Bedeutung der Sizilienexpedition Athens für den Verlauf des Peloponnesischen Krieges


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Ziele der Sizilienexpedition
2.2 Verlauf der Expedition
2.2.1 Hermen- und Mysterienfrevel
2.2.2 Athens Angriff auf Syrakus
2.2.3 Rückzug und Niederlage Athens
2.3 Bedeutung des Scheiterns bei Thukydides
2.4 Folgen der Expedition
2.4.1 Besetzung Dekleias während der Sizilienexpedition
2.4.2 Verlust an Soldaten, Schiffen und Mitteln
2.4.3 Innenpolitische Folgen
2.4.4 Außenpolitische Folgen

3. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den Jahren 431 bis 404 v.Chr. fand der Peloponnesische Krieg statt. Auf der einen Seite stand Athen mit dem Attisch-Delischen Seebund, auf der Anderen Sparta mit dem Peloponnesischen Bund. Innerhalb dieses Krieges unternahm Athen in den Jahren 415 bis 413 die Sizilienexpedition, die gänzlich scheiterte.[1] Thukydides bewertete das Scheitern der Unternehmung folgendermaßen:

„Dieses so kann man resümieren, war das größte Unternehmen im Verlauf dieses Krieges, ich würde sogar sagen, das größte von allen, die wir aus Hellas vom Hörensagen kennen – schönster Glanz für die Sieger, bitterstes Unglück für die Vernichteten“[2]

Er beschreibt die Sizilienexpediton als größtes Unternehmen des Krieges und spricht davon, dass Athen bei dieser Unternehmung vernichtet worden sei. Dennoch dauerte der Konflikt zwischen Sparta und Athen weitere neun Jahre an.[3] Athen begann die Expedition nach Sizilien zur Zeit des Nikiasfriedens, der seit 421 galt, aber durch anhaltende Spannungen zwischen Athen und Sparta geprägt war.[4] Gesandte der mit Athen verbündeten Polis Segesta baten Athen um Unterstützung gegen Selinus, welche wiederum unter dem Schutz von Syrakus stand.[5] Athen entsandte daraufhin eine große Flotte gegen Syrakus.[6] Syrakus war eine korinthische Kolonie. Korinth selber war Mitglied des Peloponnesischen Bundes und so wurde der Spartiat Gylippos als Harmost entsandt, um mit korinthischer Hilfe Syrakus zu unterstützen.[7] Im Jahr 414, kurz nach dem Beginn der Sizilienexpedition, brach der offene Krieg mit Sparta wieder aus.[8] Athen sah sich nun mit einem Krieg an zwei Fronten konfrontiert. Die Unternehmung endete mit einer verheerenden Niederlage für die Truppen Athens und ihrer Bündner in Sizilien. Die Gesamte entsandte Streitmacht war entweder tot oder gefangengenommen.[9]

Athen erlitt also eine schwere Niederlage, mit weitreichenden Folgen in Sizilien. Im Folgenden wird nun untersucht, ob die Niederlage in Athen letztlich entscheidend für den Ausgang des Peloponnesischen Krieges, und damit Athens Niederlage, war. Dazu werde ich zunächst die Quellen nennen, derer ich mich zur Beantwortung dieser Frage bedient habe. Dann soll ein Überblick zum Forschungsstand, betreffend diese Frage gegeben werden. Es wird ein Überblick über die Ziele Athens in Sizilien gegeben, zudem soll der Verlauf knapp skizziert werden. Daraufhin wird Thukydides Bewertung der Bedeutung Sizilienexpedition genauer betrachtet. Anschließend werden die verschiedenen Auswirkungen der gescheiterten Expedition betrachtet, um schließlich zu einem Fazit zu kommen.

Zur Beantwortung meiner Fragestellung nutze ich hauptsächlich die Berichte von Thukydides. Dabei beziehe ich mich größtenteils auf sein siebtes und achtes Buch, nutze jedoch auch einige Auszüge aus den vorherigen Büchern. Thukydides wurde 455 in Athen geboren und erlebte den Peloponnesischen Krieg als Zeitzeuge. In den Jahren 424/23 war er sogar selbst Strategos, verlor jedoch nach einer Niederlage sein Kommando und ging daraufhin für 20 Jahre ins Exil. 413 konnte er zurückkehren und die Forschung geht davon aus das er sich im Jahr 411 sicher in Athen befunden habe. Im selben Jahr reißt sein Werk abrupt ab. Jedoch sei dies nicht durch seinen Tod begründet gewesen.[10] Zudem nutze ich einen Auszug aus Xenophons Hellenica, die sich direkt an die Werke von Thukydides anschließt.

Der bisherige Forschungsstand sieht die Sizilienexpedition als bedeutendes Ereignis im Peloponnesischen Krieg an, jedoch meist nicht als kriegsentscheidend. So schreibt zum Beispiel Perez diesbezüglich: „The defeat and loss of the Sicilian expedition was a tremendous material and political blow to Athen‘s imperial position.“[11] Perez hält dem jedoch entgegen, dass der Krieg dennoch weitere neun Jahre angedauert habe.[12] Josiah Ober kommt zu dem Schluss, dass die Spartaner zwar aufgrund der Sizilienexpedition Athens Dekleia besetzen konnten, jedoch seien sie nicht in der Lage gewesen einen entscheidenden Vorteil aus der Situation 413 zu ziehen. Er sieht den Hauptgrund für die Niederlage Athens in der Zögerlichkeit der athenischen Feldherren bei Aegospotami 405.[13] Bruno Bleckmann sieht die Folgen der Expedition als schwerwiegend, allerdings nicht als kriegsentscheidend an. Er macht die innerpolitischen Zerwürfnisse Athens verantwortlich für die Niederlage.[14] Auch Donald Kagan sieht die Sizilienexpedition nicht als kriegsentscheidendes Ereignis an „Unlike any other Greek state, Athens had the resources to continue fighting after such a disaster.“[15]

2. Hauptteil

2.1 Ziele der Sizilienexpedition

In der Literatur finden sich verschiedene Ansichten zu den Beweggründen und Zielen Athens, die Athen mit der Sizilienexpedition verfolgte. Thukydides selbst stelle den Angriff auf Syrakus als Beispiel für das imperialistische Verhalten Athens dar.[16] Ian Moxon vergleicht die Angriffe auf Syrakus und Melos und kommt zu dem selben Schluss wie Thukydides. Beide Poleis seien zum Zeitpunkt der Angriffe nicht direkt mit Sparta verbündet gewesen. Darin sieht er ein Anzeichen für die imperialistischen Beweggründe Athens.[17] Nach Kagan habe Athen etwas unternehmen müssen um das verschobene Machtgleichgewicht und Ansehen wieder anzugleichen, nachdem Sparta 415 bei Mantinea gesiegt hatte.[18] George Cawkwell sieht die Gründe Athens darin, dass von Syrakus eine Gefahr für Athen ausgegangen sein soll. Da Syrakus eine Kolonie Korinths war, welche wiederum Mitglied des Peloponnesischen Bundes war, habe die Gefahr bestanden, dass Syrakus sich auf die Seite der Spartaner schlagen könnte. Diese Angst habe jedenfalls bei den Athenern bestanden. Zudem sei es Ziel Athens gewesen, durch den Angriff auf Syrakus die Kornzufuhr aus dem Westen zu unterbinden.[19] Schubert schreibt die Unternehmung vor allem Alkibiades zu, der die Volksversammlung Athens von der Unternehmung überzeugt habe. Dieser habe sich davon einen persönlichen Machtzuwachs versprochen.[20] Es ist eindeutig, dass Athen keines der gesetzten Ziele erreichte, da der Feldzug in einem völligen Fehlschlag endete.

2.2 Verlauf der Expedition

2.2.1 Hermen- und Mysterienfrevel

416 wurde in der Volksversammlung Athens der Beschluss zur Sizilienexpedition gefasst. Die Expeditionsflotte bestand aus 124 Trieren mit 25.000 Mann Besatzung. In der Nacht vor dem Auslaufen der Flotte wurden in Athen alle Hermenstelen beschädigt. Dies wurde in Athen als Anzeichen eines bevorstehenden oligarchischen Putsches wahrgenommen. Es kam zu vielen Beschuldigungen und Verdächtigungen. Unter anderem wurde auch Alkibiades beschuldigt, auf dessen Betreiben die Sizilienexpediton unternommen worden sei. Alkibiades war als Strategos eingesetzt und lief zur Expediton aus während er mit einer Anklage rechnen musste. In Sizilien angekommen wurde er zurück nach Athen gerufen um sich einer Anklage zu stellen. Stattdessen floh er nach Sparta.[21]

2.2.2 Athens Angriff auf Syrakus

Im Jahr 415 v.Chr. landete die Flotte unter der Leitung von Nikias im Hafen von Syrakus.[22] Syrakus sandte daraufhin Abgesandte nach Korinth und Sparta, mit der Bitte um Hilfe und der Forderung den Krieg im Kernland Griechenlands fortzusetzen. Sparta entsandte nur eine kleine Unterstützung. Diese bestand aus 4 Schiffe, 2 Korinthischen und Lakonischen, die jedoch nur mit Heloten und Periöken, nicht mit Spartanern besetzt waren. Diese Unterstützung stand unter dem Befehl des Spartiaten Gylippos. Im darauffolgenden Jahr 414 begann die Belagerung von Syrakus. Noch im selben Jahr entbrannte auch der Krieg zwischen Sparta und Athen im Kernland Griechenlands von neuem. Gylippos reiste nicht direkt nach Syrakus. Er landete in Himera an, wo er Unterstützung durch sizilische Poleis erhielt. Er brach schließlich mit 3000 Fußsoldaten und 200 Berittenen nach Syrakus auf.[23] Seine Ankunft habe die Moral der Syrakuser gesteigert. Kagan vermuter hier auch, dass die Ankunft Gylippos Nikias verunsicherte und ihn so zu Fehlern bewegte.[24] Die erste Schlacht verloren die Syrakuser unter der Führung von Gylippos, jedoch errangen sie danach eine Reihe von Siegen. Nikias schickte daraufhin ein Gesuch nach Athen und erbat weitere Unterstützung, die er auch erhielt. Diese Unterstützung stand unter dem Befehl von Demosthenes. Dennoch gelang es den Athenern nicht die Oberhand zu gewinnen.[25] Unterdessen gelang es Gylippos eine Armee aus Freiwilligen in Sizilien zu sammeln.[26] Zudem bekam er Verstärkung, bestehend aus 600 Schwerbewaffneten Heloten und Neubürgern, die aus Sparta entsandt worden waren.[27]

[...]


[1] Vgl. Schmitz, Winfried (Bielefeld), “Peloponnesischer Krieg”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik,, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 16 July 2019 http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e912670.

[2] Thuk. 7,87,5.

[3] Vgl. Schmitz, W., Peloponnesischer Krieg.

[4] Vgl. Schubert, C., Athen und Sparta in klassischer Zeit. Ein Studienbuch, Berlin 2011, S. 173.

[5] Vgl. Kagan, D., The Peace of Nicias and the Sicilian Expedition, New York 1981, S.159.

[6] Vgl. Schubert, C., Athen und Sparta in klassischer Zeit, S.174.

[7] Vgl. Thommen, L., Sparta. Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis, Stuttgart 2017, S. 139.

[8] Vgl. Schubert, C., Athen und Sparta in klassischer Zeit, S. 177.

[9] Vgl. Thuk. 7,85-87.

[10] Vgl. Canfora, L., Biographical obscurities and Problems of Composition, in: A. Rengakos – A. Tsakmakis (Hrsg.), Brill’s Companion to Thucydides, Boston 2006, S. 12-20.

[11] Perez, Z., Thucydides. An Introduction fort he Common Reader, New Jersey 2005, S.124.

[12] Vgl. ebd., S.124.

[13] Vgl. Ober, J., Das Antike Griechenland. Eine neue Geschichte, Stuttgart 2016, S. 312-314.

[14] Vgl. Bleckmann, B., Athens Weg in die Niederlage. Die letzten Jahre des Peloponnesischen Kriegs, Stuttgart – Leipzig 1988 (Beiträge zur Altertumskunde 99), S. 317-321.

[15] Kagan, D., The Peace of Nicias and the Sicilian Expedition, S. 353.

[16] Vgl. Greenwood, E., Thucydides on the Sicilian Expedition, in: R. K. Balot u.a. (Hrsg.), The Oxford Handbook of Thucydides, Oxford 2018, S. 167.

[17] Vgl. Moxon, I., Sicily and Italy in the Peloponnesian War, Mnemosyne 33 (1980), S. 298.

[18] Vgl. Kagan, D., The Peace of Nicias and the Sicilian Expedition, S. 167.

[19] Vgl. Cawkwell, G., Thucydides and the Peloponnesian War, New York 1981, S. 87-88.

[20] Vgl. Schubert, C., Athen und Sparta in klassischer Zeit, S. 173.

[21] Vgl. ebd., S. 174-176.

[22] Vgl. ebd., S. 176

[23] Vgl. Kagan, D., The Peace of Nicias and the Sicilian Expedition, S. 249- 272.

[24] Vgl. ebd., S. 273.

[25] Vgl. ebd., S. 275-315.

[26] Vgl. Thuk. 7,50,1.

[27] Vgl. Thuk. 7,19,3

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bedeutung der Sizilienexpedition Athens für den Verlauf des Peloponnesischen Krieges
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V508848
ISBN (eBook)
9783346083630
ISBN (Buch)
9783346083647
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, sizilienexpedition, athens, verlauf, peloponnesischen, krieges
Arbeit zitieren
Nils Spiekermann (Autor), 2019, Bedeutung der Sizilienexpedition Athens für den Verlauf des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508848

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