Diese Arbeit zeigt auf, wie Archäologen während der NS-Zeit, ihre ausgegrabenen Artefakte und ihr Wirken selbst als Politikum in der Öffentlichkeit wirksam eingesetzt wurden. Dem ersten Anschein nach hat Staatsführung und Archäologie wohl nichts miteinander zu tun. Näher betrachtet zeigt sich jedoch, dass archäologischen Funde bewusst vom nationalsozialistischen Regime als Propagandamittel eingesetzt wurden um ihre diktatorische Herrschaft damit legitimieren wollten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grabungen der NS-Zeit
2.1. Externsteine
2.2. Heinrich der Löwe – Grabungen im Braunschweiger Dom
2.3. Die Höhlen im Lonetal
2.4. Moorleichen
2.5. Haithabu – Handelsort der dänischen Wikinger
2.6. Mahndorfer Düne
3. Propaganda und Archäologie
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ideologische Instrumentalisierung der Archäologie während der Zeit des Nationalsozialismus, wobei aufgezeigt wird, wie archäologische Funde und Grabungsergebnisse gezielt als Propagandamittel zur Legitimierung diktatorischer Herrschaft und zur Konstruktion einer vermeintlichen arisch-germanischen Überlegenheit eingesetzt wurden.
- Methoden und Ziele der prähistorischen Forschung im NS-Staat
- Verbindung von archäologischen Ausgrabungen und Blut-und-Boden-Ideologie
- Beispiele für die Fehlinterpretation und Vereinnahmung archäologischer Stätten
- Die Rolle von Organisationen wie dem Ahnenerbe der SS
- Auswirkungen der NS-Archäologie auf die öffentliche Wahrnehmung und heutige politische Kontexte
Auszug aus dem Buch
2.1. EXTERNSTEINE
Als prägnantes Bespiel zur Fehlinterpretation jener Zeit gelten die sog. Externsteine (Abb. 3), die medienwirksam als germanische Kultstätten dargestellt wurden. Wilhelm Teudt (1860–1942) war der Auffassung in den Sandstein-Felsformationen des Teutoburger Waldes bei Detmold das Heiligtum der Sachsen (Irminsul) entdeckt zu haben. Die unbearbeitete anstehende Felsformation hätte laut Aussage Teudts bis zu der Zerstörung durch Karl den Großen als Sternwarte gedient. Teudt wollte die Externsteine als einen heiligen Hain zur Erinnerung an die Ahnen konzipieren. Unter der Leitung von Julius Andree (1889–1942) fanden Grabungen von 1934–1935 statt um den Beweis zu erbringen, dass die Externsteine Artefakte einer germanischen Kultstätte gewesen wären.
Die Ausgrabungen erbrachten keine verwertbaren Ergebnisse für das Regime, die zur Legitimation der NS-Herrschaft geführt hätten. Trotzdem wurden die Externsteine unter der Leitung von SS-Führer Himmler zu einem Heiligtum instruiert und für Propagandazwecke benutzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verknüpfung von Archäologie und nationalsozialistischer Ideologie ein und beleuchtet die Rolle führender Köpfe wie Gustaf Kossinna sowie die Gründung von Forschungsorganisationen zur Untermauerung des germanischen Mythos.
2. Grabungen der NS-Zeit: In diesem Kapitel werden konkrete Ausgrabungsstätten wie die Externsteine, Haithabu oder die Mahndorfer Düne analysiert, um aufzuzeigen, wie archäologische Befunde systematisch zur Konstruktion einer arischen Identität missbraucht wurden.
2.1. Externsteine: Der Abschnitt befasst sich mit der versuchten Umdeutung der Externsteine zur germanischen Kultstätte durch Wilhelm Teudt und deren Instrumentalisierung durch die SS.
2.2. Heinrich der Löwe – Grabungen im Braunschweiger Dom: Hier wird dargelegt, wie Grabungen an der Grablege Heinrich des Löwen politisch inszeniert wurden, um eine Verbindung zwischen dem NS-Regime und einer vermeintlich geschichtsträchtigen germanischen Vergangenheit herzustellen.
2.3. Die Höhlen im Lonetal: Dieses Kapitel thematisiert die Suche nach den "Mammutjägern" im Lonetal, die als Vorfahren der deutschen Rasse ideologisch vereinnahmt werden sollten.
2.4. Moorleichen: Der Text erläutert, wie Moorleichenfunde und antike Berichte über Bestrafungen bei Tacitus dazu genutzt wurden, rasseideologische Vorstellungen und die Verfolgung homosexueller SS-Mitglieder zu legitimieren.
2.5. Haithabu – Handelsort der dänischen Wikinger: Hier wird die Erforschung des Handelsortes Haithabu durch die SS beschrieben, um eine arische Identität durch vermeintlich germanische Kontinuität nachzuweisen.
2.6. Mahndorfer Düne: Der Abschnitt beleuchtet die Ausgrabungen durch Ernst Grohne und dessen ideologische Verknüpfung der Funde mit der sogenannten Blut-und-Boden-Ideologie.
3. Propaganda und Archäologie: Dieses Kapitel beschreibt die institutionelle Anpassung musealer Ausstellungen und die bewusste Nutzung archäologischer Themen in der nationalsozialistischen Öffentlichkeitsarbeit.
4. Resümee: Das Resümee zieht ein Fazit über den Missbrauch der Wissenschaft zur Herrschaftssicherung und verweist kritisch auf die bis heute anhaltende Rezeption germanischer Mythen in rechtspopulistischen Kreisen.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Archäologie, Propaganda, Germanen, Ahnenerbe, NS-Ideologie, Exkavation, Blut-und-Boden, Rasseideologie, Kulturhöhe, Geschichtspolitik, Archäologische Funde, Prähistorie, Legitimierung, Instrumentalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ideologische Vereinnahmung archäologischer Forschungsergebnisse durch das NS-Regime zur Legitimierung der eigenen Macht und Herrschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Arbeit des SS-Ahnenerbes, die Umdeutung archäologischer Stätten wie der Externsteine, die Rolle des Germanenbegriffs und der Missbrauch der Wissenschaft als Propagandamittel.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Archäologen und ihre Funde in der NS-Zeit dazu genutzt wurden, eine vermeintliche Überlegenheit der germanischen Rasse wissenschaftlich zu konstruieren und damit politische Ideologie zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische und archäologische Aufarbeitung, die auf der Analyse zeitgenössischer Publikationen, Grabungsberichten und historischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich verschiedenen Fallbeispielen, von Grabungen an archäologischen Stätten bis hin zur institutionellen Umgestaltung von Museen für Propagandazwecke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Nationalsozialismus, Archäologie, Propaganda, Ahnenerbe und Ideologie.
Welche Rolle spielten Organisationen wie das Ahnenerbe?
Das Ahnenerbe diente als wissenschaftliches Schulungsorgan der SS, um unter der Maske der Forschung Ausgrabungen durchzuführen, die völkische Ziele des Regimes bestätigten.
Wie verknüpfte man archäologische Funde mit der NS-Politik?
Fundstücke wie der Goldfund von Eberswalde wurden beispielsweise als Beweis für eine "uralte germanische Kulturhöhe" stilisiert, um das Selbstbewusstsein der Bevölkerung zu stärken und die ideologische Überlegenheit der Germanen zu untermauern.
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- BEd, MEd Andrea Schobert (Author), 2019, Neuzeitliche Funde als Propagandamittel des nationalsozialistischen Regimes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508910