Lernförderliches Klima als Merkmal guten Unterrichts

Hospitationsbericht einer Geschichtsstunde der 11. Klasse eines Gymnasiums


Unterrichtsentwurf, 2014

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Lernförderliches Klima als Merkmal guten Unterrichts

2. Darstellung einer Hospitationsstunde

3. Reflexion der Hospitation

4. Literaturverzeichnis

1. Lernförderliches Klima als Merkmal guten Unterrichts

Gegenstand dieser Arbeit soll das lernförderliche Klima sein. Laut Hilbert Meyer gehört dieses zu den zehn elementaren Eigenschaften des guten Unterrichts.2 Lernförderliches Klima beschreibt die humane Qualität des Unterrichts.3 Der Forschungstand ist dabei sehr unübersichtlich, da es schwierig ist das lernförderliche Klima und die Leistungen eines Schülers ins Verhältnis zu setzen.4

Hilbert Meyer hat fünf Merkmale des lernförderlichen Klimas erarbeitet.5 Als erstes Kennzeichen ist der gegenseitige Respekt zu nennen. Hierbei ist es wichtig, dass das Klima von gegenseitiger Anerkennung geprägt ist. Ein weiteres Merkmal ist die Einhaltung von Regeln, da dadurch die Verlässlichkeit des Unterrichts gewährleistet wird. Insbesondere der Lehrer ist dabei gefragt, indem er eine Balance zwischen Milde und Strenge findet. Die dritte wichtige Eigenschaft ist die Verantwortung. Wichtig ist hierbei, dass sowohl Lehrer als auch Schüler Verantwortung übernehmen sollen. Das vierte Kennzeichen ist die Gerechtigkeit. Hierbei kommt dem Lehrer die Aufgabe zu redlich zu sein und gewissenhaft zu arbeiten. Das letzte Kriterium ist die Fürsorge. Diese ist wichtig, um die die Lernfähigkeit zu sichern. Die Kennzeichen lassen sich anhand von konkreten Indikatoren überprüfen.6

Andreas Helmke vertritt die Auffassung, dass vier Kriterien für das Lernklima wichtig seien.7 Zunächst ist dabei der konstruktive Umgang mit Fehlern zu nennen. Dies stellt eine Erweiterung von Meyers Kennzeichen dar. Ein weiteres Merkmal des lernförderlichen Klimas nach Helmke ist die entspannte Lernatmosphäre. Hierbei ist vor allem der Lehrer gefordert, da er durch Humor und Überraschung für die Entspannung sorgen soll. Ein weiterer Indikator für ein gutes Klima ist der Abbau von leistungshemmender Angst. Der Lehrer kann dies durch Feedbacks, Transparenz und einer hohen Lehrer – Schüler – Interaktion fördern. Als viertes Kennzeichen nennt Helmke das angemessene Unterrichtstempo und Wartezeiten. Hierbei ist es vor allem wichtig, dass der häufig zu schnelle Unterricht entschleunigt wird.

Insgesamt muss festgehalten werden, dass sowohl Helmke, als auch Meyer, wichtige Kriterien für ein lernförderliches Klima aufzeigen. Interessant ist dabei, dass beide unterschiedliche Merkmale präferieren. Allerdings muss dies auch relativiert werden, denn manche Kriterien bedingen einander, denn z.B. der Abbau von Angst geht eng mit der Fürsorge einher. Aus diesem Grund müssen sowohl Helmkes, als auch Meyers, Kriterien berücksichtigt werden. Die genannten Merkmale wirken sich positiv auf das Klima aus, wenngleich der Einfluss des Klimas auf die Leistungsbereitschaft und die Einstellung zur Schule als marginale Erscheinung gesehen werden kann.8 Ein positives Lernklima führt aber dazu, dass die Schüler ihre Interessen und Fähigkeiten besser entfalten können. Dadurch werden insbesondere jüngere und leistungsschwächere Schüler begünstigt.

2. Darstellung einer Hospitationsstunde

Ich habe mich dazu entschieden, die Hospitation in einer 11. Klasse durchzuführen, da die Klassenstärke sehr klein ist. Bevor ich meine Hospitation darlege, möchte ich kurze Bedingungsanalyse durchführen, da diese für die nachfolgende Betrachtung äußerst wichtig ist.

Die Stunde wurde in der 11. Klasse eines Gymnasiums gehalten. Die Klassen sind hinsichtlich der Größe sehr unterschiedlich. Auch das Fachwissen und die Interessen sind sehr heterogen. Meine Praktikumsschule verfügt über einige besondere Merkmale, aufgrund der Spezialisierung auf den Leistungssport. Die Schulzeit beträgt 13 Schuljahre, sodass im Verhältnis zu anderen Schulen ein zusätzliches Jahr für den Unterricht zur Verfügung steht. Dies ermöglicht eine tiefgreifende Behandlung des Stoffes.

Der Geschichtskurs besteht aus 15 Schülern (6 Jungen und 9 Mädchen). Die Zusammensetzung von Klassen/ Kursen erfolgt entsprechend der jeweiligen Sportart. Es muss allerdings angemerkt werden, dass einige Schüler der anderen Kurse am Unterricht teilnehmen, damit der Trainingsrhythmus beibehalten werden kann. Dadurch ist der Kurs hinsichtlich der Zusammensetzung und der Sportarten sehr heterogen. Weiterhin muss angemerkt werden, dass der Kurs nie komplett ist, da Schüler regelmäßig wegen sportlichen Aktivitäten fehlen. Als ich hospitierte waren 7 Mädchen und 3 Jungen anwesend. Die Unterrichtsstunden fanden in der 8. und 9. Stunde statt. Zu diesem Zeitpunkt musste mit einer starken ermüdungsbedingten Passivität der Schüler gerechnet werden, da die Schüler bereits am Vormittag eine Trainingseinheit hatten. Der Raum ist gut ausgestattet und verfügt über Beamer und Laptop. Die Lehrerin ist seit über 20 Jahren tätig und unterrichtet die Fächer Geschichte und Deutsch. Sie verfügt über reichlich Erfahrung, da sie bereits im Ausland und am Studienkollege dozierte.

Als die Schüler den Raum betraten, war die Lehrerin bereits im Raum und bereitete den Unterricht vor. Die Lehrerin gab Schülern, welche in der letzten Stunde gefehlt hatten, die Leistungskontrolle zurück. Mit dem Stundenklingeln begrüßte die Lehrerin die Schüler und erklärte das Vorgehen für die Stunde. Hierbei sollten die Schüler zunächst eine Version des Deutschlandliedes hören.9 Nachdem die Schüler das Lied gehört hatten, gab ihnen die Lehrerin drei Minuten Zeit, um das Lied wirken zu lassen. Während dieser Zeit wichen die Schülerreaktionen ab, da manche Schüler gelacht haben und andere Schüler ernst schwiegen. Nach den drei Minuten forderte die Lehrerin die Schüler auf, ihre Eindrücke wiederzugeben. Dabei fiel mir vor allem die hohe Zahl der Meldungen auf. Eine Schülerin hatte ein Problem mit der Thematik. Die Lehrerin hinterfragte die Gründe. Dabei wurde das Unterrichtsgespräch auf die Sensibilität mit der deutschen Geschichte gelenkt. Insgesamt entwickelte sich aus dieser Eingangssequenz eine rege Diskussion. Hierbei war jeder Schüler beteiligt und die Lehrerin wurde zunehmend passiver. Die Diskussion blieb aber dennoch geordnet. Nach der Hinleitung zum Deutschlandlied gab die Lehrerin zunächst einige Hintergrundinformationen. Hierbei verortete sie beispielsweise die im Lied genannten Orte geografisch. Danach schauten sich die Schüler den Text des Deutschlandliedes an und sollten einschätzen, ob eine liberale oder nationale Gesinnung des Autors zu erkennen sei. Daraus entwickelte sich wieder eine geordnete Klassendiskussion. Die Lehrerin versuchte dabei die Schüler gezielt zu verunsichern, um dann die richtige Lösung zu festigen.

Danach stellte die Lehrerin kurz Georg Büchner vor und zeigt eine kurze Filmsequenz zu Büchners Leben. Der Unterricht wurde durch das Pausenklingeln unterbrochen und nach der Pause von fünf Minuten planmäßig fortgesetzt. Zunächst wurde der Film zu Ende geschaut. Die Lehrerin hat das Video mehrmals angehalten, um weiteren Input zu geben. Im Anschluss sollten die Schüler eine ähnliche Aufgabe wie beim Deutschlandlied ausführen. Dabei hatte die Lehrerin den Hessischen Landboten als Quelle ausgewählt. Die Schüler sollten dieses Werk analysieren. Die Analysen sollten bis zur nächsten Stunde fertiggestellt werden. In der Nachbesprechung der Stunde habe ich erfahren, dass ursprünglich eine Leistungskontrolle für diesen Tag angesetzt war. Die Abgabe der Stundenaufgabe ersetzte nun die Leistungskontrolle. Die Lehrerin notierte an der Tafel ihre Bewertungskriterien (Einleitung – 2 Punkte, Inhalt – 2 Punkte, historischer Kontext – 2 Punkte, Erschließung der politischen Haltung – 6 Punkte, Textbelege – 6 Punkte, Fazit – 2 Punkte, Sprache – 1 Punkt), damit die Schüler sich besser fokussieren konnten. Die Lehrerin ließ den Schülern Zeit, um die Quelle zu lesen und stand danach für Nachfragen zur Verfügung. Nachdem die Schüler keine Fragen mehr hatten, arbeiteten die Schüler in Einzelarbeit an der Aufgabe. Diese Arbeit wurde erst durch das Stundenklingeln beendet. Die Lehrerin erinnerte an die Abgabe in der nächsten Stunde und verabschiedete sich von den Schülern.

3. Reflexion der Hospitation

Die Hospitationsstunde war für mich ein gutes Beispiel für ein gelungenes Lernklima. Es wurden viele Aspekte berücksichtigt, welche für die Schaffung eines lernförderlichen Klimas notwendig sind, wenngleich es auch Optionen zur Verbesserung gab. Hierbei ist die Rückgabe der Leistungskontrolle in der Pause zu nennen. Die Rückgabe in der Pause führt dazu, dass die Zeit im Unterricht effektiver genutzt werden konnte. Einerseits wurde dadurch das Kriterium der effektiven Lernzeit angesprochen und andererseits konnte auf diese Weise auch das Unterrichtstempo reduziert werden, da mehr Zeit für die Behandlung des Stoffes blieb. Nachteilig war dabei, dass keine Auswertung gemacht wurde. Auf diese Weise verstieß die Lehrerin gegen mehrere Merkmale des lernförderlichen Klimas, denn einerseits war kein transparenter Maßstab vorhanden und andererseits wurde auch kein individuelles Feedback vorgenommen.

Der Stundenbeginn war wiederum sehr transparent, indem die Lehrerin darlegte, welches Vorgehen für die Stunde geplant war. Dies führte zur Absenkung von Prüfungsangst. Insbesondere das Ersetzen der Leistungskontrolle durch eine Textarbeit war dabei förderlich. Die Diskussion war ebenfalls ein positives Indiz für ein lernförderliches Klima. Die Beteiligung war sehr hoch. In dieser Stunde hatte sich jeder Schüler gemeldet. Jeder Schüler konnte ungestört ausreden und kein Schüler wurde unterbrochen, diskriminiert, o.ä. Mir ist dabei ein Schüler aufgefallen, der sehr aktiv am Unterricht teilnahm. Zu meiner Verwunderung habe ich einige Wochen später erfahren, dass dieser Schüler stark versetzungsgefährdet ist. Dies ist das beste Indiz für einen sehr homogenen Kurs. Weiterhin wurde der Humor von einigen Schülern durch die Art der Vertonung angesprochen. Ich denke, dass diese Variante des Einstieges sehr gut geeignet ist und ich werde diesen in meinen zukünftigen Stunden berücksichtigen. Durch diesen Einstieg können viele Schüler aktiviert werden, da er sehr polarisieren kann. Weiterhin wird bei dieser Variante des Stundenbeginnes kein allzu hohes Maß an Fachwissen vorausgesetzt. Dies begünstigt vor allem leistungsschwächere Schüler, die dadurch aktiver mitarbeiten können und auf diese Weise stärker ins Klassengefüge eingebunden werden.

[...]


2 Vgl., Meyer, Hilbert, Was ist guter Unterricht, Berlin 2013, S. 47 – 54.

3 Vgl., ebd., S. 47.

4 Vgl., Helmke, Andreas, Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose. Evaluation und Verbesserung des Unterrichts, Seelze-Velber 2012, S. 227.

5 Vgl., Meyer, Hilbert, Was ist guter Unterricht, Berlin 2013, S. 47 ff.

6 Aufgrund der vorgegeben Seitenzahl werden die Indikatoren hier nicht dargelegt. Sie werden allerdings bei der Analyse miteinbezogen. Die Indikatoren lassen sich im angegebenen Buch von Hilbert Meyer auf Seite 49 finden.

7 Vgl., Helmke, Andreas, Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose. Evaluation und Verbesserung des Unterrichts, Seelze-Velber 2012, S. 227 – 236.

8 Vgl., Meyer, Hilbert, Was ist guter Unterricht, Berlin 2013, S. 51 ff.

9 Vgl., < http://www.youtube.com/watch?v=7iILVTShCoA> am 08.05.2014.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Lernförderliches Klima als Merkmal guten Unterrichts
Untertitel
Hospitationsbericht einer Geschichtsstunde der 11. Klasse eines Gymnasiums
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Geschichtsdidaktik II – Begleitveranstaltung zum Praxissemester
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
8
Katalognummer
V509435
ISBN (eBook)
9783346074713
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Geschichte, Hospitation, Praxissemester
Arbeit zitieren
Christian Schwambach (Autor), 2014, Lernförderliches Klima als Merkmal guten Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509435

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