Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit. Hintergründe und kritische Stellungnahme


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Lebensweltorientierte soziale Arbeit: Das Konzept
2.1 Lebensweltorientierung als Wissenschaftskonzept
2.2 Begriffsklärung
2.3 Entwicklungsphasen
2.4 Traditionslinien der Lebensweltorientierung
2.5 Die Rekonstruktion der Lebenswelt
2.6 Dimensionen
2.7 Handlungsmaximen

3 Lebensweltorientierung in der Behindertenhilfe

4 Kritische Stellungnahme

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Für meine erste wissenschaftliche Arbeit habe ich mich für das Thema Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch entscheiden. Der Begriff der Lebensweltorientierung ist allgegenwärtig und gewann im Laufe der Jahrzehnte in der Sozialpädagogik immer mehr an Bedeutung (Thiersch, Rauschenbach & Ortmann, 2000, S. 13). Auf den geschichtlichen Hintergrund, bzw. auf die Entwicklungsphasen gehe ich im 2.3 näher ein.

In der folgenden Arbeit befasse ich mich mit dem theoretischen Hintergrund des Konzeptes der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und möchte die einzelnen Aspekte differenziert beleuchten. Ich erläutere das Konzept und seine gesellschaftliche Funktion in der Sozialen Arbeit nach folgender Reihenfolge:

Eingangs möchte ich das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit vorstellen. Im zweiten Punkt gehe ich auf die Begrifflichkeiten wie Lebenswelt, Soziale Arbeit und Alltag ein. Im weiteren Punkt folgen die Entwicklungsphasen und die Traditionslinien der Lebensweltorientierung. Danach skizziere ich die Rekonstruktion der Lebenswelt und stelle Dimensionen der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit vor. Anschließend erläutere ich die Handlungsmaximen. Da ich in der Behindertenhilfe tätig bin, erscheint es mir wichtig, Entwicklungen des Konzeptes der Lebensweltorientierung in der Behindertenhilfe zu beleuchten. Zu guter Letzt folgt die kritische Würdigung des Konzeptes der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit.

In der Sozialen Arbeit werden mit Begriffen „Adressatlnnen“ und „Klientinnen“ die Hilfesuchenden definiert. Als Literaturquellen dienen diverse Veröffentlichungen von Hans Thiersch und anderen Co-Autoren zu diesem Thema.

Anzumerken sind die Schwierigkeiten bei der Beschaffung und Ausleihe von Fachliteratur in den Bibliotheken in und außerhalb meines Studienortes (Karlsruhe).

Unter lebensweltorientierter Sozialer Arbeit werden Konturen der Sozialen Arbeit verstanden, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte in zahlreichen, unterschiedlichen Diskussionen entwickelt haben. Lebensweltorientierung bildet das Rahmenkonzept für Intentionen der Sozialen Arbeit, die eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in Theorie und Praxis ermöglichen soll. Das Konzept bezieht sich auf die gegebenen Lebensverhältnisse der Menschen, dabei liegt der Fokus auf Hilfsangeboten zur Lebensbewältigung angeboten wird. Dabei versucht

Lebensweltorientierung die individuellen, sozialen, politischen Ressourcen und die regionalen Strukturen zu nutzen (vgl. Thiersch, 2003, S. 5).

Das Konzept lebensweltorientierter Sozialen Arbeit hat seinen Ursprung in der Jugendhilfe, im 8. Jugendbericht unter dem Titel einer lebensweltorientierten Jugendhilfe (vgl. Thiersch, 2003, S. 5).

Das Konzept der Lebensweltorientierung ist durch Hans Thiersch begründet worden, daher ist es von Bedeutung uns seine Biografie anzuschauen. Hans Thiersch wird im Jahre 1935 in Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen geboren. Im Jahre 1962 promoviert er zum Dr. phil. 1967 wird er als Professor an die Pädagogische Hochschule in Kiel berufen. Von 1970 bis 2002 ist Hans Thiersch als Professor für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik an der Universität Tübingen tätig. Er leitet das Institut für Erziehungswissenschaften an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften. Gemeinsam mit Prof. Dr. Müller führt er den Arbeitsbereich für Sozialpädagogik. Hans Thiersch ist zudem in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften tätig. Er wird zum Mitglied des Vorstandes und bekleidet das Amt des Vorstandsvorsitzenden. Im weiteren Verlauf seiner Tätigkeit als Mitglied der Studienreformkommission entwickelt Hans Thiersch Empfehlungen zum Ausbildungsbereich Sozialwesen. Er wird zum Mitglied der Sachverständigenkommission zum 8. Jugendbericht (vgl. Engelke, 1993, S. 271). Schwerpunkte seiner Arbeiten sind Theorie der Sozialpädagogik und der Sozialen Arbeit, Sozialethik, Alltags- und lebensweltorientierte Soziale Arbeit, Fragen der Handlungskompetenz und der Institutionalisierung in Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit (z.B. Beratung, Erziehungshilfen, Erlebnispädagogik, Gemeindepsychiatrischer Dienst). Hans Thiersch ist seit dem 31.03.2002 emeritiert (vgl. Thiersch, 2018).

2 Lebensweltorientierte soziale Arbeit: Das Konzept

Lebensweltorientierung ist neben der Gesellschaftstheorie, der Theorie von Biografie und sozialen Problemen, der Theorie von Institutionen nur ein Aspekt einer sozialpädagogischen Theorie. Dieser Aspekt der

Lebensweltorientierung bezieht sich auf die Bewältigungs- und Verarbeitungsformen von Problemen in der Lebenswelt der Adressatlnnen, gewissermaßen auf die Spielregeln, in denen die Vorgaben, Themen und Strukturen bearbeitet werden, die sich aus der gesellschaftlichen Situation, den biographisch geprägten Lebenserfahrungen und den normativen Ansprüchen ergeben. Lebensweltorientierung zielt auf die Bewältigungs- und

Verarbeitungsformen im Widerspiegel von Vorgabe und Gestaltung, von Gegebenem und Möglichem/ Aufgegebenem, von Aktualität und Potenz. (Thiersch, Rauschenbach & Ortmann, 2000, S.12).

„Lebensweltorientierung verbindet die Analyse von gegenwärtig spezifischen Lebensverhältnissen mit pädagogischen Konsequenzen.“ (Thiersch, Grunwald & Köngeter, 2012, S. 175)

Im Unterschied zum defizitären Blick traditioneller Sichtweisen, betont das Konzept der Lebensweltorientierung das Handlungsrepertoire des Individuums und dessen gesellschaftlichen Bedingungen. Lebensweltorientierung stellt ein Konzept dar, das institutioneile und methodische Antworten auf besondere Lebensverhältnisse bietet (vgl. Thiersch, Grunwald & Köngeter, 2012, S. 175).

2.1 Lebensweltorientierung als Wissenschaftskonzept

Das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit versteht sich als Theoriekonzept der Sozialen Arbeit. Als Theoriekonzept behandelt es grundlegende Fragen und Positionen der Sozialen Arbeit. Diese stellen Fragen zur gesellschaftlichen Funktion der Sozialen Arbeit, ihrer Aufgaben, Begriffsbestimmung und der konkreten Organisation von Hilfen. Das Konzept orientiert sich an der Lebenswelt der Klientinnen. So wie sich die meisten Disziplinen nicht gesondert entwickeln können, greift auch das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit auf Erkenntnisse und Weiterführungen anderer Wissenschaften zurück. Das Konzept steht als Rahmenkonzept im ständigen Austausch mit anderen Theorieansätzen. Somit stellt es eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis dar (vgl. Thiersch, 2015, S. 332).

Hans Thiersch betont, dass Theorie und Praxis gleichermaßen Formen des Wissens sind. Beide sind lösungsorientiert, die verwandte Zugänge zu einer „gleichen Wirklichkeit“ repräsentieren. Jedoch zu unterscheiden ist die Art der Zugänge. Theorie strebt eine Problemklärung, agiert aus der Distanz und geht methodisch in den Diskurs. Der praktische Zugang ist vorrangig an der Erledigung der Aufgabe interessiert. Diese Unterschiedlichkeit soll in einer wechselseitigen Beziehung Perspektiven aufzeigen und die Praxis produktiv gestalten. Das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit versteht sich als forschende Disziplin der Sozialen Arbeit, die sich auf alle Dimensionen des Konzeptes bezieht (vgl. Thiersch, 2015, S. 332).

Die sechs Dimensionen, die die Basis der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit bilden, werden im Abschnitt 2.5. detailliert erläutert.

2.2 Begriffsklärung

Der Begriff Lebenswelt bezeichnet die alltägliche und selbstverständliche Wirklichkeitserfahrung eines Menschen. Die persönlichen Erfahrungen aus dem sozialen Umfeld, beispielsweise Familie, Nachbarn, sozio-kulturelle Milieus etc., die ihm Handlungssicherheit im Alltag bieten. Der Begriff der Lebenswelt wurde von E. Husserl durch die philosophische Grundlagentheorie begründet (vgl. Stimmer, 2000, S.20).

Soziale Arbeit ist ein sozialwissenschaftliches und praktisch-pädagogisches Instrument moderner Gesellschaften und damit Teil deren sozialpolitisch­administrativen Handlungsapparats. Soziale Arbeit zielt dabei auf spezifische Problem- und Mangellagen von Personen, die weder durch die vorherrschende Art und Weise des Güter-, Arbeits- und Dienstleistungsmarktes ausgeglichen werden, noch von familiären oder ähnlichen privaten Formen. (Erler, 2012, S. 14).

In den 1950er und 1960er fanden kritische Sachdiskussionen über die zunehmende Professionalisierung der Sozialen Arbeit statt. Soziale Arbeit wurde mit dem Vorwurf konfrontiert, sich von den realen Lebenssituationen, bzw. vom Alltag der Klientinnen zu entfernen. Der Begriff Alltagsansatz fand in darauffolgenden 1970er Jahren eine konzeptionelle und theoretische Wende. Der Hauptvertreter der Alltagstheorie in der Bundesrepublik ist Hans Thiersch. Der Alltag wird als ein vorwissenschaftlicher Bereich verstanden, bzw. als Gegensatz zum wissenschaftlichen Bereich, in dem jeder Mensch als ein Experte seines Alltags und kompetent gesehen wird (vgl. Stimmer, 2000, S. 20).

2.3 Entwicklungsphasen

Die Thematisierung der Lebenswelt und der Lebensweltorientierung wurde im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen des vorigen Jahrhunderts notwendig. Zunächst ist es hilfreich, sich die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in den 1960er Jahren zu vergegenwärtigen. In diesem Klima der kritischen Diskussionen, gar der radikalen Studentenprotesten, entstanden Ansätze des Konzeptes der Lebensweltorientierung. Zunehmend wurden zahlreiche gesellschaftliche Bereiche, darunter auch Soziale Arbeit von Institutionalisierung und Professionalisierung betroffen. Lebensweltorientierung agiert hier

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit. Hintergründe und kritische Stellungnahme
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V509046
ISBN (eBook)
9783346072511
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Shaher Berdiyev (Autor), 2018, Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit. Hintergründe und kritische Stellungnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509046

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit. Hintergründe und kritische Stellungnahme



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden