Diese Seminararbeit untersucht vor dem Hintergrund des Konstruktivismus, welche Rolle Religion für die Internationalen Beziehungen spielt. Dies soll am Beispiel des Einflusses dieser auf die Friedenskonsolidierung in Postkonfliktgesellschaften geschehen - untersucht am Beispiel des multi-ethischen Staates Bosnien und Herzegowina.
Inhaltsverzeichnis
1 Religionen in den IB und Kontext der vorliegenden Arbeit
2 Historische und gesellschaftliche Einordnung des Themas
2.1 Bosnienkrieg
2.2 Rolle der Religion im Bosnienkrieg
3 Konstruktivismus als theoretischer Rahmen
4 Der Einfluss von Islam und orthodoxem Christentum auf den politischen Stabilisierungsprozess in BiH seit Kriegsende
4.1 Qualitative Inhaltsanalyse als Methodik der Arbeit
4.2 Auswertung der deutschsprachigen Presse
5 Fazit: Die gegenseitige Konstitution von Struktur und Prozess anhand des Einflusses der Religionen in Bosnien
Zielsetzung und Forschungsthemen
Diese Arbeit untersucht auf Basis des konstruktivistischen Ansatzes nach Alexander Wendt, inwiefern Religionen den politischen Stabilisierungsprozess im Post-Konflikt-Bosnien beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie religiöse Identitäten und Interessen der Akteure das staatliche Handeln sowie die gesellschaftliche Stabilität in Bosnien und Herzegowina konstituieren und prägen.
- Konstruktivistische Analyse von Identität und Interessen in den Internationalen Beziehungen
- Die Rolle der Religion im Kontext des Bosnienkrieges und dessen Folgen
- Qualitative Inhaltsanalyse der deutschsprachigen Presse zur religiösen Dynamik in BiH
- Einfluss externer Akteure und ausländischer Investitionen auf die religiöse Struktur
- Herausforderungen für den politischen Stabilisierungsprozess durch ethno-religiöse Narrative
Auszug aus dem Buch
3 Konstruktivismus als theoretischer Rahmen
Alexander Wendt wollte zeigen, dass die Sichtweise der Neo-Realisten falsch war – weder sei die Anarchie dem internationalen System notwendigerweise immanent, noch muss das internationale System in der Folge zwingend als Selbsthilfesystem betrachtet werden. Fungiert das internationale System als Selbsthilfesystem, sei das eine Folge des Prozesses, nicht der Struktur. Das internationale System und damit die Anarchie dieses Systems werden vielmehr sozial konstruiert. Die Konstruktion erfolgt durch die Interaktion der Akteure des Systems, diese Interaktion ist wiederrum eine Folge der Identitäten und Interessen, die die Akteure antreiben. Diese werden ebenso konstruiert und sind somit zeitlich wandelbar. Hier liegt das Typische des Konstruktivismus, das ihn von rationalistischen Theorien unterscheidet. In der Definition „seines“ Konstruktivismus trifft Wendt dabei drei Hauptannahmen:
“(1) states are the principal units of analysis for international political theory; (2) the key structures in the state system are intersubjective, rather than material; and (3) state identities and interests are in important part constructed by these social structures, rather than given exogenously to the system by human nature or domestic politics”.
Wendt rückt also soziale Faktoren und die Frage der Identitätskonstruktion, die in rationalistischen Theorien keine Beachtung finden, in den Fokus. Es gäbe daher ohne Interaktion keine Anarchie. Interaktion wiederum gäbe es nicht ohne zugrundeliegende Identitäten und Interessen. Gerade diese werden aber durch soziale Strukturen konstruiert. Das Konzept der durch soziale Strukturen konstruierten Identität nutzt Wendt, um den Konstruktivismus als eigene Theorie von rationalen Theorien abzugrenzen. Dies ist relevant, da er dem Neo-Realismus zunächst in den Annahmen folgt, dass Staaten zentraler Analysegegenstand der IB sein sollten und dass den Strukturen des internationalen Systems eine entscheidende Bedeutung zukommt. Eine Abgrenzung findet durch die Betonung der Intersubjektivität von Struktur und Prozess im Staatensystem statt - im Gegensatz dazu ist die Struktur des internationalen Systems bei Waltz durch die Fähigkeiten der Akteure bestimmt, ihre Aufgaben zu erfüllen und somit unabhängig von strukturdeterminierenden Prozessen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Religionen in den IB und Kontext der vorliegenden Arbeit: Einführung in die Thematik durch ein aktuelles Fallbeispiel und Darstellung der Forschungsrelevanz sowie des konstruktivistischen Theorieansatzes.
2 Historische und gesellschaftliche Einordnung des Themas: Überblick über den Bosnienkrieg und die identitätsstiftende, teils konfliktverschärfende Rolle von Religion in diesem Kontext.
3 Konstruktivismus als theoretischer Rahmen: Theoretische Herleitung basierend auf Alexander Wendt, um soziale Prozesse und Identitätskonstruktionen als Treiber internationaler Politik zu begreifen.
4 Der Einfluss von Islam und orthodoxem Christentum auf den politischen Stabilisierungsprozess in BiH seit Kriegsende: Durchführung der empirischen Studie mittels qualitativer Inhaltsanalyse und Auswertung der deutschsprachigen Presseberichte.
5 Fazit: Die gegenseitige Konstitution von Struktur und Prozess anhand des Einflusses der Religionen in Bosnien: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung der These, dass Religionen den politischen Stabilisierungsprozess maßgeblich beeinflussen und Identitäten wandelbar sind.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Bosnien und Herzegowina, Religion, Politische Stabilität, Identitätsbildung, Qualitative Inhaltsanalyse, Internationale Beziehungen, Post-Konflikt-Prozess, Ethno-Nationalismus, Islam, Orthodoxes Christentum, Externe Akteure, Friedenssicherung, Europäische Union, Gesellschaftliche Spaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Religionen auf den politischen Stabilisierungsprozess in Bosnien und Herzegowina nach dem Krieg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der konstruktivistischen Theorie, der Rolle der Religion bei der Identitätsstiftung sowie der Auswertung medialer Berichterstattung über politische Prozesse in BiH.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine konstruktivistische Brille zu belegen, dass Religion ein zentraler, identitätsbildender Faktor ist, der das staatliche Handeln und die politische Stabilität in Bosnien direkt beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse von 20 deutschsprachigen Presseartikeln durchgeführt, die durch Sekundärliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen (Wendt), die historische Kontextualisierung des Bosnienkrieges sowie die methodische Auswertung des gewählten Medienkorpus detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Konstruktivismus, Identitätsbildung, Religion, Post-Konflikt-Stabilität und Bosnien-Herzegowina.
Welchen Stellenwert nimmt die Religion im politischen System Bosniens laut der Arbeit ein?
Die Arbeit zeigt auf, dass Religion nicht nur zur Identitätsbildung der beiden Entitäten dient, sondern auch als Legitimationsgrundlage für ethno-nationalistische Politik fungiert.
Wie bewerten die analysierten Medien den Einfluss des Islam in Bosnien?
Die Mehrheit der untersuchten Artikel nimmt eine zunehmende politische Relevanz des Islam wahr und bewertet diese Entwicklung überwiegend kritisch, etwa im Kontext von ausländischen Investitionen.
- Arbeit zitieren
- Felix Loos (Autor:in), 2019, Religionen in den Internationalen Beziehungen. Einfluss der Religionen auf den politischen Stabilisierungsprozess im Post-Konflikt Bosnien und Herzegowina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509396