Auswirkungen latenter Steuern auf die Konzernsteuerquote


Bachelorarbeit, 2016

41 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
2.1 Grundlegendes zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
2.2 Ziele des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

3. Latente Steuern
3.1 Grundlegendes zu latenten Steuern
3.2 Konzepte der Abgrenzung latenter Steuern
3.2.1 Timing-Konzept
3.2.2 Temporary-Konzept
3.3 Methoden der Abgrenzung latenter Steuern
3.3.1 Liability-Methode
3.3.2 Deferred-Methode
3.4 Klassifizierung von Differenzen
3.4.1 Zeitlich begrenzte Differenzen
3.4.2 Quasi-permanente Differenzen
3.4.3 Permanente Differenzen
3.5 Besonderheiten des Steuerrechts
3.5.1 Latente Steuern auf Verlustvorträge
3.5.2 Latente Steuern auf Zinsvorträge
3.6 Diskontierungsverbot latenter Steuern

4. Latente Steuern im Konzernabschluss nach HGB
4.1 Konzernabschluss
4.1.1 Inside basis differences I
4.1.2 Inside basis differences II
4.1.3 Konsolidierungsmaßnahmen bei Vollkonsolidierung
4.1.3.1 Kapitalkonsolidierung
4.1.3.2 Schuldenkonsolidierung
4.1.3.3 Zwischenergebniseliminierung

5. Konzernsteuerquote
5.1 Grundlegendes
5.2 Konzernsteuerquote als Funktion
5.2.1 Zusammensetzung der Konzernsteuerquote
5.2.2 Darstellung der Konzernsteuerquote
5.2.3 Vorzeichen der Konzernsteuerquote
5.3 Funktionen der Konzernsteuerquote
5.4 Steuerliche Überleitungsrechnung
5.5 Einflussfaktoren auf die Konzernsteuerquote
5.6 Bedeutung latenter Steuern für die Konzernsteuerquote

6. Fazit

Verzeichnis der Rechtsquellen und Drucksachen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: System der latenten Steuern

Abb. 2: Systematisierung latenter Steuern im Konzernabschluss

Abb. 3: Zusammensetzung der Konzernsteuerquote

Abb. 4: Verlauf der Konzernsteuerquote

Abb. 5: Mögliche Ausprägungen der Konzernsteuerquote

Abb. 6: Beispiel einer Überleitungsrechnung

Abb. 7: Kompensationseffekt latenter Steuern

1 . Einleitung

Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die latenten Steuern und die Konzernsteuerquote. Ob- wohl die latenten Steuern auch gerade international eine komplexe Thematik darstellen, wird aufgrund des Umfangs lediglich eine Betrachtung nach dem nationalen Handelsrecht vorgenommen.

Die vorliegende Arbeit gibt einen wesentlichen und umfangreichen Überblick über die einzelnen Einflüsse auf die Konzernsteuerquote, die aus latenten Steuern resultieren. Um dieser Problemstellung gerecht zu werden, werden in Kapitel 2 zunächst die wesentlichen Änderungen der Steuerabgrenzung mit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsge- setzes (BilMoG) erläutert. Kapitel 3 stellt das Wesen der latenten Steuern näher dar, indem neben der Konzeption auch die Ursachen und Besonderheiten aufgezeigt werden. In Ka- pitel 4 findet eine Auseinandersetzung mit latenten Steuern im Konzernabschluss nach HGB statt, bevor dann in Kapitel 5 die Konzernsteuerquote näher betrachtet wird. Hierbei richtet sich das Hauptaugenmerk, neben der Beschreibung der Konzernsteuerquote als Funktion, vor allem auf die verschiedenen Einflussfaktoren und die Bedeutung der laten- ten Steuern.

Die Relevanz der Thematik latente Steuern hat in den vergangenen Jahren mit steigender Emanzipation des Steuerbilanzrechts beträchtlich zugenommen.1 Auch hat das Abgren- zungskonzept der latenten Steuern mit Einführung des BilMoG eine drastische Zunahme an Bedeutung erlebt, weshalb latente Steuern stärker in den Fokus der nationalen Rech- nungslegung und den konzernweiten Steuerabteilungen gerückt sind.2 Da die Konzern- steuerquote als Richtmaß für die Steuerbelastung des Konzerns steht und neben tatsächli- chen Steuern auch latente Steuern einfließen,3 ist die Ermittlung der unterschiedlich star- ken Auswirkungen der latenten Steuern auf jene Kennzahl von großer Bedeutung.

Daher lautet das Thema dieser Arbeit „Auswirkungen latenter Steuern auf die Konzern- steuerquote“. Ziel ist es, trotz der hohen Komplexität von latenten Steuern und der Kon- zernsteuerquote, die Problemstellung mithilfe verschiedener Rechenbeispiele und Szena- rio Betrachtungen verständlich darzustellen.

2 . Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

2.1 Grundlegendes zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

Das am 29. Mai 2009 in Kraft getretene BilMoG ist die bedeutendste Reform des Bilanz- rechts seit dem Bilanzrichtliniengesetz von 1985. Vor allem dient das BilMoG, aufgrund der zunehmenden Internationalisierung von Geschäftstätigkeiten, der Anpassung an die internationalen Rechnungslegungsstandards.4

Auf Ebene der Steuerabgrenzung wurde durch das BilMoG ein konzeptioneller Wandel vollzogen, wodurch latente Steuern mehr an Bedeutung gewonnen haben. Nach § 274 HGB ist für das ab dem 01.01.2010 beginnende Geschäftsjahr das bilanzorientierte Temporary-Konzept anzuwenden, welches bereits nach dem IAS 12 als international üb- lich angesehen wird. Demgemäß werden nach § 274 HGB latente Steuern auf Differenzen von „Vermögensgegenständen, Schulden und Rechnungsabgrenzungsposten“ zwischen der Handels-5 und Steuerbilanz gebildet, welche durch die Umkehrung in der Zukunft eine Steuerbelastung oder –entlastung zur Folge haben.6 Auch durch Aufhebung der umge- kehrten Maßgeblichkeit nach § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG a.F. können steuerrechtliche Wahl- rechte unabhängig von der handelsbilanziellen Handhabung ausgeführt werden. Infolge der dadurch vermehrten Wertdifferenzen zwischen der Handels- und Steuerbilanz wird die Wichtigkeit der Abgrenzung latenter Steuern gesteigert.7

Der Weg bis zur Verabschiedung des BilMoG begann bereits im Jahr 2003. Schon damals wurden etliche Änderungsvorschläge durch Forschung und Praxis zur Modernisierung des deutschen Bilanzrechts erarbeitet und durch den deutschen Gesetzgeber registriert. Erst- mals wurde am 08. November 2007 ein Entwurf des BilMoG durch das Bundesministe- rium der Justiz veröffentlicht.8 Nach reichlichen Diskussionen über die Inhalte und einer Verzögerung aufgrund der weltweiten Finanzkrise, stimmte der Bundesrat am 03. Ap- ril 2009 dem Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts zu9, woraufhin das Gesetz am 29. Mai 2009 in Kraft trat10.11

2.2 Ziele des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

Der Gesetzgeber verfolgt mit der Verabschiedung des BilMoG das Ziel, eine moderne, kostengünstige und konkurrenzfähige Bilanzierungsalternative zu den IFRS zu schaffen.12 Daran anschließend wird durch die Streichung handelsrechtlicher Ansatz-, Ausweis-, und Bewertungswahlrechte eine Erhöhung der Aussagekraft von handelsrechtlichen Ab- schlüssen erreicht.13 Nach Hahn werden die Zielsetzungen, bestehend aus Eigenständig- keit, Kostengünstigkeit, Vollwertigkeit, Ausschüttungsrelevanz und Besteuerungsrele- vanz als „magisches Fünfeck“ zusammengefasst.14

Durch die Zielsetzungen werden wesentliche Veränderungen im Bereich der latenten Steuern erzeugt. Vor allem bei der Bewertung von Rückstellungen wird durch die Nicht- berücksichtigung von Preis- und Kostensteigerungen, bei gleichzeitiger Abzinsung in Höhe von 5,5 % auf steuerlicher Ebene, der handelsrechtliche Wert zunehmend dominie- ren. Auch durch ein Aktivierungswahlrecht von selbst erstellten immateriellen Vermö- genswerten auf handelsrechtlicher Seite, im Vergleich zum Aktivierungsverbot nach § 5 Abs. 2 EStG auf steuerrechtlicher Seite, rücken latente Steuern immer mehr in den Fokus.15

3. Latente Steuern

3.1 Grundlegendes zu latenten Steuern

Das Wort „latent“ stammt aus dem lateinischen und bedeutet gewissermaßen „versteckt“ oder „vorhanden, aber (noch) nicht in Erscheinung tretend“16. Mit dem Wort „Steuern“ bedeutet das Begriffspaar „latente Steuern“ entweder eine Steuerbelastung oder -entlas- tung für Unternehmen.

Ihren Ursprung haben latente Steuern in der unterschiedlichen Ermittlung des handels- und steuerrechtlichen Jahresabschlusses aufgrund zeitlicher Differenzen zwischen einzel- nen Wertansätzen. Diese Differenzen resultieren aus unterschiedlichen Ansatz- und Be- wertungsregeln zwischen der Handels- und Steuerbilanz. Die Folge ist, dass der in der handelsrechtlichen Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ausgewiesene Steueraufwand nicht zwingend in einem sinnvollen Zusammenhang zum veröffentlichten Jahresüber- schuss steht. Somit liegt dem in der Handelsbilanz ausgewiesenen Gewinn entweder ein zu hoher oder zu niedriger Steueraufwand gegenüber. Die Bilanzierung latenter Steuern fördert eine gerechte Ermittlung des Periodenerfolgs, da der „richtige“ Steueraufwand er- fasst wird. In diesem Kontext wird unter „richtig“ nicht der nach dem Steuerrecht berech- nete, sondern der nach dem handelsrechtlichen Ergebnis übereinstimmende Steuerauf- wand verstanden.17 Eine aktive latente Steuer18 kann angesetzt werden, wenn aus handels- rechtlicher Sicht eine Steuerentlastung eintritt. Ein Beispiel hierfür wäre eine Schuld, die in der Steuerbilanz mit einem niedrigeren Wert als in der Handelsbilanz angesetzt wird.19 Für den umgekehrten Fall, dass eine Schuld in der Steuerbilanz mit einem höheren Wert als in der Handelsbilanz aufgeführt wird, ist verpflichtend eine passive latente Steuer20 zu bilden.21

Die folgende Abbildung stellt das System der latenten Steuern vereinfacht dar:

Abb. 1: System der latenten Steuern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mithilfe von latenten Steuern kommt es demnach zu einer Berichtigung des Steuerauf- wands, um so eine detailliertere Auskunft über die Vermögenslage von Unternehmen zu präsentieren.22

3.2 Konzepte der Abgrenzung latenter Steuern

3.2.1 Timing-Konzept

Vor der Verabschiedung des BilMoG war die Berechnung von latenten Steuern auf Grundlage des Timing-Konzepts, einer sogenannten Gesamtdifferenzbetrachtung, üb- lich.23 Dieses GuV-orientierte Abgrenzungskonzept verfolgt eine periodengerechte Er- folgsermittlung und bezieht sich ausschließlich auf Ergebnisdifferenzen zwischen der handels- und steuerrechtlichen Gewinnermittlung. Demzufolge werden bei der latenten Steuerabgrenzung lediglich die Bilanzierungs- und Bewertungsunterschiede berücksich- tigt, die sich sowohl bei ihrer Bildung als auch bei ihrer Auflösung auf die GuV auswir- ken.24

Das Timing-Konzept gliedert die Differenzen in zeitlich begrenzte Differenzen25, quasi- permanente Differenzen26 und permanente Differenzen27 auf. Angesichts ihres überschau- baren Zeitraums und der Unabhängigkeit von Unternehmensdispositionen, werden nur zeitlich begrenzte Differenzen bei der Steuerlatenzberechnung berücksichtigt.28

3.2.2 Temporary-Konzept

Mit dem BilMoG hat die Steuerabgrenzung einen konzeptionellen Wandel durchlebt. Für § 274 HGB ist seither das bilanzorientierte Temporary-Konzept maßgeblich. Latente Steuern sind somit für sämtliche Abweichungen zwischen handels- und steuerrechtlichen Wertansätzen von Vermögensgegenständen, Schulden und Rechnungsabgrenzungsposten anzusetzen, sofern eine Umkehrung in Zukunft stattfindet und diese eine Steuerbelastung oder -entlastung zur Folge hat.29 Somit bedarf es, im Gegensatz zum Timing-Konzept, aufgrund der bilanzorientierten Sichtweise neben dem Führen einer Handelsbilanz auch der Führung einer Steuerbilanz.30

Hinsichtlich der Zielsetzung des Temporary-Konzepts, die künftige Vermögenslage eines Unternehmens zutreffend darzustellen, werden auch erfolgsneutral entstandene Differen- zen31 berücksichtigt, sofern sich diese in zukünftigen Perioden erfolgswirksam umkeh- ren.32 Ebenfalls werden bezüglich der Unabhängigkeit des Umkehrzeitpunkts quasi-per- manente Differenzen in die Berechnung miteinbezogen. Wie auch bei Anwendung des Timing-Konzepts, finden permanente Differenzen zufolge der Nichtumkehrung keine Be- rücksichtigung bei der Bildung von latenten Steuern.33

3.3 Methoden der Abgrenzung latenter Steuern

In aller Regel kommt für die Bewertung latenter Steuern die Liability- oder Deferred- Methode zur Anwendung. Mit der Net-of-Tax-Methode besteht eine weitere, dritte Me- thode. Anlässlich ihrer fehlenden Anwendbarkeit in der externen Rechnungslegung wird in dieser Arbeit auf deren Darstellung verzichtet.34

3.3.1 Liability-Methode

Bei der bilanzorientierten Liability-Methode steht der korrekte Ausweis von Forderungen und Verbindlichkeiten im Vordergrund. Aktive latente Steuern stellen daher infolge der Steuervorauszahlung einen Vermögensgegenstand dar, wohingegen passive latente Steu- ern angesichts künftiger Steuerzahlungen eine Verbindlichkeit repräsentieren.35

Zwecks der künftigen Zahlungswirkung gegenüber dem Fiskus, müssen folglich auch zu- kunftsbezogene Steuersätze36 berücksichtigt werden.37 Nach § 274 Abs. 2 Satz 1 HGB sind dies die „unternehmensindividuellen Steuersätze im Zeitpunkt des Abbaus von Dif- ferenzen“. Da aber künftige Steuersätze meist nicht bekannt sind, werden die Differenzen mit den gegenwärtigen Steuersätzen bewertet. Bei nachträglichen Änderungen von Steu- ersätzen müssen die bereits bestehenden latenten Steuern berichtigt werden, damit in der Erfolgsrechnung stets der angepasste Steueraufwand angezeigt wird.38

3.3.2 Deferred-Methode

Im Gegensatz zur Liability-Methode strebt die Deferred-Methode mittels „matching prin- ciple“39 den korrekten Erfolgsausweis im Jahresabschluss an. Somit steht die periodenge- rechte Steuerzahlung im Vordergrund. Latente Steuern haben demnach einen klaren Ab- grenzungscharakter und werden weder als Vermögenswert, noch als Schuld bilanziert.40

Aufgrund der periodengerechten Ermittlung von Steuerzahlungen wird deshalb nur der in der Periode geltende Steuersatz berücksichtigt. Dieser Ansatz gilt auch dann, wenn zu- künftige Steuersätze durch Gesetzesänderungen im Zeitpunkt der Auflösung gebildeter Steuerlatenzen höher oder niedriger sein werden. Demgemäß erfolgt die Auflösung laten- ter Steuern auf Basis der Steuersätze bei deren Bildung. Durch den Verzicht der Anglei- chung werden latente Steuerabgrenzungsposten aus vergangenen Perioden immer mehr den Zusammenhang zu den abzugsfähigen Differenzen verlieren. Dies stellt einen großen Nachteil gegenüber der Liability-Methode dar.41

3.4 Klassifizierung von Differenzen

3.4.1 Zeitlich begrenzte Differenzen

Wie bereits in Kapitel 3.2.2 gezeigt, hängt der Ansatz latenter Steuern vom Charakter der jeweiligen Differenz ab.

Zeitlich begrenzte Differenzen entstehen anlässlich zeitlich unterschiedlicher Erfassung von Aufwendungen und Erträgen zwischen der Handels- und Steuerbilanz. Diese Ergeb- nisdifferenzen charakterisieren sich dadurch, dass sie sich im Zeitablauf automatisch wie- der ausgleichen. Demgemäß führen zeitlich begrenzte Differenzen ausschließlich zu un- gleichen Periodenerfolgen, nicht aber zu einem divergierenden Totalerfolg.42

Typische Ursachen für die Entstehung zeitlich begrenzter Differenzen sind zum Beispiel Aufwendungen, die aufgrund unterschiedlicher Abschreibungsmethoden nach Handels- und Steuerrecht steuerlich früher erfasst werden als handelsrechtlich oder umgekehrt.43

3.4.2 Quasi-permanente Differenzen

Quasi-permanente Differenzen stellen in der Bewertungspraxis eine Sonderproblematik von temporären Differenzen dar. Die erfasste Ergebnisdifferenz löst sich in diesem Fall nicht wie bei den zeitlich begrenzten Differenzen automatisch auf, sondern ist abhängig von einer unternehmerischen Disposition. Infolgedessen benötigt es im Hinblick auf die zukünftige Umsetzung solcher Differenzen einer genauen Analyse.44 Neben solch einer Analyse sollte zudem eine jährliche Überprüfung der quasi-permanenten Differenzen vor- genommen werden. Dabei wird überprüft, „ob sie sich aufgrund der gesetzlichen Rege- lungen, etwa eintretender veränderter Verhältnisse oder der geplanten unternehmerischen Disposition in der überschaubaren Zukunft nicht noch ausgleichen werden“45 und somit in die Kategorie der zeitlich begrenzten Differenzen fallen.

Ein Anwendungsbeispiel für eine quasi-permanente Differenz wäre eine außerplanmäßige Abschreibung in der Handelsbilanz auf ein Grundstück, ausgelöst durch den nahen Bau einer Autobahn, die nach dem Steuerrecht nicht anerkannt wird.46

3.4.3 Permanente Differenzen

Unter permanenten Differenzen werden jene Wertunterschiede verstanden, die sich ent- weder nur in der Handelsbilanz oder nur in der Steuerbilanz auswirken. Zudem gleicht sich diese Art von Differenz nicht wieder in zukünftigen Perioden aus, weshalb eine Steu- erabgrenzung sowohl nach dem Timing-, als auch nach dem Temporary-Konzept nicht geboten ist.47

Beispiele für permanente Differenzen sind steuerlich nicht abzugsfähige Betriebsausga- ben im Sinne von § 4 Abs. 5 EStG wie Geldbußen oder Verwarnungsgelder und steuer- freie Erträge, zum Beispiel nach § 3 EStG.48

3.5 Besonderheiten des Steuerrechts

3.5.1 Latente Steuern auf Verlustvorträge

Nach § 274 HGB existiert neben dem Ansatz von latenten Steuern auf Differenzen zwi- schen den handels- und steuerrechtlichen Wertansätzen auch ein Ansatzwahlrecht für ak- tive latente Steuern auf Verlustvorträge. Durch einen Verlustvortrag kommt es zu einer künftigen Steuerminderung, wenn ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet wird. Dies führt zu einem wirtschaftlichen Vorteil für das Unternehmen, da die zukünftige steuerliche Bemessungsgrundlage durch die Verlustverrechnung reduziert wird.49 Außerdem dient die Bildung von aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge einer periodengerechten Er- folgsermittlung und dem Ausweis einer den wirklichen Verhältnissen entsprechenden Vermögens- und Finanzlage im Jahresabschluss.50

Zur Sicherstellung der Nachvollziehbarkeit für Dritte hat der Gesetzgeber festgelegt, dass latente Steuern aber nur dann auf Verlustvorträge gebildet werden dürfen, wenn eine Ver- rechnung innerhalb der nächsten fünf Geschäftsjahre wahrscheinlich ist und das handels- rechtliche Vorsichtsprinzip gewahrt wird.51 Zudem müssen auch etwaige Beschränkun- gen, wie § 10d EStG oder § 8c KStG berücksichtigt werden.52

3.5.2 Latente Steuern auf Zinsvorträge

Auch wenn die Zinsvorträge in § 274 Abs. 1 Satz 4 HGB nicht explizit genannt werden, sind diese aufgrund des Gesetzentwurfs zur Modernisierung des Bilanzrechts53 im Rah- men der aktiven Steuerabgrenzung ebenfalls zu berücksichtigen. Entsprechend der Bil- dung latenter Steuern auf Verlustvorträge können auch aktive latente Steuern auf Zinsvor- träge gebildet werden, wenn die Wahrscheinlichkeit der Realisierung innerhalb der fol- genden fünf Jahre gegeben ist.54

Allerdings werden die Zinsvorträge anlässlich der im Jahr 2008 durchgeführten Unterneh- menssteuerreform, durch die nach § 4h EStG und § 8a KStG aufgenommene Zins- schranke, limitiert. Die Abzugsfähigkeit der Zinsaufwendungen beschränkt sich somit auf die Summe aus Zinsertrag und 30 % des EBITDA, sofern keine Ausnahme55 nach § 4h Abs. 2 Satz 1 Nr. a-c EStG Anwendung findet. 56

3.6 Diskontierungsverbot latenter Steuern

Seit Verabschiedung des BilMoG besteht, wie auch schon nach IAS 12.53, ebenfalls ein explizites Diskontierungsverbot latenter Steuern nach § 274 Abs. 2 Satz 1 HGB.57 Als Begründung für das handelsrechtliche Diskontierungsverbot wird die Erfordernis eines ausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses hervorgebracht.58 Zudem wäre eine Diskon- tierung ohnehin nur unter Berücksichtigung von Ermessensspielräumen möglich. Somit könnten Unternehmen neben dem Diskontierungszeitraum vor allem die Bestimmung ei- nes risikoadäquaten Diskontierungszinssatzes festlegen.59

Die fehlende Diskontierung strahlt sich überwiegend positiv auf die betreffenden Unter- nehmen aus, da sie sich zum einen eine ausführliche Dokumentation und Planung des Verlaufs zeitlich begrenzter Differenzen ersparen. Zum anderen kommt den Unternehmen durch die verbotene Diskontierung eine Überbewertung latenter Steuern zugute, weil die meist überwiegenden aktiven latenten Steuern einen zu hohen Aktivausweis60 zur Folge haben. Demnach kann die Vermögenslage eines Unternehmens vom Gesetz her beschö- nigt und falsch dargestellt werden.61 So wird zum Beispiel bei quasi-permanenten Diffe- renzen ein großer Finanzierungshebel ausgelöst, da die Wirkungen umso langwieriger sind, je weiter der Umkehrzeitpunkt der Steuerlatenz in der Zukunft liegt.62 Allerdings leidet der Grundsatz der Abbildungsgüte unter dem Diskontierungsverbot, da eine kor- rekte Darstellung der Steuermehr- und –minderbelastungen für die Zukunft nicht erreicht wird.63

[...]


1 Vgl. Petersen et al. (DB 2015), S. 1609.

2 Vgl. Krimpmann (2011), S. 15; Vgl. Petersen et al. (DB 2015), S. 1609.

3 Vgl. Herzig/Dempfle (DB 2002), S. 1.

4 Vgl. Krengel (2014), S. 107f.

5 Als „Handelsrecht“ wird im Folgenden die Rechnungslegung nach HGB verstanden. Der Begriff „Handelsbilanz“ bezeichnet die Abschlüsse, die aufgrund der Vorschriften des HGB aufzustellen sind.

6 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 33f.

7 Vgl. Petersen et al. (2010), S. 341-344.

8 Referentenentwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts (http://www.wpk.de/pdf/BMJ_Referenten- entwurf_BilMoG.pdf, zuletzt abgerufen am 13.06.2016).

9 BR-Drucksache 270/09 (Beschluss).

10 BGB1. I 2009, 1102.

11 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 158f.

12 Vgl. Küting/Seel (DB 2009), S. 922.

13 Vgl. Vinken et al. (2011), S. 5.

14 Vgl. Hahn (2009), S. 2.

15 Vgl. Herzig (DB 2012), S. 1344 – 1346.

16 Wermke et al. (2006), S. 589; Stichwort latent.

17 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 31f.

18 Nach § 274 Abs. 1 HGB bestehen für Differenzen aus Vermögenswerten, Schulden und Rechnungsabgrenzungs- posten zwischen den handelsrechtlichen und steuerlichen Wertansätzen ein Ansatzwahlrecht für aktive latente Steu- ern, wenn diese insgesamt eine Steuerentlastung ergeben.

19 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 257f.

20 Nach § 274 Abs. 1 HGB bestehen für Differenzen aus Vermögenswerten, Schulden und Rechnungsabgrenzungs- posten zwischen den handelsrechtlichen und steuerlichen Wertansätzen eine Ansatzpflicht für passive latente Steuern, wenn diese insgesamt eine Steuerbelastung ergeben.

21 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 225.

22 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 31.

23 Vgl. Küting/Seel (DB 2009), S. 923.

24 Vgl. Landgraf, in: Rödl & Partner (Hrsg.), Tax Accounting (2014), S. 95.

25 Zu zeitlich begrenzten Differenzen siehe Kapitel 3.4.1.

26 Zu quasi-permanenten Differenzen siehe Kapitel 3.4.2.

27 Zu permanenten Differenzen siehe Kapitel 3.4.3.

28 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 55-59.

29 Vgl. Baetge et al. (2015), S. 443; Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 183.

30 Vgl. Krimpmann (2011), S. 17.

31 Ein Beispiel für eine erfolgsneutral entstandene Differenz ist zum Beispiel die Neubewertung von Sachanlagen nach IAS 16.29.

32 Vgl. Steinbach, in: Bischoff et al. (Hrsg.), Steuer, Wirtschaft und Recht (2012), S. 57.

33 Vgl. Maier/Weil (DB 2009), S. 2730.

34 Vgl. Steinbach, in: Bischoff et al. (Hrsg.), Steuer, Wirtschaft und Recht (2012), S. 63-68.

35 Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 482.

36 Der anzuwendende Steuersatz setzt sich bei Kapitalgesellschaften aus der Körperschaftsteuer und der Gewerbeer- tragsteuer zusammen. Für Einzelunternehmen und Personenhandelsgesellschaften findet hingegen nur die Gewerbeer- tragsteuer Anwendung. Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 487.

37 Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 482.

38 Vgl. Steinbach, in: Bischoff et al. (Hrsg.), Steuer, Wirtschaft und Recht (2012), S. 64; Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 482.

39 „matching principle“ ist ein zentraler Bilanzierungsgrundsatz der IFRS und US-GAAP zur Aufwands- und Ertrags- abgrenzung.

40 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 334.

41 Vgl. Steinbach, in: Bischoff et al. (Hrsg.), Steuer, Wirtschaft und Recht (2012), S. 66f.; Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 482.

42 Vgl. Mammen, in: Freidank (Hrsg.), Schriften zu Wirtschaftsprüfung, Steuerlehre und Controlling (2011), S. 124.

43 Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 477.

44 Vgl. Petersen et al. (DB 2015), Kapitel V.

45 IDW (1988).

46 Rabeneck/Reichert, DStR (2002), S. 1367. Zwar löst sich die Differenz bei späterer Wertaufholung oder bei Ver- kauf des Grundstücks wieder auf, jedoch ist dieser Zeitpunkt nicht absehbar und kann im Extremfall erst bei Liquida- tion des Unternehmens gegeben sein.

47 Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 476, 491.

48 Vgl. Landgraf, in: Rödl Partner (Hrsg.), Tax Accounting (2014), S. 96.

49 Vgl. Mammen, in: Freidank (Hrsg.), Schriften zu Wirtschaftsprüfung, Steuerlehre und Controlling (2011), S. 144.

50 Vgl. Landgraf, in: Rödl & Partner (Hrsg.), Tax Accounting (2014), S. 118.

51 Vgl. BT-Drucksache 16/10067 S. 67.

52 Nach § 10d Abs. 1 EStG ist ein Verlustrücktrag von maximal 1 Mio. EUR/Jahr möglich. Nach § 10d Abs. 2 EStG ist ein Verlust zeitlich unbegrenzt vortragsfähig. Allerdings besteht ein Mindestbesteuerungsgebot. Verlustvorträge sind bis zu einem Betrag in Höhe von 1 Mio. EUR/Jahr unbeschränkt, darüber hinaus 60% des 1 Mio. EUR überstei- genden Gesamtbetrags der Einkünfte abzugsfähig. Nach § 8c KStG geht ein Verlustvortrag anteilig unter, wenn ein schädlicher Beteiligungserwerb von mehr als 25% bis 50% der Anteile an einer Körperschaft stattgefunden hat. Bei einer Übertragung von mehr als 50% der Anteile ist der vollständige Untergang des Verlustvortrags die Folge.

53 Vgl. BT-Drucksache 16/10067 S. 67.

54 Vgl. Coenenberg et al. (2014), S. 498.

55 Die Zinsschranke unterliegt einer Freigrenze in Höhe von 3 Mio. Euro, vgl. § 4h Abs. 2 Satz 1a EStG. Der Zinsab- zug ist ebenfalls nicht beschränkt, sofern der Betrieb nicht oder nur anteilmäßig zu einem Konzern gehört, vgl. § 4h Abs. 2 Satz 1b EStG oder die Escape-Klausel nach § 4h Abs. 2 Satz 1c EStG greift.

56 Vgl. Landgraf, in: Rödl & Partner (Hrsg.), Tax Accounting (2014), S. 121.

57 Entwurf des deutschen Standardisierungsrat (DSR) (http://www.drsc.de/docs/press_releases/091118_E- DRS24_website.pdf, zuletzt abgerufen am 13.06.2016).

58 Vgl. Ley, in: Hüttemann et al. (Hrsg.), Bonner Schriften (2012), S. 342.

59 Vgl. Schlarmann, in: Marx/Löffler (Hrsg.), Schriften zum Steuer-, Rechnungs- und Prüfungswesen (2011), S. 56.

60 Vgl. Aßmann (2012), S. 123f. Empirische Studie zur Begründung eines Übergewichts aktiv latenter Steuern.

61 Vgl. Schlarmann, in: Marx/Löffler (Hrsg.), Schriften zum Steuer-, Rechnungs- und Prüfungswesen (2011), S. 56f.; Vgl. Maier/Weil (DB 2009), S. 2734.

62 Vgl. Loitz/Rössel (DB 2002), S. 649, 651.

63 Vgl. Maier/Weil (DB 2009), S. 2734.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen latenter Steuern auf die Konzernsteuerquote
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
41
Katalognummer
V508594
ISBN (eBook)
9783346069184
ISBN (Buch)
9783346069191
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, steuern, konzernsteuerquote
Arbeit zitieren
Jens Zink (Autor), 2016, Auswirkungen latenter Steuern auf die Konzernsteuerquote, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508594

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