Glücksforschung. Was kennzeichnet Ihre innere Zufriedenheit?


Hausarbeit, 2014

24 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Theorie

3) Fragebogen

4) Erhebungsmethode

5) Deskriptive Beschreibung des erfassten Merkmals

6) Itemanalyse

7) Reliabilitäts- und Validitätsanalyse

8) Diskussion

9) Quellen

10) Anhang

1) Einleitung

Jede Form der klinischen Psychologie beschäftigt sich damit, den Menschen von einem negativen, defizitären Zustand auf einen normativen, neutralen zu bringen. Die positive Psychologie, unter der auch die Glücksforschung größtenteils fällt, lässt den Bereich mit den negativen Vorzeichen weg und geht quasi vom Nullpunkt direkt in den positiven Bereich. Nun ist die derzeitige Forschungslage keineswegs im Gleichgewicht, da sie überwiegend auf den negativen Bereich fokussiert ist. Die klinische Psychologie und die damit zusammenhängende Krankheitsideologie schafft es aber nur, die psychologische Salutogenese bis zu einen gewissen Punkt voranzubringen. Für den vollständigen Heilungsprozess bedarf es also einer inneren Zufriedenheit. Diese lässt sich nur dann messen, wenn der wissenschaftliche Fokus von der Krankheitsideologie weg gerückt wird und im Licht der positiven Psychologie neu definiert wird.

Mit dieser recht allgemeine gehaltenen Testrelevanz fällt es schwer, das Einsatzgebiet großflächig einzuschränken. Dies soll aber nicht heißen, dass eine hohe externe Validität gegeben sei, mit der wir eine Generalisierung der Ergebnisse hätten vornehmen können. Primär soll mit dem Fragebogen jedoch geklärt werden, ob soziale Interaktionen, individuelles Stressmanagement, persönliche Zielsetzungen, Belohnungsverhalten und regelmäßiger Sport sich positiv auf unsere individuelle Zufriedenheit auswirken. Die daraus resultierenden Ergebnisse können in der Zufriedenheitsforschung zur Aufklärung der Glücks -Varianz und als Leitfaden für Glücks-Interventionen zum Einsatz kommen. Der Fragebogen unterscheidet sich von anderen Messinstrumenten darin, dass die Erhebung nicht direkt die innere Zufriedenheit abfragt, sondern größtenteils kognitive Strategien und Tätigkeitsanreize erhebt, welche dann indirekt auf das Wohlbefinden zurückgeführt werden. Dank der fünf verschiedenen Subkategorien bietet der Fragebogen eine weit gefasste inhaltliche Streuung.

Diese theoretische Herangehensweise ist durchaus empirisch fundiert, da die direkte Beschäftigung und die aktive, manchmal auch schon zwanghafte Suche nach dem Glück, eher zu einer Glücksminderung führt. Tätigkeiten, die nicht primär zur Steigerung des Glückserlebens ausgeführt werden, wirken sich meinst intensiv nachhaltiger dahingehend aus. Persönlicher Schwerpunkt der Arbeit ist die Differenzierung zwischen Sporttreibenden und nicht Sporttreibenden und die unterschiedliche Positionierung beider Gruppen zu den vorgegebenen Items. Von besonderem Interesse ist die subjektive Zufriedenheit mit dem eigenen Körper in Abhängigkeit von regelmäßigen sportlichen Betätigungen.

2) Theorie

„Wenn Du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.“ Epikur

2.1 Historie: Schon lange bevor es die Psychologie überhaupt gegeben hat, beschäftigten sich Philosophen mit dem guten und damit auch mit dem glücklichen Leben. Schon im alten Griechenland wurde erkannt, dass materielle Güter nicht annährend so stark das Glücksempfinden positiv beeinflussen wie innige Freundschaften. Laut Diogenes ist jene Person am glücklichsten, die nichts hat, weil ihr nichts genommen werden kann. Über diese damaligen Extrempositionen bildeten sich grundlegende Standpunkte aus, welche in abgewandelter Form bis heute Bestand haben. Von der Gelingenden Identitätsentwicklung nach Erikson (1973) über Gipfelerlebnisse nach Maslow (2002),bis hin zur Theorie der voll funktionierenden Persönlichkeit nach Rogers (2006), gab es immer wieder Psychologen, die versucht haben, das Lebensglück und die individuelle Lebensgestaltung in eine Theorie oder ein Modell zu zwängen.

2.2 Quantitative Messungen:Zahlreiche Autoren identifizieren Glück als

„Lebenszufriedenheit“ (Karlheinz Ruckriegel, 2007; Veenhoven, 1989). Auch wenn an dieser Gleichsetzung kritisiert wird, dass Glück eher mit einer intensiv erlebten Emotionalität und Lebenszufriedenheit als mit einer grundlegenden kognitiven Bewertungstendenz in Verbindung gebracht wird, wird in dieser Arbeit nicht semantisch zwischen den beiden Konstrukten differenziert. Das in unserem Fragebogen erfasste Konstrukt der inneren Zufriedenheit bildet eine Subkategorie des allumfassenden Worts Glück.

Das multidimensionale hypothetische Konstrukt der inneren Zufriedenheit unterliegt starken subjektiven Schwankungen. Dementsprechend muss die Operationalisierung vielschichtig und umfassend gestaltet sein, um das Konstrukt in seiner Gesamtheit zu erfassen.

Es gibt zwar Versuche Glück über Einzelitems zu erfassen, der daraus resultierende Informationsgehalt hält sich wegen fragwürdiger Reliabilität und mangelnder statistischer Auswertbarkeit in Grenzen. Das Standartmessinstrument hat sich in der kurzen Historie der empirischen Glücksforschung noch nicht gefunden. Dies liegt unter anderem an der schon angesprochenen starken Subjektivität des Begriffes, aber auch an der kulturabhängigen Variabilität. Im angloamerikanischen Raum jedoch hat sich das „Oxford Happiness Inventory“ (OHI) oder zu Deutsch das Oxford-Glücks-Inventar großflächig etabliert.

Dieses besteht aus 29 Items welche vierstufige Antwort Ausprägung zulässt. Die Items wurden in drei Kategorien klassifiziert:

- Häufigkeit und Intensität positiver Affekte,
- durchschnittliche Lebenszufriedenheit über einen bestimmten Zeitraum hinweg,
- Abwesenheit negativer Emotionen, speziell Angst und Depression (Argyle & Crossland, 1987)

2.3 Aufklärung der Glücksvarianz: Um zu rekonstruieren, welche Faktoren zu welchen Prozentsatz unser Glücksgefühl determinieren, bedarf es einer ungeheuren Zahl an wissenschaftlichen Studien. Und selbst heute variieren die probabilistischen Angaben der aufgeklärten Glücksvarianz von Lehrbuch zu Lehrbuch. Als Konsens etablierte sich jedoch eindeutig, dass etwa 50 Prozent unseres inneren Glückserlebens genetisch festgelegt und über die Lebensdauer relativ stabil ist. Diese Determinante wird überwiegend vom endokrinen System festgelegt (Anton Bucher, 2009). Lediglich circa 10 Prozent werden durch die Lebensumstände beeinflusst (in welchem Land lebe ich , welcher Kultur /Religion gehöre ich an, was ist mein sozialer Status usw.…). Ungefähr 40 Prozent seien veränderbar, dies aber auch weniger in der Veränderung der Lebensumstände als vielmehr im Aktivitätsspektrum (Sheldon & Lyubomirsky, 2007) und den kognitiven Bewertungsprozessen.

2.4 Die Differenzierung von eudämonistischem und hedonistischem Glückserleben: Hedonistisches Glück ist die Form des Glücks ,die überwiegend aus physiologischem Vergnügen resultiert. Hauptdogma des Hedonismus ist das Streben nach Lustgewinn und das gleichzeitige Vermeiden von Schmerz und Unlust. Dies wird versucht zu erreichen über Sinnesgenüsse wie Essen, Trinken, Konsum oder Sex. Hedonistisches Glücksempfinden ist evolutionär verankert, und in quantitativen Studien gut zu operationalisieren. Eudämonistisches Glück entsteht durch die Verwirklichung eigener Potenziale und das damit einhergehende psychische Wachstum. Sowohl die positiven Affekte, die mit dem Lernen ein- hergehen, als auch die Zufriedenheit, welche aus einer tugendhaften und altruistischen Handlung heraus resultiert, tragen zu einer Zunahme von eudämonistischem Glück bei.

Oft wird dieses auch mit dem Konstrukt des psychologischen Wohlbefinden gleichgesetzt. Die Operationalisierung dieses Konstrukts erweist sich als deutlich schwerer und umfangrei- cher als das hedonistische Glücksgefühl. Umfangreiche Instrumente zur Messung von Glück inkludieren beide Glücksformen, da sich diese nicht gegenseitig ausschließen, sondern ge- genteilig bedingen und komplementieren.

Auch der von uns konzipierte Fragebogen enthält Aspekte aus beiden Glückskonzepten.

Klassisches Items zur Erfassung von hedonistischem Glückserleben sind zum Beispiel: Habe ich mir im letzten Monat etwas gegönnt, das jetzt noch zu meinem Wohlbefinden bei- trägt? Dient Konsum als Trost, wenn sich etwas nicht zu meiner Zufriedenheit erfüllt hat?

Folgende Items erfassen eher eudämonistisches Glückserleben: Habe ich meinen Traumbe- ruf erreicht, oder bin auf dem Weg dahin? Wenn mir etwas misslingt, bin ich zornig auf mich? Wobei letzteres revers codiert ist. Grundsätzlich ist unser Instrument zur Erfassung der inne- ren Zufriedenheit aber eher auf die Messung eudämonistischen Glückserlebens zugeschnit- ten.

3) Fragebogen

Bei dem von uns konstruierten Fragebogen handelt es sich um einen standardisierten, papiergebundenen Paper-Pencel-Test, welcher bei jeder Versuchsperson identisch gewesen ist. Der Fragebogen beginnt mit einer thematischen Einleitung gefolgt von der Zielsetzung unserer Befragung. Diese Instruktion soll an das Thema heranführen und den Versuchspersonen das Antwortformat näherbringen. Im Instruktionstext wird um eine ehrliche, und auf Selbstreflexion basierende Beantwortung gebeten.

Die Ankreuzmöglichkeiten wurden anfangs auf eine pro Item beschränkt, wobei noch einmal ausdrücklich mitgeteilt wurde, dass fehlende Werte oder doppelte Ankreuzungen nicht ausgewertet werden können. Die Instruktion endete mit Kontaktdaten zu einer Facebook Gruppe, die eigens für diese Erhebung erstellten wurde. Zusätzlich zu der Haupteinleitung gibt es zu Anfang jeder Subkategorie noch einen individuell gestalteten, meist thematisch instruierenden Abschnitt.

Grundsätzlich besteht der Fragebogen aus einem soziodemographischen Kopf und 5 Unterthemen, die mit der inneren Zufriedenheit in Verbindung gebracht werden. Bis auf das Subthema Sport, welches aus 7 Items besteht, umfassen alle anderen Bereiche 6 Items. Zu den erhobenen soziodemographischen Aspekten gehören Geschlecht, Alter (16-25, 26- 40, 41-61, 60 +), berufliche Tätigkeit (Schüler/Student/Azubi, Angestellter, Selbstständiger, Arbeitssuchend, Rentner), Beziehungsstatus (ledig, feste Partnerschaft, Wunsch auf Beziehung, verheiratet, verwitwet) und die Frage nach Kindern (ja, nein).

Zur Auflockerung des ansonsten standardisierten, vorgegebenen Antwortformats besitzt das Themenfeld Coping und Stressbewältigung ein offenes Aufgabenformat. Bei diesem Item wird die Versuchsperson gebeten ein Beispiel ihrer eigenen bewährten Coping -Strategie darzulegen.

Die Erfassung von Einstellung und subjektiven Präferenzen, zu denen auch das von uns ent- wickelte Konstrukt gehört, ist theoriegebunden an die Likert-Skala. Deswegen sind die Ant- wortmöglichkeiten der vierstufigen Ratingskala als äquidistant zu betrachten :

(1) trifft zu - (2) trifft teilweise zu – (3) trifft kaum zu –(4) trifft nicht zu

Wir haben uns bewusst für eine vierstufig Skalierung entschieden, um zentrale Tendenzen wie die Regression zur Mitte zu umgehen und die Versuchspersonen zu einer affirmativen oder ablehnenden Beantwortung des Items zu bewegen. Die Subthemen „Belohnung“ und

„Persönliche Ziele“ bieten zusätzlich zur vierstufigen Ratingskala „keine Angabe“ als Antwortmöglichkeit an, möglicherweise weil diese Themen besonders persönliche und sensitive Items enthalten.

Die Items werden inhaltliche folgendermaßen kategorisiert: Items 2 und 4 erfragen überwiegend emotionale Komponenten, die mit sportlicher Betätigung einhergehen (körperliche Bewegung verbinde ich mit positiven Emotionen ; ich fühle mich gut nach einer anstrengenden sportlichen Betätigung ). Items 3 und 6 gehen eher mit einer kognitiven Bewertung einher (Zeit in körperliche Bewegung zu investieren erachte ich als sehr sinnvoll ; ich bin davon überzeugt, dass Sport meine Lebensqualität erheblich steigert). Items 1 und 5 umfassen konative, direkt beobachtbare Aspekte (ich habe einen Bewegungsdrang ; ich setze mir sportliche Ziele) . Item 7, welches bewusst eine randständige Position einnimmt, fällt aus der Trigonometrie Emotion, Kognition, Konation etwas heraus und muss gesondert betrachtet werden. Schlussendlich bildet das Konstrukt der sportlichen Betätigung im Zusammenhang mit der Lebenszufriedenheit auf den Ebenden Emotion, Kognition und Konation das zentrale Merkmal, welches es zu messen gilt.

4) Erhebungsmethode

Zwischen Februar und Juni 2014 wurden 32 Exemplare des Fragebogens in Umlauf gebracht. Vor dem Ausfüllen wurde mündlich die vollständige Anonymität und die ausschließliche Verwendung zu hochschulinternen Zwecken zugesichert. Diese 2 bis 3 Sätze, die bei der Ausgabe der Fragebögen mitgeteilt wurden, wurden konstant gehalten, um eine Standardisierung zu gewährleisten.

Während des Ausfüllens war eine ständige Anwesenheit des Versuchsleiters und damit eine Ansprechmöglichkeit bei möglichen Fragen und Kommentaren gegeben. Hierbei wurde jedoch darauf geachtet, dass der Befragende nicht im offensichtlichen Sichtfeld der Versuchsperson stand. Diese würde sich dadurch möglicherweise gehemmt fühlen, private Angeben über sich zu machen. Die Befragung fand überwiegend in einer Physiotherapie und bei zwei öffentlichen Veranstaltungen statt. Dabei wurde auf eine Kontextvariation geachtet (Arbeitsumfeld / Freizeitumfeld).

Die Rücklaufquoten waren mit 84 % sehr beachtlich ( 27 von 32 verteilten Fragebögen). Dies kann unter anderem an dem hohem Interesse an Glücksforschung oder an dem Belohnungsanreiz in Kuchenform für jeden ausgefüllten Fragebogen gelegen haben. Für eine vollständige Stichprobenbeschreibung bzw. Versuchspersonenrekrutierung verweise ich auf die Facharbeiten meiner Kommilitonen.

Die soziodemographische Beschreibung der Stichprobe ergab 49,4 % Männer und 50,6 % Frauen (gültige Prozente), dies entspricht in etwa den Populationsmittelwerten der Grundgesamtheit. Von diesen hatten 40,5 % bereits eigene Kinder. Weitere wichtigsten demographische Kennwerte folgen tabellarisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1a: deskriptive, demographische Kennwerte

Die ersten drei Altersklassen sind prozentual etwa gleich vertreten und liefern somit statis- tisch wertvolle Daten. Die Häufigkeit der Klasse 60+ ist mit 3,8 % so gering ausgefallen, dass diese keinerlei statistische Auswertbarkeit nach sich sieht und somit heraus selektiert werden müsste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1b: deskriptive, demographische Kennwerte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1c: deskriptive, demographische Kennwerte

5) Deskriptive Beschreibung des erfassten Merkmals

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vergleich der Mittelwerte, in Ausprägung aller erhobenen Items, von Sporttreibenden und nicht Sporttreibenden.

( 0 = trifft nicht zu ; 1 = trifft kaum zu ; 2= trifft überwiegend zu ; 3 = trifft zu )

Die emotionalen, kognitiven und konativen Elemente des erfassten Merkmals der subjektiv sportlichen Relevanz im Zusammenhang mit gesteigerter Zufriedenheit können als intervallskaliert betrachtet werden und ermöglichen dadurch den Zugang zu den dazu gehörigen, adäquaten statistischen Auswertverfahren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Glücksforschung. Was kennzeichnet Ihre innere Zufriedenheit?
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Veranstaltung
Testtheorie und Testkonstruktion
Note
1,1
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V509873
ISBN (eBook)
9783346115416
ISBN (Buch)
9783346115423
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glücksforschung, Zufriedenheit, Positive Psychologie, Glück, Leben
Arbeit zitieren
Robin Kaiser (Autor:in), 2014, Glücksforschung. Was kennzeichnet Ihre innere Zufriedenheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509873

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