Die Darstellung Alexanders des Großen in den historischen Quellen. Welches Bild zeichnen die Historiker von Alexander bei der Philotas-Verschwörung?


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Philotas Verschwörung aus objektiver Sichtweise

2. Quellen
II.I Negative Darstellung Alexanders in den historischen Quellen
II.II Positive Darstellung Alexanders in den historischen Quellen

Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung

Alexander der Große gehört ohne Zweifel zu einem der bedeutendsten Persönlichkeiten der Geschichte. Seine Taten und vor allem auch der Feldzug gegen die Perser waren zu dieser Zeit einzigartig und überragten alles was bisher erreicht wurde und so entstand ein noch weiter reichender Ruhm. Auch versuchte Alexander es wie kein Feldherr vor ihm der Zukunft ein glänzendes Bild von sich aufzuzeigen und beauftragte angesehene Schriftsteller und Künstler um dieses zu verbreiten. Leider sind diese Zeugnisse bis auf wenige Bruchstücke nicht mehr erhalten und so muss sich die Forschung auf die historischen Quellen und Dokumente verlassen. Übertreibung und Ausschmückungen sind jedoch auch in den zuverlässigsten Werken nachweisbar. Doch obwohl es viele Bewunderer Alexanders gab, findet man bereits zu Lebzeiten auch zahlreiche Kritiker des Makedonenkönigs. Deswegen zeichnet sich die Frage nach der zeitgenössischen Rezeption des Alexanderbildes auf, welche jedoch zu ausschweifend ist, um sie über den gesamten Zeitraum der Alten Geschichte zu untersuchen. Aus diesem Grund möchte ich in meiner wissenschaftlichen Arbeit ein größeres Augenmerk auf die Zeit der Philotas Verschwörung legen und diese hinsichtlich der Quellen und Sekundärliteratur untersuchen. Problematisch bei lateinischen und griechischen Originalzeugnissen dieser Zeit ist die literarische Form in welcher diese verfasst wurden.[1] Aufgrund der Tatsache, dass die damaligen Historiker oftmals gleichzeitig Schriftsteller waren und mit der Absicht ihrer Leser zu unterhalten schrieben, bieten sie oft ein sehr ausgeschmücktes und auch leicht verzerrtes Bild Alexanders. Ein weiteres Problem bietet der große zeitliche Abstand, da keines der heute noch erhaltenen Werke über Alexander auch direkt aus dessen Lebensjahren stammte, sondern diese oft erst einige Jahrhunderte später verfasst wurden.

1. Die Philotas Verschwörung aus objektiver Sichtweise

Die zuverlässigsten Darstellungen finden sich in den Quellen von Plutarch, sodass diese als Ausgangssituation zur objektiven Schilderung der Ereignisse am besten genutzt werden können. Bevor die Philotas Verschwörung beschrieben werden soll, gehe ich kurz auf die Beweggründe Plutarchs ein, welcher in seinem ersten Kapitel beschreibt auf welche Schwerpunkte er in seinem Werk Wert gelegt hat. In erster Linie möchte sich Plutarch, der sein Werk um 100 n. Chr. verfasste,[2] von den sonstigen Geschichtsschreibern und Historikern absetzen und vielmehr als Biograph fundieren. Deswegen verzichtet er weitgehend auf die Beschreibung von Schlachten und Heldestaten in ihrer Fülle und beschreibt die meisten Ereignisse eher kurz.[3]

Bei der Schilderung des Geschehens um die Philotas Verschwörung geht Plutarch auch auf die Vorgeschichte und die möglichen Ursachen des Konfliktes zwischen dem König und dem hoch angesehenen makedonischen Heeresführer ein. So erwähnt er zwar zuerst das große Ansehen des Philotas bei den Makedonen, aber er zeigt auch die negativen Seiten des Feldherren auf. Er habe ein aufgeblasenes Wesen und sei immer auf Reichtum bedacht, wobei er seinen Hochmut ohne jeglichen Umgangston oft sehr beleidigend zum Ausdruck brachte.[4] Auch bei Alexander dem Großen sei Philotas dadurch längst in Ungnade gefallen, wobei vor allem ein Ereignis genauer zu betrachten ist. Es handelt sich hierbei um eine nicht gern gesehene Anmaßung Philotas nach dem Sieg über Dareios Truppen in Kilikien. Nachdem man dem gesamten Tross in Damaskos gefangen genommen hatte, nahm sich Philotas eine der schönsten Frauen, Antigone und behielt sie für sich. Ihr gegenüber prahlte er mit seinen Taten und beleidigte Alexander als Jüngelchen und behauptete, dass dieser ohne ihn und seinen Vater niemals König der Makedonen wäre. Antigone erzählte dies weiter, bis es Krateros, ein auf die Position Philotas neidischer Feldherr hörte, sie Alexander vorführte und alles berichten ließ. Alexander setzte die Frau danach als bewusste Spionin ein, sodass er immer über Anfeindungen seines Heeresführers Bescheid wusste. Diese Konflikte finden sich auch in der Forschungsliteratur wieder, unter anderem bei Heckel, welcher die Schwierigkeiten in der Beziehung zwischen Alexander und Philotas bereits vor dem Feldzug ansetzt, sodass er bezweifelt, ob es sich bei ihnen um eine wirkliche Freundschaft handelte.[5] Die endgültige Wende im Verhältnis stellt die „Egyptian conspiracy“ im Winter 332/1 v. Chr. dar, nachdem sich Alexander selbst als Sohn des Ammon Ra bezeichnet und Philotas dies stark kritisiert bis seine missbilligenden Worte durch Antigone zu Alexander getragen werden.[6]

Die eigentliche spätere Philotas Verschwörung ging jedoch von einer anderen Person aus, dem Makedonen Limnos, in einigen anderen Quellen, wie auch als Dimnos bei Diodor oder Dymnos bei Curtius Rufus aufgeführt. Dieser plante ein Attentat auf Alexander und versuchte deswegen seinen Geliebten Nikomachos zur Teilnahme zu überreden. Doch statt ihm zu helfen, vertraute sich Nikomachos seinem Bruder Kebalinos an, sodass sie die Pläne gemeinsam Philotas übermittelten und um ein Treffen mit Alexander baten. Philotas jedoch verweigerte den Zugang mehrmals aus für Plutarch nicht erklärlichen Gründen und deshalb schöpften die Männer den Verdacht, dass der Feldherr selbst ein Komplize sei. Aus diesem Grund wandten sie sich an jemand, bei Plutarch nicht näher beschriebenen, anderen, der ihnen sofort direkten Zutritt zu Alexander verschaffte. Sie erzählten von der Verschwörung und auch von der Reaktion des Philotas woraufhin Alexander zuerst Limnos verhaften ließ. Dieser hatte sich jedoch gegen seine Festnahme gewährt und wurde dabei getötet ohne ein Geständnis abzulegen oder Mitverschwörer zu benennen. Alexander befürchtete nun alle Beweise gegen Philotas verloren zu haben und wandte sich an dessen Gegner, unter anderem auch Hephaistion und Krateros, die ihn in seinem Verdacht unterstützten. In den kommenden Zeilen beschreibt Plutarch die Ereignisse nur noch knapp mit der Gefangennahme, Folterung und Hinrichtung des Philotas, sowie der Ermordung des Parmenions. Parmenion war Philotas Vater und seit Philipp II. ein hoch angesehener Feldherr gewesen und dann auch unter Alexander einer der führenden Streitkräfte sowie Berater. Plutarch hielt es hier für sehr wahrscheinlich, dass Alexander die Macht des Parmenions fürchtete, wenn dieser von der Hinrichtung seines Sohnes erfuhr.

2. Quellen

II.I Negative Darstellung Alexanders in den historischen Quellen

II.I.1 Allgemeines

Die kritikreichste Auseinandersetzung mit dem Alexanderbild ist leider nur noch in wenigen Fragmenten erhalten und umfasste nur die letzten beiden Jahre Alexanders. Sie können zwar keinen Aufschluss über die Ereignisse um die Philotas Verschwörung geben, aber gewissermaßen doch einen kleinen Einblick in ein alexanderfeindliches Bild geben.[7] Als Urheber wird Ephippos von Olynth angesehen, welcher Alexander laut F. Jacoby als halbverrückten alkoholkranken Tyrannen und die Makedonen als Barbaren dargestellt haben soll.[8] Nach seinen Ansichten sei Alexander mordlustig und wahnsinnig gewesen.[9]

Nach Demandt sind bei allen antiken Kritikern vier gemeinsame Punkte nachzuweisen: Alexanders Trunksucht, die Selbstvergöttlichung, sowie Übernahme orientalischer Manieren, das unbändige Ruhmesstreben und die Zahl der Toten die seine Feldzüge und sein Machtanspruch zur Folge hatten.[10] Obwohl alle Punkte begründet seien, kann man sie mithilfe der damaligen Sitten und Gebräuche widerlegen. Zur Trunksucht rechtfertigt Demandt den Makedonenkönig dahingehend, dass zu dieser Zeit Wein einen festen Bestandteil der Tischkultur in Griechenland darstellte und man das sogenannte Symposium, als festliche Gelage und somit als ein wichtiges Wesenselement von Geselligkeit und Gemeinschaft sah. Auch bei Arrian wird dieses durchaus positiv eingeschätzt, da Alexander hier wichtige politische Gespräche führte und scheinbar nie allein Alkohol genoss.[11] Allerdings ist nicht der Alkoholgenuss allein Schuld an dieser Kritik, sondern vielmehr die Folgen welche aus diesem resultierten. Ein Resultat des Übermaßes war der Mord an Kleitos, welcher jedoch auch aus der Trunkenheit des Offiziers resultierte. Beide Makedonen hatten an diesem Abend zu viel getrunken und Kleitos begann seinen König zu beschimpfen, sodass ein großer Streit ausbrach aus dessen Affekt Alexander seinen Offizier tötete. Da er sofort danach seine Tat bereute und seine Schuld offen eingestand wird dieses Ereignis bei vielen Historikern als Unfall angesehen und als Affekttat bezeichnet, die Alexander nicht negativ angerechnet werden dürfe. Der zweite Kritikpunkt, die Vergöttlichung Alexanders und die gleichzeitig eingeführte Proskynese, stoß vor allem unter den Makedonen und anderen Griechen auf große Ablehnung. Wurde dies im Heer und in der Bevölkerung oft abgelehnt, findet man in der späteren Rezeption und unter den Nachfolgern durchaus auch viel Anerkennung für die göttliche Abstammung Alexanders.[12] In den historischen Quellen berichtet vor allem Kallisthenes von Olynth von dieser Gottgleichheit als Sohn des Zeus. Alexander ist dabei zu Gute zu halten, dass er zwar viele orientalische Gebräuche in die makedonischen Sitten einfließen ließ, dabei aber die Proskynese nicht selbst einführte, sondern diese wie selbstverständlich von den einverleibten Truppen der Perser und anderer orientalischer Völker ausging und Alexander dies duldete. Alexander spielte oft mit dieser Vergöttlichung und scherzte darüber, sodass man behaupten kann, dass er seine Selbsteinschätzung nie verloren hatte. Demandt kritisiert jedoch, dass er der weitgehenden Orientalisierung teilweise wichtige Feldherren wie Philotas und Parmenion geopfert hatte. Auch das große und unersättliche Streben nach Ruhm, welches vor allem bei Curtius Rufus erwähnt wurde, spielte eine große Rolle, denn Alexander opferte diesem viele Menschen auf beiden Seiten des Krieges. Wiemer fasst die kritischen Stimmen in der Antike unter zwei wesentlichen Aspekten zusammen, auf der einen Seite der Regierungsstil Alexanders und auf der anderen sein ausschweifender Lebensstil mit zu hohem Alkoholgenuss.[13] Die Orientalisierung trug in der zweiten Regierungshälfte dazu bei, dass Alexander oftmals als Despot angesehen wurde und so verschärften die Morde an seinen langjährigen Gefolgsleuten Philotas und Parmenion die Kritik unter den Personen die höhere moralische Wertvorstellungen inne hatten.[14]

[...]


[1] Wiemer 2005, 17.

[2] Wiemer 2005,18.

[3] Plutarch, 1.

[4] Plutarch, 48

[5] Heckel 1992, 25f.

[6] Heckel 1992, 26.

[7] Wiemer 2005, 29f.

[8] Jacoby 1930, 437ff.

[9] Wiemer 2005, 30.

[10] Demandt 2009, 473.

[11] Demandt 2009, 474.

[12] Demandt 2009, 475.

[13] Wiemer 2005, 14f.

[14] Wiemer 2005, 15.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung Alexanders des Großen in den historischen Quellen. Welches Bild zeichnen die Historiker von Alexander bei der Philotas-Verschwörung?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Alexander der Große
Note
1,7
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V509600
ISBN (eBook)
9783346073617
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alexander der Große, Antike, Philotas, Geschichte, Makedonien, Quellen, Griechenland
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die Darstellung Alexanders des Großen in den historischen Quellen. Welches Bild zeichnen die Historiker von Alexander bei der Philotas-Verschwörung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509600

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