Im Rahmen dieser Arbeit wird untersucht, ob und in welchen Punkten sich die Neuen von den Alten Rechten unterscheiden. Zur Untersuchung dieser Frage wird analysiert, wie sich der Rechtspopulismus in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Hierfür werden Organisationen und Bewegungen aufgeführt, die die Entwicklung der Neuen Rechten in Deutschland geprägt haben und aktuell von Relevanz sind. Wer sind die Verfechter und welchen Diskurs streben sie an? Was ist die Konservative Revolution, welches das Gedankengut der Neuen Rechten maßgeblich kennzeichnet?
Im Jahr 2015 waren weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland wurden 1.091.894 Flüchtlinge im Jahr 2015 neu registriert, knapp fünfmal so viel wie im Vorjahr. Die meisten Asylsuchenden kamen aus Syrien, mehrheitlich Muslime, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat Zuflucht suchten. Seither demonstrieren hierzulande diverse Bürgerbewegungen, unter anderem PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Sie befürchten eine Islamisierung Deutschlands und behaupten der Islam sei eine gefährliche Religion, muslimische Migranten in Europa seien nicht integrationswillig, geschweige denn naturgemäß fähig dazu. Um weitere Mitglieder zu akquirieren schüren sie Angst in der Gesellschaft, indem sie Einzelfälle straffälliger Flüchtlinge medienwirksam verbreiten und nennen sich "das Volk" und "besorgte Bürger", die "das Abendland" vor der Islamisierung schützen wollen.
Während sie sich vom Nationalsozialismus distanzieren, vertreten sie die Werte der Konservativen Revolution, welche wiederum als Vorreiter des Nationalsozialismus gilt. In ihren Thesen stützen sie sich auf anerkannte Philosophen und Schriftsteller und schaffen sich durch die Intellektualisierung ihrer Ideologie einen Legitimitätsanspruch. Nichtsdestotrotz bezeichnen viele, wie auch der Soziologe Roland Eckert, die Vertreter der Neuen Rechte als rechtsradikal.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursprung und Verfechter der Neuen Rechten
2.1 Nouvelle Droite in Frankreich
2.2 Entwicklungen innerhalb der rechten Szene in Deutschland
3. Neue versus Alte Rechte: Eine Gegenüberstellung
3.1 Begriffsdefinition Neue Rechte
3.2 Diskurs und Ideologie der Neuen Rechten
4. Staatsvorstellungen der Neuen Rechten
4.1. Die Konservative Revolution
5.2 Das Demokratieverständnis der Neuen Rechten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursprünge, die ideologischen Grundlagen und die zentralen Verfechter der "Neuen Rechten" in Deutschland sowie deren Abgrenzung zur "Alten Rechten" und dem Rechtspopulismus.
- Historische Entwicklung und Einflüsse der französischen Nouvelle Droite
- Strukturelle Analyse der Neuen Rechten gegenüber klassischen rechtsextremen Strömungen
- Diskursanalyse und Ideologiebildung (insb. Konservative Revolution)
- Staatstheoretische Positionen und Demokratieverständnis
- Vergleich und Verschränkung mit rechtspopulistischen Bewegungen wie PEGIDA oder der AfD
Auszug aus dem Buch
3.2 Diskurs und Ideologie der Neuen Rechten
Der rechtsextremistische Gehalt vieler Aussagen von Vertretern der „Neuen Rechten“ tritt bis auf wenige Ausnahmen oft nicht klar zutage. Nur selten bringen die Autoren ihre rechtsextremistischen Zielsetzungen deutlich zum Ausdruck; vielmehr halten sie sich mit solchen Aussagen zurück, die eindeutige extremistische Ideologieelemente erkennen lassen. Tätigen sie diese dennoch, so rechtfertigen sie sich damit, dass die Wirklichkeit tabuisiert werden würde und berufen sich auf ihre Meinungsfreiheit.50 Experten vermuten eine taktische Maßnahme hinter der Zurückhaltung der neurechten Ideologie. Sie würden die Systemüberwindung anstreben, indem sie versuchen, zunächst die kulturelle und damit intellektuelle Hegemonie zu erlangen. Aussagen werden oft so formuliert, dass sie auf den ersten Blick keinen rechtsextremistischen Gehalt erkennen lassen und auch die Mitte der Gesellschaft erreichen. Die Vertreter der Neuen Rechte versuchen durch eine „Umwertung der Werte“, so beschreibt der Rechtsextremist Klaus Kunze seine Strategie der Systemüberwindung, zunächst den demokratischen Verfassungsstaat zu delegitimieren.51 In Kippt die Republik beschrieb Gessenharer 1994 die Neuen Rechte bereits als ein Scharnier zwischen Neo-Konservatismus und Rechtsextremismus und warnt vor einer schleichenden Erosion der Grenzen zum Konservatismus.52 Die Neuen Rechte würden zuerst das politische Wirklichkeitsbild der Menschen verändern wollen, bevor sie sich in den direkten Kampf um die politische Macht einlassen würden.53 Dies könne ihnen aber nur durch die Auflösung der Grenzen zwischen Demokraten und Extremisten gelingen, indem sie Demokraten möglichst behutsam an die Gedanken und Zielvorstellungen der Vertreter der „Konservativen Revolution“ heranführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Kontext der Flüchtlingskrise 2015 und den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen sowie der AfD in Deutschland.
2. Ursprung und Verfechter der Neuen Rechten: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung der französischen GRECE und die historische Entwicklung innerhalb der deutschen rechten Szene seit den 1960er Jahren nach.
3. Neue versus Alte Rechte: Eine Gegenüberstellung: Hier werden Definitionen sowie der ideologische Diskurs der Neuen Rechten analysiert, insbesondere deren Abgrenzung zum klassischen Rechtsextremismus.
4. Staatsvorstellungen der Neuen Rechten: Das Kapitel erläutert den Bezug zur Konservativen Revolution der Weimarer Republik und das antiliberale Demokratieverständnis der Akteure.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Neue Rechte eine strategische intellektuelle Option des Rechtsextremismus darstellt, die sich inhaltlich kaum von der Alten Rechten unterscheidet.
Schlüsselwörter
Neue Rechte, Konservative Revolution, Rechtspopulismus, Identität, Ethnopluralismus, Demokratieverständnis, Systemüberwindung, Politische Korrektheit, Ideologie, Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, AfD, PEGIDA, Liberalismuskritik, Carl Schmitt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ideologische Herkunft, die Strategien und das Selbstverständnis der sogenannten "Neuen Rechten" im Kontext der deutschen Parteien- und Bewegungslandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Abgrenzung zum traditionellen Rechtsextremismus, die intellektuelle Fundierung durch die Konservative Revolution und die Verbreitung dieser Thesen in modernen Bewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern sich die Neue Rechte von der Alten Rechten unterscheidet und ob es sich um ein neues Phänomen oder lediglich eine strategische Neuverpackung alter Ideologien handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Untersuchung von Diskursen und Programmatiken rechtspopulistischer Organisationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese der Bewegung (Frankreich/Deutschland), die begriffliche Definition, ideologische Diskursanalyse sowie die Analyse staats- und demokratietheoretischer Konzepte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Ethnopluralismus, intellektuelle Hegemonie, Konservative Revolution und das antiliberale Staatsverständnis nach Carl Schmitt.
Wie positioniert sich die Neue Rechte gegenüber der Demokratie?
Sie lehnt den liberalen Parteienstaat ab, instrumentalisiert den Demokratiebegriff jedoch für ihre eigene antiliberale Agenda der sogenannten "volksnahen" Herrschaft.
Warum wird im Buch das Adjektiv "neu" als irreführend kritisiert?
Experten weisen darauf hin, dass die Weltanschauung abgesehen vom Begriff des Ethnopluralismus inhaltlich stark auf alten rechtsextremen Denkmustern und Traditionen der Weimarer Zeit basiert.
- Arbeit zitieren
- Funda Karakus (Autor:in), 2018, Ursprung und Verfechter der Neuen Rechten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508358