Musikalische Förderung von autistischen Kindern an der Schule für Geistigbehinderte ist zum jetzigen Zeitpunkt kein häufig diskutiertes Thema. Sowohl in den Richtlinien, als auch in den Lehrplänen der Schule für Geistigbehinderte in Nordrhein-Westfalen ist der Musikunterricht nur ansatzweise verankert Literaturrecherche fand die Verfasserin dieser Arbeit ein breites Spektrum an Beiträgen zum Thema Autismus, Musiktherapie und Musikunterricht in Regelschulen, allerdings existieren nur wenige Schriften speziell zur musikalischen Förderung von Schülern mit autistischen Störungen. Nach den Empfehlungen derKKUULTUSMINISTERKONFERENZist „der weitaus größte Teil des Musikunterrichts in den Klassenunterricht einzubinden. […] Daneben können Teilbereiche der musikalischen Erziehung in Lehrgängen durchgeführt werden“.
Obwohl bekannt ist, dass Musik vielfältig wirken kann, wird dieses mögliche Potential in den Schulen für Geistigbehinderte nur rudimentär genutzt. An vielen Schulen werden musikalische Angebote gemacht, dennoch ist Musik bisher nicht als durchgängiges Angebot oder gar als Pflichtfach eingeführt worden. Musik wird derzeit selten als therapeutisches Mittel zur Verbesserung der individuellen Förderbereiche der Schüler mit einer so genannten geistigen Behinderung eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Autismus
2.1 Definition
2.2 Epidemiologie
2.3 Ätiopathogenese
2.4 Autistisches Erscheinungsbild
2.4.1 Zwischenmenschliche Beziehungen
2.4.2 Kommunikation
2.4.3 Aktivitäten und Interessen
2.4.4 Wahrnehmung
2.4.5 Kognitive Entwicklung
2.4.6 Verhalten
2.5 Erscheinungsformen
2.5.1 Frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom)
2.5.2 Asperger- Syndrom
2.5.3 Atypischer Autismus
2.6 Abgrenzungen zu anderen Krankheitsbildern
2.6.1 Schizophrenie
2.6.2 (Elektiver) Mutismus
2.6.3 Bindungsstörungen
2.6.4 Paranoide Zustände
2.6.5 Das Tourette-Syndrom
2.6.6 Zwangszustände
2.6.7 Das Rett-Syndrom
2.7 Das pädagogische Dilemma
2.8 Diagnose
2.8.1 Ziel einer Diagnose
2.8.2 Diagnostische Möglichkeiten
2.8.3 Verschiedene Förder- und Therapiemöglichkeiten
2.9 Zusammenfassung
3 Ist die SfGB der geeignete Förderort für Schüler mit autistischen Störungen?
3.1 Allgemeine Aspekte der Pädagogik im Umgang mit Schülern mit autistischen Störungen
3.2 Zur Situation der schulischen Förderung von Personen mit autistischen Störungen
3.3 Mögliche schulische Förderorte für Schüler mit autistischen Störungen
3.3.1 Beschulung und Förderung in einer Sonderschule
3.3.1.1 Schule für Körperbehinderte
3.3.1.2 Schule für Gehörlose
3.3.1.3 Schule für Erziehungshilfe und Verhaltensauffällige
3.3.1.4 Schule für Sprachbehinderte
3.3.1.5 Schule für Lernbehinderte
3.3.2 Gemeinsamer Unterricht (Integration)
3.4 Schule für Geistigbehinderte
3.4.1 Zum Personenkreis von Menschen mit geistiger Behinderung
3.4.2 Schule für Geistigbehinderte als die „bevorzugte“ Schulform für Schüler mit autistischen Störungen
3.5 Kritik an der Schule für Geistigbehinderte als Förderort für Menschen mit autistischen Störungen
3.6 Zusammenfassung
4 Ein Leben mit Musik…
4.1 Was ist Musik?
4.2 Die Bedeutung von Musik in unserem Leben
4.3 Wirkungen von Musik
4.3.1 Vegetative Wirkung
4.3.2 Emotionale Wirkung
4.3.3 Die soziale Wirkung
4.3.4 Die Ästhetische Wirkung
4.3.5 Zusammenfassung
4.4 Musik wahrnehmen, erfahren und erleben
4.5 Musik lernen
4.6 Zusammenfassung
5 Musik und Autismus
5.1 Definition, Zielsetzung und Abgrenzung von musikalischer Förderung, Musikunterricht und Musiktherapie
5.2 Musikalische Förderung in der Vermittlerrolle zwischen Musiktherapie und Musikunterricht
5.3 Begründung der Musikalischen Förderung
5.3.1 Begründung der Musikalischen Förderung von Menschen mit Behinderung
5.3.2 Begründung der Musikalischen Förderung bei Menschen (Kindern) mit autistischen Störungen
5.4 Musikalische Förderung in der Schule für Geistigbehinderte
5.5 Zusammenfassung
6 Didaktische Vorüberlegungen zum musikalischen Förderansatz
6.1 Allgemeines methodisches Vorgehen in der musikalischen Förderung
6.2 Spezielles Methodisches Vorgehen bei Kindern mit autistischen Störungen
6.3 Allgemeine Überlegungen zu einer Didaktik der musikalischen Förderung
6.3.1 Die persönliche Ebene oder die dialogische Beziehung
6.3.2 Der Bezug der musikalischen Förderung zu den Richtlinien und Lehrplänen der Schule für Geistigbehinderte
6.4 Koordinierung von Einzelförderung, Unterricht und Therapie
6.5 Grundsätze der Förderung von Kindern mit autistischen Störungen
6.5.1 Aspekte des Symptomabbaus
6.5.2 Förderung der Kommunikation
6.5.3 Beachtung der Individualität
6.6 Zusammenfassung
7 Entwicklung der eigenen Aufgabenstellung und Hinweise zur Planung
8 Konzept einer musikalischen Förderung
8.1 Fernziele einer musikalischen Förderung
8.1.1 Bezug zu den Richtlinien der Schule für Geistigbehinderte
8.2 Musikalische Umsetzung
8.2.1 Förderung der Kommunikation durch Instrumentalspiel
8.2.2 Förderung der Eigenaktivität beim Lautieren
8.3 Zur musikalischen Gestaltung der Förderung
8.3.1 Zum Einsatz der Stimme der Lehrperson
8.3.2 Merkmale der Musik
8.4 Methoden der Beobachtung
9 Rahmenbedingungen der musikalischen Förderungen
9.1 Durchführungsort
9.2 Förderräume
9.3 Durchführungszeiten
9.4 Gestaltung der Förderräume und ihre materielle Ausstattung
10 Didaktische Möglichkeiten einer musikalischen Förderung von Schüler S.
10.1 Bisheriger Entwicklungsverlauf
10.2 Aktueller Zustand
10.3 Prognose
10.4 Entwicklungsstand im musikalischen Bereich
10.5 Fernziele der musikalischen Förderung von Schüler S.
11 Durchführung der Musikalischen Förderung mit Schüler S.
11.1 Gestaltung der musikalischen Förderung mit Schüler S.
11.2 Begründung der Medienwahl
11.2.1 Mögliche Lieder
11.2.2 Mögliche Instrumente
11.3 Zu den Transfermöglichkeiten
11.4 Gestaltung der einzelnen Fördereinheiten von Schüler S.
11.4.1 Schüler S. 1. Fördereinheit
11.4.2 Schüler S. 2. Fördereinheit
11.4.3 Schüler S. 3. Fördereinheit
11.4.4 Schüler S. 4. Fördereinheit
11.4.5 Schüler S. 5. Fördereinheit
11.4.6 Schüler S. 6. Einheit
11.4.7 Schüler S. 7. Fördereinheit
11.4.8 Schüler S. 8. Fördereinheit
11.5 Gesamtreflexion der musikalischen Förderung von Schüler S.
12 Didaktische Möglichkeiten einer musikalischen Förderung von Schüler D.
12.1 Bisheriger Entwicklungsverlauf
12.2 Aktueller Zustand
12.3 Entwicklungsstand im musikalischen Bereich
12.4 Fernziele einer musikalischen Förderung für Schüler D.
13 Durchführung der musikalischen Förderung von Schüler D.
13.1 Gestaltung der Einheiten der musikalischen Förderung von Schüler D.
13.2 Begründung der Medienwahl
13.2.1 Mögliche Lieder
13.2.2 Mögliche Instrumente
13.3 Zu den Transfermöglichkeiten
13.4 Beschreibung der einzelnen Fördereinheiten von Schüler D.
13.4.1 Schüler D. 1. Fördereinheit
13.4.2 Schüler D. 2. Fördereinheit
13.4.3 Schüler D. 3. Fördereinheit
13.4.4 Schüler D. 4. Fördereinheit
13.4.5 Schüler D. 5. Fördereinheit
13.4.6 Schüler D. 6. Fördereinheit
13.5 Gesamtreflexion der musikalischen Förderung von Schüler D.
14 Resümee und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern eine musikalische Förderung für Kinder mit autistischen Störungen an Schulen für Geistigbehinderte sinnvoll ist und wie ein solches Förderkonzept praktisch in den Schulalltag integriert werden kann, um Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeiten zu verbessern.
- Erscheinungsformen und Diagnostik autistischer Störungen
- Die Schule für Geistigbehinderte als adäquater Förderort
- Theoretische Grundlagen der Wirkungsweise von Musik
- Sonderpädagogische Begründung der musikalischen Förderung
- Entwicklung und praktische Erprobung eines Förderkonzepts
- Analyse und Reflexion der Einzelfördermaßnahmen
Auszug aus dem Buch
2.4.1 ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNGEN
Die Beeinträchtigung der (sozialen) Interaktion, die durch die Selbstbezogenheit der Betroffenen hervorgerufen wird, ist das auffälligste Merkmal einer autistischen Störung und spiegelt sich daher in der Bezeichnung „Autismus“ wider.
Betroffene Personen fallen häufig durch die Vermeidung von Blickkontakten, zum Beispiel durch das Schließen der Augenlider, durch das „Kopf-Weg-Drehen“ oder „Durch-Einen-Hindurchsehen“, auf. Betroffene Kinder zeigen sehr häufig Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen. Von außen betrachtet wirkt es so, als behandelte die Person mit autistischen Störungen andere Personen wie Gegenstände oder Werkzeuge. Bereits Kleinkinder zeigen häufig keine Reaktionen auf Trennungen oder Wiedersehen. Manche Menschen mit autistischen Störungen können keinen Körperkontakt ertragen oder haben scheinbar einfach kein Bedürfnis nach menschlichem Kontakt und weichen daher der Nähe anderer Personen weitestgehend aus. Sie ziehen sich aktiv zurück. G. NISSEN bezeichnet dieses Phänomen als „emotional frigides Verhalten“ (vgl. NISSEN, 1975, 15).
Menschen mit autistischen Störungen fehlt die Möglichkeit, soziale und emotionale Signale zu deuten, sodass sie z. B. nicht oder nicht adäquat auf Emotionen von Mitmenschen reagieren und sich in der Gesellschaft nicht angemessen verhalten können. NISSEN bezeichnet dies als „kombinierte Seelenblindheit und Seelentaubheit“ (vgl. NISSEN, 1975, 21). Ebenso haben sie Probleme, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu zeigen. Ihnen fehlt das Gefühl für die soziale und emotionale Gegenseitigkeit. (vgl. KAMINSKI, 2000, 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Themas und stellt die Forschungsfrage nach der Sinnhaftigkeit musikalischer Förderung für autistische Kinder an der Schule für Geistigbehinderte.
2 Autismus: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Übersicht über die Definition, Epidemiologie und Erscheinungsformen des Autismus sowie diagnostische Aspekte.
3 Ist die SfGB der geeignete Förderort für Schüler mit autistischen Störungen?: Hier wird die Eignung der Schule für Geistigbehinderte kritisch unter pädagogischen Gesichtspunkten erörtert.
4 Ein Leben mit Musik…: Dieses Kapitel widmet sich den theoretischen Grundlagen der Musik und ihren vielfältigen Wirkungsweisen auf den Menschen.
5 Musik und Autismus: Das Kapitel grenzt Musikpädagogik, Musiktherapie und musikalische Förderung voneinander ab und begründet deren Einsatz bei autistischen Störungen.
6 Didaktische Vorüberlegungen zum musikalischen Förderansatz: Es werden methodische Prinzipien für einen musikalischen Förderansatz entwickelt und auf die schulische Praxis bezogen.
7 Entwicklung der eigenen Aufgabenstellung und Hinweise zur Planung: Hier erfolgt die Hinführung zur praktischen Umsetzung und die Definition der Leitfragen für das Förderkonzept.
8 Konzept einer musikalischen Förderung: Dieses Kapitel beschreibt das konkrete pädagogische Konzept mit Fernzielen und methodischen Schritten.
9 Rahmenbedingungen der musikalischen Förderungen: Die organisatorischen Bedingungen wie Orte, Zeiten und räumliche Gestaltung werden dargelegt.
10 Didaktische Möglichkeiten einer musikalischen Förderung von Schüler S.: Eine detaillierte Fallbeschreibung inklusive Entwicklungsstand und individueller Zielsetzungen.
11 Durchführung der Musikalischen Förderung mit Schüler S.: Die praktische Umsetzung der Fördereinheiten bei Schüler S. wird dokumentiert und interpretiert.
12 Didaktische Möglichkeiten einer musikalischen Förderung von Schüler D.: Eine Fallbeschreibung für Schüler D. unter Berücksichtigung seiner spezifischen Beeinträchtigungen.
13 Durchführung der musikalischen Förderung von Schüler D.: Dokumentation und Reflexion der Fördereinheiten bei Schüler D.
14 Resümee und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse und einem Ausblick auf weiterführende Förderperspektiven.
Schlüsselwörter
Autismus, Musikalische Förderung, Schule für Geistigbehinderte, Sonderpädagogik, Kommunikation, Musiktherapie, Musikpädagogik, Inklusion, Kanner-Syndrom, Asperger-Syndrom, Wahrnehmung, Förderung, Fallbeispiele, Eigenaktivität, Bildkarten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie musikalische Förderung als gezieltes pädagogisches Mittel genutzt werden kann, um die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten von Schülern mit autistischen Störungen an der Schule für Geistigbehinderte zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Symptomatik von Autismus, die Rolle der Musik als Medium für Entwicklungsprozesse, sonderpädagogische Rahmenbedingungen und die praktische Gestaltung von Fördereinheiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, ein praktikables Konzept für die musikalische Förderung zu entwickeln, das autistische Schüler bei der Anbahnung von Kommunikation und dem Aufbau dialogischer Beziehungen unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer praxisorientierten, teilnehmenden Beobachtung zweier Einzelfallstudien im schulischen Rahmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Autismus und Musik), die didaktische Konzeption des Förderansatzes und die detaillierte Auswertung der praktischen Fördersequenzen mit zwei Schülern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Autismus, Musikalische Förderung, Kommunikation, Sonderpädagogik, Dialog und Teilhabe sind die zentralen Begriffe.
Welche Besonderheiten weist die Förderung bei Schüler S. auf?
Schüler S. profitiert besonders von festen Ritualen und der Einführung von Bildkarten, die ihm helfen, Entscheidungen zu treffen und seine Kommunikationsbereitschaft zu erhöhen.
Wie unterscheidet sich die Förderung von Schüler D. von der von Schüler S.?
Aufgrund seiner Hemiparese und stärkeren motorischen Unruhe liegt bei Schüler D. ein besonderer Schwerpunkt auf der motorischen Unterstützung bei der Instrumentenhandhabung und der Anbahnung vokaler Dialoge.
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- Isabelle Lindekamp (Author), 2005, Musikalische Förderung autistischer Kinder an der Schule für Geistigbehinderte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50985