Gewalt und Aggression gegen Einsatzkräfte. Häufigkeit, Gewaltformen und Notwendigkeit von Schulungen


Studienarbeit, 2019

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Ausgangslage
1.2. Aufbau der Prüfungs- und Studienarbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Was ist Gewalt?
2.2. Was ist Aggression?
2.3. Was bedeutet Retten?
2.4. Wer zählt zu Einsatzkräften?
2.5. Zusammenfassung theoretischer Aspekte

3. Methodisches Vorgehen
3.1. Grundlegende Aspekte zur Methodik
3.2. Forschungsfrage, Suchbegriffe, Datenbanken- und weitere Recherchen
3.3. Datenbanken: Ein- und Ausschlusskriterien sowie Suchstrategie

4. Ergebnisse
4.1. Gewalt und Aggression gegen Polizeibeamte
4.2. Gewalt und Aggression gegen Einsatzkräfte der Feuerwehr
4.3. Gewalt und Aggression gegen Mitarbeiter des Rettungsdienstes
4.4. Gewalt und Aggression gegenüber Notärzten

5. Diskussion
5.1. Schulungen und Qualifizierungsangebote
5.2. Kritische Würdigung zur Methodik der Suche

6. Künftiger Forschungsbedarf und praktische Implikationen

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung

Sie wollen uns helfen, aber werden bedroht und angegriffen. Gewalt und Aggression gegen Einsatzkräfte wird immer alltäglicher; sei es Gewalt gegen Mitarbeiter des Rettungsdienstes, Gewalt gegen Mitarbeiter der Feuerwehr oder gegen Polizeibeamte. Viele Hilfs- und Rettungskräfte sind ehrenamtlich im Einsatz, deshalb sollten diese keine Angst um ihre eigene Gesundheit haben müssen. Das Spektrum der Aggressionen ist dabei sehr vielfältig und breit gefächert.

Aus diesem Grund ist das Ziel dieser Arbeit einen Überblick, über die unterschiedlichen Gewaltformen gegenüber Einsatzkräften, darzustellen. Als Methode wurde eine Literaturrecherche in den elektronischen Datenbanken durchgeführt und wissenschaftliche Publikationen aus Zeitschriften gewählt. Die Ergebnisse zeigen mit welchen unterschiedlichen Gewaltformen sich die Einsatzkräfte in ihrem Berufsalltag auseinandersetzen müssen. Um Situationen schneller und sicher einschätzen zu können, benötigen Einsatzkräfte Schulungen und Qualifizierungsangebote, um ihre Handlungs- und Entscheidungskompetenz zu stärken.

Schlüsselwörter: Gewalt, Aggression Einsatzkräfte, Polizei, Rettungsdienst,

Feuerwehr, Notarzt

1. Einleitung

1.1. Ausgangslage

Vor einigen Jahren war es noch ein ungeschriebenes Gesetz Einsatzkräfte anzugreifen. Die Arbeitsuniform der Rettungskräfte garantierte einen gewissen Schutz vor tätlichen Angriffen (Steil, 2015, S.10). In letzter Zeit haben allerdings die Übergriffe auf Einsatzkräfte drastisch zugenommen. Immer öfter berichten Medien, dass die Retter in der Ausübung ihrer Tätigkeiten behindert werden und einen respektlosen Umgang erfahren. Beschimpfungen, Drohungen oder körperliche Übergriffe durch PatientInnen gehören zum Berufsalltag der Einsatzkräfte. Dennoch geht aggressives Verhalten nicht ausschließlich von Patienten aus. Nicht selten werden Angehörige zur Gefahr für Rettungskräfte, wenn diese mit Maßnahmen am Patienten nicht einverstanden sind oder die Plausibilität in der Krisensituation für die Durchführung von Handlungen nicht verstehen können (Pajonk, D’Amelio, 2008, S.42-43). Gewalttätige Offensiven stellen nicht bloß für Mitarbeiter der Polizei ein Problem dar, auch Beschäftigte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und Notärzte werden „immer öfter mit Respektlosigkeit, Aggressionen, Gewalt und Übergriffen verbaler und körperlicher Art konfrontiert“ (Steil, 2015, S. 9). Wer ausrückt um Leben zu retten, wird plötzlich zur Zielscheibe von Gewalt und Aggression. Nicht nur in den Medien, sondern auch den zuständigen Behörden wird die Problemlage zunehmend bewusster. Dies wurde deutlich als die Gesetzesänderungen des §113 und §114 StGB eingeführt wurden. Damit wurde der Strafrahmen bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte erhöht (§113 StGB). Ebenso werden Hilfeleistende der Feuerwehr und des Rettungsdienstes unter den Schutz der §113 und §114 StGB gestellt; bestraft wird, wer „bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes durch Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt behindert […]“ (§115 StGB Abs. 3).

Der heutige Forschungsstand und die aktuelle Datenlage sind trotz der Medienpräsenz bis heute ein kaum untersuchtes Phänomen. Im Vergleich zum Rettungsdienst und zur Feuerwehr gilt die Studienlage zur Erfassung von Gewalt und Aggression gegen Beamte der Polizei als vergleichsweise gut (Schöch, Dölling, Meier, Verrel, 2017, S.23).

Die Entscheidung über eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zu diesem Thema liegt an einem Unfall einer mir nahestehenden Anästhesistin bei einem Einsatz als Notärztin im letzten Jahr. Ein alkoholisierter Immigrant wollte von ihr nicht behandelt werden und schlug mit einer Flasche auf die Ärztin ein. Er schlug sie bewusstlos und sie zog sich durch den gewalttätigen Übergriff mehrere Gesichtsfrakturen zu, die operativ versorgt werden mussten.

Die PStA wird sich mit der Frage beschäftigen, welchen Formen von Gewalt und Aggression Rettungs- und Einsatzkräfte in ihrem beruflichen Alltag ausgesetzt sind.

1.2. Aufbau der Prüfungs- und Studienarbeit

Anschließend an die Einleitung werden theoretische Grundlagen zu Gewalt und Aggression erklärt. Zudem wird die Fragen beantwortet wer zu Rettungs- und Einsatzkräften zählt und was unter dem Begriff ‚Rettung‘ zu verstehen ist. Das dritte Kapitel, methodisches Vorgehen, beschreibt die verwendeten Schlüsselwörter, welche Datenbanken zur Recherche genutzt wurden und die Ein- und Ausschlusskriterien für die Studienauswahl. Anschließend beschäftigt sich der Ergebnisteil mit den Formen von Gewalt und Aggression gegenüber Mitarbeitern der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und Notärzten. In der Diskussion wird gezeigt, dass noch ein erhöhter Schulungsbedarf besteht.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Was ist Gewalt?

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, sondern nur eine Vielfalt von Begriffsangeboten. Der Begriff Gewalt wird je nach Zusammenhang unterschiedlich definiert (Gudehus, Christ, 2013, S.1). Der Soziologe, Heinrich Popitz, (1992) definiert Gewalt als eine direkte, gegen den Körper gerichtete Verletzungshandlung; jeder Mensch kann Gewalt ausüben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gewalt hingegen wie folgt: „Gewalt ist der absichtliche Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichem Zwang oder physischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, der entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklungen oder Deprivation führt“ (WHO, 2003, S.6).

Nach einem Urteil vom Bundesgerichtshof (BGH) ist juristische Gewalt „der körperlich wirkende Zwang durch die Entfaltung von Kraft […] oder durch eine physische Einwirkung sonstiger Art, die nach ihrer Zielrichtung, Intensität und Wirkungsweise dazu bestimmt und geeignet ist, die Freiheit der Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen aufzuheben oder zu beeinträchtigen […]“ (i. S. d. §240 StGB).

2.2. Was ist Aggression?

Bei dem Begriff der Aggression sind in der Wissenschaft ebenfalls verschiedene Definitionen zu finden.

Aggression ist: „jegliche Form verbalen, nonverbalen oder körperlichen Verhaltens, welches für den Patienten selbst, andere Personen oder deren Eigentum eine Bedrohung darstellt oder körperliches Verhalten, wodurch der Patient selbst, andere Personen oder deren Eigentum zu Schaden gekommen sind“ (Schirmer, Mayer, Vaclav, Papenberg, Martin, Gaschler, Özköylü, 2009, S.10).

„Im Verlauf jeder Krankheit, Pflege und Betreuung gibt es Phasen, in denen Aggression entstehen kann. Ängste, Autonomie- und Selbstwertverluste, Existenzsorgen, persönliche Krisen, Schmerzen, Wut […] belasten den Patienten. Er ist verletzlich, hilflos und empfindlich. Diese Kombination erzeugt ein Spannungsfeld, in dem der Betroffene schon auf banale Kleinigkeiten aggressiv reagieren kann“ (Ziegenfelder, 2017, S.13). Aggression entsteht also häufig im Umgang mit anderen Menschen. Jedoch kann die Frage, ob ein Verhalten aggressiv ist oder nicht, nur individuell beantwortet werden, denn „während eine körperliche Schädigung, also zum Beispiel ein blaues Auge oder ein körperlicher Schmerz, noch einigermaßen objektiv beurteilt werden kann, ist ein psychischer Schmerz, wie Angst, Schlafstörungen […], nur aus Perspektive des Opfers selbst zu bestimmen“ (Schirmer et al., 2009, S.10).

2.3. Was bedeutet Retten?

Im Bereich der Feuerwehr wird das Retten als „Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes“ (DIN 13050) von „Menschen und Tieren durch lebensrettende Sofortmaßnahmen, die sich auf Erhaltung bzw. Wiederherstellung von Atmung, Kreislauf und Herztätigkeit richten“ (Kemper, 2007, S.53) „und/oder Befreiung aus einer lebensbedrohenden Zwangslage“ (DIN 13050) beschrieben.

2.4. Wer zählt zu Einsatzkräften?

„Einsatzkräfte verstehen sich als Mitwirkende in einem organisierten Hilfeleistungssystem. […] Dabei verstehen sich Einsatzkräfte in der Rolle als Helfende und sind bereit, ihre Zeit für die Hilfeleistung zur Verfügung zu stellen“ (Deutsches Rotes Kreuz, 2018, S.1). Einsatzkräfte im Rettungswesen sind z. B: „Notarzt, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter, Rettungshelfer bzw. Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner im Rettungsdienst. In der Gruppe der Feuerwehr beim Brandeinsatz wurden Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner zusammengefasst“ (Feltes, Weigert, 2018, S.20), die im reinen Feuerwehrdienst tätig sind. Auch Mitarbeiter der Polizei zählen zu Einsatzkräften.

2.5. Zusammenfassung theoretischer Aspekte

Seit einiger Zeit sind Polizeibeamte, Mitarbeiter der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und Notärzten im Einsatz bei Rettungsmaßnahmen mit Gewalt und Aggression konfrontiert. Oftmals werden die Begriffe Aggression und Gewalt im Sprachgebrauch gleichbedeutend verwendet. Jedoch sind nicht alle Fälle von Aggression auch Gewalt, aber die Anwendung von Gewalt stellt immer eine Form von aggressivem Verhalten dar (Krahé, 2014, S.318).

3. Methodisches Vorgehen

3.1. Grundlegende Aspekte zur Methodik

Um die Forschungsfrage beantworten zu können, wurde eine Literaturrecherche in den elektronischen Datenbanken PubMed, CINAHL und Carelit vorgenommen. Unter der Zuhilfenahme der Suchmaschine Google Scholar wurde zusätzlich nach geeigneten Veröffentlichungen gesucht. Um einen Überblick über das Thema zu bekommen, wurde die Fragestellung in einzelne Komponenten zerlegt und die Suchbegriffe für die Recherche festgelegt.

3.2. Forschungsfrage, Suchbegriffe, Datenbanken- und weitere Recherchen

Ziel der Studienarbeit ist der Vergleich der Aggressions- und Gewaltformen gegenüber von Polizeibeamten, Einsatzkräften der Feuerwehr und den Notärzten in Deutschland. Im Rahmen dieser PStA soll die folgende Frage beantwortet werden:

Welchen Formen von Gewalt und Aggression sind Einsatzkräfte in ihrem Alltag ausgesetzt?

Bei der Recherche zum Thema Gewalt für die Erarbeitung der soziologischen Schlüsselbegriffe, stieß ich auf das Thema Gewalt und Aggression gegenüber Einsatzkräften. Bei einer genaueren Analyse zu diesem Thema fiel auf, dass in Deutschland nur eine sehr geringe Datenlage vorliegt. Aus diesem Grund habe ich die Studienarbeit genutzt um herauszufinden, worin sich die Gewaltformen bei den jeweiligen Einsatzkräften unterscheiden. Um einen Überblick des Themas zu bekommen, wurden neben den Suchbegriffen auch Synonyme für die Recherche festgelegt.

Für die Übersetzung von Suchbegriffen und Synonymen in die englische Sprache wurde das „Leo-Online-Wörterbuch“ verwendet. Die verwendeten Suchbegriffe sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 1 : Suchbegriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3. Datenbanken: Ein- und Ausschlusskriterien sowie Suchstrategie

Die Recherche wurde im Zeitraum von Juli bis August 2019 durchgeführt. Anfangs wurde ausschließlich nach deutschsprachiger Literatur gesucht, weil die Vermutung existierte, dass nur wenige englischsprachige Forschungsarbeiten auf Deutschland bezogen vorhanden sind. Nach einer nicht sehr ergiebigen deutschsprachigen Recherche wurde die Suche auch im englischsprachigen Bereich fortgesetzt. Die in der nachfolgenden Tabelle 2 aufgeführten Ein- und Ausschlusskriterien wurden in einer ersten nicht-systematischen Recherche entwickelt und anschließend zur Datenbankrecherche verwendet. Der Fokus der Recherche lag auf Gewalt und Aggression gegen Einsatzkräfte in Deutschland. Ausgeschlossen wurden Forschungsarbeiten und Studien, die sich mit dem Fachgebiet der Psychiatrie und der Gerontopsychiatrie beschäftigten. Ausgeschlossen wurden auch Studien, die sich mit AllgemeinmedizinerInnen und praktizierenden ÄrztInnen beschäftigten. Die Auswahl erfolgte anhand der Abstracts.

Die Recherche zur Forschungsfrage erfolgte anhand folgender Ein- und Ausschlusskriterien:

Tabelle 2 : Ein- und Ausschlusskriterien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den Datenbanken PubMed und CINAHL wurde anhand von MeSH-Terms und CINAHL-Headings in Kombination mit dem Freitext gesucht. In CINAHL wurden die Titel und die Abstracts von sechs Treffern durchgesehen, davon wurden nach Prüfung der Ein- und Ausschlusskriterien eine näher begutachtet. Jedoch war aufgrund der Ein- und Ausschlusskriterien keine Forschungsarbeit verwendbar. In PubMed wurden ebenfalls Titel und Abstracts von 62 Forschungsarbeiten durchgesehen und davon zwei näher begutachtet. Jedoch war aufgrund der Ein- und Ausschlusskriterien keine verwendbar. In Bib.net wurden fünf Treffer gefunden und einer näher betrachtet. Anhand der Ein- und Ausschlusskriterien konnte diese nicht verwendet werden. In Carelit war bezüglich des Themas anhand der Suchbegriffe keine Volltextbeschaffung möglich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gewalt und Aggression gegen Einsatzkräfte. Häufigkeit, Gewaltformen und Notwendigkeit von Schulungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V508726
ISBN (eBook)
9783346073532
ISBN (Buch)
9783346073549
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Aggression, EInsatzkräfte, Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, Notarzt
Arbeit zitieren
Vivien Fankhänel (Autor), 2019, Gewalt und Aggression gegen Einsatzkräfte. Häufigkeit, Gewaltformen und Notwendigkeit von Schulungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508726

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