Soziale Arbeit im Militär. Die Schweiz und Kanada im Vergleich


Bachelorarbeit, 2019

49 Seiten, Note: 4.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition der Sozialen Arbeit in der Schweiz
1.1 Ethische Grundlagen der Sozialen Arbeit in der Schweiz

2. Militär in der Schweiz in Kürze
2.1 Soziale Arbeit im Militär der Schweiz
2.1.1 Geschichtlicher Hintergrund des heutigen Sozialdienstes der Armee
2.1.2 Sozialdienst der Armee
2.1.3 Aufgaben der Sozialen Arbeit im Militär

3. Definition Soziale Arbeit in Kanada
3.1 Ethische Grundlagen der Sozialen Arbeit in Kanada

4. Militär in Kanada in Kürze
4.1 Soziale Arbeit im Militär in Kanada
4.1.1 Geschichtlicher Hintergrund der heutigen Sozialen Arbeit im kanadischen Militär
4.1.2 Soziale Arbeit im kanadischen Militär
4.1.3 Aufgaben der Sozialen Arbeit im kanadischen Militär

5. Diskussion und Vergleich

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

Abstract

Das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit innerhalb der Schweizer Armee stellt für die Schweiz ein sowohl wenig bekanntes wie auch wenig erforschtes Arbeitsfeld der Profession dar. Für die Erhaltung und Steigerung des Wohlbefindens der Klientel stellen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter jedoch einerseits eine wesentliche Unterstützung für die Erfüllung der gesetzlich verordneten Schweizer Dienstpflicht und andererseits eine Quelle der finanziellen Unterstützung dar.

Armeeangehörige sowie Angehörige des Zivilschutzes werden während der Erfüllung ihrer gesetzlichen Dienstpflicht nicht selten mit Herausforderungen konfrontiert, welche während oder aufgrund ihrer militärischen Pflicht auftreten. An dieser Stelle will der Sozialdienst der Armee den Betroffenen durch seine Intervention und Beratung Schutz vor materiellen sowie immateriellen Schäden gewähren und andererseits im Sinne der Armee die Konzentration wieder verstärkt auf die Absolvierung der militärischen Ausbildung lenken.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit werden diese Aufgaben des Sozialdienstes der Schweizer Armee schliesslich mit der Sozialen Arbeit des kanadischen Militärs verglichen. Dies basiert darauf, dass sich das kanadische Militär bereits grundlegend durch seine nicht gesetzlich verordnete Rekrutierung von der Schweizer Armee unterscheidet. Diese grundlegende Unterscheidung bietet für die Analyse des Arbeitsfeldes einen spannenden Boden und lässt Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten in der Arbeit der Profession erkennen.

Der Vergleich dieses Arbeitsfeldes in den unterschiedlichen Ländern basiert auf einer theoretischen Untersuchung und beinhaltet keinen empirischen Teil.

Die Analyse in dieser Bachelorarbeit orientiert sich schliesslich an der Fragestellung: Welche unterschiedlichen Aufgaben in der Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten stellen sich an die Soziale Arbeit in ihrer Tätigkeit im Berufsfeld Militär sowohl in der Schweiz wie auch in Kanada?

Die Ergebnisse haben ergeben, dass sich die Soziale Arbeit innerhalb der Armee in den beiden Ländern voneinander unterscheiden. So bezieht sich die Soziale Arbeit in Kanada vielmehr auf die psychische Gesundheit der Klientel und delegiert sozialdienstliche Themen an Stellen ausserhalb der Armee weiter. Der Sozialdienst der Armee übernimmt dagegen keine Aufgaben in Bezug auf die psychische Gesundheit der Klientel und befasst sich überwiegend mit sozialdienstlichen Themen der Klientinnen und Klienten. Als Hauptgrund für diese Differenziertheit erscheint die unterschiedliche militärische Lebenswelt in Kanada und in der Schweiz.

Das Ziel dieser Bachelorthesis liegt darin, die Arbeit der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Sozialdienstes der Armee innerhalb der eigenen Profession grössere Bekanntheit zu erschaffen und zudem auch die materiellen sowie immateriellen Herausforderungen der Armeeangehörigen, welche mit der gesetzlichen Schweizer Dienstpflicht einhergehen können, genauer beschreiben zu können.

Einleitung

Die Berufsausübung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern innerhalb des Militärs stellt heute ein in der Schweiz noch kaum bekanntes sowie dementsprechend auch wenig erforschtes Arbeitsfeld der Profession der Sozialen Arbeit dar. Dass die Schweizer Armee über einen internen Sozialdienst verfügt, ist schliesslich in der Literatur ein kaum auffindbares Thema und es bedarf somit einer exakteren Recherche, um an die spezifischen schriftlichen Beiträge dessen zu gelangen. Dass Personen, welche der Schweizer Armee zugehörig sind auf die Unterstützung professioneller Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter angewiesen sein könnten, erscheint womöglich auf den ersten Blick noch nicht ganz verständlich: Nur selten wird erkannt, dass die gesetzlich verordnete militärische Ausbildung in der Schweiz auch finanzielle Sorgen mit sich bringen kann oder die Armeeangehörigen in andere, familiäre, berufliche oder persönliche Schwierigkeiten versetzen kann. Daher kann erst nach einer näheren Betrachtung auch verstanden werden, welche herausfordernden Situationen sich an die Armeeangehörigen und somit schliesslich auch an den Sozialdienst der Armee stellen können.

In Nordamerika, sprich in den USA sowie in Kanada, erfreut sich dieses Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit im Militär einer grösseren Bekanntheit sowie auch einer weitaus breiter gefassten Literatur zur Thematik. Auch wissenschaftliche Beiträge erforschten das Arbeitsfeld und erarbeiteten Gründe für die notwendige Gewährleistung der Profession Soziale Arbeit. Dass die Soziale Arbeit innerhalb der Armee einen wichtigen Bestandteil für das Wohlergehen aller Armeeangehörigen ausmacht, scheint in Nordamerika also weitaus bekannter zu sein und für die Wissenschaft zudem ein interessantes zu erforschendes Gebiet darzustellen.

Es stellt sich an diesem Punkt schliesslich die Frage, worauf diese unterschiedliche Bekanntheit desselben Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit beruht. Diese Bachelorthesis setzt sich schliesslich mit dieser Thematik auseinander und will den Aufgaben dieses Arbeitsfeldes in den unterschiedlichen Ländern auf den Grund gehen und mögliche Gründe für die Unterscheidung ausarbeiten. Das Anliegen dieser Erarbeitung ist es, einen Überblick über die Aufgaben des Sozialdienstes der Armee in der Zusammenarbeit mit den Klientinnen und Klienten zu erschaffen und sowohl auch die Gründe für diese Aufgaben beschreiben zu können. Durch den Vergleich mit Kanada können für die Schweiz zudem mögliche Adaptionen der Berufsausübung Sozialer Arbeit erkannt werden, oder aber die Beständigkeit der Unterschiedlichkeit des Arbeitsfeldes in den beiden Ländern wird deutlicher ersichtlich. In jedem Fall jedoch wird die Analyse des Sozialdienstes der Armee auch in dessen Interesse liegen, um dadurch die Tätigkeit der praktizierenden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der Disziplin bekannter zu machen.

Die Auswahl der Länder Schweiz und Kanada beruht einerseits auf der in der Schweiz stattfindenden Ausbildung der Autorin sowie auf deren neuem Wohnort in Kanada. Ein Vergleich dieser beiden Länder stellt also einerseits für die Autorin selbst aus den eben genannten persönlichen Gründen eine interessante Analyse dar und andererseits stellen sich die beiden Länder durch ihre unterschiedliche Strukturierung der Armeen sowie der unterschiedlichen Berufsausübung der Sozialen Arbeit als ein spannender Vergleich dar.

Schliesslich wird im Rahmen dieser Bachelorthesis der folgenden Fragestellung nachgegangen:

Welche unterschiedlichen Aufgaben in der Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten stellen sich an die Soziale Arbeit in ihrer Tätigkeit im Berufsfeld Militär sowohl in der Schweiz wie auch in Kanada?

Im Rahmen dieser Bachelorthesis wird dieser Fragestellung in einer theoretischen Auseinandersetzung nachgegangen. Das heisst, alle für die Analyse wichtigen Beiträge werden durch literarische Beiträge zusammengetragen und in die Bachelorthesis aufgenommen.

Schliesslich lässt sich die Erarbeitung für die Fragestellung in dieser Bachelorarbeit in drei Teile gliedern. In einem ersten Teil werden die beiden zu analysieren Länder in Bezug auf spezifisch ausgewählte Themen vorgestellt. So befasst sich je die Schweiz wie auch Kanada mit einer Erläuterung zur Definition der Sozialen Arbeit im jeweiligen Land und greift danach über zu den ethischen Richtlinien, welche in der Schweiz und in Kanada für die Berufsausübung der Sozialen Arbeit von wichtiger Bedeutung sind. Anschliessend wird in einem kurzen Kapitel jeweils in das Militär des jeweiligen Landes eingeführt, um somit der da praktizierenden Sozialen Arbeit einen institutionellen Rahmen zu schaffen. Dem folgend wird die Soziale Arbeit in der Armee vorgestellt; einerseits in Bezug auf ihren historischen Kontext und andererseits auf ihre heutigen Tätigkeiten und Aufgaben.

Nach Abschluss dieser Kapitel widmet sich ein grösserer Teil dieser Arbeit der Diskussion, in welcher das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit in den beiden Ländern miteinander verglichen wird. Es ist jener Teil der Arbeit, welcher sich auch den möglichen Gründen für Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten in den Aufgaben widmet und versucht zu erklären, weshalb die Berufsausübung im jeweiligen Land so oder so definiert wird.

In einem Fazit, dem letzten Teil dieser Bachelorthesis, wird schliesslich zusammenfassend nochmals eine Rückschau auf die Analyse unternommen und mit einem Ausblick in die Ferne geschaut. Dabei soll das Interesse für weitere Analysen oder Forschungen des Arbeitsfeldes geweckt und die Wissenschaft zur weiteren Forschung der Sozialen Arbeit im Militär angeregt werden.

1. Definition der Sozialen Arbeit in der Schweiz

Die Definition der Sozialen Arbeit in der Schweiz orientiert sich an der globalen Definition von Sozialer Arbeit der Internationalen Föderation der Sozialarbeiter mit Stand vom Juli 2014 (AvenirSocial, 2010, S. 8). Beschrieben wird, dass die Soziale Arbeit zum Zweck hat, einen sozialen Wandel zu begünstigen, den zwischenmenschlichen Zusammenhalt zu fördern und die Stärkung sowie die Befreiung aller Individuen zu bekräftigen (Internationaler Verband der Sozialarbeiter, 2019). Festgehalten wird in dieser Definition weiter, dass «Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit, der Menschenrechte, der kollektiven Verantwortung und der Achtung der Vielfalt (. . .)» (2019) für die Berufsausübung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter ein massgebendes Element ihrer Professionalität ausmacht (2019). Durch das fundierte theoretische Wissen bezüglich des menschlichen Verhaltens sowie der sozialen Systeme in denen Individuen miteinander interagieren, erlangen Professionelle der Sozialen Arbeit das Können, in komplexen Zwischenmenschlichen Situationen professionell zu Handeln und Interagieren (AvenirSocial, 2010, S. 8). Als grundlegend für die Berufsausübung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gelten einerseits die Prinzipien der Menschenrechte und andererseits jene der sozialen Gerechtigkeit (S. 8). Im nächsten Kapitel wird auf diese ethischen Grundsätze der Profession Soziale Arbeit näher eingegangen.

1.1 Ethische Grundlagen der Sozialen Arbeit in der Schweiz

Das moralische berufliche Handeln aller Professionellen der Sozialen Arbeit orientiert sich in der Schweiz nach den Richtlinien des ethischen Handelns des Berufskodexes der Sozialen Arbeit von AvenirSocial (AvenirSocial, 2010, S. 4). Anhand dieser festgelegten Richtlinien kann die Berufsausübung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit Klientinnen und Klienten legitimiert sowie die professionelle Identität der Praktizierenden gefestigt werden (S. 4). Das soll bedeuten, dass sich jegliche Art der Berufsausübung der Sozialen Arbeit an den ethischen Richtlinien des Berufskodexes orientieren soll und so eine gemeinschaftliche Übereinstimmung der Handlungen und Werte angestrebt werden kann. Die Basis der Orientierung des aktuellen Berufskodexes der Sozialen Arbeit stellen die internationalen ethischen Prinzipien für Soziale Arbeit des IFSW/IASSW dar, welche im Jahre 2004 publiziert wurden (S. 5).

Mit seiner ethischen Begründung für die Berufsausübung der Sozialen Arbeit richtet sich der Berufskodex an alle Professionellen der Sozialen Arbeit sowie die Organisationen, wo Soziale Arbeit stattfindet; an alle Schulen, Kurse und weiteren Ausbildungsstätten in denen die Profession Soziale Arbeit gelehrt oder weitergebildet wird; an ein gesamtes interdisziplinäres Team, in welchem auch mindestens eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter tätig ist sowie die Öffentlichkeit, sofern da Ausgebildete der Sozialen Arbeit ihren Beruf praktizieren (S. 4).

Als professionelle Sozialarbeiterin oder professioneller Sozialarbeiter wird mit der Berufsausübung einhergehend die Würde eines jeden Individuums respektiert sowie die daraus resultierenden Rechte anerkannt (S. 8). Durch Professionelle der Sozialen Arbeit werden alle Menschen als gleich beachtet und erfahren durch sie den erforderten Respekt ihres Rechtes der Grundwerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit (S. 8). Die Berufsausübung der professionellen Sozialen Arbeit erfordert in Bezug auf die Menschenrechte und die Menschenwürde die Einhaltung von fünf Grundsätzen. Das Einhalten und Befolgen dieser Grundsätze stellt für die Berufsausübenden der Sozialen Arbeit eine hohe Anforderung dar, welche nicht immer erfüllt werden kann. So stellen die nun folgenden fünf Grundsätze auch keine Pflicht für die Professionellen der Sozialen Arbeit dar:

1. Grundsatz der Gleichbehandlung: Jedem Menschen, unabhängig einer Zugehörigkeit, eines moralischen Verhaltens, einem nicht erfüllen von zu erwartenden Handlungen und weiterem, stehen die vollumfänglichen Menschenrechte zu (S. 8).
2. Grundsatz der Selbstbestimmung: Mit der Berücksichtigung auf die potentielle Selbst- und/oder Fremdgefährdung der Menschen, ist der Wahrung der individuellen Entscheidung und Wahl in Bezug auf das persönliche Wohl der Adressatinnen und Adressaten oder Klientinnen und Klienten der Sozialen Arbeit eine hohe Priorität zuzuschreiben (S. 8).
3. Grundsatz der Partizipation: Die Teilhabe von Klientinnen und Klienten sowie Adressatinnen und Adressaten der Sozialen Arbeit am gesellschaftlichen Leben und der Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit darf nicht missachtet werden (S. 9).
4. Grundsatz der Integration: «Die Verwirklichung der Menschen in demokratisch verfassten Gesellschaften bedarf der integrativen Berücksichtigung und Achtung der physischen, psychischen, spirituellen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen, sowie ihrer natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelt» (AvenirSocial, 2010, S. 9)
5. Grundsatz der Ermächtigung: Allen Menschen muss die Möglichkeit gewährt sein, die Gestaltung einer Sozialstruktur zu gestalten (S. 9). Die Soziale Arbeit unterstützt hierbei Individuen, Gruppen sowie Gemeinwesen bei der Stärkung ihrer Potentiale und legt Wert auf die Wahrung ihrer Rechte (S. 9.).

Neben der Wahrung der Menschenrechte und der Menschenwürde besteht ein wichtiger Bestandteil des professionellen ethischen Handelns der Sozialen Arbeit aus der Wahrung der gleichbedeutenden sozialen Gerechtigkeit für alle Menschen (S. 9). Mit diesem Bestandteil des ethischen Handelns will die Soziale Arbeit Sozialstrukturen sowie Solidarsysteme wahren und begünstigen, welche aktuellen Bedürfnissen und den Menschen gerecht werden (S. 9). Ebenfalls resultieren aus der Wahrung und Förderung der sozialen Gerechtigkeit fünf Grundsätze, welche die professionelle Soziale Arbeit legitimiert (S. 9). Die im Folgenden vorgestellten fünf Grundsätze gelten weiterführend zu den vorherig aufgeführten Grundsätzen der Menschenrechte und Menschenwürde:

1. Verpflichtung zur Zurückweisung von Diskriminierung: Die Profession der Sozialen Arbeit duldet in keiner Weise die Diskriminierung eines Menschen (S. 9).
2. Verpflichtung zur Anerkennung von Verschiedenheiten: Die Individualität eines Menschen, die Einzigartigkeit einer Gruppe und einer Gemeinschaft ist in jeder Hinsicht von den Professionellen der Sozialen Arbeit zu respektieren und zu wahren (S. 9).
3. Verpflichtung zur gerechten Verteilung von Ressourcen: Professionelle der Sozialen Arbeit verpflichten sich dazu, die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel und Ressourcen bedürfnisgerecht, sinnvoll sowie rechtmässig an die Menschen der Gesellschaft auszuteilen (S. 10). Bei Verdacht auf Missbrauch müssen die praktizierenden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter versuchen, das Solidarsystem durch den Einsatz ihrer eigenen Kräfte zu schützen (S. 10).
4. Verpflichtung zur Aufdeckung von ungerechten Praktiken: Werden ungerechte, nachteilige oder unterdrückende Praktiken von Professionellen der Sozialen Arbeit entdeckt, so ist die Öffentlichkeit darüber zu informieren (S. 10). Stossen Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeiter während der eigenen Berufsausübung auf eine ähnliche Situation, so ist diese mit der Begründung auf einen Verstoss gegen die soziale Gerechtigkeit abzulehnen (S. 10).
5. Verpflichtung zur Einlösung von Solidarität: Solidarisches Verhalten wird von Professionellen der Sozialen Arbeit verlangt (S. 10). Solidarisches Verhalten bedeutet, sich gegen Ungerechtigkeit, Ausschluss, Unterdrückung, Stigmatisierung oder Ausbeutung zu wehren sowie bestehende Gleichgültigkeiten gegenüber ähnlichen Themen aufzuheben (S. 10).

Dann, wenn die Berufsausübung der Sozialen Arbeit auf diese Grundsätze und Verpflichtungen hin reflektiert wird, kann sie als eine ethisch begründete Praxis bezeichnet werden (S. 10).

Erscheinen für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter während ihrer Berufsausübung ausweglose Situationen, im Sinne eines Dilemma oder eines Interessenkonfliktes, so kann die Kommission der Berufsethik von AvenirSocial in die Thematik eingeführt und gemeinsam einen ethisch legitimierten Weg angestrebt werden (S. 14).

2. Militär in der Schweiz in Kürze

Die Schweizer Armee erweist sich im Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) als die Gruppe Verteidigung aus (Schweizer Armee, n.d.k). Zum heutigen Zeitpunkt (Mai 2019) wird das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport von der Bundesrätin Viola Amherd geleitet. Geführt wird die Schweizer Armee vom Chef der Armee. Unterstützt wird dieser in seiner Führung und den damit verbundenen Aufgaben vom Armeestab (n.d.k). Gemeinsam bilden sie das Führungsorgan für die ihnen unterstellten Bereiche des Einsatzes (Kommando Operationen), Unterstützung (Logistikbasis der Armee und Führungsunterstützungsbasis) und der Ausbildung (Kommando Ausbildung) (n.d.k). Die auf der nächsten Seite vorzufindende Abbildung 1 verdeutlicht diese Organisation der Schweizer Armee in einer illustrierten und vereinfachten Weise. Auf der Abbildung 1 nicht erkennbar ist das Departement VBS.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gemäss Art. 58 Abs. 1 BV (SR 101) ist die Schweizer Armee im Sinne des Milizprinzips organisiert. Das bedeutet, dass das Engagement in der Schweizer Armee für Schweizer und Schweizerinnen ein mehr oder weniger freiwilliger Entscheid ist. Denn grundsätzlich ist jeder Schweizer nach Art. 59 Abs. 1 BV (SR 101) mit Stand 14. Mai 2014 wehrpflichtig, Frauen sind nach Abs. 2 von dieser Wehrpflicht ausgeschlossen und können sich freiwillig der Schweizer Armee anschliessen. Entscheidet sich ein Schweizer gegen diese verfassungsmässige Wehrpflicht, wird vom ihm gemäss Art. 59 Abs. 1 BV (SR 101) (Stand 18. Mai 2014) ein ziviler Ersatzdienst verlangt. Leistet ein Schweizer weder die Wehrpflicht noch einen Ersatzdienst, so wird von ihm nach Art. 59 Abs. 3 BV (SR 101) mit Stand 14. Mai 2014 eine finanzielle Abgabe gefordert, welche der Bund erhebt und die Kantone veranlagt sowie einzieht. Bei Dienstuntauglichkeit, das heisst Schweizer, die aus medizinischer, intellektueller oder psychischer Sicht keinen Militärdienst leisten können, da sie durch den Dienst sich selbst oder anderen schaden könnten, werden durch ein Attest von der Dienstpflicht entlassen (medizinische Entlassung aus dem Dienst) (Schweizer Armee, n.d.j).

Diese verfassungsmässige Wehrpflicht der Schweizer beinhaltet die 18-wöchige Rekrutenschule (RS) sowie darauffolgende sechs 3-wöchige Wiederholungskurse (WK), welche andauern, bis die militärische Dienstpflicht erfüllt wurde (Schweizer Armee, 2017, S. 14).

Alle Schweizer und Schweizerinnen, welche sich für den Militärdienst entscheiden, werden durch die Schweizer Armee als Angehörige der Armee (AdA) bezeichnet und erhalten mit diesem Eintritt in die Armee jegliche damit verbundenen militärischen Rechte und Pflichten (S. 3).

Die Schweizer Armee stellt für die Schweiz ein Sicherheitsorgan dar, welches das Land vor militärischen Angriffen schützt, bei Naturkatastrophen oder der Gefährdung der inneren Sicherheit gemeinsam mit zivilen Behörden zusammenarbeitet und weiter Aufgaben für die Friedensförderung in einem internationalen Rahmen übernimmt (S. 4). Die Aufgaben der Schweizer Armee sind einerseits in der Bundesverfassung in Art. 58 Abs. 1 Abs. 2 und Abs. 3 (SR 101) mit Stand 14. Mai 2014 verankert sowie detaillierter im Schweizer Militärgesetz (SR 510.10).

Nach Art. 1 Abs. 1 MG (SR 510.10) erfüllt die Schweizer Armee den Zweck, dem Land den Frieden zu bewahren indem sie zur Kriegsverhinderung beiträgt. Art. 1 Abs. 2 MG (SR 510.10) sagt weiter über die Aufgaben der Schweizer Armee aus, dass die Schweizerische Bevölkerung durch die Gewährleistung der Armee geschützt sowie das Land verteidigt werden kann. Die Unterstützung, welche die Schweizer Armee den zivilen Behörden zu gewährleisten hat, sei es die Abwehr von gravierenden Bedrohungen der inneren Sicherheit oder die Unterstützung bei Katastrophen im In- und Ausland, werden in Art. 1 Abs. 3 a und b MG (SR 510.10) festgehalten. Art. 1 Abs. 4 MG (SR 510.10) beschreibt die von der Schweizer Armee zu leistenden Beiträge für die Friedensförderung über die Grenzen der Schweiz hinausgehend.

Die Armee erwähnt wörtlich, dass sich das Zusammenleben der Angehörigen der Armee in einer Gemeinschaft abspielt, die nicht frei wählbar ist sowie persönliche Gewohnheiten, individuelle Wünsche und die Privatsphäre während der Dienstpflicht eingeschränkt sind (Schweizer Armee, 2017, S. 42). Diese Zeit, in der die Angehörigen der Armee den Anforderungen und disziplinarischen Massnahmen unterstellt sind, wird Dienstzeit genannt; sie dauert den ganzen Militärdienst ab der Einrückungsreise an und endet erst wieder, wenn die Abschlussreise beendet wurde (S. 43). Die Dienstzeit der Angehörigen der Armee wird weiter unterteilt in Arbeitszeit, Ruhezeit und Freizeit, wobei die Ruhezeit zur Erholung der Angehörigen der Armee dient und bei Bedarf auch auf Befehl ausgeführt werden muss (S. 43).

Weiter beschreibt die Armee die herrschende Kultur und die damit einhergehenden Umgangsformen im Zusammenleben der Angehörigen der Armee (S. 44). So erscheinen als wichtige Zugehörigkeitsmerkmale der Armee die identische Uniform aller mit ihren unterschiedlichen Rangabzeichen, dem persönlichen An- sowie Abmelden beim Ansprechen von Ranghöheren sowie das Grüssen aus Höflichkeit bei Begegnungen (S. 44). Das Tragen der Uniform in der Öffentlichkeit verpflichtet die Angehörigen auf Grund der Repräsentation der Armee zu einem korrekten Verhalten auch ausserhalb der Armee (S. 45).

Die Armee ist versucht, den Kontakt der Angehörigen der Armee zu ihrer Familie, den nahen Angehörigen und den Freunden während ihrer Dienstzeit so aufrecht wie möglich zu erhalten (S. 46). Um diesem Anliegen gerecht zu werden, besteht für die Angehörigen der Armee sowie die Personen, welche mit ihnen in Kontakt sein wollen die Möglichkeit, Post bis zu einem gewissen Gewicht kostenlos zu versenden sowie sich während der Freizeit zu sehen (S. 43-47).

Weiter legt das Schweizer Militär einen besonderen Wert auf die Gesundheit der Armeeangehörigen. Vor jedem Einrücken in einen Dienst müssen sich alle Männer und Frauen einer sogenannten sanitarischen Eintrittsmusterung unterziehen, um sich dabei auf ihre Gesundheit untersuchen zu lassen (S. 49). Erkrankt oder verunfallt ein Militärangehöriger oder eine Militärangehörige während eines Dienstes, wird über den Militärarzt ein Gutachten erstellt und über den weiteren Verlauf der Dienstpflicht entschieden (S. 49). Bei Krankheit oder Unfall sind die Angehörigen der Armee zudem über die Militärversicherung versichert.

Benötigen Angehörige der Armee Unterstützung oder Hilfe in nicht-medizinischen Angelegenheiten, sei es beispielsweise bei persönlichen, familiären oder finanziellen Schwierigkeiten, so wird ihnen diese über den Armeeseelsorger, den Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee oder den Sozialdienst der Armee bereitgestellt (S. 54).

2.1 Soziale Arbeit im Militär der Schweiz

Die nun folgenden Kapitel befassen sich mit der Sozialen Arbeit in der Institution Militär in der Schweiz. In einem ersten Abschnitt wird dabei der geschichtliche Hintergrund beleuchtet. In einem nächsten Kapitel wird aufgeklärt, was der Sozialdienst der Armee ist und welches Ziel er mit seiner Arbeit verfolgt. Schliesslich wird in die Aufgaben der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Sozialdienstes der Armee eingeführt.

2.1.1 Geschichtlicher Hintergrund des heutigen Sozialdienstes der Armee

Der heutige Sozialdienst der Armee geht in seiner Geschichte auf das Jahr 1476 zurück, als durch den Luzerner Rat erstmalig eine Soldatenfürsorge geregelt wurde (Brun, 2018, S. 4). Bei Verwundung eines Soldaten habe der Staat für diesen sowie seine Kinder bis zu seiner Genesung zu sorgen (S. 4). Luzern sei damals nicht der einzige Kanton gewesen; auch andere Schweizer Kantone übernahmen ähnliche Beschlüsse, um die Soldaten vor Schwierigkeiten zu schützen (S. 4). Gut 300 Jahre später, 1799, wurde in Zürich eine sogenannte Hülfsgesellschaft gegründet, welche mit ihrer Hilfe die damaligen Bedürftigen (Witwen, Kranke, Waisen) unterstützte (S. 4). Diese Hülfsgesellschaft legte einen wesentlichen Baustein für das Aufkommen der schweizerischen Militärfürsorge, welche schliesslich 1817 gesetzlich verankert wurde (S. 4). Weitere 60 Jahre führten dazu, dass die Zürcherische Winkelriedstiftung gegründet wurde, mit welcher Verwundete, Erkrankte oder anderweitig in Not geratene Angehörige der Armee unterstützt werden sollen (S. 5). Bereits damals, vor über 100 Jahren, wurde dabei an die Hinterbliebenen von verstorbenen Armeeangehörigen gedacht, so dass diese bei Todesfällen eines Angehörigen von der Zürcherischen Winkelriedstiftung unterstützt werden konnten (S. 5). 1915 wurde schliesslich die Zentralstelle für Soldatenfürsorge gegründet und 1939 fiel der Entscheid des Bundesrates über eine Lohnersatzordnung für Schweizer Armeeangehörige (S. 6-8).

2.1.2 Sozialdienst der Armee

Heute stellt der Sozialdienst der Armee (SDA) einen wichtigen Bestandteil für die Gewährleistung der Schweizer Armee des Landes dar, indem durch ihn das Wohlergehen der Armeeangehörigen sowie der Angehörigen des Zivilschutzes gesteigert wird. Mit den raschen sowie formal niederschwelligen Beratungen und Unterstützungen der Angehörigen der Armee durch die zivilen oder militärischen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter will zudem auch der gewohnte und geordnete Dienstbetrieb innerhalb der Armee aufrechtgehalten werden (Schweizer Armee, 2010, S. 2). Das soll bedeuten, dass sich Rekruten und Soldaten, welche während oder durch die Erfüllung ihrer Militärpflicht in berufliche, familiäre oder persönliche Schwierigkeiten geraten sind, sich weiterhin auf ihre militärische Ausbildung konzentrieren können. Vom Sozialdienst der Armee angesprochen sind schliesslich alle Armeeangehörigen; Rekruten und Soldaten in militärischen Schulen, Kursen oder Formationen, solche in Friedensförderungsdiensten im Ausland oder jene im Assistenz- oder Aktivdienst (Brun, 2008, S. 1). Auch Personen, welche anstelle der Rekrutenschule einen Zivilschutz absolvieren, können vom Sozialdienst der Armee als Klientinnen und Klienten aufgenommen und beraten oder unterstützt werden (Sozialdienst der Armee, 2012, S. 1). Des Weiteren unterstützt und berät der Sozialdienst der Armee Militärpatienten sowie Hinterbliebene von verstorbenen Armeeangehörigen bei materiellen und immateriellen Schäden oder Sorgen (S. 1). Militärpatienten werden dann unterstützt, wenn die Leistungen des Schweizer Staates bisweilen nicht erbracht wurden, sie, im Härtefall, nicht erbracht werden können oder das erhaltene Geld nicht für den Lebensunterhalt der betroffenen Person ausreichend ist (Brun, 2008, S. 1). Zudem werden Militärpatienten auch bei ihrer Rückkehr ins zivile Leben unterstützt, das heisst, die Rückkehr ins Berufsleben sowie der Aufbau einer neuen Existenz wird in enger Zusammenarbeit mit einer Beraterin oder einem Berater des Sozialdienstes der Armee vorbereitet und ausgeführt (S. 1).

Für Hinterbliebene von Militärpatienten oder von verstorbenen Armeeangehörigen sorgt der Sozialdienst der Armee mit Anteilnahme und Mobilisierung der eigenen Kräfte der Betroffenen und er vergewissert sich, dass die zu erhaltenden rechtlichen Leistungen des Staates erhalten werden (S. 1). Reicht dies nicht aus, können Beraterinnen und Berater des Sozialdienstes der Armee die Betroffenen mit finanziellen Zuschüssen weiter unterstützen und so derer stabilen Lebensunterhalt gewährleisten (S. 1).

Ausgeschlossen von den Beratungen und Unterstützungen des Sozialdienstes der Armee sind Personen, welche Zivildienst leisten. Der nicht militärische Zivildienst ist nicht zu verwechseln mit dem militärischen Zivilschutz.

Finanziert wird der Sozialdienst der Armee durch Zuschüsse von Stiftungen, genannt seien als nicht abschliessende Beispiele die Schweizerische Nationalspende für unsere Soldaten und ihre Familien, die Stiftung Sozialfonds Verteidigung und Bevölkerungsschutz ( inklusive der Eidgenössischen Winkelriedstiftung und dem Fonds Baron de Grenus) oder die General Guisan-Stiftung, sowie durch private Spendengelder (Sozialdienst der Armee, 2012, S. 2).

Der Sozialdienst der Armee leistet materielle sowie immaterielle Hilfe für alle Angehörigen der Armee, welche aufgrund ihrer Dienstpflicht in beruflichen, familiären oder persönlichen Situationen auf Schwierigkeiten stossen oder bereits in Not geraten sind (Brun, 2008, S. 1). Zudem unterstützt der Sozialdienst der Armee alle Militärpatienten sowie die Hinterbliebenen von verstorbenen Armeeangehörigen, welche während ihrer Dienstpflicht verunfallt oder verstorben sind (S. 1).

Der Sozialdienst der Armee will den Angehörigen der Armee den Zugang zu Beratungen und Unterstützung so niederschwellig wie möglich gestalten. So kann einerseits über den Kommandanten der Einheit, über die Verbindungsperson in der Kader- oder Rekrutenschule oder direkt via Anmeldungstalon des Sozialdienstes der Armee mit einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter Kontakt aufgenommen werden (Sozialdienst der Armee, 2012, S. 2). Über den Sozialdienst der Armee werden alle Angehörigen der Armee im Rahmen einer Informationsbroschüre über die Schweizer Armee bereits vor Beginn ihrer militärischen Ausbildung informiert (Schweizer Armee, 2017, S. 54). Dabei rät der Sozialdienst der Armee auch bereits, dass finanzielle Situationen schon vor dem Beginn der Rekrutenschule geregelt werden sollten, um mögliche Belastungen in Folge der militärischen Ausbildung zu vermeiden (S. 54). Auch die direkte Kontaktaufnahme mit einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter kann bereits vor Beginn der Rekrutenschule stattfinden – der niederschwellige Zugang wird bereits da gewährleistet (S. 54).

Angehörige der Armee verfügen schliesslich über die freie Wahl, ob sie Hilfe und Unterstützung auf dem Sozialdienst der Armee aufsuchen wollen oder nicht.

Der Sozialdienst der Armee ist zusammengesetzt aus zivilen sowie militärischen Beraterinnen und Berater. Zivile Beraterinnen und Berater sind Personen, welche einen anerkannten Abschluss der Sozialen Arbeit tragen und als zivile Personen für die Schweizer Armee arbeiten. Sie tragen weder eine Uniform noch besitzen sie einen militärischen Rang. Militärische Beraterinnen und Berater, auch genannt als Milizsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter, führen ihre beratende Funktion während ihrer Dienstzeit aus. Sie tragen dabei eine Uniform und besitzen einen militärischen Rang.

Zivile Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Militärs arbeiten auf einem Büro ausserhalb Rekruten- und Kaderschulen, besuchen diese jedoch bei Bedarf um dort mit den Klientinnen und Klienten in persönlichen Kontakt zu kommen. Die militärischen Beraterinnen und Berater unterstützen die zivilen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in dieser Aufgabe.

2.1.3 Aufgaben der Sozialen Arbeit im Militär

Die Soziale Arbeit übernimmt in der Schweizer Armee verschiedene Aufgaben, bewegt sich dabei aber immer zwischen einer beratenden, betreuenden, vermittelnden, informierenden sowie unterstützenden Funktion für die Klientinnen und Klienten (Sozialdienst der Armee, 2012, S. 2). Die Hauptaufgabe der zivilen sowie militärischen Beraterinnen und Berater besteht darin, die Angehörigen der Armee und des Zivilschutzes vor materiellen sowie immateriellen Schäden zu schützen, welche durch die Erfüllung ihrer Dienstpflicht auftreten können oder sich nicht vor dem Eintritt in die Dienstpflicht erledigen liessen (Schweizer Armee, 2010, S. 2).

Der Zweck hinter dieser Aufgabe besteht für die Armee darin, die Konzentration der Angehörigen der Armee weiterhin auf der Ausführung ihrer militärischen Ausbildung zu belassen sowie das Wohlergehen der Personen während ihrer Dienstpflicht zu schonen oder erhöhen (S. 2). Nebst der Betreuung der Angehörigen der Armee sowie des Zivilschutzes betreuen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auch die Militärpatienten, welche während ihres Dienstes verunfallt oder erkrankt sind sowie die Hinterbliebenen von verstorbenen Militärangehörigen der Schweizer Armee (Sozialdienst der Armee, 2012, S. 2). Auch hier bewegt sich die Soziale Arbeit zwischen ihrer beratenden, betreuenden, informierenden, vermittelnden sowie unterstützenden Funktion, um den Betroffenen die bestmögliche Unterstützung und Beratung in Bezug auf ihre Situation zu gewährleisten (S. 2).

Einen grossen Teil der Arbeit der zivilen und militärischen Beraterinnen und Beratern fällt auf die Betreuung der Rekruten in den Schweizerischen Rekrutenschulen (Sozialdienst der Armee, 2010, S. 2).

Die Rekrutenschule der Schweiz beginnt pro Jahr zu zwei verschiedenen Daten (Schweizer Armee, n.d.i). Gemäss internen Angaben nahm 2009 fast jeder 10. Rekrut einmal in einem Beratungsgespräch der Sozialen Arbeit Platz, um dort persönliche, familiäre oder berufliche Herausforderungen zu besprechen (Sozialdienst der Armee, 2010, S. 2). Rund zwei Drittel dieser Anzahl konnte mit einer Beratung gedient werden, wobei ein Drittel der Rekruten auf eine finanzielle Unterstützung des Sozialdienstes angewiesen war, um so mit den aktuellen Herausforderungen umgehen zu können (S. 2). Zudem äussert der Sozialdienst der Armee, dass sich die Komplexität der individuellen Fälle der Rekruten und Zivilschutzleistenden verstärkt (S. 2). Annahmen seien hierzu Schwierigkeiten und Herausforderungen in verschiedenen Lebenssituationen der betroffenen Personen, welche vor ihrer Dienstpflicht nicht behandelt werden und so schliesslich während der militärischen Ausbildung in Erscheinung treten können (S. 2).

Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Sozialdienstes der Armee üben in der Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten unterschiedliche Aufgaben aus. In erster Linie beraten und unterstützen die zivilen sowie militärischen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter alle Angehörigen der Armee und alle Angehörigen des Zivilschutzes dann, wenn diese während militärischen Schulen oder Kursen, welche in der Dienstpflicht stattfinden, in familiäre, persönliche oder berufliche Schwierigkeiten geraten, kurz; bei sozialen Problemen (Brun, 2018, S.19). Ebenfalls zu den Aufgaben des Sozialdienstes der Armee zählen die finanzielle Unterstützung von Militärpatienten, sofern diese auf eine finanzielle Ergänzung zu ihrer bestehenden Militärversicherung angewiesen sind oder diese noch nicht in Kraft getreten ist sowie die finanzielle Unterstützung von Hinterbliebenen der verstorbenen Armeeangehörigen (S. 19).

In Bezug auf finanzielle Schwierigkeiten von Armeeangehörigen kann es sein, dass Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeiter die Betroffenen darin beraten, wie mit anfallenden Schulden im Privaten umgegangen werden kann (Schweizer Armee, 2018, Video-Podcast). So dürfen Armeeangehörige während der Rekrutenschule beispielsweise nicht betrieben werden (Video-Podcast). Wenn von Schulden Betroffene durch den Sozialdienst der Armee darüber informiert werden können, kann seitens der Betroffenen bereits eine drückende Last weggenommen werden. Dies kann sich positiv auf das Wohlergehen sowie schliesslich auch auf die Gesamtsituation der Person auswirken. Darüber hinaus wird auch informiert, dass sich die finanziellen Ausgaben der Armeeangehörigen während der Zeit der Rekrutenschule verringern, da für die Unterkunft, das Essen, den kostenlosen öffentlichen Verkehr sowie der Wegfall der Krankenkassenprämien gesorgt wird (Video-Podcast). Auf Wunsch der Betroffenen bietet der Sozialdienst der Armee die Möglichkeit einer Schuldenberatung an, übernimmt aber auch wie andere Schuldenberatungen nicht die finanziellen Kosten für die zu bezahlenden Rechnungen (Video-Podcast).

In ihrer informativen Funktion zu unterschiedlichen Lebenssituationen der Klientinnen und Klienten, können die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auch auf Unterstützungsmöglichkeiten ausserhalb der Armee hinzuweisen (Video-Podcast). Die Armee liefert hierzu das Beispiel von Bauern, die durch ihre Dienstpflicht den eigenen Hof nicht mehr führen und sich aus finanziellen Gründen keine Aushilfe leisten können; der Sozialdienst verweist hier auf Bauernverbände hin sowie Zusatzleistungen, um diese finanzieren zu können (Video-Podcast). Diese Art der informativen Funktion des Sozialdienstes der Armee lässt sich auch auf andere herausfordernde Lebensumstände ausdehnen, mit welchen Betroffene auf Grund ihrer Erfüllung der Dienstpflicht konfrontiert sein können.

Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin oder dem Sozialarbeiter des Sozialdienstes der Armee wird zudem bei den Gesprächen eine Budgetplanung aufgestellt (Video-Podcast). Durch eine solche Budgetplanung während der Dienstpflicht kann für den Sozialdienst der Armee ersichtlich werden, ob Armeeangehörige aufgrund dieser Pflicht in eine finanzielle Herausforderung geraten und dabei auf Unterstützung angewiesen sind (Video-Podcast). Sind Angehörige der Armee aufgrund einer finanziellen Notlage auf eine unmittelbare Unterstützung angewiesen, können Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auch einen unbürokratischen und schnellen finanziellen Zuschuss ermöglichen (Video-Podcast).

Bei den Beratungen und Unterstützungen der Armeeangehörigen wird in der Regel stark darauf geachtet, bei den Gesprächen auch die sozialen Systeme der Betroffenen zu eruieren, um so einen Gesamtüberblick hinsichtlich einer Situation zu erhalten (Video-Podcast). Diese ganzheitliche Sicht kann dazu dienen, Ressourcen aufzudecken, welche die Betroffenen in einer herausfordernden Situation ebenfalls unterstützen können. Auf der anderen Seite können aber auch Faktoren erkannt werden, welche sich in negativer Weise auf eine Situation auswirken und wobei möglicherweise eine Triage zu einer anderen militärinternen Stelle – sei es der Psychologisch-Pädagogische Dienst, der Armeeseelsorger oder der medizinische Dienst – in Betracht gezogen werden sollte (Video-Podcast). Diese Hilfe zur Selbsthilfe soll schliesslich auch dazu dienen, dass die Klientinnen und Klienten durch die Unterstützung und Beratungen des Sozialdienstes der Armee auch wieder ihre eigenen Kräfte und Ressourcen nutzen können (Sozialdienst der Armee, 2012, S. 2).

Zu den Aufgaben, welche die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten angehen, zählen also überwiegend die finanzielle Unterstützung bei kleineren sowie grösseren Notlagen, welche durch die Erfüllung der Dienstpflicht auftreten sowie die beratende und informative Funktion, um herausfordernde Lebenssituation zu besprechen und auf weitere Unterstützungsmöglichkeiten hinzuweisen. Auch die Triage mit anderen militärinternen Stellen erweist sich als einen wichtigen Aufgabenbereich der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, um die Klientinnen und Klienten bestmöglich in ihrer Situation zu unterstützen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Soziale Arbeit im Militär. Die Schweiz und Kanada im Vergleich
Hochschule
Berner Fachhochschule Soziale Arbeit
Note
4.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
49
Katalognummer
V509034
ISBN (eBook)
9783346070623
ISBN (Buch)
9783346070630
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, arbeit, militär, schweiz, kanada, vergleich
Arbeit zitieren
Vera Schmid (Autor), 2019, Soziale Arbeit im Militär. Die Schweiz und Kanada im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509034

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Soziale Arbeit im Militär. Die Schweiz und Kanada im Vergleich



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden