Die Auswirkung von Mortalitätssalienz (MS) auf die Weltanschauungen von Vegetariern und Veganern wurden per mündlicher Befragung (N=78) auf drei Dimensionen erhoben: Zentralität, Gruppenidentifikation und Gesundheitsverbesserung. Unter der Verwendung des T-Tests konnte in der Dimension Gesundheitsverbesserung ein signifikanter Unterschied zwischen den Versuchspersonen, welche durch einen visuellen Prime mortalitätssalient gewesen sind (N=39) und denen, die diesen Prime nicht erhalten haben, festgestellt werden. Als Erklärungsmodell für den eruierten Effekt diente die Terror Management Theorie.
Inhaltsverzeichnis
1) Abstrakt
2) Theoretische Fundierung
3) Erhebungsmethode
4) Soziodemografie
5) Ergebnisse
6) Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studie untersucht auf quantitativer Basis, ob das Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit (Mortalitätssalienz) einen messbaren Einfluss auf die Weltanschauung, die Gruppenidentifikation und das Gesundheitsbewusstsein von Vegetariern und Veganern ausübt.
- Wirkungsweise der Terror Management Theorie auf die Psyche.
- Untersuchung von Identitätskonstrukten bei vegetarisch lebenden Menschen.
- Erfassung von Korrelationen zwischen Mortalitäts-Priming und Gesundheitswahrnehmung.
- Evaluation eines standardisierten Erhebungsinstruments in einem Feldexperiment.
- Analyse von soziodemografischen Merkmalen in der vegetarisch-veganen Zielgruppe.
Auszug aus dem Buch
2) Theoretische Fundierung
Mortalitätssalienz (MS) bezeichnet nichts anderes als das Aufkommen bzw. Bewusstwerden unserer eigenen Sterblichkeit. Paradoxerweise zeigt sich ein MS Effekt auch, wenn lediglich subliminal geprimt wurde, sprich, wenn der Hinweisreiz lediglich unbewusst verarbeitet wird (Arndt, Allen, & Greenberg, n.d.). Bei der experimentellen Induktion von MS ist dem Versuchsleiter keine kreative Grenze gesetzt. Eine Studie variierte beispielsweise den Erhebungsort und befragte Menschen vor einem Friedhof (Jonas, Schimel, Greenberg, & Pyszczynski, 2002), andere setzten eher auf schriftliche oder symbolische Induktion. Bei der Salienz eines solchen Reizes wird mit dessen Beschäftigung meist sofort von reaktanten Denkmustern überdeckt und die eigentliche Mortalitätssalienz bleibt unbewusst.
MS zieht einen sogenannten kulturellen „Anxiety Buffer“ nach sich. Dieser kann als protektiver Coping Mechanismus gesehen werden, der unwillkürlich und automatisiert errichtet wird. Der Anxiety Buffer erfüllt die Aufgabe, durch Erhöhen des Selbstwerts und das Intensivieren von kulturellen Glaubenssätzen die aufkommende Angst abzumildern oder gar nicht erst zuzulassen. MS zeigte sich in einer Metaanalyse über 164 Artikeln und 277 Experimenten als ein moderater Effekt von durchschnittlich r=.35 (Burke, Martens, & Faucher, 2010).
Ein Erklärungsmodell, welches substanziell aus dem Effekt der Mortalitätssalienz hervorgegangen ist, ist die Terror Management Theorie (TMT). Diese ist eine Theorie der Sozialpsychologie, welche den Konflikt und den damit zusammenhängenden Reaktionsmustern (Management) zwischen dem Lebenswillen und der Unausweichlichkeit des Todes untersucht. Mit anderen Worten: Wie verändert sich unser Erleben und Verhalten in der Bewusstheit unserer eigenen Sterblichkeit? Dieses Spannungsverhältnis zwischen dem Überlebenstrieb und der Gewahrwerdung unsere Vergänglichkeit lässt Stress entstehen (Terror). Zur Auflösung dieses intrapsychischen Konflikts hypothetisiert die Theorie die menschliche Kultur, welche für uns etwas Dauerhaftes darstellen sollte und die Ebene des rein Materiellen transzendiert (Tichy, 2013).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Abstrakt: Diese Einleitung fasst die methodische Vorgehensweise und das zentrale Ergebnis der Studie zusammen, das eine signifikante Beeinflussung der Gesundheitswahrnehmung durch Mortalitätssalienz aufzeigt.
2) Theoretische Fundierung: Das Kapitel erläutert die Terror Management Theorie (TMT) und den „Anxiety Buffer“ als psychologischen Schutzmechanismus gegen die Angst vor der eigenen Sterblichkeit.
3) Erhebungsmethode: Hier wird das experimentelle Felddesign beschrieben, bei dem Versuchspersonen mittels visueller Reize auf dem Klemmbrett geprimt wurden, um ihre Reaktionen auf 12 standardisierte Fragen zu erfassen.
4) Soziodemografie: Dieses Kapitel analysiert die Zusammensetzung der Stichprobe hinsichtlich Alter und Geschlecht und setzt diese in Bezug zur Grundgesamtheit der vegetarisch lebenden Bevölkerung in Deutschland.
5) Ergebnisse: Die statistische Auswertung mittels T-Tests verdeutlicht, dass Mortalitätssalienz vor allem einen Effekt auf die Dimension der Gesundheitswahrnehmung bei den Befragten hat.
6) Diskussion: Das abschließende Kapitel kritisiert die hohen Varianzen und Reliabilitätsschwankungen der Daten und schlägt methodische Verbesserungen für zukünftige Forschungsarbeiten vor.
Schlüsselwörter
Mortalitätssalienz, Terror Management Theorie, Priming, Vegetarismus, Veganismus, Gesundheitsverbesserung, Sozialpsychologie, Weltanschauung, Gruppenidentifikation, Feldexperiment, Quantitative Studie, Coping-Mechanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Konfrontieren von Vegetariern und Veganern mit dem Thema Tod (Mortalitätssalienz) deren persönliche Einstellungen und Weltanschauungen beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Terror Management Theorie, den Auswirkungen von Mortalitäts-Priming und der Identitätsbildung durch vegetarische Lebensstile.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Messung, ob durch eine experimentelle Induktion von Mortalitätssalienz eine Veränderung in der Zentralität der Ideologie, der Gruppenidentifikation und der wahrgenommenen Gesundheitsverbesserung nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein quantitatives Feldexperiment mit einer standardisierten, mündlichen Einzelbefragung an zwei Berliner Standorten durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Terror Management Theorie, die detaillierte Beschreibung der Befragungsmethode sowie die statistische Analyse der Ergebnisse mittels T-Tests.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Mortalitätssalienz, Terror Management Theorie, Gesundheitsbewusstsein, Vegetarismus und Gruppenidentifikation.
Wie wurde das Mortalitäts-Priming in der Studie konkret durchgeführt?
Die Induktion erfolgte durch visuelle Schriftzüge auf der Rückseite von Klemmbrettern, die den Versuchspersonen während des Ausfüllens der Fragen unbewusst oder zwangsläufig präsent waren.
Warum spielt die Gesundheitswahrnehmung in den Ergebnissen eine so große Rolle?
Die Ergebnisse zeigten einen kontinuierlichen Effekt über die Gesundheitsitems hinweg, was darauf hindeutet, dass das Priming („Wir sind alle vergänglich“) möglicherweise eine spezifische Assoziation zur eigenen Gesundheit auslöste.
- Arbeit zitieren
- Robin Kaiser (Autor:in), 2015, Die Auswirkung von Mortalitätssalienz auf die Weltanschauungen von Vegetariern und Veganern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509867