Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie

Unterschiede des neoklassischen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen


Projektarbeit, 2019
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Begriffe und Grundlagen
2.1 Paradigma
2.2 Neoklassische Ökonomie
2.3 Heterodoxe Ökonomie

3 Kritische Auseinandersetzung
3.1 Kritik am vorherrschenden Paradigma
3.2 Alternative Wirtschaftstheorien

4 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Relevanz des Themas

Sowohl Befürworter als auch Kritiker setzen sich bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der neoklassischen Ökonomie auseinander1. Diese ist bis heute die vorherrschende volkswirtschaftliche Denkschule der Wirtschaftswissenschaften2. Dass die Aktualität dieses Themas bis in das 21. Jahrhundert nicht verloren geht, wird durch die Forderung der Studenten der Harvard University, dass es Zeit wird, die Ökonomie weiterzuentwickeln, deutlich. Durch die schlechte Vorhersehbarkeit von Krisen mit Ausmaß auf die gesamte Weltwirtschaft, wie der Weltfinanzkrise 2007 bis 20093 und der Eurokrise 20104, und die langsame Entwicklung von Gegenmaßnahmen um den Problemen entgegen zu wirken wird die Debatte der neoklassischen Ökonomie in breiten Teilen der Bevölkerung verstärkt.

Die mangelnde Überzeugung von der neoklassischen Ökonomie von Studenten auf der ganzen Welt, führt zu einer Forderung von alternativen Lehrangeboten. Dementsprechend wird sich für die heterodoxe Ökonomie eingesetzt.5 Am 16. Mai 2011 gründete sich vor diesem Hintergrund die „World Economics Association (WEA)"6. Ein Ableger der WEA in Deutschland ist eine Initiative von Studierenden der pluralen Ökonomie. Diese forderten in einem offenen Brief unter anderem Theorien- und Methodenvielfalt in Lehre und Forschung, Integration pluraler Lehrbücher und eine Besetzung von mindestens 20 % der Lehrstühle mit heterodoxen Ökonomen und Ökonominnen.7

Befürworter der neoklassischen Ökonomie werfen den Kritikern vor, dass die vorgetragenen Bedenken auf Missverständnissen und Unkenntnis beruhen. Der neoklassische Mainstream geht nicht davon aus, dass die Idealbedingungen stets erfüllt sind, sondern die Bedingungen als Vergleichsmaßstab betrachtet werden, um Marktfehler zu analysieren.8

Das Problem liegt in der Auseinandersetzung zwischen den unterschiedlichen Paradigmen. Hierbei kommen Schlagworte wie, Theorienvielfalt statt geistiger Monokultur, Methodenvielfalt statt angewandter Mathematik und Selbstreflexion statt unhinterfragter, normativer Annahmen, auf9. Die Ansätze der Kritiker des neoklassischen Mainstreams sind dabei ganz unterschiedlich. Das Problem ist hierbei jedoch nicht die Auseinandersetzung selbst, sondern eher die Frage „Was ist der richtige Ansatz?" bzw. „Gibt es überhaupt diesen richtigen Ansatz?".

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Unterschiede zwischen der neoklassischen und der heterodoxen Denkschule aufzuzeigen und zu begründen. Hierzu wird auf die Konzepte der vollständigen Rationalität und des methodologischen Individualismus eingegangen und sich mit den verschiedenen Argumenten auseinandergesetzt und eingeordnet. Zudem wird die Frage beantwortet, ob Menschen rational handeln. Darauf aufbauend werden diverse Alternativen zur neoklassischen Ökonomie erörtert.

Die Arbeit ist in vier Kapitel untergliedert. Kapitel 1 stellt die Problemstellung, die Relevanz des Themas, sowie die Zielsetzung dar. Begriffliche Grundlagen, wie „Paradigma", „neoklassische Ökonomie" und „heterodoxe Ökonomie" werden in Kapitel 2 beschrieben. Im Hauptteil der Arbeit, Kapitel 3, erfolgt die Untersuchung der Kritik am vorherrschenden Paradigma. Alternative Wirtschaftstheorien werden im Anschluss aufgezeigt. Die Arbeit endet mit Kapitel 4 in dem die Arbeit zusammengefasst und ein Fazit gezogen wird.

2 Begriffe und Grundlagen

2.1 Paradigma

Was unter dem Begriff „Paradigma" verstanden wird, ist wichtig für das weitere Verständnis des Themas. Der US-amerikanische Wissenschaftsphilosoph Thomas Samuel Kuhn (19221 bis 1996) gilt als Begründer des Paradigmenbegriffs10. Ein Paradigma ist laut ihm eine allgemein anerkannte wissenschaftliche Leistung, die für eine gewisse Zeit einer Gemeinschaft maßgebende Probleme und Lösungen liefert. Einerseits steht dieser Begriff für die Konstellationen von Meinungen, Werten, Methoden usw., die von Mitgliedern einer gegebenen Gemeinschaft geteilt werden. Eine wissenschaftliche Gemeinschaft besteht aus Menschen, die ein Paradigma teilen, und umgekehrt ist ein Paradigma das, was den Mitgliedern einer wissenschaftlichen Gemeinschaft gemeinsam ist.11 Geht ein altes Paradigma in ein neues Paradigma über, so wird das als wissenschaftliche Revolution bezeichnet.12

2.2 Neoklassische Ökonomie

Die neoklassische Ökonomie wird auch orthodoxe Ökonomie oder Mainstream-Ökonomie bezeichnet13 und hat ihren Ursprung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu Zeiten der marginalen Revolution. Als Folge der klassischen Nationalökonomie, welche im Jahr 1776 durch das Erscheinen von Adam Smith's „An Inquiry into the Nature and Causes oft he Wealth of Nation" wurde diese Ökonomie begründet. Die wesentlichen Prinzipien sind die Abstinenz des Staates, die These von der Tendenz zum Gleichgewicht, das Prinzip des Selbstinteresses und das Problem der Einkommensverteilung.14 Zudem setzt die klassische Nationalökonomie darauf, dass Preise durch die Schwierigkeit der Produktion bestimmt werden. Der Brite William Stanley Jevons (1835-1882), Alfred Mashall (1842-1924), der Österreicher Carl Menger (1840-1921) und der Franzose Léon Walras (1834-1910) gelten als Pioniere der neoklassischen Ökonomie. Sie entwickelten zeitgleich und unabhängig voneinander verschiedene Erklärungsansätze für die Neoklassik.15 Die optimale Verteilung der Ressourcen (Allokation), das Bestehen von Gleichgewichten, die Konzepte der Grenzproduktivität und des Grenznutzens (Gossen'sche Gesetze, Marginalprinzip), die Maximierung des Gewinns für Unternehmen sowie der Nutzen für die Haushalte sind wichtige Merkmale des neoklassischen Paradigmas.16

Vollkommene Märkte und das rationale Handeln der Menschen (homo oeconomicus) werden von diesen Charakteristika bei den Entscheidungs- und Optimierungsprozessen stets vorausgesetzt. Vollkommene Märkte sind gekennzeichnet durch die Nutzenmaximierung der Konsumenten, vollkommene Markttransparenz, unendlich große Reaktionsgeschwindigkeit, Homogenität der Güter und nicht vorhandene staatliche Eingriffe.17 Der Mensch wird von dem Konstrukt des homo oeconomicus, ausgehend von den Merkmalen eines vollkommenen Marktes, vereinfacht als Optimierer unter Nebenwirkungen beschrieben. Dieses Verhalten wird mit Rationalität gleichgesetzt. Irrationales Verhalten ist laut Definition, wenn Akteure ihren Nutzen nicht maximieren. Staatliche Eingriffe werden dabei als überflüssig betrachtet. Ein Eckpfeiler der neoklassischen Ökonomie wird von dem Konzept des methodologischen Individualismus gebildet. Demnach sind alle ökonomischen Phänomene anhand individueller Handlungen erklärbar. Der Markt regelt sich selbst, da Entscheidungen immer von Individuen getroffen werden und auch in diesem Sinn handeln.18

Zusammenfassend werden die Grundannahme zu vollkommenen Märkten und dem homo oeconomicus als vollständige Rationalität bezeichnet. Mit dieser vollständigen Rationalität ist die Berechenbarkeit der Akteure verbunden. Ausgehend auf diesen Annahmen stützt sich die neoklassische Ökonomie auf eine Vielzahl von mathematischen Modellen, mit denen Gleichgewichtsanalysen erstellt werden.19

2.3 Heterodoxe Ökonomie

Um Unterschiede zwischen den verschiedenen Ansätzen der Denkschulen zu verdeutlichen, folgen Ausführungen zur heterodoxen Ökonomie. In der Literatur existierende Synonyme für die heterodoxe Ökonomie sind u.a. die Begriffe „plurale Ökonomie" und „nicht-orthodoxe Ökonomie". Unter der neoklassischen Ökonomie wird eine bestimmte wirtschaftswissenschaftliche Richtung verstanden. Im Gegensatz hierzu bezeichnet die heterodoxe Ökonomie als Überbegriff die verschiedenen ökonomischen Theorien und Denkschulen, die sich abseits der neoklassischen Ökonomie befinden. Die heterodoxe Ökonomie kann somit als Gegenbewegung zum vorherrschenden neoklassischen Paradigma verstanden werden.20 Die heterodoxen Strömungen gelten jedoch nicht ausschließlich als Gegenbewegung, sondern werden auch als eigenständige Alternativen angesehen. Demnach ist die heterodoxe Ökonomie nicht als negativer, oppositioneller Begriff oder als einen Dual zur Mainstream-Ökonomie definiert, sondern als eine positive Alternative davon. Wenn die neoklassische Ökonomie verschwindet, wird die heterodoxe Ökonomie davon nicht betroffen sein.21

Die Pluralität der Denkschulen, Interdisziplinarität, Beachtung sozialer Phänomene und die Ablehnung mathematischer-formaler Deduktion als alleinige Methode sind wichtige Prinzipien der heterodoxen Ökonomie.22 Zur Entwicklung von eigenen Analysen und Lösungsansätzen, versucht die heterodoxe Ökonomie einen neuen Blickwinkel auf bekannte Probleme zu schaffen. Zu diesen Ansätzen zählen bspw. die Feministische Ökonomik, Experimentelle Ökonomik, Komplexitätsökonomik, Keynesianische Ökonomik, Institutionenökonomik, Ökologische Ökonomik oder die Marxistische Ökonomik. Die Gemeinsamkeit aller dieser Theorien ist, dass sie die neoklassische Ökonomie mit deren Grundsätzen ablehnen.23 Der homo oeconomicus ist kein Bestandteil des heterodoxen Ansatzes. Stattdessen wird von anderen Menschenbildern ausgegangen, wodurch auch der Anteil an mathematischen Berechnungen deutlich geringer ist.24

[...]


1 Vgl. Oppitz, Weigele (2014), Seite 57 f.

2 Vgl. Deimling (2018), Seite 6.

3 Vgl. Glebe (2009), Seite 1 ff.

4 Vgl. Illig (2013), S. 63 ff.

5 Vgl. Zürcher Studierendenzeitung (2013), online im Internet.

6 Vgl. Dellheim (2011), online im Internet.

7 Vgl. Studierende und Lehrende der Volkswirtschaftslehre (2012), online im Internet.

8 Vgl. Süddeutsche Zeitung (2014), online im Internet.

9 Vgl. Herles (2013), S. 22 ff.

10 Vgl. Schrader, Hansen (2001), S. 50.

11 Vgl. Rohrmann (2011), S. 73.

12 Vgl. Kuhn (1962), S. 10 ff.

13 Vgl. Reutlinger, Kessl (2019), S. 111 f.

14 Vgl. Stavenhagen (1964), S. 52 ff.

15 Vgl. Felderer, Homburg (2003), S. 26 f.

16 Vgl. Söllner (2012), S. 42 f.

17 Vgl. Cezanne (2005), S. 156 f.

18 Vgl. Söllner (2012), S. 43 f.

19 Vgl. Lüthy (2016), S. 106 ff.

20 Vgl. Lawson (2005), S. 483 ff.

21 Vgl. Lee (2012). S. 339.

22 Vgl. Hirte, Thieme (2013), S. 13.

23 Vgl. Plurale Ökonomik (o.J.), online im Internet.

24 Vgl. Kesting, Biesecker (2003), S. 126.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie
Untertitel
Unterschiede des neoklassischen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V508768
ISBN (eBook)
9783346083401
ISBN (Buch)
9783346083418
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neoklassik, ökonomie, unterschiede, paradigmas, ansätzen
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508768

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