Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungssverzeichnis

1. Einführung

2. Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IFRS
2.1. Definition und Abgrenzung
2.2. Ansatz (Recognition)
2.3. Zugangsbewertung (Initial measurement)
2.4. Folgebewertung (Subsequent measurement)
2.4.1. Anschaffungskostenmodell (Cost Model)
2.4.2. Neubewertungsmethode (Revaluation Model)
2.5. Ausweis

3. Fazit mit kritischer Würdigung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungssverzeichnis

Abbildung 1 - Zugangsform und zugehörige Erstbewertung.

Abbildung 2 - Anschaffungskostenmodell

1.Einführung

Ein sehr bedeutender Teil der heutigen Konzernabschlüsse und Unternehmenswerte besteht aus immateriellen Vermögenswerten (Intangible assets). Immaterielle Vermögenswerte sind unsichtbar, nicht greifbar und dennoch besitzen sie eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Hierzu gehören beispielsweise Technologien, Patente, Marken. Laut einer Studie gab es im Jahre 2013 mehr als 63.000 Patentanmeldungen, welches zu einem Zuwachs von 3% zum Vorjahr führte.1 Doch wie werden diese nicht-materiellen Vermögenswerte in der Bilanzierung behandelt? Was sind sie wert? Wie werden bilanzpolitische Ermessensspielräume eingeschränkt, damit nicht jegliche selbst geschaffene intellektuelle Vermögenswerte aktiviert werden?

Die internationalen Rechnungslegungsvorschriften der IASB enthalten eine umfassende Regelung zu immateriellen Vermögenswerten, die sich mit den oben beschriebenen problemstellenden Fragen befassen. Die vorliegende Arbeit untersucht demnach die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte im Sinne von IAS 38. Zunächst erfolgen eine Definitionsbestimmung sowie eine Abgrenzung zu anderen Standards. Nachfolgend wird die Bilanzierung dem Grunde nach, der Höhe nach und dem Ausweis nach erörtert. Abschließend wird ein Fazit mit kritischer Würdigung gegeben.

2.Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IFRS

2.1. Definition und Abgrenzung

Kodifiziert in IAS 38 der International Financial Reporting Standards (IFRS) werden immaterielle Vermögenswerte als „identifizierbare, nicht monetäre Vermögenswerte ohne physische Substanz“ definiert.2 Diese Ressourcen müssen separier vom originären Firmenwerts sein (identifiability). Dieses Kriterium soll die Existenz des immateriellen Vermögenswerts sicherstellen. Als Nachweis kann eine vertragliche bzw. rechtliche Existenz oder die Veräußerbarkeit gelten. Darüber hinaus wird die Verfügungsgewalt (control) über diese Ressource gefordert. Die Beherrschung ist gegeben, wenn einem Unternehmen alle Rechte ausüben kann, um den Nutzen aus dem Vermögenswert realisieren kann.3

Als Beispielobjekte, die dieser Definition mit abstrakter Aktivierbarkeit gerecht werden, sind Computersoftware, Patente, Urheberrechte, Filmmaterial, Kundenlisten, Importquoten, Kunden- oder Lieferantenbeziehungen, Kundenloyalität, neue Verfahrensweisen, Marktanteile und Absatzrechte zu nennen.4 Anzumerken ist laut dem Haufe IFRS-Kommentar in diesem Zusammenhang bereits, dass nicht alle diese aufgeführten immateriellen Güter die notwendigen Bilanzansatzkriterien erfüllen.5

Fallen immaterieller Vorteil und physische Substanz zusammen, orientiert sich die Abgrenzung sowohl nach deutscher als auch internationaler Finanzrechtsprechung danach, ob für den Bilanzierenden der geistige Gehalt des Vermögenswertes oder die materielle Substanz im Vordergrund steht.6

Die vorliegende Untersuchung befasst sich lediglich mit langfristigen, immateriellen Vermögenswerten, die unter den Geltungsbereich des IAS 38 fallen. Diese sind nicht-materielle Vermögenswerte, die langfristig, i.d.R. mehr als 12 Monate, dem Geschäftsbetrieb dienen.7 Hingegen sind kurzfristige immaterielle Vermögenswerte, die zum Verkauf im normalen Geschäftsverlauf bestimmt sind, nach IAS 2 (Vorräte) zu bilanzieren. IFRS 3 behandelt das spezielle immaterielle Gut aus Unternehmenszusammenschlüssen, dem Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill).8

2.2. Ansatz (Recognition)

Analog dem deutschen Handelsrecht sind nicht alle der im Abschnitt 2.1. aufgelisteten Beispielobjekte konkret bilanzierungsfähig und dürfen daher nicht als immaterielle Vermögenswerte aktiviert werden. Neben der Erfüllung der abstrakten Aktivierbarkeit müssen immaterielle Vermögenswerte zusätzlich folgende postenspezifische Voraussetzungen kumulativ erfüllen.9 Nur dann ist der vorliegende Vermögenswert konkret aktivierbar:

1. Mit Wahrscheinlichkeit (probable) fließen dem Unternehmen künftig wirtschaftliche Vorteile aus dem Vermögenswert zu (IAS 38.21 (a)).
2. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten können zuverlässig (reliable) ermittelt werden (IAS 38.21 (b)).

Die künftigen wirtschaftlichen Nutzenvorteile (future economic benefits) wirken sich beispielsweise in Erlössteigerungen aus10. Bezüglich der zuverlässigen Nachweisanforderungen differenziert IAS 38 zwischen fünf möglichen Zugangsformen bei der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerten. Aufgeführt werden der entgeltliche Erwerb, der Erwerb im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses, der Erwerb durch eine Zuwendung der öffentlichen Hand, der Erwerb durch Tausch gegen einen anderen materiellen oder immateriellen Vermögenswert und die Eigenherstellung, siehe hierzu auch Abschnitt 2.3.11

Im Falle von Dritten erworbenen immateriellen Vermögenswerten können die Ansatzkriterien als erfüllt angesehen werden. Der zukünftige Nutzenzufluss ist zu vermuten, die Anschaffungskosten sind ebenso zuverlässig über den Kaufpreis und über den für die Instandsetzung zurechenbaren, anschaffungsnahen Ausgaben ermittelbar. Falls beispielsweise eine Software wegen fehlender Marktpreisangaben nicht von der dazugehörigen Hardware gesondert berechnet werden kann, muss die selbstständige Aktivierung als immaterielles Vermögenswert unterbleiben. Für die Aktivierung ist die Software demnach als Teil der Hardware zu behandeln.12

Bei intern selbst geschaffenen Vermögenswerten erweist sich die Prüfung der Ansatzkriterien als schwieriger aus. Sowohl der Nutzenzufluss als auch die zuverlässige Bewertbarkeit können nicht problemlos nachvollzogen werden. Daher hat die Gesetzgebung ergänzende Kriterien in IAS38.52 bis IAS38.67 zur Verfügung gestellt, die die praktische, konsequente Umsetzung konkretisieren sollen.13 Zur Beurteilung der Aktivierungsfähigkeit wird demnach der Herstellungsprozess in zwei Phasen aufgeteilt, Forschung und Entwicklung. Forschung wird definiert als die „eigenständige und planmäßige Suche, mit der Aussicht, zu neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen zu erlangen“14. Forschungsaktivitäten dürfen nicht aktiviert werden, da während dieser Phase die Existenz des immateriellen Guts und somit der künftige Nutzenzufluss aus diesem Gut nicht nachgewiesen werden kann. Die Forschungsaktivitäten sind somit sofort als Aufwand zu erfassen.15

Dagegen sind Entwicklungskosten aktivierungspflichtig, da in dieser Phase bereits konkrete Forschungsergebnisse Anwendung finden.16 Erforderlich ist wie zuvor erwähnt die kumulative Erfüllung ergänzender Ansatzkriterien, die die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit prüfen:17

1. Die Möglichkeit zur technischen Umsetzung und Fertigstellung ist gegeben.
2. Die Absicht zur Fertigstellung und zum Verkauf oder Nutzung ist gegeben.
3. Der Bilanzierende ist in der Lage zur Nutzung oder Verkauf des immateriellen Vermögenswerts.
4. Der künftige Anstieg finanzieller Mittel aus dem Vermögenswert ist garantiert.
5. Die Kosten der Entwicklungsaktivitäten sind verlässlich bestimmbar.

Gerade für die selbst erstellten immateriellen Vermögenswerte gelten strengere Auflagen, um zu verhindern, dass nicht jegliche Ausgaben Bilanzsummenvermehrend aktiviert werden können. Anzumerken ist weiterhin, dass die Aktivierungspflicht für ansatzfähige Entwicklungskosten nur für IFRS gilt. Nach dem deutschen Handelsrecht (HGB) besteht ein Ansatzwahlrecht für Entwicklungskosten und somit mehr bilanzpolitischer Raum für das bilanzierende Unternehmen.18

IAS 38.63 und IAS 69 führen ein explizites Ansatzverbot für bestimmte Ausgaben an, bei denen der Nutzenzufluss grundsätzlich schwer feststellbar ist: Selbst geschaffene Markennamen, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten, Weiterbildungsaktivitäten, Gründungsaufwand und ähnliche Sachverhalte.19

2.3. Zugangsbewertung (Initial measurement)

Bei der Bewertung bzw. der Bilanzierung der Höhe nach sind die Standards IAS38 (Intangible assets) und IAS36 (Impairment of assets) zu beachten. Die erstmalige Bewertung eines immateriellen Vermögenswerts erfolgt zum Ansatzzeitpunkt in Höhe seiner Anschaffungs- oder Herstellungskosten (IAS38.24).20 In Abhängigkeit von der Zugangsform21 ergeben sich entsprechende Bewertungsvorschriften, die im Folgenden erörtert werden sollen. Zusätzlich soll die untenstehende Grafik die Unterschiede veranschaulichen.

[...]


1 Vgl. Lohwasser, E., Borszik, M. (2014). Immaterielle Vermögenswerte, S.18

2 IAS 38.8

3 Vgl. Born, K. (2007). Rechnungslegung international, S. 120 i.V. m. Buchholz, R. (2017). Internationale Rechnungslegung, S. 60

4 Vgl. IAS 38.9

5 Vgl. Hoffmann, W. D., Lüdenbach, N., Freiberg, J. (2016). in: Haufe IFRS-Kommentar, §13, Rz. 3 i.V.m. Rz.17

6 Vgl. Hoffmann, W. D., Lüdenbach, N., Freiberg, J. (2016). in: Haufe IFRS-Kommentar, §13, Rz. 7

7 Vgl. Bieg, H., Hossfeld, C., Kußmaul, H., Waschbusch, G. (2009). Handbuch der Rechnungslegung, S. 126; Hoffmann, W. D., Lüdenbach, N., Freiberg, J. (2016). Haufe IFRS-Kommentar, §13, Rz. 2

8 Vgl. Hoffmann, W. D., Lüdenbach, N., Freiberg, J. (2016). Haufe IFRS-Kommentar, §13 Rz. 2

9 Vgl. Buchholz, R. (2017). Internationale Rechnungslegung, S. 60

10 Vgl. Buchholz, R. (2017). Internationale Rechnungslegung, S. 61

11 Vgl. Bansbach, F., Dornbach, E., Petersen, K. (2014). IFRS Praxishandbuch, S. 144

12 Vgl. Buchholz, R. (2017). Internationale Rechnungslegung, S. 60; Bansbach, F., Dornbach, E., Petersen, K. (2014). IFRS Praxishandbuch, S. 144

13 Vgl. Heyd, R., Lutz-Ingold, M. (2005). Immaterielle Vermögenswerte und Goodwill nach IFRS, S. 38 f.

14 IAS 38.8.; vgl. Heyd, R., Lutz-Ingold, M. (2005). Immaterielle Vermögenswerte und Goodwill nach IFRS, S. 40

15 Vgl. IAS 38.55 i.V.m. Nicolini, H. J., Perbey, U., Hanses, A. (2014). Internationale Bilanzbuchhaltung, S.40

16 Vgl. IAS 38.57 (a) bis (f)

17 Vgl. KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Hrsg.). (2016). IFRS visuell, S. 95

18 Vgl. Hayn/Georg, S., Waldersee, G. (2014). IFRS und HGB im Vergleich, S.144;

19 Vgl. Heyd, R., Lutz-Ingold, M. (2005). Immaterielle Vermögenswerte und Goodwill nach IFRS, S. 46; Vgl. Bieg, H., Hossfeld, C., Kußmaul, H., Waschbusch, G. (2009). Handbuch der Rechnungslegung, S. 130; Buchholz, R. (2017). Internationale Rechnungslegung, S. 61

20 Vgl. Bieg, H., Hossfeld, C., Kußmaul, H., Waschbusch, G. (2009). Handbuch der Rechnungslegung, S. 126

21 Vgl. KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Hrsg.). (2016). IFRS visuell, S. 93

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V509898
ISBN (eBook)
9783346087089
ISBN (Buch)
9783346087096
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bilanzierung, vermögenswerte
Arbeit zitieren
Vivethinyi Vivekanantham (Autor), 2018, Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509898

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden