Die Bedeutung der Selbstinszenierung für die Karriere eines Künstlers


Akademische Arbeit, 2017

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Summary

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.„Kunst ist, was ein Künstler tut“

3. Der Künstler
3.1 Der Verrückte: Jonathan Meese
3.2 Die Trendigen: Christian Rosa und Henning Strassburger

4. Die Rolle des Künstlers im historischen Verlauf
4.1 Der Künstler als Handwerker
4.2 Der Hofkünstler
4.3 Der moderne Künstler

5. Gründe für die Inszenierung
5.1 Die Vielzahl von Künstlern
5.2 Das voyeuristische Publikum
5.3 Das Internet

6. Die Preisbildung heutzutage

7. Die Künstlerkarriere

8. Jonathan Meeses Darstellung

9. Die bewusste Selbstinszenierung

10. Fazit

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Es ist auffällig, wie bekannt manche Künstlerpersönlichkeiten der neuen Generation geworden sind. Interessant ist, wie wichtig die Künstler heutzutage neben ihrem Werk sind und welche Rolle sie in der Öffentlichkeit beziehungsweise in den sozialen Medien einnehmen. Wenn man sich die Rolle des Künstlers im Laufe der Zeit ansieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass dieses Phänomen zur Selbstinszenierung der Künstler beiträgt und sich dessen Aufkommen erklären. Heutige Beispiele für eine gekonnte Inszenierung sind Jonathan Meese und Christian Rosa.

Summary

It is noticeable that some artists of the new generation have become very popular. The importance of the artist himself in addition to their work seems to have grown and has, particularly because of the social medias, changed during the last decades. Looking at the trend of the role of the artist in history you can see how this phenomenon has contributed to his self-staging. Current artists of recognizable self- staging-talent are for example Jonathan Meese and Christian Rosa.

1. Einleitung

Spätestens seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat eine stete Erweiterung des Kunstbegriffes stattgefunden. Die klassischen Kategorien Malerei, Bildhauerei und Grafik haben an Bedeutung verloren, sie sind lediglich ein Stilmittel unter vielen, um Aussagen eines Künstlers zu vermitteln. Die "neuen" Künstler traten nun mit "Konzeptkunst" auf, veranstalteten "Happenings" und schufen "Installationen". Parallel dazu gewann die Person des Künstlers, sein Auftreten in der Öffentlichkeit und seine Aussagen und politische Haltung an Bedeutung.

Allgemein ist „Künstler“ ist eine Berufsbezeichnung, beziehungsweise eine Tätigkeit bei der eine Person auf kreative Art und Weise Kunstwerke schafft - vorerst unabhängig davon, ob er damit seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte oder nicht (vgl. §2 Gesetz über die Sozialversicherung der selbständigen Künstler und Publizisten (Künstlersozialversicherungsgesetz - KSVG)).

Zu der neuen Generation bekannter Künstler der bildenden Kunst, mit denen ich mich beschäftigen möchte, zählen unter anderem Jonathan Meese, Christian Rosa und Henning Strassburger. Sie sind Beispiele für Künstler, die besonders durch die Präsentation ihrer Person in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Meine These ist, dass das in der Öffentlichkeit präsentierte Bild des Künstlers einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg seiner Werke hat, dass selbstgeschaffene Bild seiner Person zu einem Teil seiner Kunst wird und dass das eine ohne das andere nicht mehr denkbar ist.

2. „Kunst ist, was ein Künstler tut“

Mit der Erweiterung des künstlerischen Schaffensbereichs ging einher, dass sich das Kunstwerk nicht mehr ohne weiteres aus sich selbst heraus erklärt. Waren noch die Seerosen von Claude Monet unschwer als solche zu erkennen und allein die Darstellungsart Thema der Auseinandersetzung, so war der "Fettstuhl" von Joseph Beuys 1964 nicht mehr ohne weitere Erklärung zu "verstehen". Für die Interpretation des Werkes begann man den Lebenslauf, die Geschichte eines Künstlers heranzuziehen.

Heute spielt darüber hinaus unter anderem seine politische Haltung oder sein Blick auf die Welt eine ganz entscheidende Rolle. Es scheint, als ob das Werk erst dadurch Bedeutung erlangt, dass es von einem bestimmten Künstler mit einer bestimmten Haltung geschaffen wurde. Es liegt nahe, dass dieser Umstand dazu führt, dass sich der Künstler heute - in einer übermäßig medialen Welt - der Öffentlichkeit gegenüber versucht, als besonders extravagant oder auch provokant darzustellen.

Alltagsgegenstände (wie das Pissoir, "Fountain", von Duchamp von 1917, aber auch der "Fettstuhl" von Beuys), die von einem Künstler geschaffen oder auch nur signiert wurden, werden hierdurch zu "Kunstwerken", sie erhalten einen Wert, der weit über den des Gegenstandes hinausgeht. „Objekte der Kunst existieren nicht unabhängig von den Möglichkeiten ihrer Wahrnehmung als Objekte der Kunst“ (Seel, 2007, in: Müller- Jentsch, 2011, S. 15). Oder wie Bruce Nauman sagte: „Kunst ist, was ein Künstler tut“ (Nauman, S. 93).

3. Der Künstler

Die Frage ist nun, wer ein solcher Künstler ist, der die Macht besitzt, eine solche Wertveränderung hervorzurufen und was diesen Künstler als Person ausmacht.

Die Gesellschaft wird mit einem gewissen Künstlerbild sozialisiert und hat dementsprechend Erwartungen an die Person des Künstlers. Es wird zum Beispiel eine „nie versiegende Schöpferkraft, künstlerische Berufung, außeralltägliche Gaben und physisches Leiden für die Kunst“ erwartet (Von Bismarck, 2010). Wir gehen von bestimmten Stereotypen von Künstlern aus, die sich zum Beispiel durch eine bestimmte Lebensart, ein spezielles Aussehen und besondere Kleidung oder eine individuelle politische Einstellung auszeichnen (Van den Berg; Pasero, 2013). Demnach stellen sich viele Menschen Künstler als unkonventionelle und introvertierte, vielleicht etwas verrückte Außenseiter und Träumer vor. Diese - sicher etwas naive Vorstellung – erhält durch die Künstler der jungen Generation neue Fassetten: Anstelle des introvertierten Künstlers tritt heute der extrem extrovertierte Künstler in die Öffentlichkeit. Und anstatt verträumt zu sein, managend er geschickt die eigene Vermarktung.

3.1 Der Verrückte: Jonathan Meese

Einer dieser neuen Künstler ist Jonathan Meese (geb. 1970, Tokio). Er ist ein deutscher Künstler, der nicht nur Malerei, Skulpturen und Collagen, sondern auch Performances, Installationen, Videos und Theaterstücke schafft. Zu seinen - häufig sehr provokanten - Werken nimmt er stets Stellung und erklärt seine Idee von Kunst bzw. was genau er mit seinen Werken übermitteln möchte. Er entspricht dem klassischen Stereotypen und Künstlerbild bestens. Seine Erkennungsmerkmale sind z.B. seine Heavy- Metal- Frisur, der ausgefranste Ziegenbart, die Adidas-Jacke, die Schlaghose und der Ledermantel. Seine Kleidung ist überwiegend schwarz. Häufig tritt er gemeinsam mit seiner Mutter auf. In seinen selbstgedrehten Videos, die er auf seiner Internetseite (www.jonathameese.com) veröffentlicht, kommt seine exzentrische Art besonders gut zum Ausdruck. Er springt von einer Leinwand zur anderen, singt und malt scheinbar alles, was ihm in den Sinn kommt mit den Fingern oder direkt aus der Tube auf die großen Leinwände. Manchmal trägt er dabei auch ein, dem typischen Künstlerbild entsprechendes, weißes, mit Farben bekleckstes Hemd (Meese, 2007).

3.2 Die Trendigen: Christian Rosa und Henning Strassburger

Ein anderes Beispiel für einen zeitgenössischen erfolgreichen Künstler ist Christian Rosa (geb. 1982, Rio de Janeiro), welcher jedoch gerade nicht dem klassischem Stereotyp entspricht. Sein äußeres Erscheinungsbild ist, ähnlich wie bei Meese, sorgfältig insziniert: Oft trägt er eine rote Mütze, sowie die dazu passenden Socken und präsentiert seine tätowierten Oberarme. Als Universaltalent sorgt er nicht nur als Maler, sondern auch als DJ und Gastgeber auf Partys für eine ausgelassene Atmosphäre und prominente Gäste. Außerdem arbeitet er mit der Modebranche zusammen. Im Frühling/ Sommer 2015 wurde er für das Modemagazin „l‘ Officiell Hommes“ abgelichtet. Er ist im Ergebnis vor allem dadurch bekannt, dass er diesen am Zeitgeist orientierten Lebensstil repräsentiert und weniger durch seine nicht sonderlich außergewöhnlichen weiß-beigen Leinwände mit bunten Linien.

Auch Henning Strassburger (geb. 1983, Meißen) entspricht seinem Äußeren nach nicht dem oben geschilderten Stereotypen, viel mehr tritt er mit braver Frisur und bürgerlichem Anzug auf. Dieses Erscheinungsbild wurde ihm während seiner Studienzeit von seinen Professoren als Hindernis für eine erfolgreiche Karriere attestiert (Späth, 2016). Doch mittlerweile ist Strassburger einer der Hauptvertreter einer neuen deutschen Malergeneration. Er ist für seine abstrakten, großformatigen Leinwandbilder bekannt, allerdings auch für sein Äußeres. Er gilt als ein „It-Boy“ in der Kunstszene (Späth, 2016).

Alle drei Beispiele lassen erkennen, dass die Künstler heute gewillt sind ihre Karriere als Künstler durch eine wirkungsvolle Inszenierung ihrer Person zu unterstützen. Dabei ist auch der Aspekt des Wiedererkennungs- und Alleinstellungsmerkmal nicht nur im Werk, sondern auch in der Person des Künstlers von Bedeutung.

4. Die Rolle des Künstlers im historischen Verlauf

Auch aus der Vergangenheit sind uns extravagant auftretende Künstler zahlreich bekannt. Man denke an Salvador Dalis gezwirbelten Schnurrbart, Frida Kahlos traditionelle Kleidung und ihre starken Augenbrauen oder Andy Warhols weiß-blonde Perücke. Bei all diesen Menschen hatte man bisher das Gefühl, dass dieses extravagante Erscheinungsbild auf gewisse Weise natürlich war und zu ihrer Künstlerpersönlichkeit gehörte. Heute allerdings gewinnt man den Eindruck, dass die Künstler verstanden haben, dass sie ihr eigenes Bild zur Vermarktung ihrer Kunst einsetzen können und sich deshalb bewusst in der Öffentlichkeit inszenieren.

Es hat eine Art Gewichtsverschiebung stattgefunden. Während früher nur das Werk zählte, wiegt heute der Auftritt des Künstlers neben seinem Werk immer schwerer. Um dieses Phänomen zu verstehen, soll die Rolle des Künstlers im historischen Verlauf betrachtet werden.

4.1 Der Künstler als Handwerker

Vom Altertum bis ins Mittelalter waren Künstler bloß namentlich unbekannte Handwerker. Sie wurden durch eine langjährige Ausbildung geschult und setzten die Ideen ihrer Auftraggeber – meist die Kirche oder der Staat - um (Müller- Jentsch, 2011). Die Werke wurden selten signiert und der Künstler trat hinter seinem Werk als „anonymer Meister“ zurück. Er lebte in der vollkommenen Abhängigkeit seines Auftraggebers und wurde zumeist nur für die Kosten des Arbeitsmaterials vergütet. (Müller- Jentsch, 2011).

4.2 Der Hofkünstler

Im 15. Jahrhundert wandelte sich die Einstellung gegenüber der Kunst ein wenig und diese erlangte als artes liberales ein höheres gesellschaftliches Ansehen. Der Künstler erlebte einen sozialen Aufstieg und wurde als frei Schaffender zunehmend selbstbewusster. Diese bewusste Selbstwahrnehmung als Künstler verbildlicht sich in den außergewöhnlichen Selbstportraits von Albrecht Dürers (z.B. von 1498 und 1500) und Sandro Botticellis (um 1475). Gegen Ende des Mittelalters, zu Beginn der Neuzeit wurden die Künstler an den Hof gerufen und erhielten Privilegien und Titel. Ihre Einzigartigkeit wurde stark wertgeschätzt (Müller- Jentsch, 2011).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Selbstinszenierung für die Karriere eines Künstlers
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V510262
ISBN (eBook)
9783346088680
ISBN (Buch)
9783346088697
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, selbstinszenierung, karriere, künstlers
Arbeit zitieren
Charlotte Hüser (Autor), 2017, Die Bedeutung der Selbstinszenierung für die Karriere eines Künstlers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510262

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