In dieser Arbeit werden das Sonett "An die Welt" von Andreas Gryphius und das Gedicht "Die frühen Jahre" von Mascha Kaleko hinsichtlich ihrer Form, der Situation des lyrischen Ichs, der Schiffsmetaphorik, ihrer sprachlichen Gestaltung und ihrer jeweiligen Intention miteinander verglichen.
Das Sonett von Andreas Gryphius und das Gedicht von Mascha Kaleko entstanden in unterschiedlichen Epochen. Während das Sonett von Gryphius in der Epoche des Barock entstand, schrieb Mascha Kaleko ihr Gedicht zwischen 1907 und 1975 (Neue Sachlichkeit). In beiden Gedichten steht das Thema Heimat beziehungsweise Ankunft im Vordergrund. Bei genauerer Betrachtung fallen dennoch deutliche Unterschiede auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Gedichtvergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht das Sonett „An die Welt“ von Andreas Gryphius und das Gedicht „Die frühen Jahre“ von Mascha Kaleko hinsichtlich ihrer formalen Struktur, der Darstellung des lyrischen Ichs sowie der verwendeten Schiffsmetaphorik, um die unterschiedlichen Intentionen und lebensweltlichen Hintergründe der Autoren aufzuzeigen.
- Vergleichende Analyse von Barockdichtung und Neuer Sachlichkeit
- Untersuchung der Schiffsmetaphorik als Symbol für Lebenswege
- Gegenüberstellung von Heimatverständnis und Sinnsuche
- Reflektion über historische Lebensbedingungen und deren Einfluss auf die Lyrik
- Kontrastierung von Diesseits- und Jenseitsorientierung
Auszug aus dem Buch
Gedichtvergleich
Im Folgenden werden das Sonett ,,An die Welt" von Andreas Gryphius und das Gedicht ,,Die frühen Jahre" von Mascha Kaleko, hinsichtlich ihrer Form, der Situation des lyrischen Ichs, der Schiffsmetaphorik, ihrer sprachlichen Gestaltung und ihrer jeweiligen Intention, mit einander verglichen.
Das Sonett von Andreas Gryphius und das Gedicht von Mascha Kaleko entstanden in unterschiedlichen Epochen. Während das Sonett von Gryphius in der Epoche des Barock entstand, schrieb Mascha Kaleko ihr Gedicht zwischen 1907 und 1975 (Neue Sachlichkeit). In beiden Gedichten steht das Thema Heimat, bzw. Ankunft im Vordergrund. Bei genauerer Betrachtung fallen aber auch deutliche Unterschiede auf.
Das Gedicht ,,Die frühen Jahre" handelt, wie der Titel bereits vermuten lässt, von der Kindheit und Jugend des lyrischen Ichs. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass diese eine sehr schwere Zeit für das lyrische Ich waren, da es seine Kindheit auch als ,,finstere Jahre" (V.12) beschreibt. Das Gedicht ist unregelmäßig aufgebaut. Es besteht aus nur einer Strophe mit 13 Versen und einem unregelmäßigem Metrum. Eben diese Unregelmäßigkeit spiegelt den Inhalt des Gedichts wieder. Das lyrische Ich reflektiert seine Kindheit, in der es sich ,,ausgesetzt"(V.1) und alleine fühlte, wie in einer vor sich hintreibenden Barke (vgl. V. 2ff.). Es fühlte sich schutzlos, suchte Halt in Menschen und Dingen, die ihm diesen nicht bieten konnten (vgl. Z. 5 ff.). Das lyrische Ich sehnte sich in seiner Kindheit immer nach etwas. Auf seiner Suche musste es Rückschläge verkraften, es ,,trank von dem Wasser das dürsten macht" (V.10), obwohl es doch eben diesen Durst stillen wollte. Es fühlte sich stets fremd und ungehörig, weshalb es eine schlechte Erinnerung an seine Kindheit hat (vgl. V. 11 ff.).Das deutet darauf hin, dass es einen Ort der Sicherheit, eine Heimat gesucht hat. Vielleicht musste es diese schwere Zeit durchleben und sich durch die finsteren Jahre frieren, um zu erkennen, das Heimat mehr ist als nur ein Ort. Die Heimat ist dort, wo die Liebe, wo die Menschen sind, die man liebt. Das sieht das lyrische Ich im letzten Vers auch ein.
Zusammenfassung der Kapitel
Gedichtvergleich: Dieses Kapitel vergleicht die Gedichte von Gryphius und Kaleko hinsichtlich ihrer Form, Metaphorik und Intention, wobei insbesondere die Kontraste zwischen der Barocklyrik und der Neuen Sachlichkeit sowie das unterschiedliche Verständnis von Heimat und Ankunft herausgearbeitet werden.
Schlüsselwörter
Gedichtvergleich, Andreas Gryphius, Mascha Kaleko, Barock, Neue Sachlichkeit, Heimat, Schiffsmetaphorik, Lyrisches Ich, Memento Mori, Ankunft, Diesseits, Jenseits, Literaturepochen, Lyrikanalyse, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Literaturanalyse-Projekt, das zwei Gedichte unterschiedlicher Epochen hinsichtlich ihrer formalen und inhaltlichen Aspekte gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Konzept von Heimat, die Schiffsmetaphorik als Ausdruck von Lebenswegen sowie der Einfluss historischer Epochen auf die diesseitige oder jenseitige Orientierung der Lyrik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und signifikante Unterschiede in der sprachlichen Gestaltung und der Weltsicht der lyrischen Ichs in den Werken von Gryphius und Kaleko herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, die Form, Metaphorik, historische Hintergründe und die Intention der Autoren betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Form der Gedichte, die Situation des lyrischen Ichs, die Verwendung von Antithesen und Metaphern sowie die Einbettung der Gedichte in ihre jeweiligen literarhistorischen Kontexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gedichtvergleich, Barock, Neue Sachlichkeit, Heimat, Schiffsmetaphorik und Identität charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Schiffsmetaphorik in den beiden Gedichten?
Während bei Kaleko die Barke ein kleines, unsteuerbares Schiff ist, das der Willkür der Natur ausgesetzt ist, besitzt das lyrische Ich bei Gryphius ein großes, komplexeres Schiff, mit dem es prinzipiell einen Kurs bestimmen kann.
Warum ordnet der Autor Gryphius dem Jenseits und Kaleko dem Diesseits zu?
Diese Zuordnung erfolgt aufgrund der religiösen Prägung des Barock (Memento Mori) bei Gryphius im Vergleich zu den veränderten Lebensbedingungen und Perspektiven im 20. Jahrhundert bei Kaleko.
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- Helene Roth (Author), 2017, Das Thema Heimat in den Gedichten "An die Welt" von Andreas Gryphius und "Die frühen Jahre" von Mascha Kaleko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510076