Der klassische "Psychokiller", wie man ihn aus den Nachrichten, Romanen, Kinos etc. kennt, ist weder ein satanistischer Dämon noch ein blutrünstiges Monster. Im Gegensatz zu der allgegenwärtigen Behauptung ein Psychopath sei "irre", ist die beschriebene Unterform der Psychopathie schlichtweg kriminell. Viele subkriminelle Psychopathen leben unentdeckt unter uns, schätzungsweise kommt auf 100 "normale" Personen 1 Psychopath.
Aufgrund der allgegenwärtigen Faszination für Psychopathie ist sie heute eine der am umfangreichsten erforschten und verstandenen psychischen Störungen.
Aus wissenschaftlicher Perspektive steht fest, dass diverse Hirnanomalien und Dysfunktionen bezüglich der Emotionsregulation bei Psychopathen vorliegen, weshalb sich folglich aus wissenschaftlicher Sichtweise die Frage stellt wie kognitive Emotion, Empathie und emotionale Intelligenz als "Emotionsnetzwerk" mit Psychopathie in Verbindung zueinander stehen. Diese Studienarbeit wird sich deshalb mit der Forschungsfrage beschäftigten, welchen Zusammenhang es zwischen der Unterform der Antisozialen Persönlichkeitsstörung "Psychopathie" und dem dysfunktionalen "Emotionsnetzwerk" gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung
2.1 Antisoziale Persönlichkeitsstörung
2.2 Psychopathie
3 Das Emotionsnetzwerk
4 Das Emotionsnetzwerk bei Psychopathen
4.1 Hirnanomalien
4.2 Kognitive Emotionen
4.3 Emotionale Intelligenz
4.4 Empathie
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der psychopathischen Persönlichkeitsstruktur und dem sogenannten Emotionsnetzwerk, um zu klären, welche neurobiologischen und kognitiven Dysfunktionen für das Verhalten von Psychopathen verantwortlich sind.
- Differenzierung zwischen antisozialer Persönlichkeitsstörung und Psychopathie
- Analyse des "Emotionsnetzwerks" (kognitive Emotionen, Empathie, emotionale Intelligenz)
- Untersuchung von Hirnanomalien bei Psychopathen (z.B. präfrontaler Cortex, Amygdala)
- Bewertung der Fähigkeit zur bewussten Steuerung von Empathie
- Diskussion therapeutischer Möglichkeiten und ihrer Grenzen
Auszug aus dem Buch
4.1 Hirnanomalien
Die Beweisführung, dass Psychopathen eine Dysfunktion in der emotionalen Verarbeitung von Reizen haben, ist ziemlich ergiebig (Copestake et al., 2013). Diverse Einzelphotonen Emissionscomputertomographie (SPECT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Magnetresonanztomographie (MRT) Studien berichteten über Defizite im Präfrontal- und Frontallappen bei Probanden mit diagnostizierter Psychopathie (Schübler, 2014). Die Gefühle eines Menschen, das Erlernen von Furchtreaktionen oder auch das Moral- oder Mitgefühl, werden durch einen komplexen Schaltkreis (siehe Abbildung 2) reguliert. Dieser besteht unter anderem aus dem präfrontalen Cortex (PFC) und subkortikalen Strukturen wie der Amygdala (Glenn and Raine, 2008; Roth and Strüber, 2009; Schübler, 2014).
Bei der ASP und auch deren Unterform Psychopathie liegt bei diesen Regionen (siehe Abbildung 2) ein Defizit vor (Birbaumer, 2015; Glenn and Raine, 2008; Spektrum der Wissenschaft, 2014). Speziell bei Psychopathie konnte nachgewiesen werden, dass die Gehirnmasse im vorderen Stirnhirn, dem präfrontalen Cortex (PFC), reduziert ist. Dies wiederrum korreliert mit mangelhaftem sozialem Normverständnis und dem Fehlen von Schuldbewusstsein, da der PFC für die sogenannten Exekutivfunktionen zuständig ist (Glenn and Raine, 2008; Sewing, 2007). Innerhalb des PFC unterscheidet man diesbezüglich vor allem zwischen dem dorsolateralen Cortex (DLPFC), dem ventromedialen (VLPFC) Cortex und dem orbifrontalen Cortex (OFC) (Glenn and Raine, 2008; Lück et al., 2005).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Psychopathie anhand prominenter Beispiele und Klärung der Abgrenzung von kriminellem Verhalten und gesellschaftlichen Normen.
2 Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung: Definition der grundlegenden Persönlichkeitsbegriffe und Abgrenzung zwischen der Antisozialen Persönlichkeitsstörung und der spezifischen Unterform Psychopathie.
3 Das Emotionsnetzwerk: Wissenschaftliche Definition des Begriffs "Emotionsnetzwerk" als Zusammenspiel von kognitiven Emotionen, Empathie und emotionaler Intelligenz.
4 Das Emotionsnetzwerk bei Psychopathen: Detaillierte Untersuchung der neurologischen Defizite und der daraus resultierenden kognitiven sowie emotionalen Verhaltensmuster bei Psychopathen.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über das Emotionsnetzwerk von Psychopathen sowie ein Ausblick auf die therapeutische Problematik.
Schlüsselwörter
Psychopathie, Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Emotionsnetzwerk, Amygdala, präfrontaler Cortex, Empathie, emotionale Intelligenz, kognitive Emotionen, Hirnanomalien, PCLR, subkriminelle Psychopathen, Kriminalität, Neurobiologie, Affekt, Impulskontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Psychopathie und der Funktionsweise des menschlichen Emotionsnetzwerks auf neurologischer und psychologischer Ebene.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Persönlichkeitsstörungen, die neurobiologischen Grundlagen von Emotionen sowie die kognitiven Fähigkeiten von Psychopathen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum Psychopathen trotz intakter kognitiver Prozesse ein dysfunktionales Empathie- und Emotionsverhalten zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die Erkenntnisse aus der neurologischen Forschung, bildgebenden Verfahren (fMRT/PET/SPECT) und psychologischen Studien synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die neurologischen Anomalien im Gehirn von Psychopathen und untersucht, wie kognitive Emotionen, Empathie und emotionale Intelligenz dabei beeinflusst werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Psychopathie, Emotionsnetzwerk, Hirnanomalien, Empathie-Defizit und kognitive Hyperfokussierung beschreiben.
Können Psychopathen Empathie empfinden?
Studien zeigen, dass Psychopathen Empathie nicht automatisch empfinden, sie jedoch bei bewusster Aufforderung und kognitiver Fokussierung dazu in der Lage sind, Empathiereaktionen zu aktivieren.
Warum gelten erfolgreiche Psychopathen als schwer therapierbar?
Da ihnen der Leidensdruck fehlt und sie aufgrund ihrer sozialen Stellung (z.B. als Führungskräfte) keinen Anreiz zur Mitarbeit oder zur therapeutischen Intervention sehen, ist ein Zugang zu ihnen sehr schwierig.
- Arbeit zitieren
- Vivienne-Elyn Spruck (Autor:in), 2019, Der (un)emotionale Psychopath. Psychopathie und das "Emotionsnetzwerk", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509979