Ziel dieser Arbeit ist es, diese Forschungslücke zu schließen, indem die Prognosequalität nichtfinanzieller Leistungsindikatoren in ausgewählten Prognoseberichten kritisch analysiert wird. Dazu werden zunächst die konzeptionellen Grundlagen der Prognoseberichterstattung über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren herausgestellt und die geänderten gesetzlichen Anforderungen erläutert. Im Anschluss daran folgt ein Überblick über die Ergebnisse vorab durchgeführter Studien nach Umsetzung des DRS 20. Im Hauptteil der Arbeit wird auf Basis des gesetzlichen Rahmens ein Anforderungsprofil abgeleitet.
Dieses bildet die Grundlage für die empirische Inhaltsanalyse, welche die Prognosequalität der Unternehmen untersucht, die zum 31.12.2018 in den größten deutschen Aktienindizes (DAX 30, MDAX und SDAX) gelistet sind. Dabei liegt der Fokus auf dem Erfüllungsgrad der Anforderungen an Prognosegegenstand, Prognosegenauigkeit sowie Prognosehorizont. Die Ergebnisse werden nachfolgend interpretiert. Im letzten Teil wird die Arbeit mit einer kritischen Würdigung des gesetzlichen Standards und einer Zusammenfassung vervollständigt.
Bereits 2011 hat Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW), nicht nur die hohe Relevanz der Prognoseberichterstattung im Lagebericht, sondern auch die Unterschiede in der Qualität der veröffentlichten Prognosen festgestellt. Ein ähnliches Bild zeigen verschiedene Studien, welche die Prognoseberichterstattung im Lagebericht deutlich kritisieren. Durch Einführung des Deutschen Rechnungslegungs Standard 20 "Konzernlagebericht" (DRS 20) wurden die Anforderungen an den Prognosebericht durch das Deutsche Rechnungslegungs Standard Committee (DRSC) 2012 daher grundlegend erneuert und präzisiert.
Im Jahr nach der Umstellung untersuchen zahlreiche Studien die Qualität der Prognoseberichterstattung vor dem Hintergrund des neuen Standards. Sowohl publizierende Unternehmen, als auch Verfasser einschlägiger Studien konzentrieren sich dabei vorwiegend auf finanzielle Kennzahlen. Dahingegen ist die Berichterstattungspraxis zu nichtfinanziellen Leistungsindikatoren im Prognosebericht bislang kaum untersucht. Diese gewinnen jedoch in den letzten Jahren - durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) 2017 und aktuelle klima-politische Entwicklungen - an Bedeutung und rücken zunehmend in den Fokus sämtlicher Stakeholdergruppen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Konzeptionelle Grundlagen der Prognoseberichterstattung über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
2.1 Bedeutung und Zwecke zukunftsorientierter Berichterstattung
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen des DRS 20
3 Anwendung der Prognoseberichterstattung der Unternehmen des DAX 30, MDAX und SDAX
3.1 Bisherige Erkenntnisse zur Prognoseberichterstattung
3.2 Empirische Analyse der Prognosequalität
3.2.1 Untersuchungsdesign
3.2.2 Prognosegegenstand
3.2.3 Prognosegenauigkeit
3.2.4 Prognosehorizont
3.2.5 Limitationen der Untersuchung
4 Kritische Würdigung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Qualität der Prognoseberichterstattung hinsichtlich nichtfinanzieller Leistungsindikatoren bei den im DAX 30, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen zum 31.12.2018, um zu bewerten, inwiefern diese den gesetzlichen Anforderungen des DRS 20 entsprechen und den Informationsbedarf von Stakeholdern decken.
- Analyse des gesetzlichen Rahmens (DRS 20) für die Prognoseberichterstattung
- Empirische Inhaltsanalyse von 131 Konzernlageberichten
- Untersuchung der Prognosequalität anhand von Prognosegegenstand, Prognosegenauigkeit und Prognosehorizont
- Vergleich der Berichterstattungspraxis zwischen verschiedenen Aktienindizes
- Ableitung von Empfehlungen zur Verbesserung der zukunftsorientierten Berichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Untersuchungsdesign
Die Prognosequalität nichtfinanzieller Leistungsindikatoren wird anhand der im Konzernlagebericht veröffentlichten Prognoseberichte analysiert. Die Ausgangsdatenbasis umfasst die Geschäftsberichte aller Unternehmen, die zum 31.12.2018 in den deutschen Aktienindizes DAX 30, MDAX und SDAX gelistet sind. Dadurch soll ein branchenunabhängiger, indexübergreifender Überblick ermöglicht werden. Insbesondere die Berücksichtigung von kleineren, im SDAX gelisteten Unternehmen, soll Aufschluss darüber geben, ob und inwiefern sich die Größe eines Unternehmens und seine Umsatzstärke auf die Berichterstattung auswirken. Die Werte des TecDAX, die in bisherigen Studien häufig Teil der Untersuchung waren, wurden zum 24. September 2018 in die übrigen Indizes überführt und sind daher nicht gesondert auszuweisen.
Die Grundgesamtheit der 160 Unternehmen wird aus Gründen der Vergleichbarkeit zunächst um 14 Finanzdienstleister (Banken und Versicherungen) bereinigt, da diese speziellen Rechnungslegungsvorschriften unterliegen. Zudem werden 14 Unternehmen mit Sitz im Ausland von der Untersuchung ausgeschlossen, da diese nicht zur Aufstellung eines Konzernlageberichts gem. § 315 HGB verpflichtet sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Prognoseberichten im Lagebericht dar und identifiziert die Forschungslücke bezüglich der Qualität nichtfinanzieller Leistungsindikatoren.
2 Konzeptionelle Grundlagen der Prognoseberichterstattung über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Anforderungen sowie die Bedeutung zukunftsorientierter Berichterstattung gemäß DRS 20 für Kapitalgesellschaften.
3 Anwendung der Prognoseberichterstattung der Unternehmen des DAX 30, MDAX und SDAX: Das Hauptkapitel präsentiert eine empirische Inhaltsanalyse zur Prognosequalität und vergleicht die Praxis bei nichtfinanziellen Kennzahlen über verschiedene Aktienindizes hinweg.
4 Kritische Würdigung: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit den Studienergebnissen und den gesetzlichen Standards, insbesondere hinsichtlich der Entscheidungsnützlichkeit für Adressaten.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Analyseergebnisse und einem Ausblick auf zukünftigen Handlungsbedarf bei der Standardsetzung für nichtfinanzielle Prognosen.
Schlüsselwörter
Prognosequalität, Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren, DRS 20, Konzernlagebericht, Management Approach, Prognosegenauigkeit, Prognosehorizont, Berichterstattungspraxis, DAX 30, MDAX, SDAX, Unternehmenspublizität, Nachhaltigkeitsaspekte, Informationsgehalt, Stakeholder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Qualität der Prognoseberichterstattung über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren in den Geschäftsberichten deutscher börsennotierter Unternehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die gesetzlichen Anforderungen (DRS 20), die empirische Umsetzung der Prognoseberichterstattung sowie die Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit nichtfinanzieller Kennzahlen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Qualität und Konformität der Prognoseberichterstattung zu nichtfinanziellen Indikatoren anhand eines Anforderungsprofils zu prüfen und zu bewerten, ob der gesetzliche Standard den Informationsbedarf von Stakeholdern befriedigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Inhaltsanalyse von 131 Konzernlageberichten durchgeführt, wobei die Daten deskriptiv-statistisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Untersuchungsdesign, der Analyse von Prognosegegenstand, -genauigkeit und -horizont sowie einer kritischen Würdigung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen unter anderem Prognosequalität, nichtfinanzielle Leistungsindikatoren, DRS 20, Management Approach und Konzernlagebericht.
Warum spielt der Management Approach eine zentrale Rolle?
Der Management Approach ist die Grundlage des DRS 20, da er fordert, dass Prognosen zu solchen Indikatoren abgegeben werden, die auch intern zur Steuerung des Unternehmens verwendet werden.
Welche Limitationen hat die Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf ein spezifisches Geschäftsjahr (2018) und nimmt einen branchenübergreifenden Blick ein, was individuelle branchenspezifische Steuerungslogiken nur begrenzt abbilden kann.
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- Jonathan Starke (Author), 2019, Die Prognosequalität von nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509663