Ziel dieser Arbeit ist es, wirtschaftliche Potenziale im Planungs- und Ausführungsprozess des vorgefertigten Holzbaus im Kontext großer klimapolitischer Herausforderungen deutlich zu machen. Dazu wurde die folgende Frage gestellt: Welche Auswirkungen hat die Einführung einer CO2-Steuer auf die Bauwirtschaft und im Speziellen auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Vorfertigung von Holzbauteilen? Das derzeitig brisante Thema Klimawandel regt besonders die Forderung nach einer hohen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität an. So ist auch die Baubranche dazu angehalten, neue Konzepte zu entwickeln, um zu einem klimafreundlichen Umfeld beizutragen.
In Deutschland werden Bauprojekte noch immer zum überwiegenden Teil in traditioneller "Vor-Ort-Bauweise" realisiert. Der Holzbau hat mit einem Gesamtumsatz aller Holzbaubetriebe im Jahre 2017 von circa 6,90 Milliarden Euro nur einen kleinen Anteil am gesamten Bauvolumen. In den europäischen Nachbarländern, wie der Schweiz, Österreich, Niederlande oder auch den skandinavischen Nachbarländern, wird die vorgefertigte Holzbauweise erheblich mehr genutzt. So wird in den Niederlanden der Anteil der Mischbauweise mit vorgefertigten Holzrahmenwänden im Wohnungsbau auf circa 50 % geschätzt. Nachhaltigkeit und vor allem Klimaneutralität sind Kriterien, die die Baubranche aktuell beschäftigen und voraussichtlich schon in naher Zukunft immens an Bedeutung gewinnen werden. Gerade in Anbetracht einer denkbaren Einführung einer CO2-Steuer sind Architekten, Planer und Baufirmen zum Umdenken angehalten. Der vorgefertigte Holzbau bietet einen klimafreundlichen Ansatz, insbesondere durch seine günstige CO2-Bilanz.
Angesichts einer kompletten Vorfertigung und einer ausschließlichen Montage auf der Baustelle stellt sich die Frage, was für wirtschaftliche Potenziale sich aus der Veränderung des Planungs-, als auch Ausführungsprozesses ergeben und wie diese Entwicklungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden können. Die Bachelorarbeit liefert daher Antworten auf folgende Kernfragen: Warum ist die Vorfertigung von Bauteilen, gerade mit dem Baustoff Holz, bisher in Deutschland nur wenig vertreten? Welche Unterschiede bestehen in der Planung und Ausführung eines Bauvorhabens bei vorgefertigten Holzbauteilen und einer "Vor-Ort-Bauweise"? Welche Auswirkungen hat die Einführung einer CO2-Steuer auf die Bauwirtschaft und im Speziellen auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Vorfertigung von Holzbauteilen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Was ist Nachhaltigkeit für den Holzbau?
2.2 Der Rohstoff Holz und sein Einfluss auf die Umwelt
2.3 Vergabeunterschiede nach Auftraggeber-Segmentierung
2.4 Bewertungsansätze
2.4.1 Kreislaufwirtschaft
2.4.2 CO2-Bilanz
2.4.3 Kostenstruktur eines Angebotes
3. Einordnung Rolle der Holzbauunternehmen
3.1 Ist-Stand im deutschen Baugewerbe
3.2 Einordnung weiterer Akteure
3.3 Ablauf im eigenen Betrieb
3.3.1 Angebotsbearbeitung
3.3.2 Ausführungsphase
3.3.3 Entstehende Konflikte
4. Potenziale und Veränderungen
4.1 Einführung digitaler Werkzeuge
4.1.1 Standardisierung
4.1.2 BIM
4.1.3 Lean-Production
4.1.4 Lean-Logistic
4.1.5 Bewertung der technischen Maßnahmen
4.2 Klimapolitische Veränderungen
4.2.1 Einführung eines CO2-Preises
4.2.2 Veränderungen der Kostenstruktur
4.2.3 Life-Cycle-Assessment
4.2.4 Resultierende Potenziale
4.3 Handlungsoptionen aus Sicht des Unternehmens
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wirtschaftlichen Potenziale von vorgefertigten Holzbauelementen im Bauwesen unter Berücksichtigung aktueller klimapolitischer Herausforderungen. Dabei wird analysiert, wie sich eine CO2-Bepreisung auf die Kostenstruktur und die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt und welche Rolle digitale Prozesse wie BIM und Lean-Management bei der Optimierung des Bauablaufs spielen.
- Wirtschaftliche Analyse der Vorfertigung im Holzbau
- Einfluss klimapolitischer Maßnahmen (CO2-Steuer) auf die Baubranche
- Implementierung digitaler Werkzeuge (BIM, Lean-Production)
- Optimierung von Planung und Ausführung im Holzbau
- Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz als Wettbewerbsvorteil
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Angebotsbearbeitung
Damit Aufträge ausgeführt werden können, muss ein Unternehmen zunächst Aufträge akquirieren. Dafür werden den Holzbau-Unternehmen Ausschreibungsunterlagen ausgehändigt. Für eine schnelle Übersendung erfolgt die Übermittlung per E-Mail oder auch über Vergabeplattformen. Nach erster Sichtung der Unterlagen, wird darüber entschieden ob die Ausschreibungsunterlagen bearbeitet werden. Zu den Auswahlkriterien zählen der Schwierigkeitsgrad der auszuführenden Leistung, die Kapazitätsauslastung im eigenen Betrieb und der potenzielle Beitrag des Auftrags zum Umsatz des Unternehmens.
Um einen wettbewerbsfähigen Angebotspreis erstellen zu können, bedingt die Individualität eines jeden Bauvorhabens, alle zur Verfügung gestellten Unterlagen genauer zu inspizieren. Darunter zählen neben einer Leistungsbeschreibung oder eines LV, Pläne, Statiken und weitere Informationen des zu erstellenden Bauvorhabens beispielsweise Farb- oder Raumkonzepte. Dabei werden erste Informationen wie der Gesamtumfang des Auftrages, Positionen, die an Nachunternehmer vergeben werden und nötige Preisangaben für Baustoffe und Geräte ermittelt. Die Nutzung von ERP-Programmen unterstützt hierbei eine koordinierte Vorgehensweise. Besonders Preisangaben für Baustoffe und NU-Leistungen sind möglichst rechtzeitig anzufragen. Dadurch können Preise rechtzeitig nachverhandelt oder in die Kalkulation eingearbeitet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung der Baubranche und die wachsende Relevanz von Klimaneutralität, was zur Fragestellung nach dem Potenzial vorgefertigter Holzbauelemente führt.
2. Grundlagen: Hier werden die Kernbegriffe Nachhaltigkeit, die Umweltvorteile von Holz, Vergabeverfahren und die ökonomischen Bewertungsansätze wie Kreislaufwirtschaft und CO2-Bilanz erarbeitet.
3. Einordnung Rolle der Holzbauunternehmen: Dieses Kapitel analysiert den Ist-Zustand des deutschen Baugewerbes, die Interaktion mit anderen Projektbeteiligten und die operativen Abläufe innerhalb eines Holzbaubetriebs.
4. Potenziale und Veränderungen: Es wird untersucht, wie digitale Werkzeuge, Lean-Methoden und eine veränderte Klimapolitik die Vorfertigung im Holzbau effizienter und wettbewerbsfähiger gestalten können.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Digitalisierung und Prozessoptimierung für die zukünftige Marktentwicklung des Holzbaus.
Schlüsselwörter
vorgefertigter Holzbau, Nachhaltigkeit, CO2-Bepreisung, Digitalisierung, BIM, Lean-Production, Lean-Logistic, Baubranche, Projektmanagement, Vorfertigung, Ökobilanz, Klimaneutralität, Kostenstruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Bauprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Chancen und Herausforderungen des vorgefertigten Holzbaus im Kontext globaler klimapolitischer Zielsetzungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Digitalisierung der Planung und Fertigung, der Einführung von CO2-Preisen sowie der Anwendung von Lean-Management-Methoden im Bauprozess.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den wirtschaftlichen Potenzialen, die sich durch die Vorfertigung von Holzbauteilen ergeben, und analysiert die Auswirkungen einer CO2-Steuer auf diesen Bauprozess.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine fundierte Literaturrecherche mit der Analyse von bestehenden Baubetriebsstrukturen und Prozessabläufen sowie eine Bewertung durch ökonomische Kennzahlen (LCA, CO2-Bilanz) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Analyse der Marktrolle von Holzbauunternehmen sowie eine tiefgehende Betrachtung technischer und klimapolitischer Veränderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie vorgefertigter Holzbau, CO2-Bepreisung, Lean-Production, BIM und ökonomischer Ressourceneffizienz beschreiben.
Wie beeinflusst die Digitalisierung laut der Arbeit den Holzbau?
Durch Methoden wie Building Information Modelling (BIM) und Standardisierung können Planungssicherheit und Schnittstellenqualität signifikant erhöht werden, was zu einer effizienteren Montage führt.
Welchen Einfluss hat eine CO2-Steuer auf Holzbauunternehmen?
Eine CO2-Steuer verbessert indirekt die Wettbewerbsposition von Holz, da dieser Baustoff CO2 speichert und in der Herstellung weniger klimaschädliche Emissionen verursacht als beispielsweise Stahlbeton.
- Arbeit zitieren
- Robert Philipp (Autor:in), 2019, Die wirtschaftlichen Potenziale des vorgefertigten Holzbaus und die Auswirkungen derzeitiger klimapolitischer Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509344