Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Für gute Ergebnisse müssen wir nicht nur über gewisse Fertigkeiten verfügen, sondern brauchen schon für deren Erwerb grundlegende Fähigkeiten. Manchmal können wir diese Fertigkeiten unter Druck nicht abrufen. Während sich einige von uns bei Schwierigkeiten mehr anstrengen oder neue Lösungen suchen, lassen sich andere entmutigen, geben schnell auf oder grübeln über das Scheitern.
Der differenzielle Umgang mit Misserfolgen in der Schule ist Thema dieses Buches. Weshalb halten sich einige Schülerinnen und Schüler auch nach Misserfolgen für erfolgsorientiert, zielstrebig und begabt, während andere erwarten, wiederholt zu scheitern, passiv sind und an ihren Fähigkeiten zweifeln?
Die Autorin Almut Hauser untersucht in diesem Buch die Bedingungen, die für die unterschiedlichen Reaktionen auf Misserfolg bei Schülerinnen und Schülern und für die resultierende Leistung verantwortlich sein können. Zudem zeigt sie, weshalb Zuversicht und das Selbstvertrauen wichtige Faktoren für eine angstfreie Schullaufbahn sind. Dieses Buch richtet sich sowohl an Pädagoginnen und Pädagogen wie auch an interessierte Eltern.
Aus dem Inhalt:
- Erlernte Hilflosigkeit;
- Selbstwirksamkeit;
- Motivation;
- Umgang mit Misserfolg;
- Begabungskonzept;
- Varianzanalyse
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Theorien mit Schwerpunkt auf der Erwartungskomponente
2.2 Theorien mit Schwerpunkt auf der Wertkomponente
2.3 Integratives Modell: Erwartungs-Wert-Theorie der Leistungsmotivation von Wigfield und Eccles
2.4 Theorien zum Umgang mit Misserfolgserfahrungen
2.5 Bisherige Studien zur erlernten Hilflosigkeit
2.6 Forschungsfragen
3 Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Instrumente
3.3 Vorbereitung der Durchführung
3.4 Versuchsablauf
3.5 Operationalisierung
3.6 Empirische Hypothesen
4 Ergebnisse
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich die Einstellung von Schülern – konkret Motivationstendenz und Begabungskonzept – auf die Reaktion bei Misserfolgen im schulischen Kontext und die daraus resultierende Leistung auswirkt, wobei ein besonderer Fokus auf der Theorie der erlernten Hilflosigkeit liegt.
- Analyse kognitiv-motivationaler Muster bei schulischen Misserfolgserfahrungen
- Vergleich von Handlungs- und Lageorientierung nach Leistungseinbrüchen
- Induktion von Hilflosigkeit in einem schulnahen Experiment
- Zusammenhang zwischen Motivationstendenz, Begabungskonzept und Leistungsqualität
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Theorie der Handlungskontrolle von Kuhl
Der Grundannahme Weiners, dass die Ursachenzuschreibung immer funktional ist und somit das Ziel hat, neben dem Verständnis der Ursache auch dazu beizutragen, das darauffolgende Handeln zu optimieren, widerspricht Kuhl (1983, 2013) in seiner Theorie der Handlungskontrolle. Er wird damit dem Umstand gerecht, dass Fähigkeit und Motivation allein nicht ausreichen, um eine Handlungsabsicht auszuführen. Mit Hilfe von Handlungskontrollstrategien soll selbstkontrollierendes Verhalten gefördert und Absichten gegen konkurrierende Motivationstendenzen abgeschirmt werden. Nach Hofmann und Kotabe (2012) lässt sich zwischen präventiven und interventionellen Strategien unterscheiden. Zu den präventiven Strategien, die darauf abzielen, Motivationskonflikte möglichst schon im Ansatz zu vermeiden, zählt die Umweltkontrolle. Hier wird die Umwelt so gestaltet, dass die betreffende Person ihre Absicht ohne Probleme verfolgen kann. Ein Schüler würde z.B. eine zu schwere Aufgabe nicht auswählen, um Misserfolg zu vermeiden.
Bei der Aufmerksamkeitskontrolle handelt es sich um eine interventionelle Selbstkontrollstrategie, bei der auftretende ablenkende Reize ausgeblendet werden. Als eine besondere Form der Aufmerksamkeitskontrolle kann die von Kuhl (1983) als Motivationskontrolle aufgeführte Strategie verstanden werden, da bei ihr die Aufmerksamkeit auf längerfristige motivationale Anreize gelenkt wird. Ein motivierter Schüler könnte beispielsweise sein Handy ausstellen, um besser konzentriert zu sein.
Die von Kuhl (1983) postulierte Emotionskontrolle wird folgendermaßen umgesetzt: Störende Emotionen werden herabreguliert, um die Umsetzung einer Absicht zu realisieren. Diese Strategie spielt nicht nur präventiv eine Rolle, sondern auch interventionell, wenn ein Misserfolg bewältigt werden muss. Mit ihr werden ausgelöste negative Gefühle und Gedanken abgestellt, um sich auf nachfolgende Aufgaben zu konzentrieren und gegebenenfalls neue Handlungen zu beginnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Leistung im gesellschaftlichen und schulischen Kontext dar und führt in die Fragestellung ein, wie unterschiedliche kognitiv-motivationale Muster den Umgang von Schülern mit Misserfolg beeinflussen.
2 Theorie: In diesem Kapitel werden grundlegende Theorien zur Motivation, insbesondere Erwartungs-Wert-Modelle sowie Konzepte zur erlernten Hilflosigkeit und zur Handlungskontrolle, theoretisch aufgearbeitet und für den schulischen Kontext präzisiert.
3 Methode: Hier wird der Versuchsaufbau der empirischen Untersuchung mit 90 Schülern beschrieben, einschließlich der verwendeten Instrumente zur Messung von Motivation und Begabungskonzept sowie des experimentellen Ablaufs zur Induktion von Hilflosigkeit.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Daten der empirischen Untersuchung und prüft die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich motivationaler Störungen und Leistungsunterschieden nach Misserfolgserfahrungen.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden hier kritisch hinterfragt, indem Einschränkungen der Versuchsanordnung, wie etwa die geringe Reliabilität der Skalen oder die unerwartet hohe Anstrengungsbereitschaft der Schüler, interpretiert werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die erwarteten negativen Auswirkungen der Einstellungen auf die Leistung nicht in der postulierten Form nachgewiesen werden konnten und zeigt Ansätze für zukünftige Forschungsdesigns auf.
Schlüsselwörter
Erlernte Hilflosigkeit, Motivationstendenz, Begabungskonzept, Handlungskontrolle, schulische Leistung, Misserfolgserfahrung, Lageorientierung, Leistungsversagen, Selbstkonzept, Kognitive Defizite, Schulisches Leistungsstreben, Attributionstheorie, Schulleistung, Motivationale Störung, Funktionale Störung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Schüler auf Misserfolgserfahrungen in der Schule reagieren und welche Rolle dabei ihre grundlegende Motivationstendenz sowie ihr Begabungskonzept spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Theorie der erlernten Hilflosigkeit, Konzepte zur Handlungskontrolle, die Bedeutung der persönlichen Leistungsmotivation und die psychologischen Reaktionen auf Scheitern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob Schüler mit ungünstiger Motivationstendenz oder niedrigem Begabungskonzept nach Misserfolgen stärkere motivationale oder funktionale Störungen zeigen und ob dies zu Leistungsdefiziten führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Untersuchung mit 90 Schülern der 9. Jahrgangsstufe eines Gymnasiums, bei der durch die Bearbeitung kaum lösbarer Aufgaben gezielt eine Misserfolgserfahrung induziert wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Erwartung, Wert, Handlungskontrolle) dargelegt, gefolgt von der methodischen Beschreibung der Testinstrumente und dem Versuchsablauf sowie der anschließenden Auswertung der erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie erlernte Hilflosigkeit, Motivationstendenz, Begabungskonzept, Handlungskontrolle, schulische Leistung und Misserfolgserfahrung beschreiben.
Warum wird im Experiment eine "ungünstige" und "günstige" Motivationstendenz unterschieden?
Diese Unterscheidung ist notwendig, um zu analysieren, ob vorbestehende Einstellungen (wie die Tendenz zu Leistungsstreben oder Leistungsversagen) die Reaktion auf einen akuten Misserfolg moderieren.
Welche Rolle spielt die "Verarbeitungsgeschwindigkeit" für die Leistungsmessung?
Die Verarbeitungsgeschwindigkeit dient als neutraler Indikator für die Leistungsfähigkeit vor und nach der Manipulation, um Auswirkungen auf Quantität und Qualität der Bearbeitung objektiv messen zu können.
- Citar trabajo
- Almut Hauser (Autor), 2020, Wie Misserfolg in der Schule die Leistung von Schülern beeinflusst. Eine empirische Untersuchung zu Motivation und Begabung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508888