problem bei der Beschreibung von Bedeutung ergibt sich daraus, dass das Untersuchen, Erklären und der Austausch über das Wesen von Bedeutung nur mit Hilfe der Sprache möglich ist, die jedoch gleichzeitig den Gegenstand der Untersuchung darstellt. Es wird also versucht, mit Sprache Sprache zu erklären oder anders gesagt, die Erklärungsversuche sind sofort wiederum selbst Erklärungsgegenstand. Dies führt zu einer sog. unendlichen Semiose: jedes Zeichen wird zum Interpretanten eines anderen, so dass eine unbegrenzte Ersetzbarkeit von Zeichen durch Zeichen entsteht.

Trotz dieser problematischen Situation Bedeutung erfassen und erklären zu können, spielt der Begriff ‚Bedeutung’ in vielen verschiedenen Disziplinen wie Soziologie, Psychologie und Biologie eine Rolle spielt. Vor allem beschäftigen sich auch die Sprachwissenschaft und die philosophische Semantik damit, die Bedeutung von Bedeutung zu erfassen. In semantischen Theorien werden für Bedeutung auch die Begriffe Referenz, Sinn, Intension, Wort- oder Begriffsinhalt verwendet. Im Mittelpunkt der verschiedenen Bedeutungstheorien in Sprachwissenschaft und Philosophie steht das Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit. Danach lassen sich zwei große Richtungen unterscheiden.

Nach der realistischen Semantik besteht zwischen der Bedeutung eines Ausdrucks oder Zeichens einerseits und dem Sachverhalt, den der Ausdruck bezeichnet andererseits, eine feste Beziehung. Die Bedeutung von Ausdrücken liegt danach in ihrer Funktion, Sachverhalte zu bezeichnen. Damit ein Ausdruck zur Bezeichnung einer Sache verwendet werden kann, muss erst die Beziehung zwischen beiden festgelegt werden. Dies geschieht durch soziale Konvention. Dabei geht die realistische Semantik von der Funktion von Eigennamen aus, die dem bezeichneten Gegenstand eindeutig zugeordnet sind. Durch eine konventionelle Festsetzung der Beziehung von Ausdruck und bezeichnetem Sachverhalt, erhält ein Ausdruck somit seine Bedeutung. Die Bedeutung eines Ausdrucks besteht darin, dass ein Sprecher einen Ausdruck mit seiner Vorstellung von dem bezeichneten Gegenstand verbindet. Die Problematik dieser Auffassung liegt zum einen darin, dass sie Bedeutung ausschließlich anhand einzelner Ausdrücke nach dem Vorbild von Eigennamen erklärt, zum anderen darin, dass sie nicht die interpersonale und intertemporale Invarianz von Ausdrücken berücksichtigt. Mit dieser Invarianz ist gemeint, dass derselbe Ausdruck mit derselben Bedeutung von verschiedenen Personen und ebenso zu unterschiedlichen Zeitpunkten verwendet und entsprechend verstanden werden kann. Andere Wissenschaftler unterscheiden die Begriffe Sinn und Bedeutung. Die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks ist demnach der mit dem Ausdruck bezeichnete Gegenstand, während der Sinn diejenige Art und Weise ist, in der dieser Gegenstand gegeben ist. Als Beispiel können die zwei Bezeichnungen für den Planeten Venus dienen: Die Ausdrücke ‚Morgenstern’ und ‚Abendstern’ haben die gleiche Bedeutung (beide bezeichnen die Venus), sie haben jedoch nicht den gleichen Sinn. Bedeutung wird hierbei also mit einem abstrakten Gegenstand identifiziert.

Die zweite Gruppe philosophischer Bedeutungstheorien bilden die pragmatischen Semantiktheorien. Diesem Ansatz zufolge besteht die Bedeutung von Ausdrücken wesentlich in der Art und Weise, in der sie in konkreten Äußerungssituationen verwendet werden. Demnach liegt die Bedeutung im Gebrauch von Ausdrücken, der jeweils in einer Sprachgemeinschaft allgemein verbindlichen Regeln folgt. Ludwig Wittgenstein spricht davon, dass die Bedeutung eines Ausdrucks sein Gebrauch in der Sprache sei. Der Grundgedanke der pragmatischen Semantik besteht darin, Sprache vor allem unter dem Aspekt des Handelns zu betrachten. Einzelne Redehandlungen werden als Sprechakte bezeichnet. Indem wir sprechen, verfolgen wir mit unseren Sprechakten, die an bestimmte Adressaten gerichtet sind, jeweils ganz bestimmte Sprecherabsichten, sog. Intentionen. Die Bedeutung von Ausdrücken besteht in der Art und Weise, wie wir die Ausdrücke verwenden, um unsere Redeabsicht zu verwirklichen. Eine Variante der pragmatischen Semantik ist der Bedeutungsnominalismus. Danach wird Bedeutung mit Sprecherintentionen innerhalb ganz konkreter Verständigungssituationen gleichgesetzt. Sprachliche Handlungen werden als der Versuch eines Sprechers verstanden, im Adressaten durch eine Äußerung eine bestimmte Überzeugung hervorzurufen (vgl. http://www.schule.bremen.de/schulen/wallis

/zkt/hp_02/lektion/lektion12/bedeutung.htm, 21.09.2005)

2 Merkmalssemantik und Prototypentheorie in Theorie und schulischer Praxis

In der Einleitung kann man bereits erahnen, wie schwierig es ist, das Wesen von Bedeutung zu erfassen. In diesem Teil der Arbeit werden zwei Theorien zur Beschreibung von Bedeutung vorgestellt. Hierbei werden sich grundsätzliche Übereinstimmungen, aber auch deutliche Unterschiede zeigen. Im Anschluss an den jeweiligen theoretischen Teil finden sich Vorschläge zu einer unterrichtlichen Umsetzung der semantischen Theorien. Dabei sind die Vorschläge allgemein gehalten und nicht auf eine bestimmte Klasse zugeschnitten. Stattdessen sind sie als Anstöße und Richtlinien für eine entsprechende Unterrichteinheit bzw. –reihe zu verstehen.

2.1 Semantische Theorien: Merkmalssemantik

Die erste Theorie ist die sog. Merkmalssemantik. In dieser Theorie werden verschiedene Annahmen getroffen:

1. Bedeutung lässt sich durch ein begrenztes Inventar von Merkmalen beschreiben.
2. Diese Annahme gilt für den gesamten Wortschatz.
3. Die Bedeutung eines Wortes lässt sich in Teilbedeutungen (Merkmalbündel) zerlegen.

Das wesentliche Kennzeichen der Merkmalssemantik ist ihr Bemühen, Wörter ihrer Bedeutung nach in Kategorien einzuteilen. Kategorien werden dabei so verstanden, dass sie klar umgrenzt sind, ein Ding eindeutig Mitglied einer Kategorie ist oder nicht, alle Vertreter einer Kategorie alle Merkmale erfüllen und damit alle Mitglieder einer Kategorie gleichwertig sind, also gleich gute Vertreter der Kategorie.

Die Einteilung in Kategorien erfolgt, wie bereits der Name andeutet, nach semantischen Merkmalen, also mit Hilfe von Merkmalen, die die Bedeutung eines Wortes ausmachen. Semantische Merkmale haben eine distinktive Funktion, d.h. sie grenzen Wortbedeutungen voneinander ab, indem sie zum einen genügend Angaben machen, die die Bedeutung definieren und die die Bedeutung eindeutig von anderen Bedeutungen abgrenzen. Die Methode, Wortbedeutungen in verschiedene Merkmale zu zerlegen, hat eine sehr alte Tradition und kann bis zu Aristoteles zurückverfolgt werden. Dieser hat (Jahr) das nachfolgende Modell vorgestellt:

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Merkmalstheorie und Prototypensemantik in Theorie und Schulpraxis
Hochschule
Universität zu Köln  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Bedeutung auf Wort-, Satz- und Textebene
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V50825
ISBN (eBook)
9783638469531
ISBN (Buch)
9783638791670
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Arbeit werden zwei der bekanntesten Semantiktheorien vorgestellt: Die Prototypen- und die Merkmalssemantik. Einerseits erfolgt eine theoretische Vorstellung, die andererseits aber mit unterrichtlichen Umsetzungsmöglichkeiten verknüpft sind.
Schlagworte
Merkmalstheorie, Prototypensemantik, Theorie, Schulpraxis, Bedeutung, Wort-, Satz-, Textebene
Arbeit zitieren
Manuela Ickler (Autor), 2005, Merkmalstheorie und Prototypensemantik in Theorie und Schulpraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50825

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