Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Chancen und Risiken

Mit Fokus auf die Wohnungswirtschaft


Hausarbeit, 2019

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise der Arbeit

2. Begriffsdefinitionen
2.1 Digitalisierung
2.2 Immobilien/-wirtschaft
2.2.1 Immobilienarten

3. Digitalisierung und die Immobilienwirtschaft
3.1 Geschäftsmodelle
3.2 Geschäftsprozesse
3.2.1 Dokumentationsmanagement
3.3 Lebenszyklus von Immobilien
3.3.1 Entwicklungsphase
3.3.2 Vermietungs- und Nutzungsphase
3.3.3 Vermietungsmanagement
3.3.4 Mietermanagement
3.3.5 Mieterportal

4. Digitalisierung der Wohnungswirtschaft
4.1 Geschäftsmodelle der Wohnungswirtschaft
4.1.1 Digitalisiertes Geschäftsmodell
4.2 Geschäftsprozesse der Wohnungswirtschaft
4.2.1 Vermietungsmanagement
4.2.2 Mietermanagement
4.3 Grundzüge von Plattformmärkten
4.4 Bestellerprinzip
4.5 Makler im digitalen Zeitalter

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Mein Praktikumsbetrieb ist eine vielfältige Beteiligungsgesellschaft, die hauptsächlich aus einer Unternehmensberatung, einer Modegesellschaft und einer App-Entwicklungsfirma besteht. Im Rahmen meines Praktikums habe ich an jeder Gesellschaft mitgewirkt. Die „XY GmbH" vermarktet eine selbstprogrammierte „Mieter-App" an Wohnungsgesellschaften. Die Mieter-App ist eine Applikation für das Smartphone, die einem Mieter einer Wohnungsbaugesellschaft zur Verfügung steht. Der Mieter kann mithilfe der Mieter-App seine Mietsunterlagen anschauen und mithilfe der App mit der jeweiligen Verwaltung kommunizieren. Auf Grundlage der XY GmbH, die in der „digitalen" Immobilienbranche tätig ist, schreibe ich meine Praktikumsarbeit über die „Digitalisierung der Immobilienwirtschaft".

Sämtliche Branchen beziehungsweise deren sämtliche Bereiche haben sich im Laufe der Zeit digitalisiert. Infolgedessen haben sich sämtliche Fassaden der Immobilienwelt weitaus digitalisiert, wie beispielweise die Makler-Branche oder auch die Immobilieneinrichtungen (Smart-Home), sowohl auch Tätigkeitsbereiche wie das Property Management durch die Mieter-App genießen einen technologischen Fortschritt. Digitale Technologien können mithilfe von neuen Geschäftsmodellen und Prozessoptimierungen zu Wertsteigerungen führen. Unternehmen sind daher gezwungen ihre Prozesse und Modelle ständig zu optimieren, da sonst möglicherweise der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit droht. Die Digitalisierung wirkt sich in allen Bereichen aus. Sie verändert Kundenbeziehungen, Kundenbedürfnisse, Prozesse und Erzeugnisse von Dienstleistungen. Ebenfalls bringt die Digitalisierung Veränderungen in der Immobilienwirtschaft.

Somit stellt sich auch die Fragestellung, welche Chancen und Risiken sich durch die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft mit Hinblick auf die Wohnwirtschaft ergeben.

1.1 Vorgehensweise der Arbeit

Die Vorgehensweise in dieser Arbeit setzt sich wie folgt zusammen: Zunächst werden die Begriffe „Digitalisierung" und „Immobilienwirtschaft" definiert, um ein Fundament an Verständnis zu gewährleisten. Infolge dessen, wird auf die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft eingegangen. Im Kapitel „Digitalisierung der Immobilienwirtschaft" wird erläutert inwiefern die Digitalisierung die Geschäftsmodelle, Geschäftsprozesse und den Lebenszyklus von Immobilien beeinflusst. Der Lebenszyklus der Immobilie befasst sich in dieser Hausarbeit nur mit der Entwicklungsphase und mit der Vermietungs-Nutzungsphase, da diese relevant für das Thema sind. Im Unterkapitel „Vermietungs- und Nutzungsphase" wird die Auswirkung der Digitalisierung anhand den Unterkapiteln „Vermietungsmanagement", „Mietermanagement" und „Mieterportal" erläutert. Darauf folgt der zweite Hauptteil „Digitalisierung der Wohnungswirtschaft". Dieser ist so ähnlich aufgebaut wie der erste Hauptteil. Zu allererst werden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle der Wohnungswirtschaft dargestellt. Hierbei findet eine weitere Unterteilung statt in „Digitalisiertes Geschäftsmodelle". Ursache für diese Unterteilung ist die kurze Einführung der Geschäftsmodelle der Wohnungswirtschaft, um den Leser in das Thema hineinzuführen. Im Kapitel „Digitalisierte Geschäftsmodelle" werden die Einflüsse der Digitalisierung konkret erläutert. Im nächsten Abschnitt sind die Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Geschäftsprozesse der Wohnungswirtschaft dargestellt. In diesem Kapitel wird auf die Digitalisierung des Vermietermanagements und des Mietermanagements eingegangen. Im nächsten Kapitel werden die Grundzüge der Plattformmärkte und darauf das Bestellerprinzip erläutert, da sie eine erhebliche Relevanz auf das kommende Kapitel „Makler im digitalen Zeitalter" aufweisen. Diese beiden Unterkapitel bereiten die Argumentation auf das letzte genannte Kapitel. Im letzten Kapitel „Makler im digitalen Zeitalter" werden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Makler erläutert. Als letztes Kapitel dieser Hausarbeit ist das Fazit. Im Fazit wird die Leitfrage dieser wissenschaftlichen Arbeit beantwortet.

2. Begriffsdefinitionen

2.1 Digitalisierung

Das digitale Zeitalter begann vergleichsweise zur heutigen Zeit langsam. Der erste Computer, der den binären Code verwendete und programmierbar war, war der Zuse Z3. Dieser wurde von Konrad Zuse und Helmut Schreyer im Jahre 1941 entwickelt und gebaut. Der erste Mikroprozessor wurde 1971 patentiert; dieser enthielt 8000 Transistoren. 2016 besaß der Computer etwa 8 Mrd. Transistoren.

Gordon Moore prognostizierte bereits diese exponentielle Steigerung von Komplexität und Leistung digitaler Rechner bereits im Jahre 1965. Das „mooresche Gesetz", welches nach Gordon Moore, Intel-Mitbegründer, benannt wurde - dem Wesen nach eher eine Faustregel - besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren, die in einen integrierten Schaltkreis festgelegter Größe passen, ungefähr alle 24 Monate verdoppelt. Dies ist auf der Intel-Seite wie folgt angegeben: „The number of transistors incorporated in a chip will approximately double every 24 months“1. Über die Wirkung und Auslegung mag man spekulieren, aber sie zeigt mit welcher Dynamik sich die Entwicklung der Digitaltechnik vollzieht. Ursache für den rapiden Fortschritt liegt unter anderem darin, dass die Digitalisierung nicht nur die technischen und praktischen Bereiche, sondern auch die Forschungs- und Entwicklungsarbeit verändert hat. So ist ein Prozessor mit Milliarden Transistoren weitgehend nur mit automatisierten und digitalisierten Verfahren zu konstruierten und herzustellen. Wiederum werden komplexe Programme komplett oder teilweise von den Rechnern selbst erstellt, umgesetzt und geprüft, denn die immensen Datenmengen aus Forschungsprojekten können nur mit massiver Rechnerunterstützung ausgewertet werden. Die künstlich erzeugten Systeme sammeln Erfahrungen und sind in der Lage diese zu verallgemeinern und auszuwerten. Maschinelles Lernen wird zum Standard.

Ebenso wird die Dynamik der Entwicklung durch die rapide Entwicklung der Technologien verstärkt. Es lässt sich fast überall Verbesserungen in Leistungen, Eigenschaften, Effizienz und Ressourcenschonung von Produkten und Verfahren erzielen, somit ist der Bedarf an digitalen Systemen nahezu unerschöpflich.

Der Begriff „Digitalisierung" wird generell in zwei Interpretationen verwendet: „Digitalisierung" bezeichnet die Überführung von Informationen von einer analogen in eine digitale Speicherung und den Prozess, der durch die Einführung digitaler Technologien bzw. der darauf aufbauenden Anwendungssysteme hervorgerufenen Veränderungen.

Die Digitalisierung im engeren Sinne kann als die Umwandlung von analogen Daten (Text, Bild, Ton) in digitale (diskrete/abgestufte) Daten angesehen werden. Bilder, die analog abgespeichert sind werden in eine Matrix zerlegt, mit jedem Bildpunkt erfasst und werden dann in einem Format gespeichert (z.B. JPEG). Tönen werden digitalisiert, indem Schallwellen in festgesetzten Abständen in digitaler Form erfasst und einer Datei abgespeichert werden (z.B. MP3). Die Daten in digitaler Form können dann über unterschiedliche Medien transportiert sowie auf unterschiedlichen Endgeräten präsentiert werden. Analoge Inhalte sind an ihr Medium gebunden, im Gegensatz zu den digitalen Inhalten. Aus dieser Technologie der Digitalisierung sind Produkte entstanden, die die Lebens- und Arbeitswelt nachhaltig verändert haben und auch zukünftig verändern werden. Die zweite Interpretation lässt sich auch der Ebene eines Individuums, einer Organisation oder einer Gesellschaft betrachten. Die verstärkte Nutzung von Anwendungssystem führt auf1 individueller Ebene zu einer Veränderung von Arbeits- und Handlungsweisen. Arbeit ist nicht mehr an Ort und Zeit gebunden. Diese Veränderungen betragen retrospektiv primär den beruflichen Kontext, heute ist zunehmend auch der private Kontext tangiert. So haben Organisationen in den letzten Jahrzehnten viele Ressourcen in die Nutzung von Informationstechnologien investiert. Früher lag der Schwerpunkt auf Effizienzsteigerung im administrativen Bereich und heute liegt er auf der Vernetzung von Unternehmen untereinander sowie die mit Kunden und Lieferanten. Somit hat die Digitalisierung im Informationsmanagement in Unternehmen eine wichtige Rolle eingenommen. Die Digitalisierung führt auf gesellschaftlicher Ebene zu strukturellen Veränderungen. Es entstehen neue Dienstleistungen, traditionelle Bildungssysteme werden überdacht und durch die permanente Vernetzung der Menschen entsteht eine hohe Dynamik in Informations- und Interaktionsprozessen.

Es ergeben sich für die arbeitswissenschaftliche Analyse und Gestaltung durch die Digitalisierung Chancen, mit Hilfe der Erfassung von Körperhaltungen eine neue Qualität der Analyse zu erreichen und mittels digitaler Menschmodelle Last- und Kraftausübungsfälle besser bewerten zu können. Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung haben ein sehr großes Innovationspotenzial. Dieses wird aber nur dann wirksam, wenn bisherige arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Anwendung finden und diese auch konsequent weiterentwickelt werden.

Es wird eine allgemeine Bedeutung für die Immobilienwirtschaft beigemessen, die in den kommenden Jahren anwachsen wird. Die Digitalisierung wird beispielsweise in der stark vorangeschrittenen Nutzung von Online-Portalen sichtbar. Dabei hat sich die Vergleichbarkeit der Angebote und Informationsübersicht als Vorteil bei der Wohnungssuche über Online­Kanäle herausgestellt. Dem klassischen Maklergeschäft wird keine Verdrängung durch die Digitalisierung prognostiziert. Vielmehr scheint es nach einer Koexistenz der beiden Vertriebswege zu sein und dadurch ergibt sich ein Mehrwert für den Kunden. Die Digitalisierung bescheinigt auch für die Prozesse im Alltagsgeschäft einen hohen Stellenwert. Diese kann zu einer Professionalisierung der gesamten Immobilienwirtschaft führen.2

2.2 Immobilien/-wirtschaft

Die Immobilienwirtschaft ist aufgrund ihrer Größe eine der bedeutendsten Branchen der deutschen Volkswirtschaft. Umfassend gesehen besteht die Immobilienwirtschaft aus Entwicklung, dem Bau, Verkauf, Vermietung bzw. Nutzung bis hin zur Modernisierung und letztlich zum Abriss von Immobilien für wohnliche oder gewerbliche Zwecke sowie den entsprechenden Investments und Finanzierung. Sie ist durch ihre ausgeprägte Vielfalt gekennzeichnet und setzt sich aus verschiedensten Teilbereichen zusammen, die entlang des Lebenszyklus der Immobilie bestehen.

Immobilien werden auf Märkten gehandelt, die nach verschiedenen Kriterien abgegrenzt werden können. Somit ergibt sich zwischen den Immobilienmärkten Gemeinsamkeit und auch erhebliche Divergenzen. Grundlegend kann zwischen den Immobilienmärkten Lebenszyklus der Immobilien und den Immobilieninvestmentmärkten unterschieden werden. Ob von der Lage her, vom Grundriss, der Ausstattung, der Bauqualität oder anderen Indikatoren bleiben Immobilien immer Unikate. Daher gibt es keine einheitliche Definition von Immobilien, sondern jede Wissenschaftsdisziplin erläutert diese aus ihrer eigenen Perspektive. Hierbei werden unterschiedliche Immobilienbegriffe verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Immobiliendefinitionen3

Immobilien sind unbewegliche Güter (lateinisch immobialis: eine unbewegliche Sache), hinzu zählen Gebäude und unbebaute Grundstücke. Ein Grundstück, welches bebaut ist, wird umgangssprachlich als Immobilie bezeichnet inklusive der sich darauf befindlichen Gebäude. Durch die Funktionen der Immobilien kann eine Annäherung an den Begriff der Immobilie erfolgen. Die Hauptfunktionen einer Immobilie liegen beispielsweise in: Wohnen, Arbeit, Freizeit, Ver- und Entsorgung. Zudem erfüllen einige Immobilien zusätzliche Funktionen, wie Altersvorsorge, Kreditbesicherung etc.. Die wichtigsten Definitionskategorien sind in Abbildung 1 abgebildet, in physischer, juristischer und ökonomischer Art. Auch wenn viele Aspekte der Immobilienwirtschaft die Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen erfordern, gibt es keine juristische Definition für den Begriff Immobilie. Der Begriff Immobilie wird in sehr wenigen Gesetzestexten verwendet. Es wird in Gesetzestexten üblicherweise über den Grund und Boden bzw. das Grundstück definiert. Jedoch gibt es eine juristische Definition für den Begriff Grundstück. Sie bezeichnet das Grundstück einen räumlich abgegrenzten Teil der Erdoberfläche, dazu gehört der Raum über der Erde und der Boden unter der Oberfläche. “Zu den wesentlichen Bestandteilen eines Grundstücks werden die mit dem Grund und Boden fest verbundenen Sachen gerechnet, insbesondere die darauf stehenden Gebäude“4.

Aus der physischen Sicht beziehungsweise aus der ingenieurwissenschaftlichen Sicht werden die materiellen Eigenschaften einer Immobilie betrachtet. Demnach wird die Immobilie als umbauter Raum oder dreidimensionales Gebilde betrachtet, welches für unterschiedliche Zwecke dienen kann. Demnach sind nach dieser Definition Grund und Boden nicht Teil einer Immobilie.

Die materiell orientierte physische Definition hat ihre Bedeutung beispielsweise für die Wertermittlung nach dem Sachwertverfahren. Das erwähnte Verfahren wird überwiegend bei Immobilien für die Eigennutzung angewandt. Da hier Renditeüberlegungen eine untergeordnete Rolle haben, erfolgt die Bewertung von Immobilien auf Grundlage der Aufwendungen, die für die Erstellung dieser oder vergleichbarer Gebäude notwendig wären.

Aus der ökonomischen Perspektive existieren zwei unterschiedliche Interpretation des Immobilienbegriffs. Primär sind Immobilien unbebaute oder bebaute Flächen, die ihrem Nutzer (Mieter, Eigentümer) einen ökonomischen Nutzen geben. Immobilien werden als Produktionsfaktor und als Investment gesehen. Somit begründet sich der wirtschaftliche

Charakter einer Immobilie nicht durch ihre Herstellung, sondern durch ihre Nutzung. Aus der produktionswirtschaftlichen Perspektive gehören Immobilien zum Ressourcen- bzw. Produktionsfaktorenbestand von Unternehmen. Neben den Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden, die als Inputs im betrieblichen Leistungsprozess zur Erstellung anderer Güter eingesetzt werden, gehören auch die Immobilien, da Grundstücke und Gebäude zu den wesentlichen Faktoren für die Produktion zählen.

Immobilien werden aus der investitionstheoretischen Sicht als Investitionsgut oder Vermögensgegenstand, Kapitalanlage oder Sachvermögen („Asset“) angesehen. Hierbei gibt es zahlreiche Anlageformen. Die Motive der Investoren sind zu einem die Erzielung laufender Erträge oder die Aussicht auf ein Wertsteigerungspotenzial einer Immobilie. Diese immobilienökonomische Definition berücksichtigt die bisherigen Definitionen und verbindet diese mit der volkswirtschaftlichen Sicht. „Immobilien sind Wirtschaftsgüter, die aus unbebauten oder bebauten Grundstücken mit dazugehörigen Gebäuden und Außenanlagen bestehen. Sie werden von Menschen im Rahmen physisch-technischer, rechtlicher, wirtschaftlicher und zeitlicher Grenzen für Produktions-, Handels-, Dienstleistungs- und Konsumzwecke genutzt“.5

2.2.1 Immobilienarten

Immobilien übernehmen im Wirtschaftsprozess verschiedene Aufgaben. Die Kategorisierung erfolgt nach den Funktionen bzw. Nutzen der Immobilien und ist somit in der Branche die etablierteste und am weitesten verbreitete. Grundsätzlich kann zwischen Gewerbe- und Wohnimmobilien, sowie Immobilien des öffentlichen Sektors unterschieden werden. Die folgende Abbildung visualisiert eine detaillierte Unterteilung der Immobilienarten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.2: Immobilien nach Objektart6

Bei den Gewerbeimmobilien handelt es sich um Immobilien, die überwiegend gewerblichen Nutzens sind. Wenn die Nutzung im Rahmen gewerblicher Tätigkeit erfolgt, dann liegt ein gewerblicher Zweck der Immobilien vor. Durch die Gewerbeimmobilien können die Eigentümer Einkommen erzielen, da die Mieter für die Nutzung zahlen, statt sie zu kaufen.

Wohnimmobilien dienen ausschließlich Wohnzwecken. Ob sich die Immobilie im Eigentum des Nutzers befindet oder die Immobilie angemietet ist, ist hierbei irrelevant. Die größte Immobiliengruppe stellt mit Abstand wie Wohnimmobilien dar, sodass die Wohnimmobilien weiter untergegliedert werden können. Hinsichtlich ihrer Größe oder Haushaltsanzahl unterscheiden sich die typischen Formen von Wohnimmobilien. Wohnimmobilien werden üblicherweise zwischen Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser differenziert. Wohnungen in Mehrfamilienhäusern werden eher vermietet, während Ein- und Zweifamilienhäuser überwiegend selbst genutzt werden.

Der deutsche Wohnungsmarkt lässt sich nach der Eigentümerstruktur in drei große Gruppen einteilen: Selbstnutzer, private Kleinanbieter und professionelle gewerbliche Anbieter.

Immobilien öffentlichen Sektors können vom Staat den anderen Wirtschaftssubjekten zur Verfügung gestellt werden, wie beispielsweise die öffentliche Infrastruktur (z.B. Straßen). Ebenfalls können diese Immobilien selbst vom Staat genutzt werden (z.B. Verwaltungsgebäude). Für Gebietskörperschaften sind diese Immobilien ein erheblicher Vermögens- und Investitionsgegenstand. Die Gebäudewirtschaft und die damit verbundene Wahrnehmung der Betreiberverantwortung stehen dabei in einem ständigen Spannungsfeld zwischen beschränkten finanziellen Möglichkeiten und vorgegebenen Anforderungen. Nutzer, Gesetzgeber und die lokale Politik richten regelmäßig hohe Erwartungen an die zuständigen Stellen.

Immobilienwirtschaft/-branche, oder -sektor ist ein Teil der Volkswirtschaft, der sich ausschließlich nur mit Immobilien befasst. Eine einheitliche Definition konnte sich noch nicht herausbilden, da in der ökonomischen Literatur verschiedene Abgrenzungen existieren. Die Immobilienwirtschaft wird unterschieden zwischen der Immobilienwirtschaft im engeren Sinne (Grundstücks- und Wohnungswirtschaft) nach der Definition der Wirtschaftszweige­Systematik des Statistischen Bundesamtes und der Immobilienwirtschaft im weiteren Sinne nach der Abgrenzung in den Studien „Wirtschaftsfaktor Immobilien“. Die folgende Tabelle differenziert die beiden Abgrenzungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 : Die Immobilienwirtschaft in den unterschiedlichen Abgrenzungen7

Die Grundstücks- und Wohnungsunternehmen (Wirtschaftszweig Nr. 68) umfassen den Kauf, Verkauf und Vermietung von eigenen Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen und Verpachtung von eigenen oder geleasten Objekten. Zudem gehört dazu auch die Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken und Immobilien für Dritte. Die Branche der Immobilienwirtschaft im engeren Sinne ist überwiegend geprägt durch kleine und mittlere Unternehmen.

Die Definition der Immobilienwirtschaft im weiteren Sinne umfasst die Branchen einer Volkswirtschaft, die sich während des Lebenszyklus von Immobilien mit diesen beschäftigen. Sie umfasst alle Branchen, die mit dem Immobilienbestand und dessen Veränderungen sowie der gesamten Wertschöpfungskette beziehungsweise dem Lebenszyklus von Immobilien (Bewirtschaftung, Nutzung und Investments) handeln. Ebenfalls gehören dazu alle immobilienwirtschaftlichen Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Investment- und Finanzmarkt.

3. Digitalisierung und die Immobilienwirtschaft

Auf die Immobilienbranche zeigen sich differenzierte Auswirkungen der Digitalisierung. Dabei werden zum einen die Effekte für die Immobilienwirtschaft und zum anderen für die Immobilienmärkte analysiert. Es werden die Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle betrachtet, die sich durch neue beziehungsweise veränderte Produkte ergeben können. Geschäftsprozesse, die in Beziehung mit den verschiedenen Segmenten zu einer Steigerung der Produktivität führen sollen, werden ebenso durch die Digitalisierung verändert. In der Immobilienwirtschaft sehen sich die Unternehmen neuen Veränderungen mit Entwicklungspotenzial gegenüber. Eine der wesentlichsten Aufgaben der Unternehmen ist hierbei der Einsatz von Technologien und Methoden der Digitalisierung zur Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung. Es eröffnen sich aus der unternehmerischen und wirtschaftlichen Perspektive neue Wertschöpfungspotenziale als auch Performancesteigerungen. Die Immobilienunternehmen gewinnen durch die digitale Arbeit den Vorteil, dass die Zunahme mobiler Anwendungen und Endgeräte verstärkt global und ohne Zeitgrenzen möglich ist. Die Unternehmen stehen vor einem tiefgreifenden Wandel, einerseits im Wettbewerb z.B. mit Proptechs und andererseits, um vorhandene Potenziale der Digitalisierung bezüglich ihrer Geschäftsmodelle- und prozesse zu erschließen.

Vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Immobilienwirtschaft stellt sich ebenfalls die Frage nach der Nachhaltigkeit der Immobilien. Insbesondere müssen Projektentwickler und Investoren Entscheidungen treffen, in welche Immobilien sie investieren. Besonders vor der Tatsache der Langlebigkeit der Immobilien sind rapide Veränderungen durch die Digitalisierung eher kritisch zu beachten. Die digitalen Ausstattungen und auch die Anforderungen der digitalen Nutzer rücken so in den Vordergrund. Gestaltungsmöglichkeiten und Drittverwendungen der Immobilien, die flexibel sind, werden zu den wichtigen Kriterien bei Investitionsentscheidungen. Kunden, Immobilien und Immobilien stehen in wechselseitigen Beziehungen, die durch die Digitalisierung nachhaltig verändert werden. Es führt durch die digitale Transformation zu neu angepassten Geschäftsmodellen und -prozessen in den Unternehmen, neuen Anforderungen an Gebäuden und einem veränderten Kundenverhalten. Zunehmend setzen Unternehmen, die in der Immobilienwirtschaft agieren auf digitale Unterstützung ihrer einzelnen Tätigkeiten, wie z.B. die Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung ihrer Objekte sowie den Kundenservice. Zudem um Wettbewerbsvorteile zu generieren und die Marktposition zu stärken, werden neue Geschäftsmodelle entwickelt und Geschäftsprozesse werden effizienter gestaltet.

Digitale Produkte werden verstärkt von Kunden genutzt. Es kommt zu einem veränderten Verhalten und neuen Anforderungen. Dies wird durch das Bedürfnis jederzeit Zugang zu relevanten Informationen zu gelangen und ein Mitspracherecht zu haben, hervorgerufen. In Bezug auf die Nutzung der Immobilien gilt der veränderte und vermehrte Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Dies führt vor allem zu anderen Ansprüchen an die Anbieter der Immobilienwirtschaft.

Die Immobilien selbst durchgehen einen Wandel auf digitaler Ebene. Eine wichtige Rolle spielen hierbei bei der Planung und Ausstattung neuer Projekte zunehmend digitale Systeme. Durch den digitalen Wandel werden die Gebäude „smart" und die Gebäude und deren Ausstattung lassen sich in ihrer Nutzung flexibler gestalten.

[...]


1 https://www.intel.com/content/www/us/en/history/ museum-gordon-moore-law.html (aufgerufen am 07.08.2019)

2 Oertel, Christopher/Markmann, Holger/Brusgul, Julia: Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft, in: Rottke, Nico (Hrsg.): EBS Diskussionspapiere zur Immobilienwirtschaft, Nr. 5, Wiesbaden 2014.

3 Vom holz, Günther (2013) Entwicklungen und Megatrends der Immobilienwirtschaft, 3.Auflage, De Gruyter Oldenbourg

4 Paragraph 94 BGB

5 Bone-Winkel, Stephan, Karl-Werner Schulte und Christian Focke, Begriff und Besonderheiten der Immobilie als Wirtschaftsgut, in: Karl-Werner Schulte (Hrsg.): Immobilienökonomie, Bd. 1, Betriebswirtschaftliche Grundlagen, 4. Aufl., München 2008, S. 3-26

6 Vomholz, Günther (2013) Entwicklungen und Megatrends der Immobilienwirtschaft, 3.Auflage, De Gruyter Oldenbourg

7 gif - Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V., Wirtschaftsfaktor Immobilien 2013, Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Immobilienwirtschaft, Wiesbaden (2013)

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Chancen und Risiken
Untertitel
Mit Fokus auf die Wohnungswirtschaft
Hochschule
Northern Business School
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
28
Katalognummer
V508900
ISBN (eBook)
9783346079473
ISBN (Buch)
9783346079480
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitalisierung der Immobilienwirtschaft
Arbeit zitieren
Maximilian Zapalski (Autor:in), 2019, Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Chancen und Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508900

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