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Unterwegs in gewesenen Wirklichkeiten. Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas

Title: Unterwegs in gewesenen Wirklichkeiten. Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas

Research Paper (postgraduate) , 2019 , 339 Pages

Autor:in: Prof. Dr. Ulrich Schoenborn (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Summary Excerpt Details

Die in diesem Band vorgelegten Artikel thematisieren exemplarische Vorgänge (aus den Epochen von Reformation, Aufklärung, Pietismus u.a.), um das kritische Gedächtnis zu stärken und die Instrumentalisierungstendenzen des Präsentismus zu unterlaufen. Zugleich geht es um die gesellschaftsprägende Kraft von Religion.

Seit der geopolitischen Wende im ausgehenden 20. Jahrhundert stehen in Ostmitteleuropa (u.a. Baltische Länder, [Ost-] Preußen) reiche Arbeitsfelder für kirchen- und kulturgeschichtliche Forschungen bereit. "Ehemalige Gegenwarten", Korrelationen in der deutschen Geschichte sind evident, rücken provozierend ins Bewußtsein. "Räume der Vergangenheit", die in Westeuropa vergessen, übersehen oder einfach unbekannt sind, weil sie an der Peripherie liegen, fordern heraus.

Im Fokus stehen die glaubwürdige Auslegung des Evangeliums im Wandel der Zeiten beziehungsweise die Hermeneutik des christlichen Ethos. Historie verstehen impliziert stets ein Sich-selbst-Verstehen. Analysierende und interpretierende Teilnahme an gewesener Wirklichkeit bietet nicht nur die Chance, die Leerstellen des Wissens zu verändern, sondern ermöglicht Resonanzen, die den Augenblick transzendieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Prolog: Über den Präsentismus hinaus

„Mutatio est dexterae excelsi“ Burkard Waldis (*um 1490, †1556) in Riga und in Hessen

Kurland im Horizont der Reformation: Resonanz – Korrelation – Interaktion*

Von Kurland nach Hessen

„Unse leve modder unde fruwe“. Charlotte Sophie von Kurland Äbtissin im Freiweltlichen Reichsstift Herford (1688-1728)*

„… gute, frohe und thätige Menschen bilden“ Zur Theologie des Volksaufklärers Gotthard Friedrich Stender (1714-1796)*

Herzog Albrecht von Preußen (1490-1568) als Theologe*

Von Königsberg nach Emden: Was eine Abendmahlskanne „erzählt“*

Im Kontext des Königsberger Jahrhunderts: Eine theologiegeschichtliche Lektüre zu Donelaitis (1714-1780)*

Religionskritik auf der Bühne: Luise Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762)*

Kunst, Religion und kulturelles Gedächtnis im europäischen Horizont: Richard Pfeiffer (1878-1962) und die Fresken in der Kirche von Heydekrug*

Der Calvinismus - „Hebamme“ der Moderne? Anmerkungen zur gesellschaftsprägenden Kraft religiöser Überzeugungen*

„Sakralität“ – Herausforderung der Spätmoderne. Oder: „Heilig ist das Gegenteil von egal“ *

Epilog: Begegnungen in „Königsberg“ 2010*

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeitssammlung von Ulrich Schoenborn befasst sich mit der Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas, wobei der Fokus auf der Relation zwischen Vergangenheit („Einst“) und Gegenwart („Jetzt“) liegt. Ziel ist es, durch die Analyse exemplarischer Akteure, Ereignisse und geographischer Räume ein sensibleres Verständnis für „geliehene Geschichte“ zu schaffen und dem bewussten oder unbewussten Präsentismus entgegenzuwirken, indem historische Konstellationen in ihrer Eigenart respektiert und pluritemporale Zusammenhänge aufgezeigt werden.

  • Kirchen- und Kulturgeschichte des Baltikums, (Ost-)Preußens und Königsbergs
  • Transformationen und Reformationsprozesse in Nordostmitteleuropa
  • Kulturelles Gedächtnis, Kunst und Religion in der Frühen Neuzeit
  • Der gesellschaftliche Einfluss religiöser Überzeugungen (Calvinismus)
  • Methodische Reflexion über den Umgang mit Geschichte (Präsentismus-Kritik)

Auszug aus dem Buch

„Mutatio est dexterae excelsi“ Burkard Waldis (*um 1490, †1556) in Riga und in Hessen

In dem nordhessischen Ort Abterode (heute: Werra-Meissner-Kreis) wurde am 13. September 1544 Burcardus Waldis, wie er sich selbst auf den Titelblättern seiner Dichtungen vorgestellt hat, als Propst und Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde eingeführt. Bis zu diesem Datum hatte Waldis einen bewegten und wechselvollen Lebensweg durchschritten. Seine Person verbindet in bemerkenswerter Weise Hessen und Livland, genauer Riga. Wer sich mit der livländischen Reformationsgeschichte beschäftigt, wird auf ihn als einen aktiven Protestanten der ersten Phase stoßen. So überraschend diese Entdeckung sein mag, so ernüchternd ist die Quellenlage, die viele Fragen unbeantwortet läßt. Auch erstaunt, dass neuere Forschungsliteratur zu Leben und Werk fehlt, obwohl Burkard Waldis zu den bedeutendsten Dichtern deutscher Sprache des 16. Jahrhunderts gezählt wird. Diese Ausgangslage rechtfertigt den Versuch, text- und autorbezogene Perspektive miteinander zu verschränken.

1. Burkard Waldis wurde zwischen 1490 und 1496 in Allendorf an der Werra (heute: Bad Sooden-Allendorf; s. Abb. 1) geboren, wo die angesehene Familie der Waldis seit dem frühen 12. Jahrhundert urkundlich nachweisbar ist. Der Name „Waldis“ (oder Waldes) muß als Hinweis auf seine Herkunft verstanden werden und verweist auf einen Nachbarort am Fluß Werra, der einst „Waldesa“ hieß und dann „Wahlhausen“. Die Waldis gehörten zu den Familien, die an der Salzgewinnung und am Salzhandel beteiligt waren. Sie waren „Pfänner“ (d.h., Besitzer von Salzpfannen). Mitglieder der Familie saßen im Rat der Stadt, waren wiederholt Bürgermeister und trugen Verantwortung im Gemeinwesen. Von Beruf waren sie u.a. Zinngießer. Auf Bernhard Waldis, einen der vier Brüder, geht eine Armenstiftung zurück (1564), mit der er eine ältere „Stiftung seiner Eltern und Vorgesippten“ aufbessern wollte. Diese Einrichtung existiert bis in die heutige Zeit.

Zusammenfassung der Kapitel

„Mutatio est dexterae excelsi“ Burkard Waldis (*um 1490, †1556) in Riga und in Hessen: Diese Biographie untersucht den bewegten Lebensweg des bedeutenden Dichters und aktiven Reformators zwischen Hessen und dem livländischen Riga.

Kurland im Horizont der Reformation: Resonanz – Korrelation – Interaktion*: Das Kapitel analysiert die späte Einführung der Reformation in Kurland im Zusammenhang mit der Errichtung des Herzogtums Kurland-Semgallen.

Von Kurland nach Hessen: Hier werden die dynastischen Verflechtungen und Lebenswege der Töchter Herzog Jakobs Kettlers in verschiedenen deutschen Fürstenhöfen beleuchtet.

„Unse leve modder unde fruwe“. Charlotte Sophie von Kurland Äbtissin im Freiweltlichen Reichsstift Herford (1688-1728)*: Die Studie widmet sich dem Leben und Wirken der kurländischen Prinzessin als Äbtissin in Herford und ihrem Kampf um Souveränität.

„… gute, frohe und thätige Menschen bilden“ Zur Theologie des Volksaufklärers Gotthard Friedrich Stender (1714-1796)*: Eine theologische Analyse des Volksaufklärers Stender, dessen Denken zwischen Pietismus und Aufklärung vermittelt.

Herzog Albrecht von Preußen (1490-1568) als Theologe*: Dieser Beitrag stellt den ersten Fürsten des säkularisierten Preußens als „Laientheologen“ dar, der Luthers Ideen maßgeblich in die Praxis umsetzte.

Von Königsberg nach Emden: Was eine Abendmahlskanne „erzählt“*: Anhand eines historischen Abendmahlsgeräts wird die Geschichte der reformierten Gemeinde im preußischen Königsberg nachgezeichnet.

Im Kontext des Königsberger Jahrhunderts: Eine theologiegeschichtliche Lektüre zu Donelaitis (1714-1780)*: Die Untersuchung beleuchtet die theologische Existenz des Schriftstellers Kristijonas Donelaitis im geistigen Klima des Königsbergs seiner Zeit.

Religionskritik auf der Bühne: Luise Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762)*: Das Kapitel behandelt die satirische Auseinandersetzung der Gottschedin mit den Exzessen des zeitgenössischen Pietismus.

Kunst, Religion und kulturelles Gedächtnis im europäischen Horizont: Richard Pfeiffer (1878-1962) und die Fresken in der Kirche von Heydekrug*: Hier wird das Wirken Richard Pfeiffers und seine monumentalen Wandbilder in Heydekrug unter kunst- und religionsgeschichtlichen Aspekten gewürdigt.

Der Calvinismus - „Hebamme“ der Moderne? Anmerkungen zur gesellschaftsprägenden Kraft religiöser Überzeugungen*: Eine kritische Reflexion der Weber-These und der historischen sowie politischen Wechselwirkungen des Calvinismus.

„Sakralität“ – Herausforderung der Spätmoderne. Oder: „Heilig ist das Gegenteil von egal“ *: Abschließende Betrachtung zur Bedeutung „des Heiligen“ in der spätmodernen Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Reformation, Kulturgeschichte, Nordostmitteleuropa, Preußen, Kurland, Königsberg, Protestantismus, Pietismus, Calvinismus, Burkard Waldis, Gotthard Friedrich Stender, Herzog Albrecht von Preußen, Richard Pfeiffer, Religionsgeschichte, Säkularisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?

Das Buch ist eine Sammlung historischer und theologischer Aufsätze, die sich mit Menschen, Ereignissen und geistigen Strömungen in der Kirchen- und Kulturgeschichte der Region Nordostmitteleuropa befassen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Beiträge decken ein breites Spektrum ab: von der Reformationsgeschichte über fürstliche Dynastien, Kunst und Religion bis hin zur Rolle religiöser Überzeugungen wie dem Calvinismus für die moderne Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die „Begegnung der Zeiten“ zu reflektieren und ein tieferes Verständnis für die komplexe, „geliehene Geschichte“ zu wecken, indem ein bewusster Widerstand gegen eine rein gegenwartsorientierte Geschichtsbetrachtung (Präsentismus) geleistet wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen hermeneutischen Ansatz, der kirchen- und kulturgeschichtliche Daten analysiert und in einen breiteren europäischen Horizont einbettet, um theologische und historische Zusammenhänge zu erschließen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene Akteure – wie Burkard Waldis, Herzog Albrecht von Preußen oder Gotthard Friedrich Stender – und Phänomene wie die Rolle der Kunst in Kirchenbauten oder der Einfluss des Calvinismus detailliert untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Pluritemporalität, Reformation, Säkularisierung, Pietismus, Konfessionalisierung und das Verhältnis von Kunst und Kultus prägen das wissenschaftliche Profil des Bandes.

Welche Rolle spielt Herzog Albrecht von Preußen in dieser Publikation?

Albrecht wird als „Laientheologe“ porträtiert, dessen politisches Ethos und konsequente Umsetzung evangelischer Prinzipien den preußischen Staat maßgeblich beeinflusst haben.

Wie bewertet der Autor das Phänomen des Calvinismus?

Der Autor hinterfragt kritisch die „Weber-These“ und betont die historische Variabilität des Calvinismus, während er gleichzeitig die bedeutende Rolle dieses Glaubensverständnisses für die gesellschaftliche Gestaltung und moderne ethische Diskurse herausstellt.

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Details

Title
Unterwegs in gewesenen Wirklichkeiten. Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas
Author
Prof. Dr. Ulrich Schoenborn (Author)
Publication Year
2019
Pages
339
Catalog Number
V509488
ISBN (eBook)
9783346085900
ISBN (Book)
9783346085917
Language
German
Tags
Exemplarische Arbeitsfelder: Reformation-Pietismus-Aufklärung-frühes 20. Jahrhundert-Beziehungsgeflechte und Korrelationen in der deutschen Geschichte-theologiegeschichtliche Linien-gesellschaftsprägende Wirkung von Theologie/ reflektierte Religion. Vermächtnis des Fragmentarischen-Frauen als historische Akteure-Partizipation und Kommunikation. Baltische Länder: Lettland-Litauen Kurland-(Ost-)Preußen-Riga-Königsberg.
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Prof. Dr. Ulrich Schoenborn (Author), 2019, Unterwegs in gewesenen Wirklichkeiten. Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509488
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