Es ist auffällig, wie bekannt manche Künstlerpersönlichkeiten der neuen Generation geworden sind. Interessant ist, wie wichtig die Künstler heutzutage neben ihrem Werk sind und welche Rolle sie in der Öffentlichkeit, beziehungsweise in den sozialen Medien einnehmen. Wenn man sich die Rolle des Künstlers im Laufe der Zeit ansieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass dieses Phänomen zur Selbstinszenierung der Künstler beiträgt und sich dessen Aufkommen erklären. Heutige Beispiele für eine gekonnte Inszenierung sind Jonathan Meese und Christian Rosa.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Kunst ist, was ein Künstler tut“
3. Der Künstler
3.1 Der Verrückte: Jonathan Meese
3.2 Die Trendigen: Christian Rosa und Henning Strassburger
4. Die Rolle des Künstlers im historischen Verlauf
4.1 Der Künstler als Handwerker
4.2 Der Hofkünstler
4.3 Der moderne Künstler
5. Gründe für die Inszenierung
5.1 Die Vielzahl von Künstlern
5.2 Das voyeuristische Publikum
5.3 Das Internet
6. Die Preisbildung heutzutage
7. Die Künstlerkarriere
8. Jonathan Meeses Darstellung
9. Die bewusste Selbstinszenierung
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wachsende Bedeutung der bewussten Selbstinszenierung für den beruflichen Erfolg zeitgenössischer Künstler. Dabei wird die Hypothese verfolgt, dass das in der Öffentlichkeit präsentierte Bild des Künstlers einen maßgeblichen Einfluss auf die Rezeption und den kommerziellen Erfolg seiner Werke ausübt, wodurch die eigene Person untrennbar mit dem künstlerischen Schaffen verschmilzt.
- Historische Wandlung der Künstlerrolle vom anonymen Handwerker zum modernen Akteur
- Analyse zeitgenössischer Strategien der Selbstvermarktung am Beispiel von Künstlern wie Jonathan Meese
- Einfluss von Social Media und medialer Präsenz auf die Wahrnehmung des Künstlers
- Zusammenhang zwischen persönlichem Image, Marktwert und Preisbildung in der Kunstszene
- Rolle voyeuristischer Erwartungshaltungen des Publikums für die Karriereplanung
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Verrückte: Jonathan Meese
Einer dieser neuen Künstler ist Jonathan Meese (geb. 1970, Tokio). Er ist ein deutscher Künstler, der nicht nur Malerei, Skulpturen und Collagen, sondern auch Performances, Installationen, Videos und Theaterstücke schafft. Zu seinen - häufig sehr provokanten - Werken nimmt er stets Stellung und erklärt seine Idee von Kunst bzw. was genau er mit seinen Werken übermitteln möchte. Er entspricht dem klassischen Stereotypen und Künstlerbild bestens. Seine Erkennungsmerkmale sind z.B. seine Heavy- Metal- Frisur, der ausgefranste Ziegenbart, die Adidas-Jacke, die Schlaghose und der Ledermantel. Seine Kleidung ist überwiegend schwarz. Häufig tritt er gemeinsam mit seiner Mutter auf. In seinen selbstgedrehten Videos, die er auf seiner Internetseite (www.jonathameese.com) veröffentlicht, kommt seine exzentrische Art besonders gut zum Ausdruck. Er springt von einer Leinwand zur anderen, singt und malt scheinbar alles, was ihm in den Sinn kommt mit den Fingern oder direkt aus der Tube auf die großen Leinwände. Manchmal trägt er dabei auch ein, dem typischen Künstlerbild entsprechendes, weißes, mit Farben bekleckstes Hemd (Meese, 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Erweiterung des Kunstbegriffs seit Mitte des 20. Jahrhunderts und die damit einhergehende steigende Bedeutung der Künstlerpersönlichkeit für den Erfolg.
2. „Kunst ist, was ein Künstler tut“: Es wird erläutert, wie sich die Interpretation von Kunstwerken zunehmend auf den Lebenslauf und die Haltung des Künstlers verlagert hat, was eine provokante Selbstdarstellung fördert.
3. Der Künstler: Dieses Kapitel stellt durch die Gegenüberstellung verschiedener Künstlertypen – wie dem exzentrischen Meese oder den trendorientierten Künstlern Rosa und Strassburger – unterschiedliche Strategien der Inszenierung dar.
4. Die Rolle des Künstlers im historischen Verlauf: Die Entwicklung des Künstlerbildes wird vom anonymen Handwerker über den privilegierten Hofkünstler bis hin zum modernen, marktkonformen Akteur nachgezeichnet.
5. Gründe für die Inszenierung: Es werden externe Faktoren wie die hohe Anzahl an Absolventen, ein voyeuristisches Publikum und die Möglichkeiten des Internets als Treiber für die bewusste Selbstvermarktung analysiert.
6. Die Preisbildung heutzutage: Das Kapitel verdeutlicht, dass der Marktwert eines Künstlers heute stark von seiner Berühmtheit und dem Image abhängt, oft unabhängig von der rein qualitativen Bewertung des Werks.
7. Die Künstlerkarriere: Hier werden Kriterien für den künstlerischen Erfolg definiert, wobei ökonomischer Markterfolg zunehmend mit der künstlerischen Bedeutung gleichgesetzt wird.
8. Jonathan Meeses Darstellung: Anhand einer detaillierten Analyse des Künstlers Meese wird untersucht, wie dieser gezielt mit seinem Image spielt, um als Kultperson in der Kunstszene zu bestehen.
9. Die bewusste Selbstinszenierung: Es wird diskutiert, wie Künstler im 21. Jahrhundert durch kreatives Marketing und kontrollierte Selbstpräsentation in sozialen Medien ihre „Scheinexistenz“ und damit ihre Karriere steuern.
10. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass eine Selbstinszenierung für Künstler heute nahezu unausweichlich ist, wobei die Grenze zwischen authentischer Kunst und Vermarktungskonzept zunehmend verschwimmt.
Schlüsselwörter
Selbstinszenierung, Kunstmarkt, Künstlerkarriere, Jonathan Meese, Kunstbetrieb, Selbstvermarktung, Künstlerpersönlichkeit, Bildende Kunst, Moderne, Markenbildung, Mediale Inszenierung, Kunstsoziologie, Erfolgskriterien, Zeitgenössische Kunst, Öffentliche Wahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zunehmende Relevanz der persönlichen Selbstdarstellung und Inszenierung von Künstlern als maßgeblichen Faktor für ihren Erfolg in der modernen Kunstwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung des Künstlerbildes, den ökonomischen Zwängen des modernen Kunstmarktes und den medialen Möglichkeiten zur Etablierung einer eigenen Künstler-Marke.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu belegen, dass das öffentliche Bild eines Künstlers heutzutage eine essenzielle Rolle für den Erfolg seiner Werke spielt und die Person des Künstlers selbst zum Teil des Gesamtkunstwerks geworden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Untersuchung aktueller Fallbeispiele zeitgenössischer Künstler, um die Mechanismen der Selbstinszenierung in der Praxis aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Wandlung der Künstlerrolle, identifiziert Gründe für den Zwang zur Inszenierung (z.B. Internet, voyeuristisches Publikum) und hinterfragt die Preisbildung bei Künstlern sowie die Strategien bekannter Akteure wie Jonathan Meese.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Selbstinszenierung, Kunstmarkt, Künstlerkarriere, Markenbildung und mediale Inszenierung.
Wie beeinflusst das Internet die Karriere eines Künstlers laut der Autorin?
Das Internet dient Künstlern als essenzielle Plattform zur Eigenpräsentation und Distribution, durch die sie das Bedürfnis des voyeuristischen Publikums nach Einblicken in den Schaffensprozess befriedigen und somit ihre Bekanntheit direkt steuern können.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Kunst“ und „Vermarktungskonzept“ heute so schwierig?
Da heute fast alles künstlerisch „austauschbar“ geworden ist, müssen Künstler ihre Einzigartigkeit durch die eigene Biografie und ein kontrolliertes Auftreten unterstreichen, wodurch die Person des Künstlers untrennbar mit dem Vermarktungsansatz verschmilzt.
- Arbeit zitieren
- Charlotte Hüser (Autor:in), 2017, Die Bedeutung der Selbstinszenierung für die Karriere eines Künstlers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510262