Rechtsextremismus ist ein Begriff, der seit den 90er Jahren immer wieder in den Medien verwendet wird. Besonders, seit die Gewalttaten mit rechtsextremistischen Hintergrund seit Anfang der 90er schlagartig angestiegen sind und 1992 ihren traurigen Höhepunkt gefunden haben. In den Jahren von 1990 bis 2000 sind in Deutschland 37 Menschen durch Anschläge von Rechtsextremisten gestorben. Darüber hinaus sind Tausende von Gewalt- und Straftaten verübt worden. Merkmale der Menschen dieser Gesinnung sind Fremdenhass, Antisemitismus und Aggressivität und so passiert es oft, dass in den Medien das Bild eines glatzköpfigen, brutal wirkenden Mannes gezeigt wird, der als Prototyp eines Rechtsextremisten gilt. Fragt man BürgerInnen jedoch nach dem Auftreten und Wirken von Frauen in der rechtsextremistischen Szene wird oft deutlich, dass diese als Täterinnen nicht in Betracht gezogen werden; Gewalt und Fremdenhass somit keine dem weiblichen Geschlecht zuzuschreibenden Eigenschaften zu sein scheinen.
Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit soll es daher sein, herauszufinden, ob Frauen eine Rolle im Rechtsextremismus spielen und falls ja, wie stimmt diese mit dem rechtsextremen Denken überein. Ist das von den Medien vermittelte Bild also falsch und sind auch Frauen Täterinnen? Um dies herauszufinden, soll erst einmal geklärt werden, wie die Frauen selbst ihre Rolle einschätzen. Aus dieser heraus, soll dann betrachtet werden, wie und ob sie sich an rechtsextremistischen Taten beteiligen.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Begriffsklärung: Rechtsradikalismus und –extremismus
3) Die rechtsextreme Ideologie
4) Die Rolle der Frau in der rechtsextremen Weltanschauung
5) Rechtsextremistische Frauen und ihr Selbstbild
5.1. Beispiel: Sigrid Hunke
5.2. Beispiel: Rechte Frauen allgemein
6) Rechtsextreme Frauenorganisationen
6.1. Empirisch- Statistische Befunde
6.2. Funktionen von Frauen in rechtsextremen Gruppen
6.3. „Deutsche Frauenfront“ (DFF)
6.4.„Skingirlfreundeskreis Deutschland“ (SFD)
7) Erklärungsansätze
8) Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle von Frauen im Rechtsextremismus, hinterfragt das verbreitete Bild von Frauen als bloße Mitläuferinnen und analysiert ihre tatsächliche Beteiligung an rechtsextremistischen Strukturen und Ideologien.
- Die gesellschaftliche Rolle und das Selbstbild rechtsextremer Frauen
- Die Rolle der Frau innerhalb der rechtsextremen Ideologie
- Empirische Einblicke in die Beteiligung von Frauen in rechtsextremen Organisationen
- Die Auseinandersetzung mit Gewaltbereitschaft bei rechtsextremen Frauen
- Erklärungsansätze für die Anziehungskraft rechtsextremer Weltanschauungen auf Frauen
Auszug aus dem Buch
5.1. Beispiel: Sigrid Hunke
In diesem Rahmen soll zuerst auf die Religionswissenschaftlerin und Germanistin Sigrid Hunke eingegangen werden, die zwar bereits im Jahr1999 verstorben ist, aber eine große Rolle im rechtsextremen Spektrum einnimmt und Ideologin des Thule-Seminars gewesen ist. Das Thule-Seminar versteht sich selbst als geistig-geschichtliche Ideenschmiede und ist als rechtsextreme Intellektellen-Gruppe der „Neuen Rechten“ zuzuordnen ( Internet 1).
Hunke geht davon aus, dass es eine „naturgegebene“ Arbeitsteilung gäbe, von der sich die Frau nicht entfernen dürfe (Bitzan 2000: 105). So seien Frauen und Männer zwar gleichwertig, aber jedem werden spezifische Aufgaben zugeschrieben, die sich im Endeffekt ergänzen sollten. So erfülle die Frau die häuslichen Tätigkeiten und der Mann die außerhäuslichen. Diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist von den Germanen übernommen worden und solle auch so fortgeführt werden. Da diese These Hunkes sich auf die Gleichstellung von Mann und Frau bei den GermanInnen bezieht, ist sie auch nur auf den nordischen Menschen anwendbar und grenzt andere Kulturen und Rassen aus.
Außerdem, so Hunke, hätten Frauen und Männer die gleichen Rechte und Pflichten bei den Germanen. Frauen seien selbstständig, gäben Männern Rat und Unterstützung, träfen Entscheidungen und seien so ein integrativer Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens mit politischen Rechten (Hunke 1987: 30).
Hunke stellt drei Forderungen, in denen sich zeit, dass sie mit ihren Aussagen von der Ideologie abweicht: „1. Freimachen von dualistischem Denken zugunsten eines Ganzheitsdenkens;“ „2. Die fixierten, als Maßband selbst auf andere Rassen und Kulturen angewendeten Begriffe von „männlich“ und „weiblich“, die sich als falsch besetzt erwiesen haben, aus dem Verkehr ziehen;“ „3. (der Mann) muß sich entschließen, wie sein Urahn vor tausend Jahren die Frau nicht schlechthin durch die Brille des Geschlechts zu sehen und als ein für ihn und in Bezug auf ihn existierendes Wesen zu definieren, sondern sie als Menschen weiblichen Geschlechts von eigener Daseinsbestimmung und Würde anzunehmen“ (Hunke 1987: 34).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Untersuchung von Frauen im Rechtsextremismus und definiert das Erkenntnisinteresse sowie das methodologische Vorgehen.
2) Begriffsklärung: Rechtsradikalismus und –extremismus: Dieses Kapitel befasst sich mit der problematischen Abgrenzung der Begriffe Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus und stellt verschiedene Definitionen gegenüber.
3) Die rechtsextreme Ideologie: Hier werden die Kernelemente der rechtsextremen Ideologie erläutert, wobei insbesondere Merkmale wie Ungleichwertigkeit, Nationalismus, Antipluralismus und Autoritarismus betrachtet werden.
4) Die Rolle der Frau in der rechtsextremen Weltanschauung: Dieses Kapitel analysiert das traditionelle, konservative Frauenbild innerhalb rechtsextremer Programme und stellt den Widerspruch zu realen Lebensentwürfen dar.
5) Rechtsextremistische Frauen und ihr Selbstbild: Anhand von Fallbeispielen wie Sigrid Hunke und der Analyse von Frauen in der Szene wird die Heterogenität ihrer Selbstbilder und die Abkehr von veralteten Rollenmodellen untersucht.
6) Rechtsextreme Frauenorganisationen: Dieses Kapitel stellt exemplarische Frauenorganisationen vor, analysiert empirische Daten zur Beteiligung und beleuchtet die vielfältigen Funktionen, die Frauen in der Szene übernehmen.
7) Erklärungsansätze: Hier werden verschiedene Erklärungsmodelle für die Anziehungskraft des Rechtsextremismus auf Frauen diskutiert, darunter die Suche nach Ordnung und Bestätigung.
8) Schluss: Das Schlusskapitel fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit, Frauen als Akteurinnen im Rechtsextremismus ernst zu nehmen.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Frauen, Ideologie, Geschlechterrollen, Rechtsextremistische Frauenorganisationen, Deutsche Frauenfront, Skingirlfreundeskreis Deutschland, Neonazismus, Selbstbild, politische Partizipation, Gewaltbereitschaft, Antisemitismus, Rassismus, Frauenbewegung, Antifeminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit der Rolle von Frauen im rechtsextremistischen Spektrum auseinander und hinterfragt, inwieweit Frauen als Akteurinnen und Täterinnen agieren, statt sie lediglich als Randfiguren zu betrachten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die rechtsextreme Ideologie, das traditionelle und moderne Frauenbild innerhalb der rechten Szene, die Funktionen von Frauen in rechtsextremen Organisationen sowie Erklärungsansätze für ihre politische Radikalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das von Medien oft vermittelte Bild von Frauen als "unpolitische" oder gewaltlose Randfiguren zu korrigieren und aufzuzeigen, wie Frauen aktiv rechtsextremistisches Gedankengut verbreiten und organisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die den Begriff des Rechtsextremismus theoretisch fundiert, die rechtsextreme Ideologie anhand etablierter Merkmale untersucht und Selbstbilder sowie Organisationen anhand von Fallbeispielen und vorhandener Literatur analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ideologieanalyse, die Untersuchung des Frauenbildes in der Szene, die Analyse individueller Selbstbilder (z.B. Sigrid Hunke) sowie die Vorstellung spezifischer Frauenorganisationen wie der "Deutschen Frauenfront".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Rechtsextremismus, Frauen, Geschlechterrollen, rechtsextreme Ideologie, politische Partizipation und Frauenorganisationen charakterisieren.
Welche Rolle spielt Sigrid Hunke für die Analyse in dieser Arbeit?
Sigrid Hunke dient als Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, dass intellektuelle rechtsextreme Frauen durchaus fortschrittlichere Standpunkte zur Rolle der Frau vertreten können, als es das klassische, patriarchal geprägte Bild vorsieht.
Wie unterscheidet sich die "Skingirlfreundeskreis Deutschland" (SFD) von anderen Organisationen?
Die SFD wird als faschistische Skinhead-Frauenbewegung beschrieben, die versucht, den Tugenden der deutschen Frau innerhalb der Skinhead-Szene Geltung zu verschaffen und sich gegen den dort vorherrschenden Sexismus und die Reduzierung der Frau auf ein reines Sexualobjekt abzugrenzen.
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- Franziska Hübsch (Author), 2005, Frauen und Rechtsextremismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50908