Ein Einblick in ein deutsches Klassenzimmer des 21. Jahrhunderts zeigt, dass die Welt der Schülerinnen und Schüler von einer großen Vielfalt geprägt ist, sei es Mädchen und Jungen, Migranten und Deutsche, Reiche und Arme, Religiöse und Atheisten. Alle sitzen zusammen in einem Klassenzimmer und lernen gemeinsam. Ihr Umgang miteinander ist für den Erfolg des Unterrichts und für ein friedliches Miteinander sehr entscheidend. Gründe für das Zusammenrücken der Völker sind unter anderem Begriffe wie Globalisierung, Immigrationszuwachs oder aber auch multikulturelle Gesellschaft. Hierzu wäre der Ansatz der interkulturellen Pädagogik eine sehr gute Möglichkeit, um die kompetente Gestaltung der Beziehungen von Menschen in kulturell heterogenen (Lern-)Gruppen pädagogisch korrekt zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Der Kulturbegriff
2.2 Der Interkulturalitätsbegriff
2.2.1 Interkulturelle Bildung und Erziehung
3. AktuellerForschungsstand/Kritik
4. Konzepte interkultureller Pädagogik nach Arndt-Michael Nohl
4.1 Überblick über die vier Konzepte interkultureller Pädagogik
4.2 Assimilationspädagogik
4.3 Klassische interkulturelle Pädagogik
4.4 Antidiskriminierungspädagogik
5. Anforderungen an das Schulsystem
6. Umsetzung interkultureller Pädagogik im Sachunterricht
7. Analyse von Sachunterrichtsmaterialien in Bezug auf kulturelle und interkulturelle Aspekte
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die konzeptionellen Hintergründe sachunterrichtsdidaktischer Materialien im Kontext interkultureller Pädagogik und kultureller Zugehörigkeit. Ziel ist es, zu untersuchen, wie interkulturelle Ansätze in aktuellen Schulbüchern und Arbeitsheften repräsentiert werden und welche Bedeutung diese für eine inklusive Unterrichtsgestaltung in der Grundschule besitzen.
- Grundlagen der interkulturellen Pädagogik nach Arnd-Michael Nohl
- Bedeutung der Heterogenität und kulturellen Vielfalt im Sachunterricht
- Kritische Analyse ausgewählter Arbeitshefte (Jo-Jo, Bausteine, Pusteblume)
- Methodische Möglichkeiten für interkulturelles Lernen in der Grundschule
- Umgang mit Diversität, Diskriminierung und Menschenrechten im Unterricht
Auszug aus dem Buch
4.2 Assimilationspädagogik
Die Assimilationspädagogik ist die erste Pädagogik, die schon vor der Klassisch-interkulturellen Pädagogik und der Antisdiskriminierungspädagogik entstand. Die Entstehung der Assimilationspädagogik ist auf die Migrationsbewegungen zurückzuführen. In Deutschland entstanden nach dem Mauerbau viele herausfordernde kulturelle Überschneidungssituationen. Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) hat zu dieser Zeit Gastarbeiter aus verschiedenen Ländern abgeworben, sodass jährlich circa 270 000 Menschen nach Deutschland kamen, um zu arbeiten. Die Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten reisten bis zum ‚Zuwanderungsstopp’ wieder ab. Nach dem Zuwanderungsstopp reisten die Familienmitglieder der Arbeiter ebenso nach Deutschland, wodurch es zu einer dauerhaften Migration kam. Infolgedessen begann eine Auseinandersetzung mit Migration. Diese Auseinandersetzung endete in einem pädagogischen Ansatz namens ‚Ausländerpädagogik’, die auf die Assimilierung der Migrantinnen und Migranten zielte.
Da die ‚deutsche Gesellschaft’ bis zu diesem Zeitpunkt nur durch eine einzige nationale Kultur geprägt war, führte die Migrationsbewegung in Deutschland zu großen Verwirrungen. Die Andersartigkeit der Minderheiten wurde aus diesem Grund als kulturell bedingtes Defizit interpretiert, das durch pädagogische Maßnahmen ausgeglichen werden sollte. Hierbei wurde insbesondere Bezug auf die Sprache genommen, deren Gebrauch sich an die Sprache der Gründungsnation (Deutschland) halten sollte. So wurde beispielsweise in Frankfurt, neben Deutsch als Unterrichtssprache, nur Französisch gelehrt. Es wurden auch weitere andersartige Verhaltensweisen untersagt, weil die Minderheit in diesem Kontext als etwas ‚Fremdes’ angesehen und betrachtet wurde, dessen „Kultur sich von den kulturellen Standards der Mehrheitsgesellschaft unterscheide.“ Die Assimilation zeigte sich zu dieser Zeit in ihren verschiedensten Facetten. So ging der Versuch der Assimilation oftmals mit der Herabwürdigung der Lebensweisen der Minderheiten einher. Die Kultur der ethnischen Minderheiten wurden als „unmodern, roh, dysfunktional oder bildungsfern“ beschrieben. Daher war die Kompensation dieser Defizite ein bedeutendes Ziel der Assimilationspädagogik, das zugleich zur Assimilierung der Minderheiten führt. Es werden auch heute noch pädagogische Assimilationskonzepte vertreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die zunehmende Heterogenität in deutschen Grundschulklassen und die daraus resultierende Notwendigkeit einer pädagogischen Auseinandersetzung mit Vielfalt und Fremdheit.
2. Theoretische Grundlagen: Erläutert die zentralen Begriffe ‚Kultur’ und ‚Interkulturalität’ sowie deren Bedeutung für Bildung und Erziehung in einer pluralistischen Gesellschaft.
3. AktuellerForschungsstand/Kritik: Beleuchtet historische sowie aktuelle Diskurse zur Anerkennung ethnischer Minderheiten und kritisiert Selektionsmechanismen innerhalb des deutschen Schulsystems.
4. Konzepte interkultureller Pädagogik nach Arndt-Michael Nohl: Stellt die vier Konzepte Assimilationspädagogik, klassische interkulturelle Pädagogik, Antidiskriminierungspädagogik und Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten differenziert vor.
5. Anforderungen an das Schulsystem: Diskutiert die Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung der Schule, um auf die veränderte Bevölkerungsstruktur zu reagieren.
6. Umsetzung interkultureller Pädagogik im Sachunterricht: Zeigt auf, warum sich das Fach Sachunterricht aufgrund seiner Offenheit besonders für interkulturelle Lernprozesse und die Förderung von Sozialkompetenz eignet.
7. Analyse von Sachunterrichtsmaterialien in Bezug auf kulturelle und interkulturelle Aspekte: Untersucht drei gängige Arbeitshefte auf ihren Umgang mit Themen wie Kultur, Vielfalt und Menschenrechten.
8. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Bedeutung einer globalen Perspektive für eine friedliche Zukunft.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Sachunterricht, kulturelle Vielfalt, Assimilationspädagogik, Antidiskriminierung, Heterogenität, Grundschule, Sozialkompetenz, Menschenrechte, Identitätsbildung, Migration, Interkulturelles Lernen, Schulentwicklung, Kulturbegriff, Pluralität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Konzepte der interkulturellen Pädagogik in Lehrmaterialien des Sachunterrichts an Grundschulen integriert sind und welche Rolle diese bei der Förderung von Toleranz und sozialem Miteinander spielen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind der Kulturbegriff, die Assimilationspädagogik, die Antidiskriminierungspädagogik sowie die didaktische Gestaltung von Unterrichtsmaterialien in Bezug auf kulturelle Differenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu analysieren, ob und wie interkulturelle Konzepte in Arbeitsheften für den Sachunterricht Einzug halten und wie diese genutzt werden können, um Kinder für Pluralität zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Konzepte von Arnd-Michael Nohl kombiniert mit einer exemplarischen Analyse von drei spezifischen Arbeitsheft-Reihen (Jo-Jo, Bausteine, Pusteblume).
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsdefinitionen, die Vorstellung pädagogischer Konzepte nach Nohl und eine detaillierte Inhaltsanalyse von Arbeitsheften, insbesondere im Hinblick auf Themen wie Flucht, Menschenrechte und Heimat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interkulturelle Pädagogik, Sachunterricht, Heterogenität, Antidiskriminierung und Inklusion charakterisiert.
Inwiefern unterscheiden sich die untersuchten Arbeitshefte in ihrer interkulturellen Ausrichtung?
Die Analyse zeigt, dass das Heft ‚Jo-Jo’ vergleichsweise viele Anknüpfungspunkte für interkulturelles Lernen bietet, während ‚Bausteine’ und ‚Pusteblume’ kulturelle Vielfalt oft nur am Rande oder sehr indirekt thematisieren.
Welche Rolle spielt der Begriff ‚Heimat’ in den analysierten Unterrichtsmaterialien?
Der Begriff ‚Heimat’ wird in einigen Materialien genutzt, um über Karikaturen oder spielerische Übungen unterschiedliche Sichtweisen auf Kultur zu provozieren, wobei die Gefahr einer monokulturellen Engführung kritisch hinterfragt wird.
- Arbeit zitieren
- Tugce Tüfekci (Autor:in), 2018, Interkulturelle Pädagogik und kulturelle Zugehörigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509680