Die Rolle der Sprachen Guaraní und Spanisch in der Gesellschaft Paraguays


Hausarbeit, 2019

13 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte Paraguays
2.1 Kolonialzeit
2.2 Epoche der Jesuiten
2.3 Die Zeit von 1811 – 1989

3. Verwendung der Sprachen in der Gesellschaft
3.1 Sprecherzahlen
3.2 Sprachgebrauch unter Berücksichtigung der Diatopik
3.3 Sprachgebrauch in Bildungsinstitutionen

4. Einstellung der Sprecher gegenüber den Sprachen
4.1 Images von spanisch- und guaranímonolingualen Sprechern
4.2 Image von Bilingualen
4.3 Prestige der Sprachen in der Gesellschaft
4.4 Guaraní als Ausdruck von Stolz und Identität

5. Resumée

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Binnenland in Südamerika, Paraguay gilt als ein eher unbekanntes Land, da es in der internationalen Berichterstattung nur selten Erwähnung findet. Ausnahme bildet die Fachliteratur innerhalb der Sozio- oder Kontaktlinguistik. Paraguay besitzt im lateinamerikanischen Raum eine spezielle Sonderstellung, da das Land zwei offizielle Nationalsprachen hat, nämlich die indigene Sprache Guaraní und Spanisch. Obwohl beide Sprachen als Nationalsprachen fungieren, gibt es in der Verbreitung, Verwendung und Einstellung der Sprecher gegenüber den Sprachen beträchtliche Unterschiede.

Ziel der Arbeit ist es zu erörtern, welche Rolle die beiden Sprachen innerhalb der Gesellschaft Paraguays spielen. Dabei wird sowohl auf die objektive Verwendung in verschiedenen Situationen und aktuelle Sprecherzahlen eingegangen, als auch auf das subjektive Empfinden, die Wahrnehmung und die Einstellung der Sprecher, beziehungsweise auch der Nicht-Sprecher, gegenüber den aufgeführten Sprachen. Außerdem wird noch ein kurzer Überblick über den geschichtlichen Hintergrund Paraguays gegeben um zu verstehen wie es zu den parallel existierenden Nationalsprachen und deren Images, sowie Verwendungen gekommen sind.

Die Arbeit orientiert sich vor allem an dem Buch Sprachkontakt und Sprachkonflikt in Paraguay von Daniela Fasoli-Wörmann sowie an verschiedenen Artikel von Graziella Corvalán, die sich beide intensiv mit der sprachlichen Situation in Paraguay auseinandersetzen. Fasoli-Wörmann gelangt zu ihren Erkenntnissen großteils über Befragungen, Interviews und teilnehmender Beobachtung und legt ihre Ergebnisse auch in ihrer Veröffentlichung dar, diese werden auch in die Arbeit miteinbezogen.

2. Geschichte Paraguays

Der Sprachkontakt zwischen Spanisch und der indigenen Sprache Guaraní basiert auf dem Zusammenspiel verschiedener historischer Geschehnisse. Die Ereignisse und Entwicklungen die Auswirkungen auf die Kultur und Sprache mit sich brachten, werden im folgenden Abschnitt aufgeführt.

2.1 Kolonialzeit

Bevor die Spanier in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts von Nordwesten kommend das Gebiet des heutigen Paraguays eroberten, siedelten hier vorwiegend Indianerstämme. Im Jahre 1537 gründeten die Spanier die heutige Hauptstadt Asunción. Charakteristisch für die Kolonialzeit in Paraguay ist es, dass es, obwohl es anfänglich sklavereiartige Züge gab, schlussendlich nicht zu einer typischen kolonialen Zwei-Klassen-Gesellschaft kam, in der die indigene Bevölkerung unterdrückt wird, sondern zu einer relativ harmonischen Anpassung beiderseits der Kulturen. Der enge Kulturkontakt trieb die Akkulturation sehr stark voran, weswegen es schon im frühen Stadium der Kolonialisierung zu einer intensiven sprachlichen und ethnischen Vermischung kam. Die Polygamie beschleunigte sowohl die Vermehrung der Bevölkerung, als auch die Mestizierung. Sprachlich wirkte sich die Vermischung der Völker so aus, dass die Mestizen aufgrund ihrer Väter mit Spanisch in Kontakt traten und mütterlicherseits mit Guaraní. Infolge der polygamen Lebensweise hatten die meisten Kinder aber keinen konstanten Kontakt zu ihren Vätern, weshalb im alltäglichen Leben Guaraní als essentielles Kommunikationsmittel galt. Seit Beginn der Kolonialisierung war Spanisch in der öffentlichen Sphäre die präsente Sprache. Über die Verwaltung hinaus hatte Spanisch aber zu dieser Zeit keine Bedeutung.

2.2 Epoche der Jesuiten

Die Jesuiten begannen mit der Christianisierung der einheimischen Dörfer, wofür sie ab 1604 eigene Dörfer bauten, die so genannten Reduktionen. Grund für die indigene Bevölkerung Teil des Ordens zu werden, war die Furcht von des aus Brasilien kommenden Bandeirantes, die Jagd auf die Indígenas dieser Region machten. Obwohl die Dörfer offiziell der spanischen Kolonialverwaltung unterlagen, besaßen sie eigene Verwaltungen und isolierten sich nach außen. Ein Grund für den Erfolg der Jesuiten, speziell in Paraguay, war, dass die Indianer ihre Sprache weiterleben durften und sogar in dieser unterrichtet wurden. Des Weiteren entstanden zu dieser Zeit erste Ansätze zu Grammatik von Guaraní und Veröffentlichungen in der indigenen Sprache wurden gefördert. Im Jahre 1767 wurden die Jesuiten aus dem Land vertrieben und die Reduktionen aufgelöst, somit war zu diesem Zeitpunkt Guaraní immer noch die Hauptkommunikationssprache und die Zahl der Spanischsprecher blieb, trotz verschiedener Aufwertungsversuche, gering.

2.3 Die Zeit von 1811 – 1989

Aufgrund der Konkurrenzspannungen zwischen Buenos Aires und Asunción kam es 1811 zur Schlacht von Tacuarí, die mit dem Triumph Paraguays über Argentinien endete. Die neu gegründete, unabhängige Regierung in Asunción erklärte sich damit als selbstständig und löste sich vom Vizekönigreich Rio de la Plata, als auch zwei Jahre später, unter der Regierung von José Gaspar Rodriguez de Francia, von Spanien. Es folgten einige Jahre der Isolationspolitik, weswegen keine weiteren Spracheinnflüsse in das Land gelangten. Sein Nachfolger Carlos Antonio López öffnete die Grenzen gegenüber der Außenwelt und förderte Spanisch als internationales Kommunikationsmittel. Diese Zeit führte erstmals zu einer Aufwertung des Spanischen, weswegen der Gebrauch politisch gefördert wurde, welches aber nicht zu einer Veränderung führte und Guaraní, vorrangig in den ländlichen Gebieten, das Hauptkommunikationsmittel blieb. Auch während dem Triple-Allianz-Krieg und dem darauffolgendem Chaco-Krieg gewann Guaraní als Nationalsymbol an Bedeutung. Erst danach, durch den steigenden Einfluss der Außenwelt in der Hauptstadt, gewann Spanisch stark an Bedeutung, welches zu diatopischen Unterschieden der Sprachen führte. Spanisch setze sich auch zunehmend im Bildungswesen durch. Nachfolger wie Stroessner unterstützten den situationsbedingten Gebrauch beider Sprachen.

3. Verwendung der Sprachen in der Gesellschaft

3.1 Sprecherzahlen

Offiziell ist Paraguay bilingual, weil zwei offizielle Sprachen amtlich verankert sind. In der Verfassung von 1992 wird der indigenen Sprache Guaraní der Status einer offiziellen Sprache zuerkannt, was im Prinzip die Gleichberechtigung der beiden Sprachen gewährleisten soll. Oftmals wird die Sprachsituation in Paraguay als „gesellschaftliche Mehrsprachigkeit“ bezeichnet und sowohl das Guaraní als auch der Bilingualismus fungieren als gesellschaftliches Nationalsymbol. Des Weiteren muss noch erwähnt werden, dass auch eine Mischform der beiden Sprachen existiert, die Jopará genannt wird, welche vor allem in Groß- und Kleinstädten verbreitet ist. Auf diese wird aber folglich nicht genauer eingegangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Sprachen Guaraní und Spanisch in der Gesellschaft Paraguays
Hochschule
Universität Passau  (Romanische Sprach- und Kulturwissenschaft)
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V509362
ISBN (eBook)
9783346081551
ISBN (Buch)
9783346081568
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paraguay Spanisch Guarani Indigen
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die Rolle der Sprachen Guaraní und Spanisch in der Gesellschaft Paraguays, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509362

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