In der folgenden Hausarbeit sollen die städtische Gemeinschaft und Nachbarschaft in der Stadt beschrieben werden. Dabei wird zunächst auf die soziologische Sicht der Gemeinschaft eingegangen und die Herkunft und Entwicklung der Nachbarschaft erörtert. Später werden die Unterschiede der Begrifflichkeiten erläutert, jedoch auch aufgezeigt, was Gemeinschaft und Nachbarschaft miteinander gemein haben. Des Weiteren wird auf die gesellschaftlichen Veränderungen von Nachbarschaft und Gemeinschaft eingegangen und Punkte aufgeführt, welche zu diesen Veränderungen führen können. In diesem Zusammenhang wird die „Neue Kultur des Teilens“ dargestellt und wie diese die Nachbarschaft und die Nachbarschaftshilfe verändert. Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Begriff der Gemeinschaft und Nachbarschaft in der Stadt zu erläutern und deren Unterschiede und Veränderungen anhand von Beispielen darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gemeinschaft
2.1 Gemeinschaften in der Stadt
2.2 Verlust sozialer Gemeinschaft in der Stadt
2.3 Gemeinschaftsbeziehungen mit sporadischen oder gar keinen face-to-face-Kontakten
3. Nachbarschaft
3.1 Städtische Nachbarschaften
3.2 Verhalten der Nachbarn
3.3 Räumliche Gegebenheiten von Nachbarschaftsbeziehungen
4. Sharing Economy, die neue Kultur des Teilens in der städtischen Nachbarschaft
5. Abgrenzung zwischen dem Begriff der Gemeinschaft und der Nachbarschaft
6. Gesellschaftliche Veränderung und die damit verbundenen Veränderungen der Nachbarschaft und Gemeinschaft
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziologische Entwicklung und den Wandel der Konzepte "Gemeinschaft" und "Nachbarschaft" im urbanen Raum. Dabei wird analysiert, wie sich traditionelle soziale Bindungen unter dem Einfluss von Individualisierung, Digitalisierung und gesellschaftlichem Strukturwandel in der modernen Stadt verändert haben.
- Soziologische Definitionen von Gemeinschaft und Nachbarschaft
- Der Wandel von räumlich gebundenen zu wählbaren sozialen Beziehungen
- Einfluss der Sharing Economy auf nachbarschaftliche Interaktionen
- Unterscheidung zwischen räumlicher Nähe und sozialer Gemeinschaft
- Kritische Reflexion der Rolle von Nachbarschaft in modernen Stadtgesellschaften
Auszug aus dem Buch
2. Gemeinschaft
In der klassischen deutschen Soziologie beschreibt Tönnies schon im 19. Jahrhundert die Grundformen der Gemeinschaft welche die Familie und Verwandtschaft, sowie die Nachbarschaft und Freundschaft bilden. Des Weiteren sagt er, dass das gemeinschaftliche Leben primär durch gefühlsmäßige Beziehungen zwischen Menschen gekennzeichnet ist. Die Grundlage dieser Gemeinschaft sind also Gefühl, Gewohnheit, Verständnis und Traditionen. Dabei muss erwähnt werden das Tönnies zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft unterscheidet. Die Sozialbeziehungen in der Gesellschaft stellen bei ihm Tauschgeschäfte und Vertragsgeschäfte dar, diese seien rationale Verhältnisse. Die Gemeinschaft ist dem „Wesenwillen“ zugeordnet und unterscheidet sich vom „Kürwillen“, welchen er der Gesellschaft zuordnet. Tönnies beschreibt die Gemeinschaft als dauerhafte, intime menschliche Beziehungen. Mitglieder einer Gemeinschaft folgen den gleichen Werten und Normen und sind einander loyal. Ebenso beschreibt auch Max Weber die Grundlagen der Gemeinschaft als emotionale und traditionale soziale Beziehungen. Seine Definition der Gemeinschaft ist stark durch Ferdinand Tönnies beeinflusst. Die Familie gilt auch bei ihm als typisches Beispiel, er allerdings spricht hierbei von Vergemeinschaftung und versteht darunter soziale Beziehungen, die auf subjektiv gefühlter Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht. Als Dritten in der klassischen deutschen Soziologie zu erwähnen gilt Georg Simmel, der nicht den Gegensatz zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft sieht. Bei ihm steht im Vordergrund der Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Abgrenzung von Gemeinschaft und Gesellschaft ein und beschreibt den Wandel der Nachbarschaft von agrarischen Wurzeln bis zur heutigen urbanen, frei wählbaren Form.
2. Gemeinschaft: Dieses Kapitel erörtert die soziologischen Grundlagen von Gemeinschaft nach Tönnies, Weber und Simmel sowie die ontologische Sichtweise auf den Menschen als Gemeinschaftswesen.
2.1 Gemeinschaften in der Stadt: Hier wird dargelegt, wie verschiedene Gemeinschaftsformen, wie Sportvereine oder Gemeinschaftsgärten, trotz Verstädterung in der modernen Stadt fortbestehen.
2.2 Verlust sozialer Gemeinschaft in der Stadt: Das Kapitel analysiert die Kritik am Verlust sozialer Bindungen durch Individualisierung und Mobilität sowie die Perspektiven des Community-Saved-Ansatzes.
2.3 Gemeinschaftsbeziehungen mit sporadischen oder gar keinen face-to-face-Kontakten: Es wird die Definition der „Gemeinschaft ohne Nähe“ untersucht und kritisch hinterfragt, ob virtuelle Gruppen als Gemeinschaften gelten können.
3. Nachbarschaft: Dieses Kapitel beleuchtet die etymologische Herkunft des Begriffs und definiert Nachbarschaft über räumliche Nähe hinaus durch soziale Faktoren.
3.1 Städtische Nachbarschaften: Es wird die stadtsoziologische Forschung zu Nachbarschaftseinheiten in Großstädten und deren begrenzte Wirksamkeit zur Stärkung sozialer Beziehungen diskutiert.
3.2 Verhalten der Nachbarn: Der Fokus liegt hier auf Distanzverhalten, Erwartungen und der abnehmenden Bedeutung räumlicher Nähe für soziale Interaktionen.
3.3 Räumliche Gegebenheiten von Nachbarschaftsbeziehungen: Hier wird erläutert, warum moderne Nachbarschaftsbeziehungen eher durch Nutzenkalkulationen und individuelle Lebensgestaltung geprägt sind.
4. Sharing Economy, die neue Kultur des Teilens in der städtischen Nachbarschaft: Das Kapitel beschreibt, wie digitale Plattformen das Teilen von Ressourcen vereinfachen und soziale Kontakte in der Nachbarschaft verändern.
5. Abgrenzung zwischen dem Begriff der Gemeinschaft und der Nachbarschaft: Es wird argumentiert, dass räumliche Nähe in der Nachbarschaft nicht automatisch eine soziale Gemeinschaft begründet.
6. Gesellschaftliche Veränderung und die damit verbundenen Veränderungen der Nachbarschaft und Gemeinschaft: Hier werden ökonomische und strukturelle Gründe für den Bedeutungswandel von Nachbarschaft und die Rolle des Staates sowie neuer Programme analysiert.
7. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Stadt die nachbarschaftlichen Beziehungen nicht zerstört hat, sondern dass sich deren Form durch gesellschaftliche Prozesse grundlegend gewandelt hat.
Schlüsselwörter
Gemeinschaft, Nachbarschaft, Stadtsoziologie, Urbanisierung, Soziale Bindungen, Individualisierung, Sharing Economy, Soziale Interaktion, Identität, Gesellschaftlicher Wandel, Lebenswelt, Gemeinschaftsgüter, Raumsoziologie, Virtuelle Gemeinschaft, Soziale Kontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Analyse der Begriffe Gemeinschaft und Nachbarschaft im Kontext der urbanen Lebensweise und deren Wandel durch gesellschaftliche Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Gemeinschaft und Nachbarschaft, den Einfluss der Industrialisierung und Urbanisierung auf soziale Bindungen sowie die Rolle der Digitalisierung und Sharing Economy.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Begriffe Gemeinschaft und Nachbarschaft in der Stadt zu erläutern sowie deren Unterschiede und Veränderungen anhand von Beispielen darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit stadtsoziologischer Fachliteratur und der Analyse soziologischer Konzepte klassischer und moderner Theoretiker.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Gemeinschaft und Nachbarschaft, die kritische Diskussion ihres Verlusts, die Bedeutung von räumlicher Nähe sowie neue Formen des Teilens in modernen Städten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gemeinschaft, Nachbarschaft, Stadtsoziologie, Individualisierung und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.
Warum wird heute oft von einem "Verlust der Nachbarschaft" gesprochen?
Dieser Verlust wird oft auf die veränderte Lebensweise in der Stadt, die Abnahme gegenseitiger ökonomischer Abhängigkeiten und die zunehmende Individualisierung zurückgeführt, wobei die Arbeit dies differenziert betrachtet.
Welche Rolle spielt die "Sharing Economy" in diesem Kontext?
Die Sharing Economy wird als neuer Trend dargestellt, der den Ressourcenkonsum über digitale Plattformen ermöglicht und somit die Notwendigkeit persönlicher nachbarschaftlicher Hilfeleistungen verringert.
Ist Nachbarschaft in der modernen Stadt zwangsläufig eine Gemeinschaft?
Nein, die Arbeit stellt klar, dass räumliche Nähe allein keine soziale Gemeinschaft begründet; für eine Gemeinschaft sind geteilte Werte, emotionale Bindungen und häufige Interaktionen erforderlich.
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- Sarah Wies (Author), 2019, Städtische Gemeinschaft und Nachbarschaft in der Stadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509761