Was waren die Motive der in Deutschland lebenden Bevölkerung im Jahre 2015, gewalttätig gegen Flüchtlinge bzw. Asylsuchende vorzugehen?
Untersucht werden soll lediglich Gewalt gegen Personen, auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Auch Gewalt gegen Sachen (Beschädigungen von Einrichtung zur Aufnahme von Asylsuchenden etc.) unterfallen indirekt der Forschungsfrage, denn als Gewalt wird in diesem Zusammenhang „eine psychische und/ oder physische Beeinträchtigung bzw. Schädigung der körperlichen und/ oder geistigen Unversehrtheit von Menschen“ (Kerber/Schmieder 1984) verstanden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Forschungsproblem
2 Forschungsfrage
3 Forschungsstand
4 Methode: Literaturanalyse
5 Theoretischer Rahmen und Analyse
5.1 Konflikt-Theorie
5.2 Rational-Utilitarian-Theorie
5.3 Tradition nach Durkheim
5.4 mikrointeraktionistische Theorie
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe für den Anstieg fremdenfeindlicher Gewalt in Deutschland im Jahr 2015. Das primäre Ziel ist es, die Motive der Täter mithilfe klassischer soziologischer Theorien zu identifizieren, um zu verstehen, warum politische Kritik an der Einwanderungspolitik in strafrechtlich relevantes Verhalten umschlägt.
- Analyse der Ursachen fremdenfeindlicher Gewalt im Kontext der Flüchtlingssituation 2015.
- Anwendung der Konflikt-Theorie zur Erklärung sozioökonomischer Spannungen.
- Untersuchung der Rolle individueller Nutzenmaximierung mittels Rational-Choice-Ansätzen.
- Diskussion über den Werteverlust und das Kollektivbewusstsein nach Durkheim.
- Erforschung gruppendynamischer Prozesse durch die mikrointeraktionistische Theorie.
Auszug aus dem Buch
5.4 mikrotinteraktionistische Theorie
Die aus der Mikrosoziologie stammende mikrointeraktionistische Theorie hat den Grundgedanken, dass soziale Geflechte im symbolisch vermittelten Prozess hervorgebracht werden, welches einen Hauptunterschied zu der Konflikt - sowie zur utilitaristischen Theorie darstellt. „Symbolisch“ bedeutet in diesem Kontext, dass die Realität nur ein soziales Konstrukt ist und die mentale Vorstellungskraft der Menschen stattdessen für gesellschaftliche Phänomene verantwortlich ist. Anders als beispielsweise bei der Konflikt-Theorie spielen historisch-gesellschaftlichen Ereignisse keine Rolle, sondern sind Ergebnisse des vorgeschriebenen Vorgangs. Folglich ist es laut der mikrointeraktionistischen Theorie unmöglich das Individuum und die Gesellschaft voneinander zu trennen, vielmehr hat jede Person eine bestimmte Statusposition in der Gesellschaft, welche gewisse Erwartungen mit sich bringt.
Die Handlungen eines Individuums sind determiniert von der Rolle/Position, in der sich die Person zu diesem bestimmten Zeitpunkt befindet. Die Position, die wir einnehmen, hat also Einfluss auf unser Handeln.
Die Art und Weise, wie sich eine Person in einer Situation benimmt/präsentiert hat zudem Einfluss darauf, wie man die Situation definiert. Jeder Einzelne definiert demnach die Gesamtsituation. Demzufolge gehen laut dem mikrointeraktionistischen Ansatz alle tatsächlichen Entwicklungen von dem Individuum aus, nicht von der Gesellschaft - was dem handelnden Subjekt ein große Handlungsmächtigkeit zuschreibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Forschungsproblem: Die Einleitung beleuchtet den massiven Flüchtlingszustrom im Jahr 2015 und die damit einhergehende gesellschaftliche Spaltung sowie den Anstieg fremdenfeindlicher Gewalt.
2 Forschungsfrage: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, die Motive für gewalttätiges Vorgehen gegen Flüchtlinge in Deutschland zu ergründen.
3 Forschungsstand: Hier werden bestehende soziologische Thesen und Ansätze zur Erklärung rechtsextremer Gewalt und Täterprofile zusammengefasst.
4 Methode: Literaturanalyse: Es wird erläutert, warum die Literaturanalyse als methodischer Ansatz gewählt wurde, um wissenschaftliche Diskurse und Theorien auf die Fragestellung anzuwenden.
5 Theoretischer Rahmen und Analyse: Dieser Hauptteil analysiert das Phänomen der Gewalt unter Anwendung vier unterschiedlicher soziologischer Theorien.
5.1 Konflikt-Theorie: Dieses Unterkapitel betrachtet Gewalt als Ausdruck von Verteilungskämpfen um Ressourcen und den Erhalt des sozialen Status innerhalb der Klassenhierarchie.
5.2 Rational-Utilitarian-Theorie: Hier wird der Fokus auf das ökonomische Eigeninteresse der Akteure gelegt, wobei die Wahrnehmung von Zuwanderern als Konkurrenten um ökonomische Ressourcen untersucht wird.
5.3 Tradition nach Durkheim: Dieses Kapitel erklärt Gewalt durch einen Werteverlust und die Schwächung des sozialen Zusammenhalts beziehungsweise des kollektiven Bewusstseins.
5.4 mikrointeraktionistische Theorie: Dieser Abschnitt beschreibt, wie Identitätsbildung und der Wunsch nach Anerkennung innerhalb von Gruppen zu Radikalisierung und Gewalt führen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont, dass verschiedene soziologische Perspektiven gemeinsam ein tieferes Verständnis des Gewaltphänomens ermöglichen.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Flüchtlinge, Deutschland 2015, Gewalt, Soziologie, Konflikt-Theorie, Rational-Choice, Durkheim, Desintegration, Identitätslosigkeit, mikrointeraktionistische Theorie, Radikalisierung, Rechtsextremismus, Kollektivbewusstsein, politische Entfremdung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die soziologischen Ursachen und Motive, die im Jahr 2015 zu einem Anstieg fremdenfeindlicher Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland geführt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Täterprofilen, den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Zuwanderung sowie der Anwendung soziologischer Theorien zur Erklärung von Gewalt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, warum Bürger, die zuvor politisch inaktiv waren, zu gewalttätigen Handlungen gegen Schutzsuchende greifen und welche Motive hinter diesem Handeln stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der Literaturanalyse, bei der vorhandene soziologische Theorien und Erkenntnisse zusammengetragen und kritisch auf das untersuchte Phänomen angewendet werden.
Welche theoretischen Konzepte werden im Hauptteil diskutiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Konflikt-Theorie, die Rational-Utilitarian-Theorie (Rational-Choice), die Tradition nach Durkheim sowie die mikrointeraktionistische Theorie.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essentiell?
Zentrale Begriffe sind neben Fremdenfeindlichkeit und Flüchtlingskrise insbesondere Konzepte wie Desintegration, Identitätslosigkeit, Kollektivbewusstsein und Nutzenmaximierung.
Wie erklärt die mikrointeraktionistische Theorie die Radikalisierung von Tätern?
Die Theorie betont, dass Individuen aus dem Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit handeln. In Gruppen verstärken sich gegenseitige Denkmuster, was zu einer Eskalation von gewalttätigem Verhalten führt.
Inwiefern spielt der ökonomische Aspekt in den Analysen eine Rolle?
Sowohl in der Konflikt-Theorie als auch in der Rational-Choice-Perspektive wird Gewalt als Reaktion auf ökonomische Konkurrenz oder als (irrtümliche) Nutzenmaximierung durch den Ausschluss von Zuwanderern interpretiert.
- Arbeit zitieren
- Viviane Menges (Autor:in), 2016, Untersuchung der Ursachen fremdenfeindlicher Gewalt unter Zugrundelegung soziologischer Theorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508871