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Leo Perutz, Sankt Petrie Schnee - Erzählperspektive und Wahrheitsfindung

Title: Leo Perutz, Sankt Petrie Schnee - Erzählperspektive und Wahrheitsfindung

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 11 Pages , Grade: 2

Autor:in: Anna Damm (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Handelt es sich in „Sankt Petri Schnee“ um einen analytischen Kriminalroman, in dem der Arzt Georg Friedrich Amberg einer Verschwörung zum Opfer fällt? Oder haben wir es mit einem psychologisch fein ausgeklügelten Roman zu tun, in dem der Protagonist sich, um der Eintönigkeit seines Alltags entfliehen zu können, in eine Welt der Träume und Phantasievorstellungen flüchtet? Dieser Frage gilt es auf den nächsten Seiten auf den Grund zu gehen. Die im ersten Teil zu diskutierende Erzählerperspektive ist für diese Untersuchung nicht unerheblich. Da es sich, wie im Folgenden näher behandelt werden wird, um eine Ich-Erzählsituation handelt, wird der Leser noch stärker in das Geschehen mit einbezogen. Aus der Perspektive des Protagonisten erscheint es dem Leser zunächst sehr schwierig abzuwägen, welcher der beiden einander ausschließenden Versionen der Geschichte er glauben schenken soll. Diese Arbeit hat es sich zum Ziel gemacht, herauszuarbeiten wie der Autor es schafft diese beiden Versionen der Geschichte bis fast zum Ende des Romans so in ein Gleichgewicht zu bringen, dass es nahezu unmöglich erscheint sich für eine der beiden als die Wahre zu entscheiden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erzählperspektive

2.1. Stellung des Erzählers zum Geschehen

2.2.. Erzählsituation

2.3. Unmittelbarkeit in der Erzählung

2.4. Amberg ein Unzuverlässiger Erzähler!?

3. Wahrheitsfindung in Leo Perutz´ „Sankt Petri Schnee“

3.1. Vorüberlegung

3.2. Indizien zur Wahrheitsfindung

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Ich-Erzählperspektive und der Wahrheitsfindung in Leo Perutz’ Roman „Sankt Petri-Schnee“, um zu analysieren, wie der Autor die Grenze zwischen objektiver Realität und subjektiver Traumwelt des Protagonisten verschwimmen lässt.

  • Analyse der Ich-Erzählsituation und der daraus resultierenden Erzähldistanz.
  • Untersuchung der psychologischen Komponente hinter dem Erleben des Protagonisten Amberg.
  • Herausarbeitung der narrativen Mittel zur Erzeugung von Unzuverlässigkeit beim Erzähler.
  • Deutung der Indizien, die auf eine Diskrepanz zwischen Rahmen- und Binnenerzählung hinweisen.
  • Bewertung der finalen Auflösung der Ereignisse als Fiebertraum-Phantasie.

Auszug aus dem Buch

3.2. Indizien zur Wahrheitsfindung

Der Arzt Georg Friedrich Amberg wacht am 2. März 1932 in einem Krankenhaus in Osnabrück aus einer Ohnmacht auf, deren Dauer er nicht einschätzen kann und deren Ursache ihm zunächst nicht bekannt ist. Er kommt nicht gleich zu vollem Bewusstsein, schwebt irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft. Diffuse Erinnerungen stürzen auf ihn ein, die er nicht zu deuten vermag. Erinnerungen, die ihm Schmerz bereiten „… der Gedanke an ein Glück oder an die Angst um dieses Glück oder an Verzweiflung und zehrendes Verlangen, …“9

In diesem Zustand des Halbbewusststeins erkennt Amberg zum ersten Mal, dass seine Version der Geschichte möglicherweise nicht den Tatsachen entspricht. Diese hat ein für die Hauptfigur mehr oder weniger glücklich ausgehendes Ende. Die oben erwähnte Angst um dieses Glück deutet auf das Wissen um die Zerbrechlichkeit dieses Zustandes hin, der nur in seiner Traumphantasie vorhanden ist. Darauf wird weiter unten im Text noch näher eingegangen.

Um diese Gedanken nicht ertragen zu müssen, flüchtet er sich erneut in eine Ohnmacht. Als er zum zweiten Mal erwacht, sind seine Eindrücke und Wahrnehmungen schon viel deutlicher. Er hat sein Bewusstsein vollständig zurück erlangt. Er realisiert, wo er sich befindet und sogleich holen ihn die Erinnerungen an die Zeit vor (oder während?) seiner Ohnmacht ein. Die Geschehnisse, die ihn in das Krankenhaus gebracht haben, hat er klar vor Augen. Die Aussage der Krankenschwester, er läge bereits seit fünf Wochen in diesem Krankenhaus bringt ihn ins grübeln. Nach seinen Berechnungen kann es sich lediglich um fünf Tage handeln, da er ziemlich genau einen Monat vorher eine neue Stelle als Gemeindearzt in einem Dorf namens Morwede angetreten zu haben glaubt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, ob es sich bei dem Roman um einen Kriminalroman oder die psychologische Flucht eines Protagonisten handelt.

2. Erzählperspektive: Dieses Kapitel analysiert die Ich-Erzählsituation, die Erzähldistanz und die Frage nach der Zuverlässigkeit des Erzählers Amberg.

3. Wahrheitsfindung in Leo Perutz´ „Sankt Petri Schnee“: Hier werden die Indizien innerhalb des Romans zusammengetragen, die die Version des Protagonisten als eine konstruierte Traumwelt entlarven.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Perutz den Leser gezielt durch detaillierte Beschreibungen täuscht, um ihn zur kritischen Hinterfragung des Textes anzuregen.

Schlüsselwörter

Leo Perutz, Sankt Petri-Schnee, Ich-Erzähler, Unzuverlässigkeit, Wahrheitsfindung, Analepse, Rahmenhandlung, Binnenerzählung, Traumphantasie, psychologische Analyse, Literaturwissenschaft, Erzählperspektive, Fiktion, Realität, Erzähldistanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Leo Perutz in seinem Roman „Sankt Petri-Schnee“ mit der Erzählperspektive spielt, um den Leser über die Realität der erzählten Ereignisse im Unklaren zu lassen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Zuverlässigkeit des Ich-Erzählers, die Funktion der Rahmen- und Binnenerzählung sowie die Dekonstruktion der Wahrheitsfindung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, den narrativen Prozess herauszuarbeiten, mit dem der Autor zwei verschiedene Versionen der Geschichte in ein Gleichgewicht bringt, bis sich die eine als Fiebertraum entpuppt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt erzähltheoretische Ansätze, insbesondere die Kategorien von Franz Stanzel und Gérard Genette, um die Struktur der Erzählsituation zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der erzählerischen Mittel, die Analyse der Erzähldistanz sowie die Prüfung konkreter Indizien, die die Glaubwürdigkeit des Protagonisten infrage stellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Ich-Erzähler, Unzuverlässigkeit, Traumphantasie, Wahrheitsfindung und Erzählperspektive.

Wie definiert der Autor die „Erzähldistanz“ im Kontext der Arbeit?

Die Erzähldistanz wird als zeitliche, räumliche und psychologische Trennung zwischen dem erlebenden Ich und dem erzählenden Ich begriffen, welche die Intensität des Bildungsprozesses widerspiegelt.

Warum ist die Rolle der Krankenschwester für die Wahrheitsfindung entscheidend?

Die Krankenschwester liefert externe Informationen, die in direktem Widerspruch zu den subjektiven Wahrnehmungen Ambergs stehen und somit die Rahmenerzählung als realen Ankerpunkt identifizieren.

Welche Bedeutung hat der „grüne Cadillac“?

Der grüne Cadillac fungiert als zentrales, wiederkehrendes Motiv, das zwischen der Wahnvorstellung des Protagonisten und der tatsächlichen, von ihm nicht voll wahrgenommenen Umgebung vermittelt.

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Details

Title
Leo Perutz, Sankt Petrie Schnee - Erzählperspektive und Wahrheitsfindung
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Neuere deutsch Literatur und Medien)
Grade
2
Author
Anna Damm (Author)
Publication Year
2005
Pages
11
Catalog Number
V50933
ISBN (eBook)
9783638470407
Language
German
Tags
Perutz Sankt Petrie Schnee Erzählperspektive Wahrheitsfindung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Damm (Author), 2005, Leo Perutz, Sankt Petrie Schnee - Erzählperspektive und Wahrheitsfindung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50933
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